{"id":681,"date":"2024-10-30T12:53:03","date_gmt":"2024-10-30T11:53:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?p=681"},"modified":"2024-10-30T12:53:03","modified_gmt":"2024-10-30T11:53:03","slug":"der-sagenheld-dietrich-und-sein-beiname-von-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/2024\/10\/30\/der-sagenheld-dietrich-und-sein-beiname-von-bern\/","title":{"rendered":"Der Sagenheld Dietrich und sein Beiname von Bern"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Beitrag fokussiert auf die sagengeschichtliche Entstehung des Helden Dietrich von Bern, insbesondere auf dessen Beinamen, und st\u00fctzt sich auf die Schriftlichkeitsthese, die in K\u00fcrze besagt, die Geschichte von Siegfried, Kriemhild, dem Schatz, dem Mord und der Rache sei erst um 1200 entstanden und beruhe ausschlie\u00dflich auf Handschriften und der Fantasie eines anonymen Dichters. Mit anderen Worten beginnt die Nibelungensage nach dieser These mit dem Nibelungenlied (NL), und alle anderen Varianten der Erz\u00e4hlung sind von diesem mittelhochdeutschen Epos abh\u00e4ngig.<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[1]<\/a> Das gilt zum Beispiel f\u00fcr die isl\u00e4ndische Lieder-Edda, deren Gedichte gew\u00f6hnlich in die Zeit vor dem Nibelungenlied datiert werden, manchmal sogar ins 8. Jahrhundert.<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a> Die M\u00fcndlichkeitsthese setzt mehrere Jahrhunderte ohne Schriftlichkeit voraus und postuliert, es sei m\u00f6glich, eine Erz\u00e4hlung in Zeit und Raum allein von Mund zu Ohr zu vermitteln. Da die Nibelungensage auf historischen Ereignissen aus dem 5. Jahrhundert beruht, gehen die Anh\u00e4nger der M\u00fcndlichkeitsthese davon aus, dass die Sage fast 800 Jahre nur m\u00fcndlich \u00fcberliefert wurde, sp\u00e4testens 300 Jahre nach dem Untergang des K\u00f6nigreichs der historischen Burgunder in Form k\u00fcrzerer Ges\u00e4nge vom Rhein nach Island gewandert war, dort noch 500 Jahre allein im Volksmund \u00fcberlebte, bis ein Kopist, der Schreiber des \u201aCodex Regius\u2018 mit der Lieder-Edda, einige St\u00fccke mit Pergament und Feder f\u00fcr die Ewigkeit rettete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anh\u00e4nger der M\u00fcndlichkeitsthese vermuten auch, dass verwandte Lieder fast ebenso lange im S\u00fcden von Generation zu Generation gesungen wurden, bis ein ziemlich fantasieloser Epiker, der Autor des Nibelungenliedes, sie zu einem h\u00f6fischen Epos mit \u00fcber 2000 Strophen verwandelte. Kurz nach der Verschriftlichung dieser uralten Sage soll ein anderer talentloser Autor dem Epos einen handlungsarmen, paargereimten Epilog angeh\u00e4ngt haben, die Klage (KL).<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[3]<\/a> Das ist die \u201aZwei-Autoren-These\u2018, die erstmals 1803 von August Wilhelm Schlegel formuliert wurde.<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[4]<\/a> Vorher bestand Konsens dar\u00fcber, dass der am Ende der Klage genannte Meister Konrad beide Teile der Geschichte gedichtet hatte. Das Hauptargument f\u00fcr die \u201aZwei-Autoren-These\u2018 ist die formale Diskrepanz zwischen den beiden Teilen der Erz\u00e4hlung. Das Nibelungenlied ist wie ein Minnelied in Strophen gegliedert, die Klage besteht wie ein Roman aus ungegliederten Paarreimen. Alle sind sich darin einig, dass beide Teile zeitnah aneinander entstanden. Nur trauen die meisten Forscher dem Autor des Nibelungenliedes nicht die formale K\u00fchnheit zu, nach dem Ende des strophischen Epos einen Epilog in gew\u00f6hnlichen Paarreimen gedichtet zu haben. F\u00fcr eine Doppeldichtung aus einer einzigen Feder und einem einzigen Guss sprechen die Handschriften. Das Nibelungenlied und die Klage sind fast immer zusammen \u00fcberliefert, insbesondere in den drei \u00e4ltesten Textzeugen aus dem 13. Jahrhundert, den Handschriften ABC.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst Laien ohne Kenntnis der Nibelungenforschung kennen meist die M\u00fcndlichkeitsthese und gehen deshalb davon aus, dass germanische Barden in Sp\u00e4tantike und Fr\u00fchmittelalter ein hervorragendes Ged\u00e4chtnisverm\u00f6gen besa\u00dfen, lange Lieder \u00fcber Drachent\u00f6ter und Hunnen vortrugen und au\u00dferordentlich aufmerksame Zuh\u00f6rer hatten, denn diese bewahrten angeblich die historischen Ereignisse von Generation zu Generation, ohne ein einziges Wort aufzuzeichnen. Die M\u00fcndlichkeitsthese l\u00e4sst sich weder beweisen noch widerlegen. Sie beruht auf reinem Glauben, denn mittelalterliche M\u00fcndlichkeit ist heute f\u00fcr immer verstummt und deshalb nicht mehr empirisch zu analysieren. Ton kann erst seit dem 19. Jahrhundert bewahrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schriftlichkeitsthese l\u00e4sst sich auch nicht beweisen. Sie hat blo\u00df den Vorteil, nichts Verlorenes oder Verstummtes und kein \u00fcbermenschliches, kollektives Ged\u00e4chtnisverm\u00f6gen zu postulieren. Sie geht schlicht davon aus, dass Leute fr\u00fcher das verga\u00dfen, was sie nicht notierten, genauso wie heute. Die Schriftlichkeitsthese hat eine unmittelbare Konsequenz f\u00fcr Dietrich von Bern. Wenn dieses Modell bevorzugt wird, wurde diese Gestalt vom Autor der Doppeldichtung erfunden und trat erstmals in Nibelungenlied und Klage in Erscheinung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die Schriftlichkeitsthese l\u00e4sst sich unmittelbar einwenden, dass dieser Sagenheld nicht ganz frei erfunden wurde. Er hat n\u00e4mlich ein einleuchtendes historisches Vorbild, den ostgotischen K\u00f6nig Theoderich den Gro\u00dfen. Dieser starb im Jahr 526 und f\u00fchrte einen Namen, der sich lautgeschichtlich zu Dietrich entwickelte. Au\u00dferdem ist er mit der norditalienischen Stadt Verona verbunden, die zur Zeit des Nibelungenliedes auf Deutsch Bern genannt wurde. Mit anderen Worten hatte der Autor des mittelhochdeutschen Epos durch irgendwelche Quelle Kenntnis des damals l\u00e4ngst verstorbenen ostgotischen K\u00f6nigs. Es bestehen nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder entstanden im Fr\u00fchmittelalter Lieder \u00fcber Theoderich den Gro\u00dfen und wanderten 700 Jahre von Mund zu Ohr, ohne den Namen des K\u00f6nigs zu entstellen, bis der Autor des Nibelungenliedes ein solches Lied h\u00f6rte und dessen Inhalt f\u00fcr sein strophisches Epos benutzte. Oder dieser Autor konnte lesen, verstand Latein, hatte Zugang zu einer reich ausgestatteten Bibliothek und integrierte den historischen K\u00f6nig unter dem Namen \u201aDietrich von Bern\u2018 in seine tragische Dichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Anh\u00e4nger der M\u00fcndlichkeitsthese m\u00f6gen hier einwenden, Dietrich von Bern sei ein grober Anachronismus. Sie haben Recht, denn die Grundlage der Nibelungensage ist tats\u00e4chlich der Untergang eines historischen burgundischen K\u00f6nigreichs am Rhein im Jahr 436. Damals herrschte Attila (\u2020 453) als K\u00f6nig \u00fcber die Hunnen irgendwo an der Donau, wie im Nibelungenlied. Der historische Kern der Sage l\u00e4sst sich also eindeutig in die erste H\u00e4lfte des 5. Jahrhunderts verlegen. Damals war Theoderich der Gro\u00dfe noch nicht geboren. Die Historiker kennen zwar sein genaues Geburtsjahr nicht, situieren es aber um 451. Als S\u00e4ugling kann Theoderich zur Not Attila getroffen haben. Dagegen ist eine Begegnung mit Gundicharius v\u00f6llig ausgeschlossen, denn dieser K\u00f6nig starb mindestens 15 Jahre vor Theoderichs Geburt. Die Anh\u00e4nger der M\u00fcndlichkeitsthese f\u00fchren den Anachronismus auf eine zuf\u00e4llig entstellende, jahrhundertlange M\u00fcndlichkeit zur\u00fcck. Die Anh\u00e4nger der Schriftlichkeitsthese trauen dem Dichter des Nibelungenliedes Fantasie zu, schlie\u00dfen Zufall aus, nehmen dichterische Freiheit an und behaupten bewusste ahistorische Vermischung der realen Fakten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Epos enth\u00e4lt noch schlimmere Anachronismen, denn das historische Vorbild f\u00fcr die Isl\u00e4nderin Br\u00fcnhild ist die Frankenk\u00f6nigin Brunechild, und sie starb erst 613. In diesem Fall weist die literarische Figur nicht die geringste biographische Gemeinsamkeit mit ihrem mutma\u00dflichen Vorbild auf und muss trotzdem nach der historischen Frankenk\u00f6nigin gestaltet worden sein, denn die Namensgleichheit springt ins Auge, und Brunechild hat keine bekannte Namensschwester in der realen Geschichte. Die Frankenk\u00f6nigin herrschte \u00fcber ein Gebiet, das Burgund hie\u00df, wie dasjenige, wo die Isl\u00e4nderin durch ihre Heirat mit Gunther K\u00f6nigin wird, aber das literarische Burgund liegt am Rhein, w\u00e4hrend das Burgund der Frankenk\u00f6nigin in seiner Mitte von der Rh\u00f4ne durchflossen wurde. Wie die beiden Frauen haben ihre Gebiete nur den Namen gemeinsam. \u00dcber den Vornamen und das Gebiet hinaus hat die isl\u00e4ndische K\u00f6nigin vor allem den Charakter ihrer historischen Namensschwester \u00fcbernommen. Die Frankenk\u00f6nigin Brunechild galt in der Geschichtsschreibung als Inbegriff der Bosheit<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a> und teilt dieses Laster mit Br\u00fcnhild. Diese beauftragt Hagen mit der Ermordung des vorbildlichen Helden Siegfried und wird durch diese Schandtat verantwortlich f\u00fcr das tragische Ende und den Untergang eines ganzen Volks. Mit Ausgangspunkt in der Schriftlichkeitsthese wurde die literarische Gestalt Br\u00fcnhild vom Autor des Nibelungenliedes in \u00e4hnlicher Weise wie Dietrich von Bern erfunden und vor 1200 in keinem verstummten germanischen Lied besungen. Der Dichter des Epos bediente sich in beiden F\u00e4llen historischer Vorlagen, die ihm in Pergament vorlagen und die er in einer stillen Kammer las. Die Namen \u201aBrunechild\u2018 und \u201aBurgund\u2018 und die Bosheit der K\u00f6nigin wurden mit anderen Worten in Zeit und Raum durch stumme Handschriften \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut der Schriftlichkeitsthese wurde die historische Grundlage der sp\u00e4teren Sage nicht von Mund zu Ohr \u00fcberliefert, wie von den Anh\u00e4ngern der M\u00fcndlichkeitsthese vermutet, sondern von Pergament zu Auge. Im Unterschied zu gesungenen Liedern haben Handschriften den riesigen Vorteil, ohne menschliche Unterst\u00fctzung Jahrhunderte \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Ein gutes Beispiel f\u00fcr die Dauerhaftigkeit von Handschriften ist das Nibelungenlied. Die j\u00fcngste bewahrte Handschrift mit dem Epos ist das \u201aAmbraser Heldenbuch\u2018. Dieser Codex entstand im Auftrag Maximilians I. zwischen 1504 und 1516. Zwischen dieser Aufzeichnung und der Wiederentdeckung des Epos in Hohenems 1755 verliefen rund 250 Jahre. In diesem Zeitraum, der rund zehn Generationen entspricht, war das Epos v\u00f6lligem Vergessen anheimgefallen und wurde von niemandem gelesen, geschweige denn gesungen. W\u00e4re das Nibelungenlied nicht in Handschriften bewahrt gewesen, h\u00e4tte Deutschland heute ein anderes Nationalepos, und Worms w\u00e4re nicht Mittelpunkt einer weltber\u00fchmten Sage. Wenn der Dichter des Epos eine in Spanien geborene Frankenk\u00f6nigin, die im heutigen Frankreich herrschte und erst im 7. Jahrhundert starb, in eine athletische Isl\u00e4nderin verwandelte, die vor dem Untergang des rheinischen Burgunderreichs einen K\u00f6nig von Worms heiratete, ging er mit den historischen Fakten \u00e4u\u00dferst frei um.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein extremer Fall von Anachronismus ist Kriemhilds Onkel Pilgrim, die im Nibelungenlied als Bischof von Passau auftritt. Nur ein einziger historischer Bischof dieser Stadt hat so gehei\u00dfen, und er starb erst 991, 555 Jahre nach Gundicharius, Gunthers Vorbild, 538 Jahre nach Attila, Etzels Vorbild, 465 Jahre nach Theoderich, Dietrichs Vorbild, und 378 Jahre nach Brunechild, Br\u00fcnhilds Vorbild. F\u00fcnf historische Gestalten aus vier verschiedenen Jahrhunderten treten also im Epos als Zeitgenossen auf. Die Anh\u00e4nger der M\u00fcndlichkeitsthese erkl\u00e4ren die augenf\u00e4lligen Anachronismen durch Zufall und gehen davon aus, dass S\u00e4nger und Zuh\u00f6rer im Laufe der Zeit die Fakten durch unverl\u00e4ssliches Ged\u00e4chtnis entstellten. Die Anh\u00e4nger der Schriftlichkeitsthese dagegen erkl\u00e4ren die Anachronismen durch Absicht und dichterische Freiheit und gehen davon aus, dass der anonyme Autor des Epos Gestalten aus ferner Vergangenheit bewusst zusammenf\u00fchrte, um seinen Zeitgenossen eine symbolische Botschaft zu vermitteln, und zwar eine Botschaft \u00fcber seine eigene Gegenwart und die Lage des Heiligen R\u00f6mischen Reichs um 1200. F\u00fcr Pilgrim liegt es auf der Hand, dass er den mutma\u00dflichen Auftraggeber Bischof Wolfger von Erla verk\u00f6rpert. Wolfger war um 1200 gerade von einer Pilgerfahrt ins Heilige Land zur\u00fcckgekehrt und amtierte im selben Bistum wie sein historischer Namensvetter. 1204 verlie\u00df Wolfger das Bistum Passau, um s\u00fcdlich der Alpen Patriarch von Aquileia zu werden. Diese Abreise findet vielleicht ihren Niederschlag in der Klage.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen allgemeinen theoretischen Bemerkungen zur Entstehung der Nibelungensage wird Dietrich von Bern im Folgenden im Fokus stehen. Auf die historischen Texte, die f\u00fcr die Gestaltung dieser Figur dem Dichter von Nibelungenlied und Klage in Handschriften vorlagen, ist zur\u00fcckzukommen. Zun\u00e4chst ist auf diese Doppeldichtung einzugehen. Dabei wird die vielf\u00e4ltige, hochkomplexe, nach der Schriftlichkeitsthese erst im 13. Jahrhundert entstandene Dietrich-Epik nicht ber\u00fccksichtigt. Daf\u00fcr verf\u00fcgen wir \u00fcber ein \u00fcberaus praktisches Handbuch, Elisabeth Lienerts Dietrich-Testimonien.<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[6]<\/a> In diesem Buch werden 352 Textzeugnisse aus der Zeit zwischen 395 und 1600 in chronologischer Reihenfolge verzeichnet und sorgf\u00e4ltig beschrieben.<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[7]<\/a> Die aus Nibelungenlied und Klage bestehende Doppeldichtung erscheint nach der \u201aZwei-Autoren-These\u2018 getrennt als Nr. 109 und Nr. 110. Beide Teile werden von Lienert genau derselben Entstehungszeit, genau demselben Entstehungsraum und genau demselben Auftraggeber zugeordnet. Ihr zufolge entstanden sowohl das Epos als auch der Epilog zwischen 1191 und 1204, \u201ewohl im Umfeld des bisch\u00f6flichen Hofes in Passau\u201c.<a href=\"#_edn8\" id=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Beide Eckdaten entsprechen Wolfgers Amtszeit in Passau. Im November 1203, wenige Monate vor seiner Abreise nach Italien, nahm Wolfger in Wien an der Hochzeit des Herzogs Leopold VI. von \u00d6sterreich teil. Dieses historische Ereignis kann im Epos seinen Niederschlag gefunden haben, denn auch Kriemhild und Etzel heiraten in Wien, und beide Hochzeitsfeste haben genau dieselbe Dauer, 17 Tage (NLB 1364). Wenn der anonyme Epiker mit Kriemhilds Hochzeit auf Leopolds Hochzeit anspielt, haben wir ein weiteres Beispiel f\u00fcr sein literarisches Verfahren. Er verlegte zwar implizit die Handlung in ein heroisches Zeitalter, das wir aufgrund historischer Zeugnisse mit der Sp\u00e4tantike identifizieren k\u00f6nnen, aber gewisse Motive beziehen sich bei n\u00e4herer Betrachtung auf seine eigene unmittelbare Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Anspielungen machen keineswegs das Epos zu einer koh\u00e4renten Schl\u00fcsselerz\u00e4hlung, wie etwa Das Treffen in Telgte.<a href=\"#_edn9\" id=\"_ednref9\">[9]<\/a> In dieser Erz\u00e4hlung beschreibt G\u00fcnther Grass ein fiktives Treffen von Barockschriftstellern, das 1647 theoretisch h\u00e4tte stattfinden k\u00f6nnen. Grass h\u00e4lt sich dabei enger an den vorgegebenen historischen Rahmen als der Autor des Nibelungenliedes, aber \u00e4hnlich wie sein anonymer Vorg\u00e4nger stellt er seine eigene Gegenwart verschl\u00fcsselt dar, und zwar das Treffen der \u201aGruppe 47\u2018 nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither bem\u00fcht sich die Forschung um die Entschl\u00fcsselung der Barockschriftsteller und erkennt beispielsweise Grass in der literarischen Figur Grimmelshausen. So gek\u00fcnstelt ist das Nibelungenlied nicht gestaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Epos erfuhr einen blitzschnellen Erfolg, der bis ins fr\u00fche 16. Jahrhundert andauerte. Erstes Rezeptionszeugnis ist wohl die Nibelungenpassage im 8. Buch von Wolframs Parzival aus den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts (420,22\u2013421,10).<a href=\"#_edn10\" id=\"_ednref10\">[10]<\/a> Die zeitgen\u00f6ssischen Dichter reagierten also auf das Epos unmittelbar nach dessen Entstehung. W\u00e4hrend Wolfram nur dadurch auf das Nibelungenlied reagierte, dass er auf den Rat des K\u00fcchenmeisters Rumold Bezug nahm, keine gef\u00e4hrliche Reise in den Osten zu unternehmen, \u00fcbernahmen andere Autoren die Dietrich-Gestalt in ihre jeweiligen Texte. Dietrich tritt in mehr als zehn epischen Texten als Haupt- oder Nebenfigur auf. Zum Beispiel kommt ihm im Rosengarten von Worms die Ehre zu, den letzten der zw\u00f6lf Zweik\u00e4mpfe gegen den hornbedeckten, fast unverwundbaren Siegfried anzutreten. Er gewinnt sogar das Duell. In der norwegischen, vielleicht auf einer verlorenen deutschen Dietrich-Kompilation beruhenden Thidrekssaga ist er unter der nordischen Namensform Thidrek der Protagonist, ebenso in der j\u00fcngeren schwedischen Didrikskr\u00f6nikan, die als \u00dcbertragung der norr\u00f6nen Saga entstand. In f\u00fcnf noch j\u00fcngeren d\u00e4nischen Balladen aus der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts hei\u00dft er immer noch Didrik und kommt immer noch aus Bern.<a href=\"#_edn11\" id=\"_ednref11\">[11]<\/a> Fest steht, dass seine sagenhafte Herkunft erstmals im Nibelungenlied belegt ist. Diese Herkunft ist im Folgenden zu er\u00f6rtern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Epos betritt Dietrich die B\u00fchne ziemlich sp\u00e4t und findet erstmals Erw\u00e4hnung in der 22. Aventiure als Gefolgsmann von K\u00f6nig Etzel bei dessen Begegnung mit Kriemhild in Tulln kurz vor der Hochzeit. Im Gegensatz zu den Burgunden, die alle am Ende des Epos sterben, \u00fcberlebt Dietrich, bleibt im Vordergrund bis zum Ende der Klage und gewinnt immer mehr an Bedeutung im Laufe der Doppeldichtung. Seine Bedeutung l\u00e4sst sich mit der \u201aMittelhochdeutschen Begriffsdatenbank\u2018 quantitativ genau bestimmen. Diese Datenbank verzeichnet alle Belege eines Worts in den drei Hauptfassungen des Epos und in der A-Fassung der Klage. Das gilt auch f\u00fcr Propria. An der Zahl der Belege ist Kriemhild die Hauptperson vor Hagen, Siegfried, Gunther, Etzel und R\u00fcdiger. Dietrich kommt mit 144 A-Belegen auf Platz 7 vor Br\u00fcnhild, die zwischen Siegfrieds Tod und der Ank\u00fcndigung des Burgundenuntergangs in Worms durch den S\u00e4nger Swemmel von der B\u00fchne verschwindet.<a href=\"#_edn12\" id=\"_ednref12\">[12]<\/a> Fast die H\u00e4lfte der Dietrich-Belege sind in der Klage zu finden. Hier wird sein Name h\u00e4ufiger genannt als derjenige von Etzel. Nur Kriemhild ist quantitativ bedeutsamer und behauptet durch diese posthumen Nennungen ihren Status als Hauptperson der Klage. Von diesen acht Hauptpersonen f\u00fchren nur drei einen festen Beinamen, und zwar Hagen von Tronege, R\u00fcdiger von Bechelarn und Dietrich von Bern. An der Zahl der Belege f\u00fcr den Beinamen kommt Dietrich auf Platz 2 vor R\u00fcdiger.<a href=\"#_edn13\" id=\"_ednref13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Lokalisierung von Hagens Heimat hat die Forschung viel spekuliert, weniger \u00fcber den unmittelbaren phonetischen Sinn des mittelhochdeutschen Wortes Tronege, das vermutlich eine Neusch\u00f6pfung des Nibelungenlied-Dichters ist. Es kann unproblematisch als Zusammensetzung von mhd. tron und mhd. ege gedeutet werden, \u00e4hnlich wie Sifrit als Zusammensetzung von mhd. sic und mhd. frit verstanden werden kann. Daf\u00fcr muss nur Ausfall des Auslauts [k] in sic vor zwei Konsonanten angenommen werden. Wie Siegfrieds Name \u201aSieg\u2018 und \u201aFrieden\u2018 andeutet, k\u00f6nnte Hagens Heimat \u201aThron\u2018 und \u201aSchrecken\u2018 suggerieren, denn das heute veraltete Femininum ege bedeutete damals \u201aFurcht\u2018 oder \u201aSchrecken\u2018. Hagen ist tats\u00e4chlich eine treue St\u00fctze des Throns und fl\u00f6\u00dft seinen Gegnern Schrecken ein. In \u00e4hnlicher Weise best\u00e4tigt Siegfried seinen Namen, indem er gegen den Drachen, die Sachsen und die D\u00e4nen siegt und dadurch den Frieden wiederherstellt. R\u00fcdigers Heimat Bechelarn erinnert stark an P\u00f6chlarn, l\u00e4sst sich aber bei n\u00e4herer Betrachtung auf der Enns-Ebene weiter westlich lokalisieren und beginnt in den Handschriften immer mit &lt;B&gt; wie Bern und Burgund, niemals mit &lt;P&gt; wie Passau und Polen. Die Haupthandschriften ABC unterscheiden scharf zwischen den beiden anlautenden Buchstaben &lt;B&gt; und &lt;P&gt;, obwohl sie vielleicht in der Mundart des Dichters undifferenziert ausgesprochen wurden, wie heute noch im oberdeutschen Raum. R\u00fcdigers Vorname kann phonetisch wie Sifrit als Zusammensetzung von mhd. r\u00fcde und mhd. ger verstanden werden. Er suggeriert also einen wilden Hund und einen Speer. Da R\u00fcdiger die letzte Silbe seines Vornamens mit Wolfger teilt und W\u00f6lfe zur Familie der Hunde geh\u00f6ren, ist der Markgraf von Bechelarn ein semantischer Doppelg\u00e4nger des mutma\u00dflichen Auftraggebers des Nibelungenliedes. R\u00fcdigers Heimat Bechelarn kann au\u00dferdem mit dem mhd. Diminutiv bechel (B\u00e4chlein) in Verbindung gebracht werden. Wolfger nannte sich von Erla nach der Erla, einem Nebenfluss der Donau, der nur ein kleiner Bach ist.<a href=\"#_edn14\" id=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Dietrich kommen vergleichbare Interpretationen in Frage. Sein Vorname ist ein Kompositum von mhd. diet und mhd. r\u00eech und bedeutet w\u00f6rtlich \u201areich an Volk\u2018. Die Figur lebt im Exil am Hunnenhof zusammen mit 600 Gefolgsleuten und ist deshalb \u201areich an Volk\u2018. Die genaue Zahl seiner Leute wird dreimal genannt (NLB 1870, 1992, KLB 325). Seine Heimat erinnert lautlich an das schwache mhd. Maskulinum ber (B\u00e4r) und k\u00f6nnte \u201aB\u00e4renst\u00e4rke\u2018 andeuten. An das schwache mhd. Verb bern (schlagen) ist auch zu denken, denn Dietrich tritt als schlagkr\u00e4ftiger K\u00e4mpfer auf und nimmt in der Schlussszene des Epos die letzten Burgunden, Hagen und Gunther, gefangen. Das mittelalterliche Publikum wird beim Ortsnamen Bern jedoch in erster Linie an die norditalienische Stadt Verona gedacht haben, denn sie hie\u00df auf Deutsch Bern. \u00c4hnlich wie Bechelarn lautlich zugleich an die Donaustadt P\u00f6chlarn und das mhd. Diminutiv bechel erinnert, k\u00f6nnte Dietrichs Heimat polysemantische Assoziationen erweckt haben. Seri\u00f6se Historiker bem\u00fchen sich darum, die Vergangenheit m\u00f6glichst treu festzuhalten, fantasievolle Dichter darum, die Realit\u00e4t unter dem Schleier einer imagin\u00e4ren Scheinwelt zu interpretieren. Sie suchen nach Sinngebung. Deshalb sind viele Propria in Nibelungenlied und Klage als sprechende Namen zu verstehen, nicht nur Sifrit aus der M\u00e4rtyrerstadt Xanten. Sie hei\u00dft im Epos Santen (NLB 18, 705) und f\u00e4ngt immer im Epos mit &lt;S&gt; an. Schon durch diese orthographische Wahl wird der Drachent\u00f6ter als Heiliger stilisiert. Er ist dazu noch ein semantischer Namensvetter des heiligen Viktor, Xantens Schutzpatron. Siegfried ist deshalb als Verdeutschung von Viktor zu versehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201aMittelhochdeutsche Begriffsdatenbank\u2018 beruht auf normalisierten Editionen ohne R\u00fccksicht auf die Handschriften. So hei\u00dft Siegfrieds Schwert heute \u201aBalmung\u2018, obwohl die Handschriften den Namen mehrheitlich mit &lt;P&gt; schreiben, \u00e4hnlich wie mhd. palme. Wenn das Original auch ein anlautendes &lt;P&gt; hatte, suggerierte Siegfrieds Waffe durch die phonetische Assoziation mit der symbolischen Palme \u201aSieg\u2018 und \u201aFrieden\u2018, \u00e4hnlich wie ihr Tr\u00e4ger.<a href=\"#_edn15\" id=\"_ednref15\">[15]<\/a> Deshalb lohnt es sich, die drei Haupthandschriften unter die Lupe zu nehmen. Sie enthalten je rund 50 Belege f\u00fcr Dietrichs Heimat, davon knapp ein Drittel in der Ableitung, die mit einer Endung den Einwohner bezeichnet, heute \u201ader Berner\u2018. Insgesamt haben die Handschriften ABC 159 Belege.<a href=\"#_edn16\" id=\"_ednref16\">[16]<\/a> Nur zweimal beginnt die Heimat mit &lt;P&gt; und nur in B. Der Kopist dieser Handschrift hat also offensichtlich zwei orthographische Fehler begangen. Es ist davon auszugehen, dass der Dichter im Original die Heimat akribisch mit &lt;B&gt; buchstabierte. Die Heimat erscheint immer im Dativ nach von und endet konsequent mit &lt;e&gt;. Das war h\u00f6chstwahrscheinlich auch der Fall in der Ableitung. Das &lt;e&gt; fehlt nur einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Was erfahren wir in Nibelungenlied und Klage konkret \u00fcber Dietrich? Er lebt als Exilf\u00fcrst am Hof des Hunnenk\u00f6nigs Etzel und ist mit Herrat, der Nichte von Etzels erster Frau Helche, verlobt. Er hat 600 Gefolgsleute, die Amelungen genannt werden. Er wird als ihr Vogt (NLB 1727, 1978, 2244) und K\u00f6nig (NLB 1978) bezeichnet. \u00dcber seine Vergangenheit vor dem Exil werden wir nie unterrichtet. Er lebt zusammen mit seinem alten Meistermeister Hildebrand, der ihm ins Exil gefolgt sein muss. Wie bemerkt, h\u00f6ren wir erst von Dietrichs Existenz, als Etzel seiner zweiten Ehefrau Kriemhild in Tulln begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p>So fasst Lienert seine Taten im zweiten Teil des Epos zusammen: \u201eDietrich warnt die auf Einladung Kriemhilds hin eintreffenden Burgunden vor der Rache der Hunnenk\u00f6nigin; dieser tritt er feindselig entgegen und lehnt es ab, sich f\u00fcr ihre Rachepl\u00e4ne einspannen zu lassen. Als nach dem Massaker an den burgundischen Knappen der Kampf in der Halle ausbricht, rettet er das K\u00f6nigspaar. In den Vernichtungsk\u00e4mpfen wahrt er Neutralit\u00e4t und untersagt seinen kampflustigen Gefolgsleuten noch nach R\u00fcdigers Tod den Griff zu den Waffen. Durch wechselseitige Provokationen zwischen dem Hitzkopf Wolfhart und Volker kommt es jedoch zum Kampf zwischen Burgunden und Amelungen, bei dem Dietrich au\u00dfer Hildebrand all seine Leute verliert. Dietrich beklagt seine Lage als gottverlassener \u201aarmer\u2018 Dietrich, strebt gegen\u00fcber den \u00fcberlebenden Burgunden, Gunther und Hagen, aber dennoch rechtlichen Ausgleich an \u2013 vergeblich: Hagen besteht auf Kampf. Dietrich siegt, nimmt Hagen und Gunther gefangen und liefert sie, mit der Bitte um Schonung, weinend an Kriemhild aus. Nachdem diese Gunther hat t\u00f6ten lassen und Hagen eigenh\u00e4ndig enthauptet hat und daf\u00fcr von Hildebrand in St\u00fccke gehauen wurde, steht Dietrich zusammen mit Etzel klagend vor den Tr\u00fcmmern seiner Welt.\u201c<a href=\"#_edn17\" id=\"_ednref17\">[17]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In der Klage steigt Dietrich zur Hauptperson auf. So f\u00e4hrt Lienert fort: \u201eNach einer moralisierenden Rekapitulation des Unheilsgeschehens im Nibelungenlied wird von der \u2013 haupts\u00e4chlich von Dietrich veranlassten \u2013 Bergung und Bestattung der Toten und den ausgiebigen Totenklagen berichtet. Dietrich tadelt Etzel f\u00fcr ma\u00dfloses Klagen und Tatenlosigkeit und wird seinerseits von Hildebrand zu pragmatischem Umgang mit dem Leid gemahnt. Die Ungl\u00fccksnachricht wird an die Hinterbliebenen \u00fcberbracht. Auf Hildebrands Rat hin bricht Dietrich mit diesem und mit seiner Verlobten Herrat zur R\u00fcckkehr nach Italien auf. Unterwegs tr\u00f6stet Dietrich R\u00fcdigers Tochter Dietlinde.\u201c<a href=\"#_edn18\" id=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In Bechelarn h\u00f6rt die eigentliche Handlung auf. Zum Schluss wird noch erkl\u00e4rt, dass Bischof Pilgrim die Ereignisse aufzeichnen lie\u00df. Dietrich hat insgesamt 48 Reden.<a href=\"#_edn19\" id=\"_ednref19\">[19]<\/a> Einmal werden seine Gedanken als innerer Monolog wiedergegeben. Im Epos sind die Reden kurz, im Epilog ufern sie zu rhetorischen Klagen aus. Dietrich h\u00e4lt insbesondere vier lange Reden, nachdem die Leichen von Kriemhild, Wolfhart, Giselher und R\u00fcdiger gefunden worden sind. Er spricht die Toten mit \u201adu\u2018 an, und seine Reden werden immer l\u00e4nger. Kriemhild lobt er in 20 (KLB 772\u2013791), Wolfhart in 45 (KLB 1693\u20131703, 1717\u20131750), Giselher in 41 (KLB 1791\u20131831) und R\u00fcdiger sogar in 64 Versen (KLB 1974\u20132037). Er hat in der Klage das letzte Wort. In seiner kurzen Schlussrede tr\u00f6stet er Dietlinde. Er redet in der Klage so viel, dass fast ein Zehntel der Verse aus seinen Reden besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl seine Heimat nie ausdr\u00fccklich in Italien lokalisiert wird, ist davon auszugehen, dass Dietrich nach der Einkehr in Bechelarn \u00fcber die Alpen reist. Eine \u00e4hnliche Reise unternahm Wolfger 1204, als er das Bistum Passau Richtung Aquileia verlie\u00df. Unterwegs muss er seine Stammburg an der Erla besucht haben. Dietrichs Endstation in der Klage f\u00e4llt also mit Wolfgers mutma\u00dflicher Endstation n\u00f6rdlich der Alpen zusammen. Es ist deshalb denkbar, dass Dietrich \u00e4hnlich wie R\u00fcdiger und Pilgrim den Auftraggeber des Epos verk\u00f6rpert. Mit dieser Deutung w\u00fcrden die drei Gestalten verschiedene Facetten der historischen Pers\u00f6nlichkeit widerspiegeln: Wolfger war zuerst deutscher Bischof und Lehnsmann, dagegen am Ende seines Lebens Italiener. Es ist vorstellbar, dass ihn der anonyme Dichter des Epos, vielleicht der geheimnisvolle Meister Konrad, nach Italien begleitete und dort das gro\u00dfe Werk vollendete. Eine Sp\u00e4tdatierung um 1204 ist mit der Rezeption, insbesondere Wolframs Nibelungenpassus, vereinbar und erlaubt die Interpretation von Kriemhilds Hochzeit als Anspielung auf diejenige des Herzogs von \u00d6sterreich im November 1203. W\u00e4hrend der R\u00fcckreise von Wien nach Passau schenkte Wolfger dem S\u00e4nger Walther von der Vogelweide einen teuren Wintermantel, wohl f\u00fcr Unterhaltung beim Hochzeitsfest. Es wird dagegen unbekannt bleiben, womit der Bischof den Dichter des Nibelungenliedes belohnte. Ein Epos muss unendlich mehr wert gewesen sein als ein kurzes Hochzeitslied.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend ist die Frage nach den Quellen f\u00fcr die Dietrich-Gestalt zu er\u00f6rtern. Daf\u00fcr stellt Lienerts Handbuch ein n\u00fctzliches Werkzeug dar. In der Einf\u00fchrung ist Folgendes zu lesen: \u201eDie Identifikation des Sagenhelden mit dem Ostgotenk\u00f6nig, Dietrichs von Bern mit Theoderich dem Gro\u00dfen, steht in den Zeugnissen nie in Frage, auch wenn bisweilen Fehler vorkommen, Verwechslungen oder auch absichtliche Gleichsetzungen mit anderen Tr\u00e4gern des Namens, insbesondere mit dem Westgotenk\u00f6nig Theuderich I., Attilas Gegner in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Die Namensform Dietrich bzw. Detricus, Tetricus, Ditricus ist in volkssprachlichen Zeugnissen seit dem althochdeutschen Hildebrandslied (\u2192 Nr. 505; \u0110eodric in den altenglischen Zeugnissen, ab etwa 8.\/9. Jahrhundert, \u2192 Nr. 38, 41, 52, 57, 58), im Lateinischen seit Metellus von Tegernsee (\u2192 Nr. 99) greifbar; den Beinamen von Bern, de Berne bzw. Veronensis f\u00fchrt der Held seit dem Anfang des 11. Jahrhunderts (Annales Quedlinburgenses, \u2192 Nr. 69).\u201c<a href=\"#_edn20\" id=\"_ednref20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Lienerts Dietrich-Testimonien stammen sowohl aus Geschichtsquellen als auch aus Fiktion, und beide Gattungen werden grunds\u00e4tzlich nicht unterschieden. Das Handbuch listet die Belege soweit wie m\u00f6glich in chronologischer Reihenfolge auf, versucht aber nur in begrenztem Ma\u00dfe intertextuelle Bez\u00fcge aufzudecken und geht von m\u00fcndlicher Sagenbildung vor dem Nibelungenlied aus. Obwohl das althochdeutsche Hildebrandslied erheblich \u00e4lter ist als das Epos und die Heimkehr einer Figur inszeniert, die denselben Namen f\u00fchrt wie Dietrichs Waffenmeister, wird gew\u00f6hnlich nicht vermutet, dass das kurze, stabreimende Lied oder eine j\u00fcngere Umdichtung dem Autor des Nibelungenliedes vorlag. Der Schriftlichkeitsthese zufolge war das der Fall. Nach diesem Modell besa\u00df der Epiker eine Handschrift mit irgendeiner Variante des Hildebrandsliedes, \u00fcbernahm den Namen des heimkehrenden Kriegers und denjenigen seines F\u00fcrsten und beschrieb, wo sie vor der Heimkehr waren und was sie dort machten. Zwischen dem stabreimenden, in einem Fragment aus der ersten H\u00e4lfte des 9. Jahrhunderts \u00fcberlieferten \u00c4lteren Hildebrandslied und dem strophischen, paargereimten, ab 1459 bezeugten J\u00fcngeren Hildebrandslied (Nr. 240) muss eine verlorene mittelhochdeutsche Variante existiert haben. Sie ist indirekt durch die norwegische Prosa der Thidrekssaga (Kap. 403\u2013411) und das Nibelungenlied belegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00c4lteren Hildebrandslied findet Dietrich dreimal Erw\u00e4hnung, jedes Mal ohne Beinamen. Dagegen ist Bern im J\u00fcngeren Hildebrandslied ausdr\u00fccklich das Ziel der Heimkehr, nach der Schriftlichkeitsthese wegen der Abh\u00e4ngigkeit dieser Dichtung vom Nibelungenlied. Die von Lienert genannten f\u00fcnf altenglischen Zeugnisse k\u00f6nnen dagegen aus geographischen, sprachlichen und kulturellen Gr\u00fcnden keinen Einfluss auf das mittelhochdeutsche Epos ausge\u00fcbt haben, denn der Autor des Nibelungenliedes scheint keine andere Sprache beherrscht zu haben als Deutsch und Latein. Ohnehin ist im s\u00fcddeutschen Sprachraum dieser Zeit unmittelbare Kenntnis englischer Literatur unwahrscheinlich. Endlich lokalisiert keines der englischen Dietrich-Testimonien die Heimat der Gestalt in Bern oder Verona.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten der 108 Dietrich-Testimonien vor dem Nibelungenlied stammen aus historischen Texten. In einigen von ihnen wird Dietrich nicht einmal mit Vornamen erw\u00e4hnt. Sie beziehen sich fast ausnahmslos auf den historischen K\u00f6nig Theoderich den Gro\u00dfen. Er war um das Jahr 451 in Pannonien, dem heutigen Ungarn, als Sohn des Theodemer, eines Angeh\u00f6rigen der gotischen Herrscherfamilie der Amaler, geboren. Als Achtj\u00e4hriger wurde er vom Bruder seines Vaters dem ostr\u00f6mischen Kaiser Leo I. als Geisel f\u00fcr die Einhaltung eines F\u00f6deratenvertrags \u00fcberstellt. In Konstantinopel verbrachte er zehn Jahre und erhielt dort seine Ausbildung. In die Heimat entlassen, zeichnete Theoderich sich in gewaltt\u00e4tigen Aktionen auf dem Balkan aus. Nach Theodemers Tod 474 folgte er diesem nach und etablierte sich in den Folgejahren gegen innergotische Rivalen als alleiniger Herrscher der pannonischen und thrakischen Goten, nunmehr Ostgoten. Im Einvernehmen mit dem ostr\u00f6mischen Kaiser Zeno zog er 488 mit seinen Ostgoten nach Westen gegen Odoaker, der den letzten westr\u00f6mischen Kaiser, Romulus Augustulus, abgesetzt und die Herrschaft \u00fcber Italien an sich gerissen hatte. Theoderich besiegte Odoaker in mehreren Schlachten, unter anderem bei Verona, und belagerte ihn fast drei Jahre lang in Ravenna. 493 t\u00f6tete er seinen Gegner eigenh\u00e4ndig bei einem Gastmahl und lie\u00df dessen Familie ausl\u00f6schen. Theoderichs Herrschaft brachte Italien jahrzehntelangen Frieden, politische Stabilit\u00e4t und kulturelle Bl\u00fcte. Er starb 526 an einer infekti\u00f6sen Erkrankung.<a href=\"#_edn21\" id=\"_ednref21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Nur drei Motive aus Theoderichs Leben spiegeln sich im Nibelungenlied wider. Zum ersten sind die literarischen Amelungen nach dem gotischen Geschlecht der Amaler benannt, dem Theoderich entstammte. Zum zweiten erinnert Dietrichs Exil am Hunnenhof an dasjenige des jungen Theoderich in Konstantinopel. Endlich scheint Dietrichs Heimat eine Reminiszenz an die Schlacht zu sein, bei welcher Theoderich Odoaker besiegte und die Herrschaft in Norditalien \u00fcbernahm. Der Ostgote residierte und herrschte haupts\u00e4chlich in Ravenna und hatte zwar einen weiteren Palast in Verona, aber Verona war nie seine Hauptstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sieben Texte enthalten vor dem Nibelungenlied diese drei Motive.<a href=\"#_edn22\" id=\"_ednref22\">[22]<\/a> Die Schlacht bei Verona wird schon um 507 zu Lebzeiten des ostgotischen K\u00f6nigs in einer Lobrede des Ennodius genannt und ist also historisch belegt. In seiner einflussreichen Gotengeschichte erkl\u00e4rte Jordanes einige Jahrzehnte nach Theoderichs Tod, dieser sei aus dem ostgotischen Geschlecht der Amaler gewesen. Dieselbe Angabe kann der Dichter des Nibelungenliedes auch sp\u00e4teren Texten entnommen haben, zum Beispiel der Weltchronik des Frutolf von Michelsberg. Theoderichs Palast in Verona findet Erw\u00e4hnung in der Fredegar-Chronik, die ausf\u00fchrlich von Brunechild berichtet und als wahrscheinliche Quelle f\u00fcr diese weibliche Gestalt anzusehen ist. Das volkssprachliche \u00c4ltere Hildebrandslied erw\u00e4hnt Dietrichs Flucht in den Osten, ohne sein Exil genauer zu lokalisieren. In all diesen Texten ist Theoderichs Beziehung zu Verona noch d\u00fcnn. In den sp\u00e4t und unikal \u00fcberlieferten Annales Quedlinburgenses wird Verona dagegen ausdr\u00fccklich als seine Heimat beschrieben, und sein Exil wird an Attilas Hof lokalisiert. Wir finden in diesen Annalen die halbdeutschen Formen Amulung, Thideric und Berne. Vieles spricht in diesem Fall f\u00fcr j\u00fcngere Interpolationen, denn die einzige erhaltene Abschrift der Annalen stammt aus dem 16. Jahrhundert. Als erstes deutschsprachiges Dietrich-Testimonium belegt die Kaiserchronik um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Form Bern, aber noch ohne Bezug auf Dietrich. Viel sp\u00e4ter in dieser Reimchronik taucht Dietrich verdoppelt als Dietrich der Alte und Dietrich der Junge auf. Sie sind Gro\u00dfvater und Enkel. Der Enkel entspricht dem historischen Theoderich, der Gro\u00dfvater ist unhistorisch. Dieser lebt im Exil bei Etzel, dessen Name auch hier erstmals verdeutscht ist. Die Kaiserchronik geh\u00f6rt deshalb zu den wahrscheinlichen Quellen des Nibelungenliedes.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 1190 bekam Theoderich erstmals seinen wohlbekannten Beinamen, allerdings indirekt nur durch seinen Vater. Im Pantheon benutzte Gottfried von Viterbo ohne Erkl\u00e4rung das Adjektiv Veronensis als Epitheton f\u00fcr Theodemer.<a href=\"#_edn23\" id=\"_ednref23\">[23]<\/a> Dieses stauferfreundliche Geschichtswerk ist in 40 Handschriften erhalten, kann leicht um 1200 zur Bibliothek des Passauer Bistums geh\u00f6rt haben und kommt deshalb als unmittelbare Quelle f\u00fcr das Nibelungenlied in Frage. Das letzte Dietrich-Testimonium vor dem Nibelungenlied ist die lateinische K\u00f6lner K\u00f6nigschronik, die bis 1202 reicht. Sie kommt nur als Quelle in Frage, wenn das Nibelungenlied erst 1204 vollendet wurde. Die K\u00f6lner K\u00f6nigschronik erz\u00e4hlt zum Jahr 1197, wie Dietrich an der Mosel als Gespenst auf einem schwarzen Pferd erschien. Er wird je nach Redaktion als ehemaliger K\u00f6nig von Verona oder Dietrich der Veroneser bezeichnet.<a href=\"#_edn24\" id=\"_ednref24\">[24]<\/a> In beiden F\u00e4llen ist ein Einfluss des Nibelungenliedes auf die Chronik m\u00f6glich, zumal die halbdeutsche Form Bernensem benutzt wird. Als Ergebnis der vorliegenden Untersuchung erscheint deshalb Gottfrieds Pantheon als die wahrscheinlichste Quelle f\u00fcr den Beinamen \u201avon Bern\u2018.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. Peter Andersen, Nibelungenlied<em> und <\/em>Klage<em>: eine nieder\u00f6sterreichische Doppeldichtung?<\/em>, in: Alfred Noe und Hans-Gert Roloff (Hrsg.), <em>Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur f\u00fcr Bildung und Kultur der Fr\u00fchen Neuzeit (1400\u20131750), Beitr\u00e4ge zur sechsten Arbeitstagung in St. P\u00f6lten (Mai 2019)<\/em>, Bern [u.a.] 2020 (Jahrbuch f\u00fcr Internationale Germanistik, A\/139), S. 451\u2013510 und Marie-Barbara Vieuxtemps, <em>Die Entwicklung der Br\u00fcnhild-Figur bis zum Ausgang des Mittalters. Eine Studie zur Intertextualit\u00e4t<\/em>, Lausanne 2023 (Bremer Beitr\u00e4ge zur Literatur- und Ideengeschichte, 69).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Wilhelm Grimm, <em>Die Deutsche Heldensage<\/em>, G\u00f6ttingen 1829, S. 4 mit Hinweis auf Peter Erasmus M\u00fcller, <em>Sagabibliothek med Anm\u00e6rkninger og indledende Afhandlinger<\/em>, Bd. 2, Ki\u00f8benhavn 1818, S. 2, 17, 124, 133f. (Datierungen zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert.)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Strophen- und Versz\u00e4hlung in <em>Nibelungenlied<\/em> und <em>Klage<\/em> nach: Joachim Heinzle (Hrsg.), <em>Das <\/em>Nibelungenlied<em> und die <\/em>Klage<em>. Nach der Handschrift 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen. Mittelhochdeutscher Text, \u00dcbersetzung und Kommentar<\/em>, Berlin 2013 (Bibliothek des Mittelalters, 12).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> Peter Andersen, Nibelungenlied<em> und <\/em>Klage, a.a.O., S. 470.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Vgl. Marie-Barbara Vieuxtemps, <em>Die Entwicklung der Br\u00fcnhild-Figur<\/em>, a.a.O., S. 281\u2013400.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Elisabeth Lienert, <em>Dietrich-Testimonien des 6. bis 16. Jahrhunderts<\/em>, T\u00fcbingen 2008 (Texte und Studien zur mittelhochdeutschen Heldenepik, 4).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[7]<\/a> Die eigentliche Dietrich-Epik besteht insbesondere aus folgenden Werken: <em>Eckenlied<\/em> (Nr. 124), <em>Goldemar<\/em> (Nr. 126), <em>Laurin<\/em> (Nr. 129), <em>Sigenot<\/em> (Nr. 130), <em>Virginal<\/em> (Nr. 131), <em>Rosengarten<\/em> (Nr. 136), <em>Biterolf und Dietleib<\/em> (Nr. 137), <em>Thidrekssaga <\/em>und<em> Didrikskr\u00f6nikan<\/em> (Nr. 138), <em>Dietrich und Wenezlan<\/em> (Nr. 139), <em>Dietrichs Flucht<\/em> (Nr. 158), <em>Rabenschlacht<\/em> (Nr. 159), <em>Alpharts Tod<\/em> (Nr. 160) und <em>Dietrich und Fasold<\/em> (Nr. 175).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[8]<\/a> Elisabeth Lienert, <em>Dietrich-Testimonien<\/em>, a.a.O., S. 90 f\u00fcr das <em>Nibelungenlied<\/em> (\u00e4hnlich S. 91 f\u00fcr die <em>Klage<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[9]<\/a> G\u00fcnter Grass, <em>Das Treffen in Telgte. Eine Erz\u00e4hlung<\/em>, Darmstadt &amp; Neuwied 1979.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[10]<\/a> Vgl. die chronologische Zusammenstellung von 104 Rezensionszeugnissen verschiedener Art auf dem \u201aGottfried-Portal\u2018: &lt;http:\/\/gottfried.unistra.fr&gt; (unter Rezeption des <em>Nibelungenliedes<\/em>). Alle Zugriffe dieses Beitrags am 21.10.2024.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[11]<\/a> <em>D\u00e4nische Balladen<\/em> (Nr. 323, zahlreiche Handschriften und Drucke aus dem Zeitraum 1555\u22121850).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[12]<\/a> Kriemhilt: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 276, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 275, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 263, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 99 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 375); Hagen: NL<sub>A<\/sub> 351, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 402, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 366, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 8 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 359); Sifrit: <em>NL<\/em><sub>A <\/sub>337, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 346, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 330, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 9 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 346); Gunther: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 249, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 260, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 245, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 23 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 272); Etzel: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 185, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 187, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 192, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 64 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 249); R\u00fcedeger: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 159, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 157, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 150, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 44 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 203); Dietrich: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 78, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 77, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 73, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 66 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 144); Br\u00fcnhilt: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 101, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 93, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 101, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 10 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 111). Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB), Salzburg [u.a.]: &lt;<a href=\"https:\/\/www.plus.ac.at\/mittelhochdeutsche-begriffsdatenbank\">https:\/\/www.plus.ac.at\/mittelhochdeutsche-begriffsdatenbank<\/a>&gt; [Bestandsaufnahme mit der alten Version].<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[13]<\/a> Hagen von Tronege\/der Troneg\u00e6re: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 73, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 71, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 73, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 4 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 77); Dietrich von Berne\/der Bern\u00e6re: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 26, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 28, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 29, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 25 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 51); R\u00fcedeger von Bechelarn: <em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 29, <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 28, <em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 29, <em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 12 (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> + <em>KL<\/em><sub>A<\/sub>: 41).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\" id=\"_edn14\">[14]<\/a> Peter Andersen, Bechelaren <em>wie<\/em> bechel <em>und<\/em> Pr\u00fcnhilt <em>wie<\/em> pr\u00fceven. <em>Eine zweite Studie zum Anlaut in<\/em> Nibelungenlied <em>und<\/em> Klage, in: Hans-Joachim Solms und J\u00f6rn Weinert (Hrsg.), <em>Deutsche Philologie? Nationalphilologien heute<\/em>, Berlin 2021 (Sonderhefte der Zeitschrift f\u00fcr deutsche Philologie, 139), S. 181\u2013214.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\" id=\"_edn15\">[15]<\/a> Ders., <em>Das Sieges- und Friedensschwert<\/em> Palmunc. <em>Eine Studie zum Anlaut in<\/em> Nibelungenlied <em>und<\/em> Klage, in: <em>Zeitschrift f\u00fcr deutsche Philologie<\/em> 136 (2017), S. 87\u2013121.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\" id=\"_edn16\">[16]<\/a> 52 Belege in A (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 27 + <em>KL<\/em><sub>A <\/sub>25): <em>Bern\u00e6re<\/em> (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 1), <em>Berne<\/em> (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 24, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 14), <em>Berner<\/em> (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 1), <em>Bernere<\/em> (<em>NL<\/em><sub>A<\/sub> 1, <em>KL<\/em><sub>A<\/sub> 11); 52 Belege in B (<em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 27 + <em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 25): <em>Bern\u00e6re<\/em> (<em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 3, <em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 10), <em>Berne<\/em> (<em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 24, <em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 13), <em>Pern\u00e6re<\/em> (<em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 1), <em>Perne<\/em> (<em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 1); 55 Belege in C (<em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 29 + <em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 26): <em>Bern\u00e6re<\/em> (<em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 4, <em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 10), <em>Berne<\/em> (<em>NL<\/em><sub>C<\/sub> 25, <em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 14), <em>Bernerare<\/em> (<em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 1), <em>Bernere<\/em> (<em>KL<\/em><sub>C<\/sub> 1).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[17]<\/a> Elisabeth Lienert, <em>Dietrich-Testimonien<\/em>, a.a.O., S. 90f. (mit Weglassung der Klammern).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[18]<\/a> Ebd., S. 92 (mit Weglassung der Klammern).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[19]<\/a> <em>NL<\/em><sub>B<\/sub> 1344\u20132374 (= Aventiure 22, 28\u201329, 31, 33, 37\u201339): 27 Reden mit 136 Versen (= 1,4 % der 9504 Verse); <em>KL<\/em><sub>B<\/sub> 322\u20134325: 21 Reden mit 412 Versen (= 9,4 % der 4360 Verse).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\" id=\"_edn20\">[20]<\/a> Elisabeth Lienert, <em>Dietrich-Testimonien<\/em>, a.a.O., S. 3.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\" id=\"_edn21\">[21]<\/a> Ebd. S. 2 (hier ausf\u00fchrlicher).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\" id=\"_edn22\">[22]<\/a> Ennodius, <em>Panegyricus Theoderico regi dictus<\/em>, um 507 (Nr. 6): <em>apud Veronam <\/em>(Schlacht); Jordanes, <em>Getica<\/em>, 550\/551 (Nr. 22): <em>Amali<\/em> (ostgotisches Geschlecht); <em>Fredegar-Chronik<\/em>, 658\/660 (Nr. 37): <em>Verona<\/em> (Schlacht) und <em>Verona<\/em> (Palast); <em>Hildebrandslied<\/em>, 830\/840 (Nr. 50): <em>Theotrihhe<\/em> (Flucht in den Osten); <em>Annales Quedlinburgenses<\/em>, Anfang 11. Jh. (\u00fcberliefert in der Handschrift des 16. Jh., Nr. 69): <em>Theodoricum<\/em> [\u2026] <em>de Verona pulsum apud Attilam exulare coegit <\/em>(Verona Heimat, Exil bei Attila) und <em>Amulung Theoderic<\/em> und <em>Thideric de Berne <\/em>(j\u00fcngere Interpolationen); Frutolf von Michelsberg, <em>Chronicon universale<\/em>, 1098\/1099 (Nr. 83): <em>Amali<\/em>; <em>Kaiserchronik<\/em>, 1140\/1150 (Nr. 94): <em>Bern<\/em> (v. 6971) und <em>Dietrich<\/em> der Alte (v. 13841\u201313855, Exil bei Etzel).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\" id=\"_edn23\">[23]<\/a> Gottfried von Viterbo, <em>Pantheon<\/em>, 1190\/1191 (Nr. 104): <em>Teodericum, filium Teodemari, scilicet Veronensis<\/em> (Dietrich, Sohn des Theodemer, des Veronesers).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\" id=\"_edn24\">[24]<\/a> <em>Chronica regia Coloniensis<\/em>, um 1202 (Nr. 108, zum Jahr 1197): <em>Theodericum Bernensem<\/em> (Dietrich der Veroneser) und <em>Teodericum quondam regem Verone<\/em> (Dietirich, ehemaliger K\u00f6nig von Verona).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag fokussiert auf die sagengeschichtliche Entstehung des Helden Dietrich von Bern, insbesondere auf dessen Beinamen, und st\u00fctzt sich auf die Schriftlichkeitsthese, die in K\u00fcrze besagt, die Geschichte von Siegfried, Kriemhild, dem Schatz, dem Mord und der Rache sei erst um 1200 entstanden und beruhe ausschlie\u00dflich auf Handschriften und der Fantasie eines anonymen Dichters. Mit &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/2024\/10\/30\/der-sagenheld-dietrich-und-sein-beiname-von-bern\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/681"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=681"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":682,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/681\/revisions\/682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}