Nach der Schließung des Nibelungenmuseums im April 2024 plant das Museum der Stadt Worms im Andreasstift die sukzessive Integrierung der Nibelungen-Thematik in sein künftiges Ausstellungs- und Vermittlungskonzept.
Ab Sommer 2026 zeigt das Museum in einer Interimspräsentation die vielschichtige Handlung des Nibelungenlieds in Wort und Bild und offeriert Basisinformationen zum Nibelungen-Stoff. Auf die in Worms angesiedelten Liedszenen wird dabei im Besonderen eingegangen.
Die Vorträge der Nibelungenlied-Gesellschaft im Rahmen der Nibelungen-Festspiele 2026
Moderation: Prof. Dr. Andrea Sieber (Universität Passau)
Wormser Kultur- und Tagungszentrums,
Liebfrauensaal, Rathenaustr. 11, jeweils um 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei
Mittwoch, 22. Juli 2026
Prof. Dr. Nine Miedema (Universität des Saarlandes)
Kriemhild im Nibelungenlied – Rollen und Grenzüberschreitungen
Im mittelalterlichen Nibelungenlied prägt Kriemhild von der ersten bis zur letzten Aventiure das Geschehen. Ihr gegenüber stehen aber mächtige männliche Protagonisten. Dass das Epos keine psychologische Entwicklung Kriemhilds skizziert, erschwert die heutige Beurteilung ihrer Handlungsweise. Wie funktioniert das intrikate Spiel weiblicher und männlicher Figurenrollen im Text? Wo/wie veranlasst das Verhalten anderer Figuren Kriemhild zu Grenzüberschreitungen – die wiederum zu Grenzüberschreitungen seitens der männlichen Figuren führen?
Donnerstag, 23. Juli 2026
Prof. Dr. Martin Baisch (Universität Hamburg)
Zwischen Aneignung und Fremdheit. Kriemhild in neueren Rezeptionen des Nibelungenliedes
Mit Ulrike Draesner und Felicitas Hoppe haben sich zwei der renommiertesten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur jüngst mit dem Nibelungen-Stoff auseinandergesetzt. Während Draesner 2016 für ihre Rezeption unter dem Titel Nibelungen. Heimsuchung die Form lyrischen Sprechens wählte, hat Hoppe 2021 für ihre Adaption die Romanform gewählt. Der Vortrag untersucht, wie beide Autorinnen die Figur Kriemhild auffassen und je unterschiedlich für eine heutige Rezeption formen.
Mittwoch, 29. Juli 2026
Dr. Lea Braun (Humboldt Universität zu Berlin)
Im Netz der Zukunft. Kriemhild als Objekt und Agentin von Voraussagen
Das Nibelungenlied ist ein zukunftslastiger Text. Von der ersten Strophe an liegt der kommende Untergang wie ein Schatten über den Geschehnissen. Neben den Voraussagen des Erzählers wird die Zukunft in Träumen und Prophezeiungen thematisiert, die teils handlungsbestimmend sind, teils wirkungslos bleiben. Kriemhild steht dabei im Zentrum: als Objekt der Voraussagen, als Wahrheitssuchende und als aktiv Handelnde. Der Vortrag untersucht Deutung, Manipulation und Abwehr von Voraussagen im Hinblick auf Kriemhilds Rolle.
Donnerstag, 30. Juli 2026
Dr. Detlef Goller (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
Alternativlos? Kriemhild bei den Hunnen
Jan-Dirk Müller beschreibt das Nibelungenlied als von einer „Poetik der abgewiesenen Alternative“ geprägt. Dies gilt in besonderer Weise für Kriemhilds Weg im zweiten Teil des Epos. Welche Handlungsoptionen werden im Text überhaupt entworfen? Gibt es Möglichkeiten, den Untergang aufzuhalten – oder wird er als alternativlos erzählt? Der Vortrag geht diesen und anderen Fragen anhand der Kriemhildfigur im Nibelungenlied und in ausgewählten Rezeptionen nach.
Die Welt der Nibelungen
Auf Schatzsuche mit der Badischen Landesbibliothek
Das Nibelungenlied gehört zu den berühmtesten Werken der Weltliteratur. Fast jeder hat schon einmal von Siegfrieds Kampf mit dem Drachen oder von Richard Wagners Opernzyklus gehört. Mit der ältesten und bedeutendsten Handschrift des Nibelungenliedes bewahrt die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe einen Schatz, so wertvoll wie der Hort der Nibelungen selbst. Als Fenster zur Vergangenheit ermöglicht uns die Handschrift aus dem 13. Jahrhundert einen Einblick in die Lebenswelt des Mittelalters – und ihre Lektüre verrät uns, was die Menschen bis heute an der Geschichte Siegfrieds und Kriemhilds fasziniert.
Virtuelle Ausstellung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe

„Uns ist in alten mæren wunders vil geseit“
So schrieb um 1200 ein großer Dichter des Mittelalters das Nibelungenlied und siedelte es in der damals historisch bedeutenden Stadt Worms am Rhein an.
Interessieren Sie sich für die Nibelungen?
1998 wurde die Nibelungenlied-Gesellschaft Worms e.V. aus der Taufe gehoben. Die literarische Gesellschaft hat sich die Erforschung und Förderung des Nibelungenliedes und verwandter Stoffe der europäischen Literatur zur Aufgabe gestellt.
Die Pläne und Arbeitsziele der Nibelungenlied-Gesellschaft:
- Wissenschaftliche Beschäftigung mit Text, Stoff, Rezeption und historischem Umfeld des Nibelungenlieds
- Planung und Durchführung von Veranstaltungen wie Symposien, Lesungen, Theateraufführungen, Konzerten etc.
- Herausgabe von Publikationen
- Aufbau und Betreuung einer stoffbezogenen Erlebniskultur in Worms
- Förderung von Nibelungenmuseum und Nibelungenfestspielen
- Koordination von stoffbezogenen Bürgerinitiativen
- Aufklärung über den politischen Missbrauch des Nibelungenstoffes sowie der gesamten germanischen und mittelalterlichen Überlieferung durch nationalistische, nationalsozialistische und neonazistischen bzw. rechtsextreme Propaganda.
Hier können Sie dem Verein beitreten
Introduction in English (Worms and the Nibelungenlied)
