{"id":812,"date":"2025-02-24T13:54:24","date_gmt":"2025-02-24T12:54:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?page_id=812"},"modified":"2025-03-24T15:30:09","modified_gmt":"2025-03-24T14:30:09","slug":"dietrich-von-bern-im-stueck-von-feridun-zaimoglu-und-guenter-senkel-ein-diplomat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/dietrich-von-bern-im-stueck-von-feridun-zaimoglu-und-guenter-senkel-ein-diplomat\/","title":{"rendered":"Dietrich von Bern im St\u00fcck von Feridun Zaimoglu und G\u00fcnter Senkel \u2013 ein Diplomat?"},"content":{"rendered":"\n<p>Magdalen Frank<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00fcck, das im Sommer 2024 in Worms anl\u00e4sslich der Nibelungen-Festspiele zur Auff\u00fchrung kam, tr\u00e4gt den Titel: Der Diplomat.<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Verfasst haben es Feridun Zaimoglu und G\u00fcnter Senkel. Als Protagonisten w\u00e4hlten sie die Sagengestalt Dietrich von Bern, der hier als ein Diplomat auftreten soll. Es stellt sich die Frage, inwieweit der Held dieses St\u00fccks als ein solcher agiert und ob er dieser Etikettierung \u00fcberhaupt gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb wird die Untersuchung zun\u00e4chst einf\u00fchrend den Diplomatie-Begriff und zentrale Kriterien diplomatischen Handelns er\u00f6rtern (I). Die hierzu herangezogene Literatur wurde in Orientierung an der Dietrich-Figur bei Zaimoglu\/Senkel ausgew\u00e4hlt. Analysen des Diplomatie-Begriffs zeigen, dass sich ein diplomatisches Vorgehen einerseits in der praktischen Politik und im Umgang der Menschen miteinander bew\u00e4hrt, andererseits aber auch im Umgang des Menschen mit seinen eigenen inneren Konflikten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt eine Inhaltsangabe der dramatischen Handlung (II).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Bez\u00fcge zu mittelhochdeutschen Dichtungen, die den&nbsp; Autoren als Vorlage dienten, wird, soweit sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Protagonisten notwendig sind, im folgenden Darstellungsteil eingegangen. Aus wenigen Versatzst\u00fccken der alten Epen erschufen die Autoren eine neue Dichtung mit Dietrich von Bern als zentraler Figur. Auf der Basis einer textnahen Figurenanalyse (III) wird gepr\u00fcft werden, inwiefern die Konzeption des Helden als Diplomat eine Berechtigung findet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I. Diplomatie und diplomatisches Handeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Drei Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schreibt Thomas Mann an seinen Verleger Samuel Fischer:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Problem, das mich nicht seit gestern ganz beherrscht: der Dualismus von Geist und Natur, der Widerstreit von civilen und d\u00e4monischen Tendenzen im Menschen, \u2013 im Krieg wird das Problem ja eklatant. (\u2026) Einen Diplomaten denken wir uns irgendwie dazwischen. Vermittelnd zwischen civilen und d\u00e4monischen Kr\u00e4ften, aber selbst immer auf der Seite des Geistes und der Zivilisation stehend.\u201c (Brief vom 22. August 1914)<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zitat fallen Stichworte, die in dieser Untersuchung eine Rolle spielen. Diese sind: Der Widerstreit, also der Konflikt, zwischen Zivilisiertheit und D\u00e4monie im Menschen, der ungel\u00f6st in Krieg und Gewalt kulminieren kann. Krieg und Gewalt k\u00f6nnen daher als \u00e4u\u00dfere Anzeichen und Folgen einer inneren Zerrissenheit eines Menschen angesehen werden. Idealerweise sollte Diplomatie in diesen \u00e4u\u00dferen, aber auch in inneren Konflikten vermitteln und dabei auf der Seite des Geistes und der Zivilisation stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Mann meint hier nicht nur eine politisch agierende Berufsdiplomatie, deren Aufgabe darin besteht, Konflikte zwischen Staaten zu entsch\u00e4rfen bzw. zu l\u00f6sen, sondern er benutzt den Diplomatie-Begriff haupts\u00e4chlich f\u00fcr ein Vorgehen, das seelische Konflikte eines Menschen mit Hilfe von Vernunft l\u00f6sen kann, bevor diese sich in Gewaltakten oder Kriegen Bahn brechen und dadurch Fundamente der Zivilisation gef\u00e4hrden, wenn nicht gar zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Gedanken finden sich ganz \u00e4hnlich bei Sigmund Freud. Auch Freud weist der Diplomatie im Umgang des Menschen mit sich selbst eine entscheidende Rolle zu:<em> \u201e<\/em>Wo Es war, soll Ich werden, so spricht die Ratio einer Zivilisation, die die dunkle Natur in uns bittet, Vernunft anzunehmen und die das, was uns umtreibt, bei Licht betrachten will. (\u2026) Der Geist dieses herrschaftlichen Diskurses mit dem Dunklen und Unbewussten ist freilich nicht die Gewalt, sondern die Diplomatie. Die D\u00e4monen sollen ja nicht als Verdr\u00e4ngte herausgefordert, sondern als Verstandene vers\u00f6hnt werden, der Ordnung unseres Haushalts und der Dauerhaftigkeit unserer Herrschaft zuliebe<em>.\u201c<\/em><a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Mann und Sigmund Freud benennen gegens\u00e4tzliche Kr\u00e4fte, die sich im Menschen befinden. Dies sind auf der einen Seite D\u00e4monie\/Natur (Thomas Mann), Dunkles\/Unbewusstes (Sigmund Freud) und Geist\/Zivilisation (Thomas Mann), Ratio\/Ordnung (Sigmund Freud) auf der anderen. Beide Autoren wollen das D\u00e4monische, Unbewusste zugunsten von Geist und Zivilisation aufgel\u00f6st wissen, und zwar nicht durch Gewalt, sondern mit den Mitteln einer Diplomatie.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff Diplomatie findet nicht nur im politischen<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>, sondern auch in einem psychologischen Kontext Verwendung. In beiden F\u00e4llen ist mit ihm \u201eeine Verhandlungskunst,eine kluge Berechnung\u201c<sup><a id=\"_ednref5\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a> <\/sup>oder ein \u201egewandtes, berechnendes und ausgleichendes Verhalten und Taktieren in einer Position zwischen zwei Seiten, um annehmbare Ziele zu erreichen\u201c<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><em>, <\/em>gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Konflikt zwischen sich bek\u00e4mpfenden Kr\u00e4ften im Innern eines Menschen kann mittels diplomatisch gepr\u00e4gter Denkprozesse beigelegt werden &#8211; um einer Zivilisierung des Menschen willen. Konflikte werden definiert als \u201eSpannungssituationen, in denen zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abh\u00e4ngig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbar oder tats\u00e4chlich unvereinbare Interessen zu verwirklichen und sich dabei mindestens eine Partei ihrer Gegnerschaft bewusst ist und dar\u00fcber unangenehme Gef\u00fchle erlebt bzw. darunter leidet.\u201c<a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> \u00c4hnlich wird auch in der Psychologie ein Konflikt als \u201eSpannungssituation aufgefasst, in der zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abh\u00e4ngig sind, versuchen&nbsp; (\u2026) unvereinbare Handlungspl\u00e4ne (\u2026) zu verwirklichen. In einer Konfliktsituation wirken Kr\u00e4fte auf eine Person ein, die von etwa gleicher St\u00e4rke sind, jedoch in entgegengesetzter Richtung ziehen.\u201c<a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Ein Konflikt wird demnach von Kr\u00e4ften oder Parteien bestimmt, die bei all ihrer Gegens\u00e4tzlichkeit doch in irgendeiner Form voneinander abh\u00e4ngen und zudem unter der Spannung leiden, der sie ausgesetzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor diplomatische Verhandlungen beginnen k\u00f6nnen, muss die vermittelnde Instanz einige Voraussetzungen erf\u00fcllen. In der praktisch orientierten Diplomatie gilt, dass vor einem Verhandlungsbeginn dem Diplomaten umfangreiche Informationen \u00fcber alle Seiten und Facetten des Konflikts vorliegen sollten. Erkenntnisgewinne k\u00f6nnen durch ein intensives Aufnehmen relevanter Gegebenheiten erzielt werden. Dieses von der visuellen Wahrnehmung zur rationalen Durchdringung f\u00fchrende `Betrachten\u00b4 vollzieht sich in der Phasenfolge eines `Hinsehens\u00b4, `Beobachtens\u00b4 und `Analysierens\u00b4.<a id=\"_ednref9\" href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Analog gilt dies auch f\u00fcr die L\u00f6sung psychischer Konflikte. Auf welchem Weg diese Informationen gewonnen werden k\u00f6nnen, wird im Zitat von Sigmund Freud&nbsp; angesprochen. Freud empfiehlt ein Betrachten des Problems, und zwar \u201ebei Licht\u201c<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Beim `Hinsehen\u00b4 wird der Blick auf etwas gerichtet,ein Gegebenes wird unbefangen, also so objektiv und so deutlich wie m\u00f6glich mit allen Sinnen zur Kenntnis genommen, damit es eventuell ein Ausgangspunkt f\u00fcr weitere Aktionen werden kann.<a id=\"_ednref10\" href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das `Beobachten\u00b4 ist ein aktives, zielgerichtetes Beachten von Gegebenheiten zu einem bestimmten Zweck und \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg. Dies kann auch ein (heimliches) \u00dcberwachen oder Kontrollieren sein. Einzelheiten des Erfahrenen k\u00f6nnen mit schon gemachten Erfahrungen verbunden und Zusammenh\u00e4nge erkannt werden.<a id=\"_ednref11\" href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Bisher gemachte Beobachtungen k\u00f6nnen im Verlauf des Wahrnehmungsvorgangs wieder hinf\u00e4llig werden. Durch Beobachten sollten m\u00f6glichst viele Informationen zum Thema gesammelt werden, so dass eine Entscheidung \u201e\u00fcber die Wahrheit der Dinge\u201c<a id=\"_ednref12\" href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> m\u00f6glich wird. Wahrheiten dienen zur Orientierung auf dem Weg zur Verwirklichung der eigenen Ziele.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine auf diplomatischem Weg gewonnene L\u00f6sung innerer Konflikte empfiehlt Freud dem Vermittler, die eigenen D\u00e4monen zun\u00e4chst zu verstehen. Die psychologische Konfliktforschung sieht einen Grund in einem Ausbrechen eines seelischen Konflikts unter anderem in \u201eAbwehrmechanismen des Ich\u201c<a id=\"_ednref13\" href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><em>,<\/em> die aus verletzten Gef\u00fchlen entstehen. Diese Abwehrmechanismen k\u00f6nnen erkannt, verstanden, abgelegt und schlie\u00dflich mit dem Ich vers\u00f6hnt, d.h. integriert werden. Auch im politischen Kontext ist es f\u00fcr die vermittelnde Instanz unerl\u00e4sslich, die eigenen Gef\u00fchle wahrzunehmen, da \u201eunangenehme Gef\u00fchle wie Stress, Wut oder Angst die Wahrnehmung der Akteure einschr\u00e4nken und ihre F\u00e4higkeit zur Empathie verringern k\u00f6nnen\u201c<em>.<\/em><a id=\"_ednref14\" href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a>&nbsp; Empathie f\u00fcr die andere Partei wird in der politischen Diplomatie durch ein aktives Zuh\u00f6ren erreicht. Hierunter versteht die Konfliktforschung die \u201epraktische Umsetzung einer empathischen Haltung dem Anderen gegen\u00fcber\u201c.<a id=\"_ednref15\" href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a>&nbsp; Diese Technik wirkt integrativ und f\u00f6rdert Vertrauen.<a id=\"_ednref16\" href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Daraus lassen sich jedoch noch<em> \u201e<\/em>keine richtigen Schl\u00fcsse ziehen, wenn der Unterh\u00e4ndler nicht bereits \u00fcber ein sicheres Urteil verf\u00fcgt, das Informationen gewichtet und in einen passenden Referenzrahmen\u201c integriert.<a id=\"_ednref17\" href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewichtung und Integration von Kenntnissen in einen angemessenen Referenzrahmen geschieht durch ein `Analysieren\u00b4. Hierwird das Erfahrene zergliedert, mit eigenem Wissen verbunden und bewertet. Im diplomatischen Kontext sollte Ziel einer Analyse sein, die Absichten der anderen Partei zu erkennen, um daraus M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein eigenes Handeln ableiten zu k\u00f6nnen. Eine Analyse sollte \u201eeine letztlich operative Wahrheit\u201c aufdecken, \u201edie zugleich die Position der Partner, ihre Dispositionen, Intentionen, die Bed\u00fcrfnisse, die sie empfinden, die Zw\u00e4nge, denen sie ausgesetzt sind und die Werte, die sie verwirklichen wollen, einschlie\u00dft\u201c.<a id=\"_ednref18\" href=\"#_edn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn ausreichend zuverl\u00e4ssige Informationen \u00fcber den gegnerischen Partner vorliegen, kann eine Verhandlung zwischen beiden beginnen. Als zielf\u00fchrend wird hier eine \u201eOffenheit und Ehrlichkeit\u201c der Verhandlungspartner betrachtet.<a id=\"_ednref19\" href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Als schlimmste Situation wird \u201eein Fehlen oder ein Verlust der Kontrolle\u201c<a id=\"_ednref20\" href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> w\u00e4hrend eines diplomatischen Prozesses empfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein allgemein anerkanntes Ziel diplomatischen Vorgehens besteht in einer B\u00e4ndigung destruktiver Kr\u00e4fte zur Verhinderung eines Krieges und zugunsten einer Zivilisation, wie es im Zitat von Thomas Mann hei\u00dft. Sigmund Freud nennt dieses Ziel \u201eeine Ordnung unseres Haushalts\u201c, die eine \u201eDauerhaftigkeit unserer Herrschaft\u201c erm\u00f6glicht, das hei\u00dft einen Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Inhaltsangabe des St\u00fccks Der Diplomat von Feridun Zaimoglu und G\u00fcnter Senkel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Handlung des insgesamt dreiaktigen Schauspiels beginnt mit dem ersten Akt auf einem Schlachtfeld vor Ravenna. Dietrich von Bern k\u00e4mpft hier mit seinem Heer gegen Ermanrichs Truppen, mit dem Ziel, seinen von Ermanrich geraubten Thron wieder zur\u00fcckzuerobern. Witta, eine Kriegerin des feindlichen Heeres, t\u00f6tet drei junge M\u00e4nner. Zwei von ihnen sind die S\u00f6hne von Hunnenk\u00f6nig Etzel, f\u00fcr deren Schutz sich Dietrich vor Beginn der Schlacht den Eltern gegen\u00fcber verpflichtet hatte. Der dritte Junge ist Dietrichs j\u00fcngerer Bruder. Als Dietrich die Leichen der jungen M\u00e4nner erblickt, ist er au\u00dfer sich vor Schmerz und Trauer. Er schw\u00f6rt dem K\u00e4mpfen ab und beschlie\u00dft, den Krieg, der f\u00fcr ihn und seine Mannen kurz vor einem siegreichen Ende steht, abzubrechen:<em> Ich verzichte auf die Krone. <\/em>(I,3)<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrichs Verb\u00fcndeter, der Hunnenk\u00f6nig Etzel, verliert durch diesen Krieg nicht nur seine Nachfolger, sondern auch seine Frau, die aus Kummer \u00fcber den Verlust ihrer S\u00f6hne stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Akt befindet sich Dietrich als Sendbote Etzels in Begleitung seines Waffenmeisters Hildebrand am Hof der Burgunden in Worms. Deren Reich wird durch hunnische Heere angegriffen und teilweise verw\u00fcstet. In dieser Situation bietet Dietrich der burgundischen K\u00f6nigsfamilie den R\u00fcckzug der Hunnen an, sollte Kriemhild Etzels Wunsch erf\u00fcllen und dessen Frau werden. Wie Etzel ist auch Kriemhild verwitwet, ihr Mann Siegfried wurde vor noch nicht langer Zeit von Hagen mit Zustimmung K\u00f6nig Gunthers ermordet. Siegfrieds Leiche liegt permanent blutend mitten im Burgsaal aufgebahrt und verbleibt bis zu ihrer Verbrennung im dritten Akt st\u00e4ndig auf der B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>Etzels Werbung um Kriemhild stellt die Burgunden vor eine Entscheidung. Nach einer kurzen Beratung sind sie sich einig, Kriemhild mit Dietrich zu Etzel ziehen zu lassen. Durch eine Ehe Kriemhilds mit Etzel versprechen sie sich zwei Vorteile: Einerseits w\u00e4ren ihre Grenzen vor den Hunnen wieder sicher, andererseits w\u00e4ren sie ihre durch Siegfrieds Ermordung verbitterte Schwester los: <em>Kriemhild ist uns eine Last.<\/em> (Gunther II,8) Nur Kriemhild selbst zeigt sich noch unentschlossen und genie\u00dft, dass die Sicherheit Burgunds pl\u00f6tzlich allein in ihrer Hand liegt. Sie hasst ihre Familie wegen des Mordes an Siegfried.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Kriemhilds Schw\u00e4gerin Brunhild ist von Hass auf die Burgunden durchdrungen. Siegfried hatte einst Gunther geholfen, sie in ihrer Brautnacht zu vergewaltigen. Seitdem ist sie von Rachegedanken besessen, die in einer Vernichtung Burgunds gipfeln. Daf\u00fcr n\u00e4hme sie, eine Alkoholikerin, auch den eigenen Tod in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Brunhilds Mann, K\u00f6nig Gunther, zeigt sich wie auch sein Berater Hagen als machtbesessen. Gunthers Bruder Gernot ist durch den Tod seiner Frau bei der Geburt eines toten Kindes <em>geistersichtig<\/em> (II,7) geworden. Hinter realen Dingen und Ereignissen erahnt er Kr\u00e4fte, die in die Zukunft weisen. Giselher, der j\u00fcngste der Br\u00fcder, bewundert den Kampfesmut Siegfrieds und m\u00f6chte dementsprechend alle Konflikte mit Gewalt l\u00f6sen. Diese Eigenschaften und Gef\u00fchle kommunizieren die Burgunden offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie besch\u00e4ftigen sich mit Etzels Gesandtem. Sie wissen, dass und warum Etzels S\u00f6hne und deren Mutter nicht mehr leben. Sie gehen davon aus, dass Dietrich von Schuldgef\u00fchlen Etzel gegen\u00fcber geplagt wird und deshalb den Auftrag einer Brautwerbung auf sich nahm. Mit einer neuen Frau k\u00f6nnte Etzel wieder eine Dynastie gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrich wird von einer Gestalt begleitet, die den Burgunden n\u00e4heren Aufschluss \u00fcber seine innere Verfassung geben k\u00f6nnte. Aber nur Gernot, dem nicht geglaubt wird, vermag dieses Wesen zu sehen: Dietrich wird von einem Geist, der Drud, verfolgt. Dietrich selbst sieht die Drud auch, er wei\u00df, dass sie die Seele von Etzels toter Frau ist, erkennt aber zun\u00e4chst nicht, was sie von ihm will. Er glaubt irrt\u00fcmlicherweise, die Drud wolle sich mit seiner Hilfe an Witta, der M\u00f6rderin ihrer Kinder, r\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrichs Feind Ermanrich in Rom wei\u00df, dass sich Dietrich bei den Burgunden aufh\u00e4lt. Er schickt zwei Boten nach Worms, die unter Androhung einer Vernichtung Burgunds durch r\u00f6mische Heere Dietrichs Kopf fordern. Sollte die Forderung Roms erf\u00fcllt werden, bietet Ermanrich den Burgunden jeden erdenklichen milit\u00e4rischen Schutz im Fall eines hunnischen Angriffs an.<\/p>\n\n\n\n<p>Erneut besprechen die Burgunden die Lage. Diesmal gelangen sie jedoch zu keinem Ergebnis, denn nun befinden sie sich in einer Zwickm\u00fchle: Ginge Kriemhild mit Dietrich zu Etzel, w\u00fcrden die R\u00f6mer Burgund zerst\u00f6ren. Lieferten sie Dietrich den R\u00f6mern aus, k\u00e4me Kriemhild nicht zu Etzel und Burgund w\u00fcrde von den Hunnen angegriffen. Gunther: <em>Wir werden, wenn wir nicht acht geben, zwischen zwei M\u00fchlsteinen zerrieben.<\/em> (II,12)<\/p>\n\n\n\n<p>Erregt von der spannungsgeladenen Situation kann Giselher seine Kampfeslust nicht l\u00e4nger beherrschen. Zuerst fordert er Dietrich zum Zweikampf heraus. Dietrich verweigert sich seinem Entschluss entsprechend. Witta, vor Ravenna einst M\u00f6rderin von Etzels S\u00f6hnen und Dietrichs Bruder, jetzt eine der beiden Gesandten aus Rom, nimmt Giselhers Kampfangebot an. Hagen und Dietrich beobachten den Kampf der beiden, greifen jedoch nicht ein. Giselher wird von der ihm kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Witta get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Akt setzt die Handlung in Worms fort. Er beginnt mit den Vorbereitungen der Burgunden zur Feuerbestattung der Leichen von Giselher und Siegfried. In den folgenden Szenen treten die Akteure im Unterschied zum zweiten Akt zun\u00e4chst in kleinen Gruppen auf. Die Alkoholikerin Brunhild l\u00e4dt Witta zum Weintrinken in den Burgkeller ein. Dietrich wird von der Drud verfolgt. Er ahnt, dass sie nicht ihre toten S\u00f6hne r\u00e4chen, sondern Etzel sch\u00fctzen will. Vor welcher Gefahr genau, erkennt Dietrich aber nicht. Hildebrand verwickelt den r\u00f6mischen Gesandten Sibich in ein Streitgespr\u00e4ch, in dessen Verlauf er ihn ersticht. Gemeinsam mit Hagen beseitigt er Sibichs Leiche, sp\u00e4ter auch die von Witta. Witta wurde von Brunhild mit vergiftetem Wein get\u00f6tet. Sollten die R\u00f6mer irgendwann nach dem Verbleib ihrer Boten Sibich und Witta fragen, will Hagen auf die Hunnen verweisen: <em>Sie fra\u00dfen die Gesandten. <\/em>(III,13)<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Feuerbestattung der Leichen von Giselher und Siegfried sind alle Personen wieder auf der B\u00fchne versammelt. Hagen verk\u00fcndet den Tod der beiden r\u00f6mischen Gesandten. Durch Sibichs Tod ist nun der Thron in Bern f\u00fcr Dietrich frei, doch er weigert sich, diese Position in seinem angestammten Reich wieder einzunehmen. Stattdessen erinnert er Kriemhild an ihre Entscheidung, die noch aussteht. In diesem Moment bedr\u00e4ngt ihn die Drud, Kriemhild zu erstechen. Dietrich wehrt sich dagegen und vernichtet stattdessen die Drud mit Hilfe seines \u00fcbernat\u00fcrlichen Feueratems. Daraufhin erkl\u00e4rt sich Kriemhild&nbsp; bereit, mit Dietrich zu Etzel zu gehen. Alle sind erleichtert. Doch durch \u00c4u\u00dferungen Gernots \u00fcber Kriemhild erkennt Dietrich jetzt erst Kriemhilds Bosheit und damit das Anliegen der Drud: Sie wollte ihn daran hindern, die nach Rache an den Burgunden d\u00fcrstende Kriemhild Etzel als Frau zuzuf\u00fchren. Dietrich wird klar, dass Kriemhild als m\u00e4chtige Hunnenk\u00f6nigin in ihrem Hass <em>die Welt entz\u00fcnden<\/em> w\u00fcrde. (Gernot III,16) Deshalb darf sie unter keinen Umst\u00e4nden Etzels Frau werden. Dietrich will Kriemhild t\u00f6ten. Doch bevor dies geschehen kann, wird Dietrich selbst von Brunhild hinterr\u00fccks ermordet. Damit hat Brunhild den Grundstein f\u00fcr eine Erreichung ihres Ziels &#8211; <em>Burgund muss brennen<\/em> (III,16) &#8211; gelegt. Denn in Zukunft wird das Burgunderreich gleich von zwei Seiten, von den R\u00f6mern und den Hunnen, angegriffen und vernichtet werden: Einerseits kann den R\u00f6mern \u201eDietrichs Kopf\u201c nicht geliefert werden, denn bek\u00e4men sie ihn doch, w\u00e4re dies der Beweis, dass die r\u00f6mischen Gesandten mit ihrer Botschaft in Worms tats\u00e4chlich angekommen waren. Die Frage nach deren Verbleib w\u00fcrde die Burgunden in Erkl\u00e4rungsnot bringen. Und andererseits kann Kriemhild ohne Dietrichs Begleitung nicht ins Hunnenland reisen und Etzels Friedensbedingung erf\u00fcllen, indem sie seine Frau wird. Die Vernichtung Burgunds durch die R\u00f6mer und Hunnen wird im St\u00fcck nicht mehr gezeigt, liegt jedoch auf der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>III. Zur Konzeption der Dietrich-Figur im Kontext der Diplomatie-Thematik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Autoren Zaimoglu\/Senkel verbinden in ihrem St\u00fcck Figuren und Handlungsstrukturen aus zwei mittelhochdeutschen Dichtungen mit Vorstellungen von heute. Diese Dichtungen sind das Nibelungenlied<a id=\"_ednref21\" href=\"#_edn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> und die Rabenschlacht.<a id=\"_ednref22\" href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Feridun Zaimoglu betont jedoch, dass mit seinem und Senkels Schauspiel Grundkonflikte des menschlichen Zusammenlebens angesprochen w\u00fcrden und dass es sich nicht ausschlie\u00dflich auf mittelalterliche oder heutige Konflikte beziehen w\u00fcrde.<a id=\"_ednref23\" href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Deshalb wird das St\u00fcck im Folgenden weder in einen mittelalterlichen noch in einen aktuellen, sondern in einen zeitunabh\u00e4ngigen Kontext gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Vorgeschichte der Burgunden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zaimoglu beschreibt die Welt, die sein Dietrich als Etzels Bote in Worms vorfindet, als eine \u201eWelt voller Verrat und Vergeltung\u201c.<a id=\"_ednref24\" href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Mit dieser Welt meint Zaimoglu den Hof der K\u00f6nige Burgunds, wie er im ersten Teil des Nibelungenliedes dargestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nibelungenlied wurde um 1200 verfasst und \u201evereint zwei urspr\u00fcnglich getrennte Sagenkreise: den Tod des Drachent\u00f6ters Siegfried durch Verrat seiner burgundischen Verwandten und den Untergang der Burgunden durch den Hunnenk\u00f6nig Etzel, im Nibelungenlied interpretiert als Rache Kriemhilds, der Witwe Siegfrieds, f\u00fcr den Mord\u201c.<a id=\"_ednref25\" href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Diese beiden Sagenkreise finden auch Eingang in Zaimoglus und Senkels Neubearbeitung. Siegfrieds Ermordung durch die Burgunden spielt als Charakterisierungsmerkmal der Burgundensippe im neuen St\u00fcck eine Rolle, die Handlung nimmt dann aber einen anderen Verlauf als im Nibelungenlied. Auch das Ende hat das neue St\u00fcck nur teilweise mit dem Nibelungenlied gemein. W\u00e4hrend sich dort die beiden V\u00f6lker der Hunnen und der Burgunden gegenseitig ausl\u00f6schen, sind hier ausschlie\u00dflich die Burgunden einem Untergang geweiht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrichs Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Figur Dietrichs von Bern in der modernen Bearbeitung von Zaimoglu\/Senkel erfassen zu k\u00f6nnen, soll nach der Vorgeschichte des Protagonisten gefragt werden. Feridun Zaimoglu verweist als Anregung f\u00fcr die Ausgestaltung seines Dietrichs auf eine Dichtung des 13. Jahrhunderts, auf die Rabenschlacht.<a id=\"_ednref26\" href=\"#_edn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Die Rabenschlacht geh\u00f6rt zur historischen Dietrichepik. Als geschichtliches Ereignis dieser Dichtung wird die Eroberung Ravennas (= Raben) durch Theoderich den Gro\u00dfen \u2013 in den Dichtungen erscheint er als Dietrich von Bern (= Verona) \u2013 im Jahr 493 n. Chr. angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rabenschlacht erz\u00e4hlt von der Ermordung der jungen S\u00f6hne des Hunnenk\u00f6nigs Etzel w\u00e4hrend Dietrichs Eroberungskrieg in Italien. Aus dem Tod dieser beiden einzigen Thronfolger resultiert Dietrichs Verzweiflung, weil er sich bei Etzel und dessen Frau f\u00fcr den Schutz der S\u00f6hne in der Schlacht verb\u00fcrgt hatte. Dieses Versprechen hat er nicht gehalten. Obwohl ihm Etzel und auch die Mutter der S\u00f6hne am Ende vergeben, f\u00fchlt sich der Dietrich der Rabenschlacht nach wie vor schuldig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zaimoglu\/Senkel \u00fcbernehmen diese Ereignisse als Vorgeschichte f\u00fcr ihren Dietrich, f\u00fcgen dieser jedoch zus\u00e4tzlich zu Dietrichs Schuldgef\u00fchlen noch ein weiteres Charakteristikum hinzu: Ihr Dietrich beschlie\u00dft in dem Augenblick, als er vor den Leichen der Etzelss\u00f6hne steht, kein K\u00f6nig mehr sein und auch nicht mehr (um seine Krone) k\u00e4mpfen zu wollen: <em>Wir morden und metzeln ohne Erbarmen. Wir gehen den falschen Weg. Ich breche den Feldzug ab. \u2026 Ich verzichte auf die Krone.<\/em> (I,1)<\/p>\n\n\n\n<p>In Hinblick auf die Gedanken Thomas Manns und Sigmund Freuds \u00fcber Diplomatie, k\u00f6nnte der Eindruck entstehen, dass Dietrich sich hier auf die Seite des Geistes und der Zivilisation stellt. Denn den dunklen, m\u00f6rderischen M\u00e4chten will er ja abschw\u00f6ren. Aber: Dietrich befindet sich schon mitten in einem Krieg, er ist Kriegspartei. Thomas Mann und Sigmund Freud denken dagegen an einen Zeitraum, der vor einem Kriegsausbruch liegt, in dem noch die Chance einer Kriegs- oder Gewaltvermeidung durch diplomatisch gepr\u00e4gtes Denken und Handeln gegeben ist. Dietrichs Krieg wurde zudem von ihm selbst begonnen, es handelt sich hier um einen R\u00fcckeroberungskrieg, durch den ein Unrecht, n\u00e4mlich die Usurpation seines Reiches durch Ermanrich r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden sollte. Durch diesen Krieg sollte das Recht wieder hergestellt werden. Auf dieses Recht verzichtet Dietrich nun und liefert dadurch sein Volk dem Tyrannen Ermanrich aus, der es <em>qu\u00e4len und schinden<\/em> wird. (Hildebrand I,3) Dietrich verweigert sich Hildebrands staatspolitisch relevanten Einwendungen gegen\u00fcber. Schon diese Anfangsszene l\u00e4sst die Fragw\u00fcrdigkeit von Dietrichs Wahrnehmungen und Entscheidungen erahnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrich als Diplomat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Frage des St\u00fccks ist: Kann man der Gewalt abschw\u00f6ren? Es handelt sich hier um die Geschichte eines Mannes, der als Friedensf\u00fcrst wirken will, doch er muss sich mit der Welt, die er vorfindet, auseinandersetzen\u201c,erkl\u00e4rt Zaimoglu.<a id=\"_ednref27\" href=\"#_edn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Da der Titel des St\u00fccks den Protagonisten als Diplomaten ank\u00fcndigt, soll dessen Handeln nun auch mit den Ma\u00dfst\u00e4ben, die im ersten Teil dieser Untersuchung zur Diplomatie entwickelt wurden, verglichen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist Dietrichs Verhalten gepr\u00e4gt vom `Hinsehen\u00b4, `Beobachten\u00b4 und `Analysieren\u00b4 von Personen und Situationen? Zeigt er ein Interesse an dem, was ihm begegnet?<\/p>\n\n\n\n<p>Erkennt er die Absichten der Anderen, erkennt er deren Bed\u00fcrfnisse, Zw\u00e4nge und Werte?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrt er Verhandlungen? Besitzt er die Kontrolle?<\/p>\n\n\n\n<p>Zeichnet sich sein Verhalten durch ein kluges Taktieren und Berechnen aus?<\/p>\n\n\n\n<p>Erreicht er am Ende seine Ziele? Diese Fragen ber\u00fchren auch Dietrichs Umgang mit seinen inneren Konflikten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrich und Etzels Botschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Wormser Hof betritt Dietrich als \u201ehoheitlicher Unterh\u00e4ndler\u201c<a id=\"_ednref28\" href=\"#_edn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> im Auftrag K\u00f6nig Etzels. Hier will er um die K\u00f6nigstochter Kriemhild als Frau f\u00fcr Etzel werben. Doch Dietrich ist kein unbefangener Unterh\u00e4ndler, wie es ein Diplomat sein sollte. Obwohl ihm Etzel die Schuld am Tod der S\u00f6hne vergeben habe, wie Dietrich zu Kriemhild sagt (II,8), qu\u00e4len ihn weiterhin Schuldgef\u00fchle: <em>Mich plagt die Schuld<\/em>. (III,6)&nbsp; Diese Befangenheit beeinflusst seine Meinung \u00fcber seinen Auftraggeber K\u00f6nig Etzel. Denn den Burgunden gegen\u00fcber spricht Dietrich von Etzel als einem <em>Freund <\/em>und <em>Friedensf\u00fcrsten<\/em>. (II,6) Die Burgunden k\u00f6nnen dies kaum glauben, schickt Etzel doch gerade eine <em>Horde von Hunderttausend Hunnen durch unser Land <\/em>(Gunter II,6), die Burgunds Osten verw\u00fcsten. Dietrich muss zugeben: <em>Der Krieg steht vor Eurer Haust\u00fcr, dem ist so.<\/em> (II,6) Es w\u00e4re Etzels Krieg. Etzel w\u00fcrde Burgund in dem Moment den Krieg erkl\u00e4rten, in dem sich Kriemhild ihm verweigern w\u00fcrde. Dietrichs Botschaft an die Burgunden lautet demnach: Kriemhild \u2013 oder Krieg. Von Diplomatie ist ein solches Vorgehen weit entfernt, da es die andere Partei bedroht und ihr keine Wahl l\u00e4sst. Es handelt sich hier um eine Erpressung. Dietrich erkennt diesen erpresserischen Charakter seiner Botschaft nicht. Er behauptet Giselher gegen\u00fcber sogar, dass Kriemhild <em>frei entscheiden<\/em> k\u00f6nne, <em>welchen Schutz sie sich w\u00fcnscht.<\/em> (II,14)<\/p>\n\n\n\n<p>Da ihm der Hunnenk\u00f6nig den Tod seiner S\u00f6hne verziehen hat, sieht Dietrich in Etzel irrt\u00fcmlicherweise einen Friedensf\u00fcrsten und sich selbst als Folge davon als einen Friedensbringer, der durch eine Heiratsvermittlung eine Kriegsgefahr verhindern k\u00f6nnte. Eine Kriegsgefahr, die paradoxerweise von seinem eigenen Auftraggeber ausgeht. Die Burgunden staunen zu Recht \u00fcber diese krude Logik. <\/p>\n\n\n\n<p>Gunther sagt \u00fcber Dietrich:<em> Er glaubt daran, was er sagt.<\/em> (II,7) Seine eigene Rolle als Friedensbringer hinterfragt Dietrich nicht, sondern stellt sich den Burgunden als ehrlichen Boten vor. (II,6)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrichs innere Verfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dietrichs Verhalten am Hof der Burgunden ist abh\u00e4ngig von seiner inneren Verfassung. Diese wird aus seiner Vorgeschichte, aus der seine Schuldgef\u00fchle stammen, und aus seinen Selbstaussagen deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin der Mund meines Herrn, <\/em>sagt er zu Kriemhild (III,7).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin ein Krieger ohne Waffen.<\/em> <em>Ich bin nur nicht l\u00e4nger im Bann der Alten, die stechen und morden. <\/em>(III,7)<\/p>\n\n\n\n<p>Gernot gegen\u00fcber bekennt er: <em>Mich plagt die Schuld. Es sollen andere M\u00e4nner lieben und hassen. <\/em>(II,6)<\/p>\n\n\n\n<p>An Wittas Leiche stehend sagt er:<em> Ich t\u00f6te meinen Hunger. Ich t\u00f6te meinen Willen. <\/em>(III,14)<\/p>\n\n\n\n<p>Und im Konflikt mit der Drud bekennt er:<em> Mit Ketten umspannt ist mein Herz tief in der Brust. Wenn sie rei\u00dfen, rei\u00dft meine Welt.<\/em> (III,14)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Selbstcharakterisierungen zeigen, wie zerrissen Dietrichs inneres Wesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Er spricht nicht f\u00fcr sich selbst, er versteckt sich hinter Etzel. Er versteht sich als ein \u201eKrieger ohne Waffen\u201c und meint, sich mit diesem Paradox auf die Seite einer Modernit\u00e4t stellen zu k\u00f6nnen, die keine Gewalt mehr kennen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da er sich das Lieben und Hassen verbietet, eliminiert er seine st\u00e4rksten Gef\u00fchle, er ist f\u00fcr diese nicht l\u00e4nger zug\u00e4nglich und vermag es deshalb auch nicht, sie bei anderen Menschen wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem t\u00f6tet er sein eigenes Wollen ab. Sich selbst gegen\u00fcber ist er demnach auch als Nicht-K\u00e4mpfer weiterhin gewaltbereit.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fchlt, dass sein Herz als Sitz seiner Gef\u00fchle gefesselt ist. Er f\u00fcrchtet sich davor, sollte diese Fessel rei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrich ist befangen und belastet und von daher in seinem Denken und Handeln eingeschr\u00e4nkt. Schuldgef\u00fchle, seine unbedingte Hinwendung zum Pazifismus und eine starke Beschr\u00e4nkung seiner emotionalen F\u00e4higkeiten pr\u00e4gen seine innere Verfassung. Doch dabei bleibt es nicht. Ein Geistwesen verfolgt und qu\u00e4lt ihn, seitdem er sich als Brautwerber f\u00fcr K\u00f6nig Etzel bei den Burgunden aufh\u00e4lt. All dies bedeutet, dass er in seiner Funktion als Diplomat essentieller Denk- und Handlungsfreiheiten beraubt ist. In dieser Verfassung betritt er in Worms \u201eeine Welt von Vergeltung und Verrat\u201c.<a id=\"_ednref29\" href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrich und die Burgunden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Worms hat es Dietrich mit den \u201eHelden der Kernfamilie\u201c<a id=\"_ednref30\" href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> aus dem Nibelungenlied zu tun. Gunther, Gernot, Giselher, Hagen, Brunhild und nicht zuletzt Kriemhild sind seine Ansprech- bzw. Verhandlungspartner bei seinem Anliegen, Kriemhild als Etzels Frau zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber diese Partner wei\u00df er, dass Kriemhild vor kurzer Zeit Witwe wurde, weil ihr Mann Siegfried von ihrem Onkel Hagen und mit Billigung ihres Bruders, K\u00f6nig Gunther, erschlagen wurde. F\u00fcr alle un\u00fcbersehbar liegt Siegfrieds Leiche immer noch blutend mitten im Burgsaal.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Ausgangssituation w\u00e4re es f\u00fcr einen Unterh\u00e4ndler angebracht, das Gesehene zu reflektieren und danach weitere Informationen \u00fcber sein Gegen\u00fcber einzuholen. Denn Siegfrieds Leichnam ist ein Hinweis auf die Brutalit\u00e4t, die innerhalb dieser K\u00f6nigsfamilie m\u00f6glich ist. Und ein Hinweis auf die seelische Verletzung, die Kriemhild durch diesen Mord an ihrem Mann von ihrer Familie zugef\u00fcgt wurde und aus der nun Kriemhilds extreme Hassgef\u00fchle entspringen. Von Gernot kommt gleich bei Dietrichs Ankunft in Worms ein entscheidender Hinweis: <em>Kein Engel kommt in unsere N\u00e4he, weil wir vor S\u00fcnden stinken<\/em> (II,7), sagt er in Anwesenheit aller.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bleibt Dietrich unverdrossen bei seinem Werbeauftrag. Er stellt keine Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Burgunden gehen nach einer kurzen Beratung \u00fcberraschend schnell auf Dietrichs Anliegen ein. Auch dies irritiert Dietrich nicht. Er erkennt nicht, dass den Burgunden Etzels Heiratswunsch sehr gelegen kommt, denn sie wollen Kriemhild vom Burgundenhof entfernen. F\u00fcr die Burgunden ist Kriemhild ein lebender Vorwurf wegen des Mordes an Siegfried. Die Bedrohung der Hunnen an ihren Ostgrenzen spielt f\u00fcr ihre Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle. Nur Kriemhild str\u00e4ubt sich noch und erbittet Bedenkzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf des Geschehens \u00fcberh\u00f6rt und \u00fcbersieht Dietrich noch weitere, f\u00fcr ihn als Unterh\u00e4ndler jedoch \u00e4u\u00dferst wichtige Informationen \u00fcber seine Ansprechpartner, besonders diejenigen \u00fcber Kriemhild und Brunhild. Giselher sagt zu ihm \u00fcber seine Schwester:<em> Sie hasst die Burgundersippe. <\/em>(II,14) Gernot informiert Dietrich \u00fcber beide Frauen: <em>Brunhild brennt vor Hass auf uns Burgunder. Auch Kriemhild brennt vor Hass auf uns, ihre Sippe. Wir nahmen ihnen die Liebe. <\/em>(III,6) All dies gibt Dietrich nicht zu denken. Denn Hass (und Liebe) sind ihm fremd. Er nimmt nur wahr, dass die Burgunden \u00fcber ihn lachen. <em>Man lacht auf dieser Burg \u00fcber den Frieden, f\u00fcr den ich streite, <\/em>sagt er zu Kriemhild.(III,7) Er f\u00fchlt sich missverstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Burgunden durchschauen Dietrich und seine Mission. Hagen nennt sofort den Grund f\u00fcr Etzels Werbung um Kriemhild: <em>In der Rabenschlacht verlor der K\u00f6nig <\/em>(Etzel)<em> seine Erben. Er braucht eine Frau, die ihm viele gute S\u00f6hne<\/em> <em>geb\u00e4rt<\/em>. (II,7) Und damit nennt er auch schon den Grund, warum sich Dietrich in Etzels Dienst befindet: <em>Der Bote, der vor uns steht \u2026 Es plagte ihn sein Gewissen, und er wollte nach seinen Seelenk\u00e4mpfen nicht l\u00e4nger ein Kriegerk\u00f6nig sein.<\/em> (II,7)&nbsp; Hagen unterstellt Dietrich, dass dieser in seiner Friedensmission nur an sich denke: <em>Ihr tarnt Euch schlecht, Bote von Bern. Ist es Etzel, der den Frieden w\u00fcnscht? Nein, Ihr w\u00fcnscht ihn um jeden Preis. Hat er Euch wirklich ausgesandt? Es geht Euch nicht um uns \u2013 und nicht um die Hunnen. Es geht Euch allein um Euer Seelenheil.<\/em> (II,13)<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Gunther sagt Hagen:<em> Der Bote von Bern ist kein Mann, der mir gef\u00e4llt. Ihn treibt die Verzweiflung an, er hat keinen festen Stand. <\/em>(III,1)<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen geht bei seiner Beurteilung Dietrichs von dessen Seelenlage aus. Aus seinen Beobachtungen und Analysen heraus ahnt Hagen, dass Dietrich inneren Konflikten ausgeliefert ist. Hagen vertraut&nbsp; Dietrich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Kriemhild kann kein Vertrauen zu Dietrich entwickeln. Sie glaubt Dietrich nicht, weil sie \u2013 wie Hagen \u2013 egoistische Motive hinter Dietrichs Werbeauftrag vermutet: <em>Ihr hofft auf Vergebung, wenn Ihr mich an seinen <\/em>(Etzels)<em> Hof f\u00fchrt. <\/em>(II,8) <em>Ich sollte mich vor Euch vorsehen, Dietrich von Bern.<\/em> (II,8) Und: <em>Streitet Ihr nicht eher f\u00fcr Euren eigenen Frieden als f\u00fcr Eures K\u00f6nigs Etzels Wohl?<\/em> (III,7)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Burgunden geben Dietrich deutlich ihr Misstrauen zu erkennen. Um dieses Misstrauen zu beseitigen, verspricht er Dinge, die er nicht einhalten kann. Zu Gernot sagt er: <em>Ich stifte kein Unheil in Burgund. Du hast mein Wort.<\/em> (III,6) Kriemhild verspricht er: <em>Meiner k\u00fcnftigen K\u00f6nigin erweis ich mich w\u00fcrdig<\/em>. <em>Seid gewiss.<\/em> (III,8)<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich wird er auch sich selbst gegen\u00fcber wortbr\u00fcchig. <em>Was ich auf dem Schlachtfeld schwor, gilt f\u00fcr den Rest meiner Tage, <\/em>versichert er Hildebrand und meint damit den Verzicht auf Gewalt. (III, 14) Doch als er Kriemhild t\u00f6ten will (III,16), wird dieser Schwur L\u00fcgen gestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritischen Bemerkungen von burgundischer Seite weicht Dietrich aus. Er schweigt auf Gernots wiederholtes Fragen nach dem Geistwesen, das ihn begleitet (II,7 und III,6) sowie auf Gernots Vorwurf, Giselher im Kampf gegen Witta nicht geholfen und so dessen Tod billigend in Kauf genommen zu haben (III,6). Ungeduldig ruft ihm Gernot schlie\u00dflich zu: <em>Du schweigst? Bist du auserw\u00e4hlt? Hast du dich in deiner Heiligkeit ausgesondert?<\/em> (III,6).<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Burgunden n\u00e4heres \u00fcber Dietrichs Begleiterin, die nur f\u00fcr Gernot sichtbar ist, wissen wollen, stellt sich Dietrich ahnungslos:<em> Ich kam mit meinem Gef\u00e4hrten Hildebrand <\/em>(II,7), sagt er wider besseres Wissen und verleugnet die Drud.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhilds Fragen nach seinem Verh\u00e4ltnis zu Etzel und dessen Frau weicht er aus: <em>Ihr qu\u00e4lt mich mit Eurer Frage.<\/em> (II,7) Als er von Kriemhild auf eigene W\u00fcnsche angesprochen wird, antwortet er nicht, sondern fragt ohne eigentliches Interesse und ohne eine Antwort zu bekommen zur\u00fcck: <em>Was ist mit Euch? \u2026 Habt Ihr keine eigenen W\u00fcnsche? <\/em>(III,8)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Kriemhilds Bedenkzeit nimmt Dietrich keinen Kontakt zu ihr auf. Sie ist es, die sich ihm n\u00e4hert. Und er erschrickt vor ihr: <em>Ihr seid vor Angst erbleicht<\/em>, sagt Kriemhild zu ihm. <em>Ich glaubte, einen Geist zu sehen<\/em>, entgegnet er. (III,8)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich mit den anderen Akteuren spricht Dietrich wenig, und wenn, dann \u00fcberwiegend mit Gernot. Mit Brunhild, der K\u00f6nigin am Hof, spricht er kein einziges Mal.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dietrich und die Drud<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Komplikation kommt\u201c<a id=\"_ednref31\" href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a>, sagt Zaimoglu. Und sie kommt erst ganz am Schluss des St\u00fccks. Dietrich m\u00f6chte Kriemhild endlich zu einer Entscheidung bewegen und lockt sie mit einem l\u00e4cherlich anmutenden Versprechen:<em> Ein gro\u00dfes Fest an meines K\u00f6nigs Hof w\u00fcrde Euer Gl\u00fcck besiegeln<\/em> (III,14). Durch dieses Angebot sp\u00fcrt die Drud, dass Dietrich nicht mehr l\u00e4nger auf Kriemhilds Antwort warten m\u00f6chte. Nun mischt sie sich vehement in das Geschehen ein. Gewaltsam dr\u00e4ngt die Drud Dietrich zu Kriemhild mit der Absicht, ihn zum Mord an Kriemhild zu bewegen. Es kommt zu einem Konflikt mit der Drud, dem Dietrich nicht ausweichen kann. Denn dieser Konflikt findet in seinem Innern statt. Auf der einen Seite steht die Drud mit ihrem Anliegen, eine Ehe ihres ehemaligen Mannes mit Kriemhild durch deren Ermordung zu verhindern und auf der anderen Seite wirkt Dietrichs Schwur, nie mehr t\u00f6ten zu wollen \u2013 und schon gar nicht <em>im Auftrag einer Toten!<\/em> (Dietrich III,14)<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte sich Dietrich der Drud gegen\u00fcber ge\u00f6ffnet und ihre Signale schon fr\u00fcher richtig gedeutet, w\u00e4re eine solche Eskalation der Situation vermeidbar gewesen. Denn mit allen ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln versuchte die Drud, Dietrich zu erreichen. So sang sie dem vor ihr fliehenden Dietrich ein Lied mit dem Titel: <em>Running from the ghosts of the future past<\/em> (III,6). Zu diesen Geistern, die in einer \u201egewesenen Zukunft\u201c leben, geh\u00f6rt sie selbst. H\u00e4tte Dietrich ihr zugeh\u00f6rt, statt vor ihr davonzulaufen, h\u00e4tte er Vertrauen zu ihr entwickeln k\u00f6nnen und gesp\u00fcrt, dass sie ihn nicht wegen des unger\u00e4chten Todes ihrer S\u00f6hne begleitet. Er h\u00e4tte entscheidende Informationen \u00fcber die Folgen einer Ehe Kriemhilds mit Etzel erfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer nordischen Kompilation der Dietrichsage aus dem 13. Jahrhundert, der Thidrekssaga,<a id=\"_ednref32\" href=\"#_edn32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> warnt die sterbende Hunnenk\u00f6nigin ihren Mann Etzel (Attila) pers\u00f6nlich:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Guter Herr, K\u00f6nig Attila, nimm keine Frau aus Niflungenland und keine aus Aldrians Geschlecht. Tust du es doch, wirst du daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen m\u00fcssen. Nichts wird soviel Unheil \u00fcber dich und deine Kinder bringen wie eine solche Heirat, wenn du sie eingehst.<\/em><a id=\"_ednref33\" href=\"#_edn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Nibelungenlied wird die schreckliche Erf\u00fcllung dieser Wahrsagung mit dem Untergang der Burgunden und der Hunnen geschildert. Im neuen St\u00fcck spielt das Motiv der warnenden Etzelfrau lediglich zur Charakterisierung der Drud eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrichs Verhalten der Drud gegen\u00fcber besteht in einer&nbsp; Abwehr bis zum Schluss. Statt ihrer warnenden Stimme in seinem Innern zu lauschen, beschimpft er sie: <em>Du bist ein b\u00f6ser Begleiter. Du bist \u00e4rger als ein schwarzer Hund mit grollender Kehle. Hast du Blutdurst? (\u2026) Was willst Du von mir? Du schaust, als wolltest Du mich durch Blicke w\u00fcrgen und stechen. Ich f\u00fcrchte mich vor dir. Vor welchem Unheil warnst Du mich? (&#8230;) Die H\u00f6lle heult aus Dir. (\u2026) Plage mich nicht. Ich hab nicht die Macht<\/em>.<em> Was willst Du?<\/em> (III,6) Immerhin kann er erkennen, dass die Drud will, <em>dass ich Etzels Leben sch\u00fctze. <\/em>(III,6) Auf welchem Weg das geschehen k\u00f6nnte, sieht er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der geistersichtige Gernot, der seine Frau im Kindbett verlor und der die Drud als einziger au\u00dfer Dietrich sehen kann, gibt ihm einen Ratschlag f\u00fcr den Umgang mit inneren Kr\u00e4ften, der Freuds Empfehlung f\u00fcr den vers\u00f6hnlichen Umgang mit D\u00e4monen nahe kommt: <em>Erschiene mir meine Frau als Geist, schmiegte ich mich an sie fest und fester, denn meine Liebe w\u00e4re st\u00e4rker als meine Furcht.<\/em> (III,6) Doch Dietrich wehrt ab: <em>Der Geist, den du dir herbeisehnst, saugte alles Blut aus deinem Leib.<\/em> (III,6)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr Dietrichs Einsch\u00e4tzung der Burgunden ein Zugang zu seinen Hassgef\u00fchlen hilfreich w\u00e4re, br\u00e4uchte er f\u00fcr ein Verstehen seiner inneren Stimme ein Gef\u00fchl der Liebe. Da er beide Emotionen aus seinem Leben verbannt hat, bleibt er in seiner Angst und Furcht eingeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anstatt sich ihr zu \u00f6ffnen, zieht Dietrich es vor, die Drud zu vernichten. Selbst in dem Moment ihrer Ausl\u00f6schung steht sie noch auf Dietrichs Seite und ruft ihm zu: <em>Du wirst ewig leben durch deine k\u00fchne Tat.<\/em> (III,14) Diese Tat w\u00e4re, Kriemhild umzubringen und dadurch eine Vernichtung des Hunnenvolks zu verhindern. Doch Dietrich versteht die Botschaft der Drud immer noch nicht. Nachdem er sich von dem Geistwesen befreit hat, f\u00fchlt er sich erleichtert: <em>Es ist vorbei \u2026 Ich rang sie nieder.<\/em> (III,15) <em>Die Gr\u00e4uel sind gebannt&#8230; Es ist alles zum Guten gewendet.<\/em> (III,16) Doch damit er bewegt sich weiter in einem Irrtum.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erkl\u00e4rt sich Kriemhild bereit, Etzels Heiratsangebot anzunehmen: <em>Ich werde K\u00f6nigin an der Seite eines Kriegerk\u00f6nigs<\/em> (III,15). Da \u00fcbernimmt Gernot die Rolle der Drud. Er warnt Dietrich vor der Schwester: <em>Kriemhilds Hass ist unermesslich. \u2026 Bald besitzt sie mehr, als sie je besessen hat. \u2026 Sie stiftet neuen Krieg. Sie wird die Welt entz\u00fcnden. <\/em>(III,16)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese deutlichen Worte lassen Dietrich endlich die Gefahr erkennen, in die er Etzel und das Hunnenvolk durch Kriemhild st\u00fcrzen w\u00fcrde: <em>Ihr seid das Unheil f\u00fcr meinen K\u00f6nig und sein Reich. \u2026 Tausende Krieger bringt ihr kraft Eurer Worte zu Fall. <\/em>Und zu den umstehenden Br\u00fcdern sagt er: <em>Sie hat unb\u00e4ndigen Hass im Herzen! <\/em>(III,16) Er will sie t\u00f6ten. Keiner ihrer Br\u00fcder versucht, Kriemhild vor Dietrich zu sch\u00fctzen, nur Hildebrand will Dietrich zur\u00fcckzuhalten. In diesem Moment wird Dietrich von Brunhild erstochen \u2013 und das Hunnenland durch diese Tat Brunhilds vor Kriemhilds W\u00fcten bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Brunhild als Inkarnation des B\u00f6sen gewinnt. Sie erweist sich als diejenige, die die F\u00e4den die ganze Zeit \u00fcber in der Hand h\u00e4lt. Von allen unbemerkt verfolgt sie in aller Heimlichkeit ihr Ziel, Burgund in der Zukunft durch Kriege zerst\u00f6ren zu lassen. Sie erreicht es, auch wenn sie selbst als Angeh\u00f6rige des Burgundenvolks dadurch ihr Leben verlieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong> Wie auf der Folie der ermittelnden Kriterien f\u00fcr diplomatisches Handeln zu zeigen war, kann Dietrich von Bern aufgrund seines defizienten, von den Autoren nachdr\u00fccklich konturierten Pers\u00f6nlichkeitsbildes und der Problematik seiner existentiellen Situation in der ihm \u00fcbertragenen Funktion als Sendbote Etzels am Hof der Burgunden keine Diplomatie aus\u00fcben. Ihm fehlt die F\u00e4higkeit des objektiven `Betrachtens\u00b4, so dass f\u00fcr ihn bereits das `Hinsehen\u00b4 als Voraussetzung f\u00fcr `Beobachten\u00b4 und `Analysieren\u00b4 nicht m\u00f6glich ist. Er bemerkt nicht, in welcher Gesellschaft er sich befinde und hinterfragt seinen Auftrag, Kriemhild zu Etzel zu bringen, nicht. An den Absichten seiner Gegen\u00fcber zeigt er kein Interesse. Die Kontrolle \u00fcber die jeweilige Lage liegt in ihren H\u00e4nden. So bleibt er bis kurz vor Ende des St\u00fccks in allen Situationen passiv und statisch, gefesselt in inneren K\u00e4mpfen und gel\u00e4hmt nach au\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bew\u00e4ltigung seiner inneren Konflikte gelingt Dietrich nicht auf friedlichem Weg. Dietrichs Abwehr, ein Resultat seiner Angst vor einer Bedrohung durch die Drud, machen einen Kontakt zu ihr unm\u00f6glich. Im Umgang mit sich selbst&nbsp; versagt er ebenso wie im Umgang mit den Burgunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine drei Ziele erreicht er nicht. Er wollte auf Gewalt verzichten und kampflos bleiben. Er wollte&nbsp; Kriemhild zu Etzel zu f\u00fchren, und er wollte Burgund mit dieser Heiratsvermittlung den Frieden bringen. Am Ende tritt von allem das genaue Gegenteil ein und Dietrich selbst verliert durch eine Gewalttat sein Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Suche nach einer befriedigenden Antwort auf die Frage, warum der Held des St\u00fcckes von Zaimoglu\/Senkel zwar als Diplomat angek\u00fcndigt wird, es in Wahrheit jedoch nicht ist, k\u00f6nnte auf einer anderen Ebene eine L\u00f6sung gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Auff\u00fchrung erscheint auf der B\u00fchnenleinwand ein \u00fcberdimensional gro\u00dfes Auge<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\"><sup>[34]<\/sup><\/a>, das in die R\u00e4nge der Zuschauer blickt&nbsp; \u2013&nbsp; vielleicht mit einer Botschaft an das Publikum, selbst hinzuschauen, selbst zu pr\u00fcfen, sich nichts vormachen zu lassen, zu hinterfragen, was man h\u00f6rt, sieht oder liest: Der Held, der als Diplomat angek\u00fcndigt und eben auf der B\u00fchne ermordet wurde, war in Wirklichkeit keiner.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage Zaimoglus, ob Gewalt zu vermeiden w\u00e4re, wird durch das St\u00fcck differenziert beantwortet. Im Umgang mit inneren Konflikten ist eine Gewaltfreiheit unbedingt notwendig, ganz im Sinne Sigmund Freuds, der ein Verstehen der widerstrebenden Kr\u00e4fte im Innern empfiehlt, um eine Vers\u00f6hnung mit ihnen zu erm\u00f6glichen. Gelingt diese Auss\u00f6hnung nicht, besteht die Gefahr, dass sich diese ungel\u00f6sten Spannungen nach au\u00dfen hin in Gewalttaten und Kriegen entladen, wie es Thomas Mann in seinem Brief an Samuel Fischer beschreibt und wie dies auch im aktuellen St\u00fcck anhand der Charaktere von Kriemhild, Brunhild und Dietrich gezeigt wird. Ist ein Krieg erst einmal ausgebrochen, w\u00fcrde eine von einer Partei praktizierte Gewaltlosigkeit eine Unterwerfung dieser Seite bedeuten. Im St\u00fcck wird ein solcher Prozess gleich im ersten Akt durch Dietrichs freiwilligen Verzicht auf Land und Krone veranschaulicht. Denn mit dieser Entscheidung \u00fcberl\u00e4sst er sein Volk einem Tyrannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autoren Zaimoglu\/Senkel f\u00fchren ihren Dietrich von Bern zu den Burgunden in eine Sippe voller Verderbtheit. Von einer Zivilisiertheit sind die Burgunden weit entfernt, ein Krieg wird sie ausl\u00f6schen. Der angef\u00fchrte Brief Thomas Manns an Samuel Fischer k\u00f6nnte auch das Ende dieses St\u00fccks \u2013 und nicht nur dasjenige von Thomas Manns eigenem Roman, dem Zauberberg \u2013 kommentieren. Denn Thomas Mann f\u00e4hrt in diesem Brief fort: \u201e(&#8230;) in die Verkommenheit meines Zauberberges soll der Krieg von 1914 als L\u00f6sung hereinbrechen.\u201c<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\"><sup>[35]<\/sup><\/a> Eine wie auch immer geartete Diplomatie w\u00e4re in beiden Dichtungen zu einer Zivilisierung der entgleisten Gesellschaften zwecklos.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Feridun Zaimoglu, G\u00fcnter Senkel: Der Diplomat. Nibelungen-Festspiele Worms 2024. Von den Autoren autorisierte&nbsp;Arbeitsfassung vom 17. Juni 2024<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Der Brief wurde zitiert nach Dieter Borchmeyer: Thomas Mann. Werk und Zeit. Berlin 2022, S. 619<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn3\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Sigmund Freud, zitiert nach Adolf Muschg: Psychoanalyse und Manipulation. In: Manfred Dierks (Hrsg.): Adolf Muschg. Frankfurt a.M. 1989, S. 296<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn4\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Von einer Berufsdiplomatie, in der man ein diplomatisches Vorgehen reflektiert, spricht die Diplomatieforschung erst ab Anfang des 17. Jahrhunderts. F. de Calli\u00e8re untersucht die Verhandlungspraxis auf Akteursebene im Jahr 1716 zum ersten Mal. F\u00fcr die Zeit davor spricht die Diplomatieforschung von ad-hoc-Gesandtschaften. Vgl. Hillard von Thiessen: Idealtypus des fr\u00fchneuzeitlichen Gesandtschaftswesens, in: Ders. u. Christian Windler (Hgg.): Akteure der Au\u00dfenbeziehungen. K\u00f6ln, Weimar, Wien 2010, S. 115, S. 474 und S. 477<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn5\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> Diplomatie. In: Das Fremdw\u00f6rterbuch. Duden. Bd. 5. Mannheim, Wien, Z\u00fcrich 1982, S. 187<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn6\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Diplomatie. In: Digitales W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache. 2025<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn7\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Corina Bastian: Wann gelingen Verhandlungen? Impulse aus der praktischen Konfliktkl\u00e4rung f\u00fcr die Geschichtswissenschaft. In: Julia Gebke et al. (Hgg.): Das diplomatische Selbst in der fr\u00fchen Neuzeit. M\u00fcnster 2022. S.17-35, hier S. 20<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn8\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Lothar Bayer u. R. Bergius: Konflikt. In: Dorsch. Lexikon der Psychologie. Bern 2017, S. 921f.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn9\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Die Kriterien f\u00fcr eine erfolgreiche Verhandlungsvorbereitung stammen aus Charles W. Thayer: Diplomat. Hamburg 1960, Kapitel 7: Theorie und Praxis, S. 128-144; vgl. auch Jan Eliasson: Was l\u00e4sst uns in Verhandlungen und als Vermittler erfolgreich sein oder scheitern? In: Tobias Bunde, Benedikt Franke (Hgg.): Die Kunst der Diplomatie. Berlin 2022. S. 395-398<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn10\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Jacob und Wilhelm Grimm: Hinsehen. Deutsches W\u00f6rterbuch. Bd. IV,II. 1877, Sp. 1468, Z. 19<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn11\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> Beobachten. In: Digitales W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache. 2025<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn12\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Jean-Claude Waquet: Vom Orator zum Diplomaten. In: Hillard von Thiessen u. Christian Windler (Hgg.): Akteure der Au\u00dfenbeziehungen. K\u00f6ln, Weimar, Wien 2010. S. 113-131, hier S. 123<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn13\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Lothar Bayer, Anm. 8, S. 922<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn14\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Bastian,&nbsp; wie Anm. 7, S. 20<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn15\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Bastian, wie&nbsp; Anm. 7, S. 30<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn16\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a>&nbsp;Bastian, wie Anm. 7, S. 17<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn17\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Waquet, wie Anm. 12, S. 122<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn18\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Waquet, ebd. S. 122<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn19\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a>&nbsp;Bastian, wie Anm. 7, S. 27<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn20\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a>&nbsp;Waquet, wie Anm. 12, S. 125<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn21\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a>&nbsp;Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutscher Text und \u00dcbertragung. Hrsg. von Helmut Brackert. Frankfurt\/Main 1971<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn22\" href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> Elisabeth Lienert u. Dorit Wolter (Hgg.): Rabenschlacht und textgeschichtliche Ausgabe. T\u00fcbingen 2006<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn23\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a>&nbsp;Feridun Zaimoglu im Interview in Worms am 23. April 2024. Das Thema Diplomatie spielt seit Homers Odyssee (zwischen 1000 und&nbsp; 800 v. Chr.) in Dichtungen bis heute eine Rolle. Vgl. Thayer, Anm. 9, S. 136<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn24\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Feridun Zaimoglu im Telefoninterview am 8. M\u00e4rz 2024<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn25\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Jan-Dirk M\u00fcller: Das Nibelungenlied, in: Interpretationen. Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen. Hrsg.&nbsp;&nbsp; von Horst Brunner. Stuttgart 1993, S. 146-172, hier S. 146<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn26\" href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Zaimoglu, wie Anm. 25<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn27\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Zaimoglu, wie Anm. 25<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn28\" href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Zaimoglu, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn29\" href=\"#_ednref29\">[29]<\/a> Zaimoglu, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn30\" href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Zaimoglu, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn31\" href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Zaimoglu, ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn32\" href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Die Thidrekssaga oder Dietrich von Bern und die Niflungen. \u00dcbersetzt von Friedrich von der Hagen 1855. Neu hg. von Heinz Ritter-Schaumburg. Goar 1989<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn33\" href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Zitiert nach Michael Curschmann: Zur Wechselwirkung von Literatur und Sage. In: Beitr\u00e4ge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. T\u00fcbingen 1989, Bd. 111, S. 380-410, hier S. 389<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[34]<\/a> In der Textfassung steht als Anweisung f\u00fcr das B\u00fchnenbild: \u201eAufbau des letzten Bildes mit den gro\u00dfen Augen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\">[35]<\/a> Thomas Mann, wie Anm. 2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Magdalen Frank Das St\u00fcck, das im Sommer 2024 in Worms anl\u00e4sslich der Nibelungen-Festspiele zur Auff\u00fchrung kam, tr\u00e4gt den Titel: Der Diplomat.[1] Verfasst haben es Feridun Zaimoglu und G\u00fcnter Senkel. Als Protagonisten w\u00e4hlten sie die Sagengestalt Dietrich von Bern, der hier als ein Diplomat auftreten soll. 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