{"id":719,"date":"2024-11-15T10:24:02","date_gmt":"2024-11-15T09:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?page_id=719"},"modified":"2024-11-21T14:13:32","modified_gmt":"2024-11-21T13:13:32","slug":"koenig-gunther-und-worms","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/koenig-gunther-und-worms\/","title":{"rendered":"K\u00f6nig Gunther und Worms"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vortrag von Dr. Ellen Bender am 14. September 2023 anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation von Eichfelders \u201eMYTHOS WORMS. Stadt\/Geschichte\/Sage&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Vortrag \u00fcber den Burgunderk\u00f6nig Gundahar bzw. Gunther zu halten, ist ein Wagnis. Die Herausfor-derung besteht darin, eine Darstellung zu bieten, in welcher die Sage vom Burgundenuntergang mit der Diskussion um ihre historische Basis in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Die historischen Grundlagen: Das sind die antiken Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gegenstand meines Vortrags ist zun\u00e4chst ein Name: Burgunder! Wo und wann taucht dieser Name auf? Die Erstnennung der Burgunder finden wir bei dem r\u00f6mischen Schriftsteller Plinius dem \u00c4lteren; er starb 79 n. Chr. Plinius sieht die Burgunder im 1. Jh. n. Chr. auf der Wanderung von der Ostsee und von Polen in das Rhein-Main-Mosel-Gebiet <a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\"><sup>[i]<\/sup><\/a>. Es sind also Ostgermanen. Auf ihren Beutez\u00fcgen pl\u00fcndern sie zusammen mit Vandalen und Alemannen r\u00f6mische Truppenkassen. Bei den Rhein\u00fcberg\u00e4ngen seit dem   3. Jahrhundert wurden ihnen r\u00f6mische Sch\u00e4tze wieder abgejagt und gingen verloren. Die Erinnerung daran halten sie in ihren Sagen fest.<\/p>\n\n\n\n<p>In der neueren Forschung spricht man davon, dass es kleinere burgundische Truppenverb\u00e4nde am n\u00f6rdlichen Oberrhein im 5. Jahrhundert gegeben habe. Man solle hier besser nicht von einem Volk der \u201eBurgunder\u201c sprechen, sondern von (lat.) Burgundionen, die unter der F\u00fchrung ihres K\u00f6nigs in Gallien siedelten. <\/p>\n\n\n\n<p>Von <em>Orosius<\/em> (385-418), einem sp\u00e4tantiken Historiker, erfahren wir in einer literarischen Weltgeschichte: \u201eDaf\u00fcr, dass sie starke und gef\u00e4hrliche Truppen hatten, zeugten sie heute (also um 417\/418), da sie sich n\u00e4mlich in Gallien festgesetzt hatten.\u201c <a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Historikerin Laetitia Boehm <a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\"><sup>[iii]<\/sup><\/a> tritt die Vermittlerrolle der Burgunder zwischen der romanischen und germanischen Welt in den Vordergrund. 369 f\u00fchrte n\u00e4mlich der r\u00f6mische Kaiser Valentinian I. (364-375) mit K\u00f6nigen, \u201ereges\u201c, der Burgunder B\u00fcndnisverhandlungen, was vermuten l\u00e4sst, dass die Burgunder mehrere (Klein-) K\u00f6nige hatten. Ob diese zu einer oder mehreren K\u00f6nigsfamilien geh\u00f6rten, ist nicht auszumachen. Sie wurden Foederati der R\u00f6mer genannt. Bekannt ist eine Inschrift um 400 aus dem r\u00f6mischen Trier, laut der einem (20-j\u00e4hrigen) kaiserlichen Leibw\u00e4chter namens Hariulfus, dem Sohn des Hanhavaldus, \u201eaus dem k\u00f6niglichen Stamm der Burgunden\u201c(\u201eHariulfus Protector domesticus filius Hanavaldi regalis gentis Burgundionum vlexit viginti annos et mensis nove et<em> <\/em>dies nove Reutilus avunculus<em> si<\/em>s fecit\u201c<em>),<\/em> der vielleicht am Trierer Kaiserhof und im r\u00f6mischen Heer Karriere machte, das Grabmal gesetzt wurde: \u201eHariulf, kaiserlicher Leibgardist, Sohn des Hanavald aus dem k\u00f6niglichen Geschlecht der Burgunden, hat 20 (viginti) Jahre und 9 Monate und 9 Tage gelebt. Reutilo, sein Onkel (avunculus) hat (die Grabinschrift) gesetzt.\u201c&nbsp;Der Hariulfus-Grabstein befindet sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Trier; eine Kopie des Grabsteins ist im Besitz der Andreaskirche in Worms. Den Burgunder <em>Hariulfus<\/em> k\u00f6nnen wir also mit diesem Zeugnis arch\u00e4ologisch nachweisen. Die Rangbezeichnung \u201eregalis\u201c ist strittig: Sie k\u00f6nnte mit \u201af\u00fcrstlich\u2018 oder \u201ak\u00f6niglich\u2018 wiedergegeben werden. Vielleicht war ihr mit dem Namen \u201eBurgundionen\u201c verbundenes K\u00f6nigtum ein identit\u00e4tsstiftendes Element in Abgrenzung gegen\u00fcber anderen Gruppen? <a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\"><sup>[iv]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die ostgermanisch-skandinavische Herkunft der Burgunder (\u201eSkandinavienthese\u201c) fand eine gewisse St\u00fctze im Namen der d\u00e4nischen Insel \u201eBornholm\u201c, deren alter Name Burgundarholmr lautete und deren Bewohner in der altenglischen Bearbeitung des <em>Orosius<\/em> Ende des 9. Jahrhunderts Burgendas genannt wurden. <sup><a id=\"_ednref5\" href=\"#_edn5\">[v]<\/a>&nbsp;<\/sup> Doch eine \u00dcbereinstimmung des Inselnamens mit dem Namen des Volkes ist nicht zu beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Die Burgunder am Rhein (413-436)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Burgunder verb\u00fcndeten sich, wie oben genannt, mit Kaiser Valentinian I. 369 gegen die Alemannen, mit denen sie st\u00e4ndig in Streit lagen, insbesondere in dem Gebiet zwischen Taunus und Neckar. <em>Orosius<\/em> sprach von 80.000 Bewaffneten (armati), die sich am Ufer des Rheins niederlie\u00dfen: \u201eBurgundionum LXXX [octoginta] ferme milia, quod nunquam antea, ad Rhenum descenderunt\u201c.<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\"><sup>[vi]<\/sup><\/a> Doch als die burgundischen Truppen an den Rhein vorr\u00fcckten, wo der Kaiser mit dem Bau von Befestigungen besch\u00e4ftigt war, beunruhigten sie offenbar die R\u00f6mer.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Jahreswende 406\/407 erk\u00e4mpfte eine V\u00f6lkerlawine von Goten, Vandalen, Alanen, Sueben den Durchbruch der Rheingrenze, pl\u00fcnderte und verw\u00fcstete Gallien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Zeugnissen des lat. Kirchenvaters <em>Eusebius Hieronymus<\/em> (geb. 348, gest. 420 in Bethlehem) und des <em>Orosius<\/em> hatten sich auch Burgunder dem Zug angeschlossen und waren ebenfalls \u00fcber den Rhein gezogen. Hieronymus hat diese V\u00f6lkerlawine ausdr\u00fccklich in seinen Epistolae (123,15) geschildert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zweite Notiz, diesmal in der Chronik des <em>Prosper Tiro von Aquitanien<\/em> zu 413, spricht dann von der Ansiedelung der Burgunder in der N\u00e4he des Rheins: \u201eBurgundiones partem Galliae propinquam Rheno optinuerunt\u201c <a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\"><sup>[vii]<\/sup><\/a>, und zwar jetzt als Verb\u00fcndete (foederati) der R\u00f6mer, die sich verpflichteten, die Rheingrenze zu sichern. Kaiser Honorius nahm sie in das r\u00f6mische Imperium auf \u2013 als Bollwerk gegen andere germanische St\u00e4mme. Sp\u00e4testens bei seinen Kriegsvorbereitungen gegen die Franken d\u00fcrfte der r\u00f6mische Feldherr A\u00ebtius eine taktische Allianz mit dem Burgunderk\u00f6nig eingegangen sein (zum Schein?). Man muss von einer etwa zwei Jahrzehnte dauernden burgundischen Besetzung eines l\u00e4ngeren Abschnitts der Rheingrenze ausgehen &#8211; Ob es den sagenhaften Burgunderhof in Worms gab, bleibt allerdings ein R\u00e4tsel.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Notiz \u00fcber die Ansiedelung am Rhein schien die aus dem Nibelungenlied bekannte Lokalisierung der Burgunder am Rhein gesichert zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die traditionelle Deutung eines \u201eBurgunderreiches am Rhein\u201c wurde grunds\u00e4tzlich seit den 1920er Jahren, u.a. von dem belgischen Historiker Henri Gr\u00e9goire in Frage gestellt: Die Nibelungen seien die Leute von Nivelles!? Es gibt auch die Niederrhein-These, die dann aber von Peter Wackwitz und Karl Friedrich Stroheker widerlegt worden ist, ebenso die Nideggen-, Z\u00fclpich- oder Soest-These des Dietrich-von-Bern-Forums \u2013 alles Orte, die mit der Thidrekssaga in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach neuestem Forschungsstand der Mainzer Arch\u00e4ologen Ronald Kn\u00f6chlein und Gerd Rupprecht (2005) wird von der Lokalisierung am n\u00f6rdlichen Oberrhein ausgegangen, wenn auch oft mit der Einschr\u00e4nkung, dass diese Lokalisierung sehr wahrscheinlich, aber letztlich nicht vollst\u00e4ndig arch\u00e4ologisch beweisbar sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Patrick Jung <a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\"><sup>[viii]<\/sup><\/a> f\u00fchrt eine Mainzer Truppenliste von 420\/30 an und kommt zu dem Ergebnis, dass es berechtigte Hinweise auf kleinere burgundische Verb\u00e4nde im Raum Mainz-Worms im 5. Jahrhundert g\u00e4be. Eine erneute Untersuchung der zweiten Bebauungsphase des sp\u00e4tantiken Kastells Alzey (Alteium) l\u00e4sst f\u00fcr den Arch\u00e4ologen J\u00fcrgen Oldenstein den Schluss zu, dass die Burgunder als Foederaten der R\u00f6mer die Grenzverteidigung mit charakteristischen organisch gedeckten Fachwerkbauten \u00fcbernahmen. Es wurden G\u00fcrtelschnallen und Fibeln von \u201edonaul\u00e4ndischem Charakter\u201c gefunden sowie Glasperlen, Keramik, K\u00e4mme, die eine Zuweisung an Ostgermanen erlaubten. Weiterhin nennt Patrick Jung die Neubewertung von altbekanntem Material wie der Grabfunde aus Wolfsheim\/Kreis Bingen aus dem 5. Jahrhundert \u2013 sowie, ganz aktuell, der \u201eWiesbadener Fibeln\u201c <a id=\"_ednref9\" href=\"#_edn9\"><sup>[ix]<\/sup><\/a>: Es handelt sich um Bronzefibeln aus dem Gr\u00e4berfeld von Wiesbaden-Erbenheim von 433, die Swilcza in S-O Polen &#8211; \u00f6stlich von Krakau &#8211; zuzuweisen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Phase der Burgunder am Oberrhein endete mit ihrer Niederlage 436, sozusagen mit ihrem Untergang, der literarisch allerdings am Hof des Hunnenherrschers Etzel im Nibelungenlied gestaltet worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Welche Konstellation f\u00fchrte zum Fehlverhalten des Burgunderk\u00f6nigs?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Arch\u00e4ologische Befunde verweisen auf einen starken Einfluss der von Osten anr\u00fcckenden Hunnen bei den Burgundern. \u00dcbrigens hatte auch der r\u00f6mische Heermeister A\u00ebtius jahrelang als Geisel am hunnischen Hof gelebt. Allem Anschein nach waren zwischen 425 und 439 die hunnischen Reiters\u00f6ldner die Garanten der in Gallien erfochtenen r\u00f6mischen Siege. <a id=\"_ednref10\" href=\"#_edn10\"><sup>[x]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Und es mag wohl der hunnische Druck gewesen sein, der die rheinischen Burgunder unter ihrem K\u00f6nig Guntar\/Gundiharius veranlasst haben k\u00f6nnte, in die benachbarte Provinz Belgica vorzur\u00fccken. Die Westexpansion in die Belgica galt aber den R\u00f6mern als Aufstand der burgundischen Foederaten (\u201eBurgundiones qui rebellaverant (rebellierten) a Romanis duce A\u00ebtio debellantur\u201c) (wurden besiegt) (= <em>Hydatius<\/em> zum Jahr 435) -, ein sicherer Hinweis auf ihre Unzuverl\u00e4ssigkeit in den Augen der R\u00f6mer. Der Heermeister A\u00ebtius sah in dem Verhalten des K\u00f6nigs Gundahari einen Vertrags- und Treuebruch. Und wohl deshalb hat er ihn durch seine hunnischen Hilfstruppen pr\u00fcgeln lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Der sp\u00e4tantike Schriftsteller <em>Prosper Tiro<\/em> (um 390 bis nach 455) schreibt in seiner Chronik \u00fcber den Untergang der Burgunder: \u201eZu jener Zeit (436) bek\u00e4mpfte der R\u00f6mer <em>A\u00ebtius<\/em> den Gundicharius Burgundionum rex, also den K\u00f6nig der Burgunden, der im Gebiet von Gallien ans\u00e4ssig war. Er warf ihn im Krieg nieder und gew\u00e4hrte ihm auf seine Bitte Frieden, den dieser jedoch nicht lange genoss, weil ihn die Hunnen mitsamt seinem Volk \u201eab stirpe\u201c (\u201amit Stumpf und Stil\u2018) vernichteten\u201c: \u201eEodem tempore Gundicharium Burgundionum regem intra Gallias habitantem A\u00ebtius bello obtrivit pacemque ei supplicanti dedit, qua non diu potitus est, siquidem illum Chuni cum populo suo ab stirpe deleverint.\u201d <a id=\"_ednref11\" href=\"#_edn11\"><sup>[xi]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Das K\u00f6nigsgeschlecht des Gundicharius war vernichtet. Das ist der ber\u00fchmte Burgundenuntergang, der von <em>Prosper<\/em> letztlich den Hunnen zugeschrieben wurde und in die Nibelungensage eingegangen ist. Und als K\u00f6nig der Burgunden wird Gundicharius genannt. Allerdings waren es nach der <em>Chronica Gallica<\/em> von 452 und der Chronik des <em>Hydatius<\/em> (394-468) nicht die Hunnen, sondern A\u00ebtius selbst, der \u201efast das ganze Volk der Burgunder mit dem K\u00f6nig\u201c vernichtete. Zu unterscheiden sind nach <em>Prosper<\/em> und <em>Hydatius<\/em> mindestens zwei K\u00e4mpfe, die 435 und 436 stattgefunden haben. Die beiden widerspr\u00fcchlichen Nachrichten sind wohl so auf einen Nenner zu bringen, dass der Sieg \u00fcber die Burgunder dem A\u00ebtius und seinen hunnischen Soldtruppen zuzusprechen ist. Die <em>Chronica Gallica<\/em> vermeldet zu 436 die Vernichtung \u201efast des gesamten Volkes mitsamt dem K\u00f6nig\u201c, aber einige Zeilen weiter hei\u00dft es zu 443: Den Resten der Burgunder wird die Sapaudia zur Ansiedelung mit den Einheimischen gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Ansiedelung im Raum des Genfer Sees und an der Rh\u00f4ne beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Burgunder, n\u00e4mlich das \u201eBurgunderreich an der Rh\u00f4ne\u201c (443-532\/34).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Der Name des burgundischen K\u00f6nigs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem \u00dcbergang \u00fcber den Rhein wird Guntiarius als \u201aphylarchos\u2018 bezeichnet, was Stammesh\u00e4uptling, aber auch K\u00f6nig bedeuten kann (<em>Olympiodor<\/em>). 435 wird dann Guntiar rex als rex Burgundionum genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sp\u00e4tere K\u00f6nig Gundobad (473-516) des Rh\u00f4nereiches nennt in der \u201aLex Burgundionum\u2018, einer Sammlung der burgundischen Stammesrechte\/Gesetze, vor 501 abgefasst, die Namen seiner Vorg\u00e4nger als burgundische K\u00f6nige. Er bezeichnet sich selbst als Nachfolger der Burgunderk\u00f6nige Gibica, Godomarus, Gislaharius, Gundaharius. Guntar\/Gundahar[ius] ist demnach der vierte Name nach Gibica, dem erstgenannten, dem Spitzenahn der sogenannten Gibichungen<a id=\"_ednref12\" href=\"#_edn12\"><sup>[xii]<\/sup><\/a> in der Erbfolge. Der Name Gundahar(ius) ist also ein alter burgundischer K\u00f6nigsname, ein Leitname der Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der mittelalterlichen Nibelungensage war Gibica (Gibicho im Waltharius, Gibeche im Rosengartenlied, Gjuki in der Edda; Dankrat im Nibelungenlied) der Vater dreier S\u00f6hne. Sie hei\u00dfen Godomar\/Gundomar (= Gernot, Gernoz), Gislahar (= Giselher) und Gundahar\/Gundichar (= Gunther, Guntharius). Der einzige aus zeitgen\u00f6ssischen Quellen bekannte ist eben Guntar\/Gundahar (Guntiarius, Gundicharius). Selbst bei gleichzeitiger Herrschaft der Br\u00fcder wird man sie und den Vater in das ausgehende 4. bzw. beginnende 5. Jahrhundert setzen, d.h. etwa in die Zeit, aus welcher die Inschrift aus Trier stammt mit dem Namen des Hariulfus und des Hanhavaldus als Angeh\u00f6rige einer burgundischen K\u00f6nigsfamilie. Die Namen Hariulf und Hanhavald tauchen im Namensschatz der K\u00f6nigsfamilie der Gibichungen nicht auf-, was vielleicht ein Hinweis auf mehrere solcher Kleink\u00f6nigsfamilien ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Links des Rheins standen von (411)\/413 bis (435)\/436 die Burgunder unter Guntars Herrschaft. Eine K\u00f6nigsherrschaft beidseits des Rheins wird nur in der literarischen Tradition \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Etymologisch geht der Name Gundahar auf althochdeutsch gund- = Krieg, Kampf und heri = Heer, zur\u00fcck. Der bei den Burgunderk\u00f6nigen \u00f6fter auftauchende charakteristische Wortstamm -gund k\u00f6nnte auf Bur<em>gund<\/em> zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, k\u00f6nnte aber auch als Namensteil infolge verwandtschaftlicher Beziehungen erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunt-har d\u00fcrfte eine Art Heerk\u00f6nig gewesen sein, doch einer, der zu einer stirps regia, zu einem fr\u00fchmittelalterlichen K\u00f6nigtum, geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachweis eines phylarchos seit 411 (Stammesh\u00e4uptling; K\u00f6nig), eines rex Burgundionum (436), einer K\u00f6nigsfamilie, eines populus, d.h. eines Volkes, das auf den K\u00f6nig hin orientiert ist (\u201epopulo suo\u201c bei <em>Prosper Tiro<\/em>) und eines Gebietes (\u201epartem Galliae propinquam Rheno\u201c) macht es verst\u00e4ndlich, dass in der modernen Forschung &#8211; wohl unter dem Eindruck des Reiches Gunthers von Worms im Nibelungenlied \u2013 gelegentlich von einem \u201erheinischen Reich der Burgunder\u201c oder vom \u201eWormser Reich\u201c gesprochen wird. An diesem Sprachgebrauch muss man Kritik \u00fcben, weil es sich hier um eine Vermengung der antiken Quellen mit der literarischen Tradition des Mittelalters handelt. Dennoch: Da in der K\u00f6nigsliste der Lex Burgundionum die K\u00f6nige Gibica, Godomar, Gislahar und Gundahar genannt werden, die in die Nibelungensage aufgenommen worden sind, scheint eine solche Lokalisierung am n\u00f6rdlichen Oberrhein als Herrschaftsgebiet der Burgunder gerechtfertigt. <a id=\"_ednref13\" href=\"#_edn13\"><sup>[xiii]<\/sup><\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und: Die oben angef\u00fchrten Zeugnisse zu 1.) K\u00f6nig, 2.) Volk und 3.) Gebiet sowie 4.) das Zeugnis des sich in der Lex Burgundionum widerspiegelnden Bewusstseins der Kontinuit\u00e4t der Herrschaft, einer ererbten K\u00f6nigsherrschaft von der Zeit der Niederlassung am Rhein bis in die Tage Gundobads um 500 gilt es festzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Burgunde Gundahar geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen Gestalten der V\u00f6lkerwanderungszeit wie der Gote Theoderich und der Hunne Attila.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ereignisse um die Niederlage der Burgunder &#8211; in der Verkn\u00fcpfung mit der Gestalt des Hunnenk\u00f6nigs Attila, der allerdings erst 453 starb &#8211; k\u00f6nnten schon bei den an die Rh\u00f4ne umgesiedelten Restburgundern in der kollektiven Erinnerung fortgelebt haben und zu Heldenliedern geformt worden sein, die dann beim Gastmahl zur Leier gesungen wurden. Haben sie die traumatische Erinnerung an den Untergang ihrer K\u00f6nigssippe in einem Lied bewahrt? Solche Lieder erw\u00e4hnt schon Sidonis Apollinaris 461.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Die Landnahme der fr\u00e4nkischen Merowinger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der lateinischen Heldensage des Waltharius des 9.\/10. Jahrhunderts werden die burgundischen Gibichungen nun zu Franken. Weshalb? Ein kurzer Blick auf die weitere Geschichte der Burgunder bringt die Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Lyon war die Residenz des burgundischen K\u00f6nigs Gundobad (473 &#8211; 516) im Rh\u00f4nereich. Er sah sich von einer doppelten Gefahr bedroht: im Norden durch die Franken, im S\u00fcden durch die Goten. Weder die Verm\u00e4hlung der Burgundin Chrodechild mit dem Frankenk\u00f6nig Chlodwig noch die Friedensappelle des Ostgotenk\u00f6nigs Theoderich (gest. 526)<a id=\"_ednref14\" href=\"#_edn14\"><sup>[xiv]<\/sup><\/a> konnten den Ausbruch des westgotisch\/burgundisch-fr\u00e4nkischen Krieges im Jahre 500 verhindern. Das regnum Burgundiae wurde als \u201etributpflichtiger Besitz\u201c in das Frankenreich eingegliedert. Die Eroberung durch die Franken 534 hatte zur Folge, dass die Merowinger das Gebiet zwischen Dijon (lat. Divio) und Chalon (lat. Cabillonum), in welchem eine burgundische Pr\u00e4senz arch\u00e4ologisch erwiesen ist, durch fr\u00e4nkische Krieger sichern lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Burgundische Siedlungen wurden im 5.\/6. Jahrhundert mehrfach von den Franken im Zuge der Fr\u00e4nkischen Landnahme unterworfen. Eindeutige Siedlungs- und Grabst\u00e4tten der Burgunder kennt die Ober\/Mittelrheinregion nicht, wohl aber fr\u00e4nkische Siedlungen und Gr\u00e4berfelder aus der Zeit der Merowinger. Die Zeit der fr\u00e4nkisch-merowingischen Landnahme hinterlie\u00df \u00fcbrigens das F\u00fcrstengrab von Flonheim mit dem F\u00fcrstenschwert und am Ortsausgang von Worms-Westhofen ein gro\u00dfes Gr\u00e4berfeld. [Ein merowingerzeitliches Gr\u00e4berfeld gibt es auch bei Lampertheim.] Unsere Region zeigt eine durch viele Rheininseln gepr\u00e4gte \u201eLandschaft\u201c, in der die Franken unter ihren merowingischen Heerk\u00f6nigen des 5. bis 7. Jahrhunderts eine ma\u00dfgebliche Rolle gespielt haben. Das Bewusstsein burgundischer Abstammung ist im 6. Jh. in der Merowingerfamilie unter den Kindern und Enkeln Chlodwigs deutlich nachzuweisen (z.B. mit den Namen Gunthram oder G[Chl]odomar).<\/p>\n\n\n\n<p>Die merowingischen Franken sind sozusagen die \u201eBurgundererben\u201c nach deren \u201eVerschwinden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es wohl verst\u00e4ndlich, dass in den Jahrhunderten nach der Eingliederung in das Frankenreich der Stoff der burgundischen Gibichungen bzw. Nibelungen auf die Franken \u00fcbertragen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Die literarische Tradition: Waltharius\u2013Edda-Nibelungenlied<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>a) Das Narrativ des Waltharius (lat.) bzw. des Waltharilieds um 930<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier treffen wir zum ersten Mal auf einen K\u00f6nig Gunther von Worms in der literarischen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Waltharius ist eine lateinische Heldendichtung, in Hexametern verfasst, die um 930 aufgezeichnet wurde. Das Lied geh\u00f6rt zu einem fr\u00fchen \u00dcberlieferungsstrang der Nibelungensage; es kn\u00fcpft an die gro\u00dfen Gestalten des Nibelungenstoffes an: an Gibich, den Vater K\u00f6nig Gunthers sowie an Hagen und Attila. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz zum Inhalt: Attila bedroht auf seinen Feldz\u00fcgen die V\u00f6lker Westeuropas. Damit sich die Hunnen zur\u00fcckziehen, geben der fr\u00e4nkische, burgundische und westgotisch-aquitanische Herrscher Geiseln und Sch\u00e4tze als Tributzahlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Frankenk\u00f6nig Gibicho muss seinen K\u00f6nigsschatz als Tributzahlung f\u00fcr seinen Sohn an den Hunnenk\u00f6nig abtreten sowie seinen Gefolgsmann Hagen als Geisel (Waltharius, V. 116 ff.). Als der Frankenk\u00f6nig Gibicho stirbt, flieht Hagen vom Hunnenhof. Nach dessen Flucht versucht Attila den Westgoten Walther fester an sich zu binden. Doch Walther hat sich in Hildegunde verliebt und beschlie\u00dft die Flucht mit ihr und einem Teil der k\u00f6niglichen Sch\u00e4tze. Der Plan gelingt. Walther und Hildegunde gelangen unentdeckt bis zum Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Verse 430,1-4:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\"><em>Ipso quippe die, numerum qui clauserat istum,&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Venerat ad fluvium iam vespere tum mediante,<br>Scilicet ad Rhenum, qua cursus tendit ad urbem<br>Nomine Wormatiam regali sede nitentem.<\/em> <a id=\"_ednref15\" href=\"#_edn15\"><sup>[xv]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersetzung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSelbigen Tages erreicht er [der Held Walther], als schon der Abend hereinbrach, Endlich des Rheines gewaltigen Strom, just wo er den Lauf nimmt, N\u00e4mlich hin gen Worms, zur Stadt, Des K\u00f6nigs strahlendem Hochsitz.\u201c <a id=\"_ednref16\" href=\"#_edn16\"><sup>[xvi]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Frankenk\u00f6nig Guntharius erkennt die Gelegenheit, Teile des Schatzes zur\u00fcckzugewinnen. K\u00f6nig Gunther sagt: \u201eJenen Schatz, den Gibich gezahlt dem K\u00f6nig des Ostens, Hat nun zur\u00fcck in mein Reich hierher der Allm\u00e4cht\u2019ge gesendet.\u201c <a id=\"_ednref17\" href=\"#_edn17\"><sup>[xvii]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen fr\u00e4nkischen Gefolgsleuten samt Hagen eilt er Walther hinterher. Es kommt zur Schlacht an einem Ort, der im Waltharius <em>Vosagum<\/em> hei\u00dft. Walther macht ein letztes Verhandlungsangebot. Er bietet hundert Armreife aus dem Schatz. Doch Gunther lehnt ab. An dem engen Gebirgspass in den Vogesen, im Nibelungenlied Waskenstein genannt, verliert Walther im Kampf die rechte Hand, Gunther ein Bein und Hagen das rechte Auge. <a id=\"_ednref18\" href=\"#_edn18\"><sup>[xviii]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls es zum Ende nun kam, trug jeder die Zeichen des Kampfes: Hier lag Gunthers Bein, des K\u00f6nigs, dorten die Rechte Walthers, und wiederum dort Held Hagens zuckendes Auge. So teilten sie untereinander die hunnischen Spangen.\u201c <a id=\"_ednref19\" href=\"#_edn19\"><sup>[xix]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Endlich zeigt sich Guntharius vers\u00f6hnungsbereit: Sie teilen sich den Hort mit den \u201eavarischen Spangen\u201c und schlie\u00dfen Frieden (1404).<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Welche Konstellation f\u00fchrte zum Konflikt des Guntharius?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Worms ist der K\u00f6nigssitz des Guntharius, des Sohnes von Gibicho (Waltharius Vers 13-16; 116 f.; 433). Die Gibichungen sind jetzt Franken! Guntharius ist kein Burgunder, sondern Frankenk\u00f6nig. Die Dichtung zeichnet einen habgierigen K\u00f6nig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Konflikt mit den Hunnen wird auf Goldgier reduziert, n\u00e4mlich auf den K\u00f6nigsschatz, den sich Guntharius im Kampf gegen Walther zur\u00fcckholen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Der k\u00f6nigliche Schatz geh\u00f6rte bei den germanischen Volksst\u00e4mmen des 5.\/6. Jahrhunderts wie den Westgoten, Ostgoten, Avaren, Gepiden und Vandalen zur Herrschaft; er verleiht Macht. Im germanischen Denken sind Reicht\u00fcmer aus Gold und Silber die Grundlage der K\u00f6nigsgewalt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>b) Die mythischen Erz\u00e4hlungen der \u00e4lteren Lieder-Edda (um 1270)<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sage vom Untergang der Gibichungen bzw. Nibelungen hat Erz\u00e4hlungen in der Edda ausgebildet, die den Rhein(!) als Handlungsort definieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem um 900 entstandenen Alten Atlilied der Lieder-Edda wird der Untergang der Nibelungen mit der Gestalt des Hunnenk\u00f6nigs Attila\/Atli verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hunnenk\u00f6nig Atli, mit Gudrun (im NL: Kriemhild), verheiratet, will den \u201eHort der Niflunga\u201c <a id=\"_ednref20\" href=\"#_edn20\"><sup>[xx]<\/sup><\/a> f\u00fcr sich allein besitzen. Er l\u00e4dt die Nibelungen Gunnar und H\u00f6gni (im NL: Gunther und Hagen), die Br\u00fcder Gudruns und S\u00f6hne Gjukis, &#8211; deshalb Gjukungen genannt -, die von des \u201eRheines Rotgebirg\u201c (17,5: \u201erosmufj\u00f6ll R\u00ednar\u201c) kommen, hinterlistig an seinen Hof. Bevor Gunnar und H\u00f6gni die Einladung annehmen, verstecken sie jedoch den Goldschatz im Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Den verborgenen K\u00f6nigshort verraten die Nibelungen Gunnar und H\u00f6gni nicht. Atli mordet die K\u00f6nige grausam. Er schneidet H\u00f6gnis Herz aus dem Leib und wirft Gunnar in den Schlangenhof.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e<\/em>So wird vernichtet<em> <\/em>der<em> <\/em>Niblunge <\/p>\n\n\n\n<p>m\u00e4chtiger Stamm<em>.\u201c<\/em> <a id=\"_ednref21\" href=\"#_edn21\"><sup>[xxi]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eHort der Niblunge\u201c ist also in der Atlakvida der alte, umstrittene K\u00f6nigshort des Stammes. Und wo ist der mythische Goldschatz verborgen? Im Alten Atlilied im Rhein: \u201eNun h\u00fcte der Rhein\u2026den g\u00f6ttlichen Schatz der Niblunge!\u201c (28,1f.), ruft Gunnar, als er das Herz des toten H\u00f6gni sieht. Der Gunnar der Edda geht als letzter seines Stammes standhaft in den Tod.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>c) Das Nibelungenlied um 1200<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist das Verhalten des nordischen Gunnar oder des fr\u00e4nkischen Guntharius Vorbild f\u00fcr die Gestalt Gunthers im Nibelungenlied?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nibelungenlied ist im Mittelalter wohl die wichtigste literarische Verarbeitung des Narrativs von den Burgunden bzw. ihres Untergangs. Es wird in der geschichtswissenschaftlichen Literatur als eines der Hauptargumente f\u00fcr die Lokalisierung der burgundischen K\u00f6nigsfamilie am n\u00f6rdlichen Oberrhein herangezogen. Es situiert den Hof der Burgunden in Worms, wo die drei S\u00f6hne Dankrats (statt Gibichs), Gunther, Gernot, Giselher und deren Schwester Kriemhild leben (NL 2, 4-7). Im Nibelungenlied ist Gunther der \u00e4lteste Bruder am burgundischen K\u00f6nigshof und Vormund (<em>munt<\/em>) Kriemhilds<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erz\u00e4hler stellt ihn an als vollendeten Repr\u00e4sentanten des Wormser Hofes vor, und zwar mit idealtypischen Herrschereigenschaften ausgezeichnet: <em>edel, r\u00eech, lobel\u00eech<\/em> (4,1 f.), sehr kraftvoll und tapfer (5,2).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es stellen sich erste Zweifel an der K\u00fchnheit und dem Kampfesmut des K\u00f6nigs ein, als dieser n\u00e4mlich von Siegfried bei dessen Ankunft in Worms zum Zweikampf herausgefordert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden Beispiele zeigen, dass Gunther vor den Anforderungen, die an ihn gestellt werden, zur\u00fcckweicht. Er ist ein Herrscher, der Konflikten m\u00f6glichst diplomatisch aus dem Weg geht, sie aussitzt oder aber versagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>1. Beispiel: Gunthers Reaktion auf Siegfrieds Herausforderung.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Siegfried von Xanten an den K\u00f6nigshof nach Worms kommt und K\u00f6nig Gunther auffordert, mit ihm um die Herrschaft \u00fcber Burgund zu k\u00e4mpfen (NL B 113), weist ihn der Familienclan der Burgunden, insbesondere Gernot, in seine Schranken. An Gunther prallt Siegfrieds Herausforderung ab. Gunther beruft sich auf sein ererbtes K\u00f6nigtum \u00fcber L\u00e4nder, die er rechtm\u00e4\u00dfig beherrsche: \u201c<em>Wie het ich daz verdienet<\/em>\u201c, <em>sprach Gunther der degen, \u201edes m\u00een vater lange mit \u00earen h\u00e2t gepfleget, daz wir daz solden vliesen von iemannes kraft?\u201c<\/em> (112,1-3). Der K\u00f6nig verh\u00e4lt sich diplomatisch geschickt: \u201eSeid mein Gast und teilt die Herrschaft \u00fcber diese Reiche mit mir.\u201c <a id=\"_ednref22\" href=\"#_edn22\"><sup>[xxii]<\/sup><\/a> Damit beendet er den Auftritt Siegfrieds.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>2. Beispiel: Sachsenkrieg<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend K\u00f6nig Gunther \u00fcber die Fehdeansage der D\u00e4nen und Sachsen klagt und um Bedenkzeit bittet (B, 147,1: <em>\u201eNu b\u00eetet eine w\u00eele\u201c<\/em>), zeigt Siegfried Kampfesmut und F\u00fchrungsqualit\u00e4t. Gunther erscheint hier als ein bei Konflikten ratloser Landesherr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>3. Beispiel: Betr\u00fcgerische Brautwerbung<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Ehe mit Br\u00fcnhild von Isenstein will K\u00f6nig Gunther von Burgund seinen Machtbereich erweitern. Er ist getrieben von der Begierde nach der Frau. B, 329,3-4:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eich wil durch ir minne&nbsp;&nbsp; w\u00e2gen m\u00eenen l\u00eep:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>den wil ich verliesen,&nbsp;&nbsp;&nbsp; sine werde m\u00een w\u00eep.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm ihrer Liebe willen setze ich mein Leben ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin bereit, es zu verlieren, wenn sie nicht meine Frau wird<em>.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da der Werber Gunther bei der Freierprobe auf Isenstein in der <em>kraft<\/em>-Probe unterlegen w\u00e4re und somit von Br\u00fcnhild get\u00f6tet w\u00fcrde, ist er auf Siegfrieds Hilfe angewiesen. Die M\u00e4nner inszenieren vor der K\u00f6nigin ein Betrugsman\u00f6ver. Gunther erringt durch Betrug an der Dame Br\u00fcnhild diese zur Ehe und gewinnt Macht, n\u00e4mlich die Herrschaft \u00fcber ihr Land und Volk.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Br\u00fcnhild verweigert ihm den Beischlaf: <em>\u201edie minne si im verbot\u201c<\/em> (B, 637,3) (= verweigerte). Der K\u00f6nig unterliegt physisch Br\u00fcnhilds \u00fcberm\u00e4\u00dfiger St\u00e4rke und muss die Hochzeitsnacht, an einen Nagel geh\u00e4ngt, an der Wand verbringen. Da Gunther versagt, muss ihm Siegfried erneut durch T\u00e4uschung helfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>4. Beispiel: Gunthers Scheitern bei der rechtlichen Regelung des Frauenstreites.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die burgundische K\u00f6nigin wird durch Kriemhilds Vorrangdemonstration beim Streit vor dem Wormser Dom \u00f6ffentlich beleidigt. Sie verlangt von Gunther die Wiederherstellung ihrer W\u00fcrde. Der K\u00f6nig ist gezwungen, vor aller Augen zu handeln: Als Br\u00fcnhilds Ehemann muss er f\u00fcr sie, die unter seinem Schutz steht, die Anklage gegen Siegfried erheben. Gunther l\u00e4dt Siegfried vor das K\u00f6nigsgericht (B, 855), Siegfried als Beklagter erscheint (856). Gunther bringt die Klage vor (857). Siegfried weist sie zur\u00fcck und bietet als Beweismittel den Eid an (858-860). Er hebt die Hand zum Schwur (860,1), mit dem er die Behauptung seiner Frau, er habe als erster mit Br\u00fcnhild geschlafen, zur\u00fcckweist (857). Der Ring der M\u00e4nner tritt zusammen, um den Eid rechtsg\u00fcltig werden zu lassen (859,4). Da bricht Gunther das Verfahren ab und erkl\u00e4rt Siegfried f\u00fcr unschuldig (860,2-4). Es handelt sich um ein unzul\u00e4ngliches Gerichtsverfahren. Gunther bewirkt durch sein Zur\u00fcckweichen einen unbefriedigenden Ausgang des Prozesses, was sich an der Betroffenheit der Umstehenden und an Br\u00fcnhilds Weinen ablesen l\u00e4sst: <em>\u201ed\u00f4 tr\u00fbret als\u00f4 s\u00eare&nbsp; der Pr\u00fcnhilde l\u00eep, daz ez erbarmen muose die Guntheres man.\u201c<\/em> (863,2 f.). Das emotionale Signal des Weinens der K\u00f6nigin fordert unmissverst\u00e4ndlich ein Eingehen auf den Konflikt. Der burgundischen K\u00f6nigin musste an einer klaren und von Siegfried beeideten Beseitigung des Verdachts gelegen sein. So bedeutet das Zur\u00fcckweichen des Herrschers vor dem Reinigungseid, dass er auf ausreichende Genugtuung f\u00fcr Br\u00fcnhild verzichtet. Nach einer so schweren Kr\u00e4nkung fordert Br\u00fcnhild die Bestrafung des Beleidigers ihrer Ehre. Und es ist Hagen, der die \u201aBestrafung\u2018 Siegfrieds durch Ermordung durchf\u00fchrt: <em>\u201ed\u00f4 het gerochen Hagene harte Pr\u00fcnhilde zorn\u201c<\/em>(1013,4). Diese Blutrache, also Rache durch T\u00f6tung, verurteilt der Dichter als Verrat und Bruch aller Bindungen. <a id=\"_ednref23\" href=\"#_edn23\"><sup>[xxiii]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>5. Beispiel: Gunthers Leugnen bei der Bahrprobe und die betr\u00fcgerische Vers\u00f6hnung mit der Schwester.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Siegfried stand als Gast im Schutz des Gastgebers Gunther. So w\u00e4re Gunther als Gastgeber, als Schwager, Familienoberhaupt und K\u00f6nig unbedingt verpflichtet, das Verbrechen der Ermordung Siegfrieds zu s\u00fchnen. Gunther h\u00e4tte den T\u00e4ter Hagen f\u00fcr den Siegfriedmord bestrafen m\u00fcssen! Aber er unternimmt nicht das Geringste, das Unrecht zu tilgen. Ein Gerichtsverfahren kommt in Ans\u00e4tzen allein durch Kriemhilds Initiative in Gang. Als Gunther und Hagen zu den Trauernden treten, weist sie Gunthers scheinheilige Beileids\u00e4u\u00dferungen zur\u00fcck: \u201e<em>Waer\u2018 iu dar umbe leide, so\u2019n waer\u2018 es niht geschehen.\u201c<\/em> (B, 1042,1): \u201eT\u00e4te euch Siegfrieds Tod leid, w\u00e4re die Tat nicht geschehen.\u201c Als er l\u00fcgt (\u201eDir ist von meinen Leuten kein Leid zugef\u00fcgt worden\u201c: C,1055,1), f\u00fchrt sie die Bahrprobe durch. Die Bahrprobe macht die Schuld Hagens offenbar, als er an die Bahre tritt und die Wunden des Leichnams zu bluten beginnen: Der Tote \u00fcberf\u00fchrt sozusagen den M\u00f6rder. Und K\u00f6nig Gunther l\u00fcgt, als er sagt: \u201eR\u00e4uber erschlugen ihn. Hagen hat es nicht getan\u201c (B,1045,4; C,1057,4). Kriemhild aber durchschaut die Zusammenh\u00e4nge: \u201eDie R\u00e4uber kenne ich gut\u2026 Gunther und Hagen, ja, ihr habt es getan.\u201c (C, 1058).<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter zeigt sich Gunthers Fehlverhalten bei der sog. \u201eVers\u00f6hnung\u201c mit Kriemhild viereinhalb Jahre nach Siegfrieds Ermordung. Hagen betreibt die geschwisterliche Vers\u00f6hnung, damit die Witwe Kriemhild ihre Morgengabe, den sagenhaften Nibelungenschatz, nach Worms holt. C, 1118: Eines Tages aber sprach Hagen zum K\u00f6nig: \u201eK\u00f6nnten wir erreichen, dass ihr euch mit eurer Schwester vers\u00f6hnt, dann k\u00e4me das Nibelungengold in dieses Land. Wir h\u00e4tten also gro\u00dfen Vorteil davon, wenn uns die K\u00f6nigin wieder freundlich gesonnen w\u00e4re.\u201c Die angestrebte Vers\u00f6hnung soll der Konfliktbeilegung dienen, ist aber nur Mittel zum Zweck, n\u00e4mlich zur Hortgewinnung. Die Vers\u00f6hnung mit der Schwester entpuppt sich als eine betr\u00fcgerische Schein-suone: \u201eNiemals war eine so tr\u00e4nenreiche Vers\u00f6hnung mit solcher Falschheit vergiftet\u201c, kommentiert der Erz\u00e4hler der Handschrift C die Szene: <em>\u201eEz enwart nie suone mit so vil tr\u00e4henen me\/ mit valsche gefuoget. ir tet ir schade we;\/<\/em>\u201c (C, 1128,1-2).<a id=\"_ednref24\" href=\"#_edn24\"><sup>[xxiv]<\/sup><\/a> Denn durch Gunthers Mitschuld wird ihr, Kriemhild, der unermessliche Schatz aus Habgier von Hagen geraubt. Damit steht als zweites unges\u00fchntes Verbrechen des K\u00f6nigshofes fest: Raub der <em>morgeng\u00e2be<\/em> einer Witwe, die zudem Schwester derer ist, die den Raub h\u00e4tten verhindern k\u00f6nnen. Dem K\u00f6nig geht es nicht um die Vergeltung des Unrechts, sondern um Konsolidierung seines K\u00f6nigtums: um seinen Machterhalt!<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>6. Beispiel: Gunthers Verletzung der F\u00fcrsorgepflicht f\u00fcr Kriemhild als K\u00f6nig und Vormund.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie nimmt Gunther die F\u00fcrstentugend der Schutzpflicht wahr? Die Witwe bleibt ja wegen dieser Schutzpflicht bei den Verwandten in Worms. Gunther h\u00e4tte der wieder unter seiner Vormundschaft Stehenden Schutz und Hilfe anbieten k\u00f6nnen, wie es Giselher und Gernot zun\u00e4chst tun (1049; 1078-1082). Aber Gunther unternimmt nichts.<a id=\"_ednref25\" href=\"#_edn25\"><sup>[xxv]<\/sup><\/a> Und obwohl er sich seiner Verpflichtung bewusst ist und ihr, wie er sagt, nachkommen will (B, 1131,3: <em>\u201eund wil ez f\u00fcrbaz h\u00fceten<\/em>: (= darauf Acht haben)<em> si ist diu swester m\u00een<\/em>\u201c), l\u00e4sst er doch den Schutz f\u00fcr die Schwester und Witwe vermissen, als Hagen den Hortraub vorbereitet. Giselher und Gernot sind zwar emp\u00f6rt, tun aber auch nichts dagegen, weil Hagen ein Verwandter, ein m\u00e2c, ist. Eindringlich erinnert Kriemhild an ihr Recht auf Schutz durch die Br\u00fcder. Sie klagt vor Giselher. B,1135, 1 f.:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201evil lieber bruoder, du solt gedenken m\u00een.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Beidiu l\u00eebes unde guotes soltu m\u00een voget s\u00een.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein lieber Bruder, du solltest an mich denken,<\/p>\n\n\n\n<p>mein Leben<em> <\/em>und meinen Besitz solltest du besch\u00fctzen<em>.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Giselher vertr\u00f6stet die Schwester auf sp\u00e4ter: \u201eDas will ich tun, wenn wir wiederkommen; jetzt m\u00fcssen wir fortreiten\u201c (C, 1149, 3 f.). In der Zwischenzeit raubt Hagen der Witwe den Schatz und versenkt ihn bei L\u00f4che in den Rhein. Als Kriemhild ihren Schaden beklagt, bedauern die k\u00f6niglichen Br\u00fcder die Tat, bestrafen Hagen aber nicht (1154 f.).<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>7. Beispiel: Gunthers Fehleinsch\u00e4tzung der Kriegssituation<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gunther erweist sich beim Zug ins Hunnenland als K\u00f6nig und Ritter unf\u00e4hig, sein Volk und sein Heer in der dem Gebieter zukommenden Weise zu sch\u00fctzen und zu lenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Ankunft am Hunnenhof warnt Dietrich von Bern die Burgunden vor der drohenden Gefahr. Er berichtet Gunther von Kriemhilds anhaltender Trauer und ihren Racheabsichten. Gunther ignoriert die Warnungen: \u201eWarum soll ich mich in Acht nehmen?\u201c sprach der erhabene K\u00f6nig Gunther. \u201eEtzel hat uns Boten gesandt, damit wir zu ihm in sein Land kommen, weshalb soll ich da weiter nachfragen?\u201c (C, 1767, 1-3). Kriemhild allerdings h\u00e4lt ihre Feindschaft gegen Hagen und Gunther nicht verborgen. Sie macht deutlich, dass der Rechtsbruch noch immer unges\u00fchnt und die Rachepflicht f\u00fcr sie elementar ist: \u201eEin Mord und zwei Raub\u00fcberf\u00e4lle haben mich getroffen; f\u00fcr die suche ich Arme noch wohltuende Vergeltung.\u201c (C, 1785,3-4). Das ist klar an Gunthers und Hagens Adresse gerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther aber sch\u00e4tzt die Lage falsch ein \u2013 aus Mangel an Weitsicht und Urteilskraft. Er f\u00fchrt sein Heer gegen die Hunnen in den Untergang, obwohl er doch mehrfach gewarnt wurde. Die Vernichtung des burgundischen Heeres kann als Folge des Fehlverhaltens seines K\u00f6nigs gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein entscheidender Punkt der Kritik an K\u00f6nig Gunther im Nibelungenlied ist sein Versagen als <em>rex justus<\/em>, als Anwalt des Rechts und damit die Kritik an seiner \u201eKonfliktregelung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem am Misslingen der Rechtsprechung im K\u00f6niginnenstreit, der Ansto\u00df des Untergangs ist: <em>\u201evon zweier vrouwen b\u00e2gen wart vil manic helt verlorn<\/em>\u201c (876,4), entz\u00fcndet sich die Kritik an Gunther. Der K\u00f6nig h\u00e4tte beim K\u00f6nigsgericht entschlossen f\u00fcr ein geregeltes Gerichtsverfahren zur Konfliktbeilegung eintreten m\u00fcssen. Stattdessen nimmt er Betrug und Rechtsbruch in Kauf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es zeigt sich, dass Gunther den Anforderungen nicht gen\u00fcgt, die an einen <em>rex justus et pacificus<\/em> gestellt werden, also an einen mittelalterlichen Herrscher, der der Gerechtigkeit und dem Frieden verpflichtet ist.&nbsp; Der Machthaber Gunther steht ganz im Schatten seines Beraters Hagen, der mit dem Verbrechen an Siegfried die Handlungsf\u00e4den zieht und die Entscheidungen des K\u00f6nigshofes dominiert. Der K\u00f6nig ist ein Regent ohne F\u00fchrungskompetenz. Gunther fehlt die Autorit\u00e4t des Rechts.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon im Gesetzbuch Gundobads, der \u201aLex Burgundionum\u2018 um 500, wird die gesetzgebende Gewalt des K\u00f6nigs unterstrichen. \u201eDer K\u00f6nig macht seine Rechtsentscheidungen verbindlich und gibt ihnen Gesetzeskraft.\u201c Auch wird in den burgundischen Stammesgesetzen der Strafprozess durch ein Verfahren ersetzt, das auf dem Eid als Zeugnis der Gruppenloyalit\u00e4t und auf dem Zweikampf als Ersatz f\u00fcr die Blut-Rache (= Rache durch T\u00f6tung) beruhte. Beides, Reinigungseid und gerichtlicher Zweikampf werden noch unter Karl d. Gr. als Besonderheiten der Eidesleistung erw\u00e4hnt. Aber beim K\u00f6nigsgericht weicht Gunther vor Eidesleistung und gerichtlichem Zweikampf zur\u00fcck. Seine Schuld w\u00e4re offenbar geworden. Und er h\u00e4tte einen Zweikampf austragen m\u00fcssen, den er nicht gewinnen konnte. Das fragile Reich steuert unter Gunther dem Untergang am Hunnenhof zu, wo alle Nibelungen sterben m\u00fcssen. Somit ist das Versagen des K\u00f6nigs Ursache f\u00fcr den Untergang seines Reiches.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Burgunderreich \u2013 historisch gesehen &#8211; gilt als Beispiel einer gescheiterten, schlie\u00dflich den Franken erlegenen germanischen Reichsgr\u00fcndung auf dem Boden des Imperium Romanum, vergleichbar anderen Ostgermanenreichen wie denen der Goten in Spanien oder der Langobarden in Italien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite ist ein K\u00f6nigtum der Burgund<strong>ion<\/strong>en am Rhein \u2013 literarisch gesehen \u2013 im kollektiven Bewusstsein bis in die Gegenwart lebendig geblieben, weil sein Untergang in der Nibelungensage erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\"><strong>Exkurs: Die bedeutende Rolle von Worms<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort \u201eWormez\/Wormze\u201c kommt in der Hs. B des Nibelungenlieds 32-mal vor (und zwar im 1. Teil allein 23-mal; in der Hs. C mind. 36-mal.) Die Stadt \u201aWorms\u2018 hat also Gewicht in der Dichtung als literarischer Schauplatz!<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wird Gunthers Hof gerade in Worms verortet? Und warum steht Worms im Mittelpunkt des burgundischen K\u00f6nigtums?<\/p>\n\n\n\n<p>In der realen Welt ist es die Lage am \u201ehochber\u00fchmten Rhein\u201c, die \u201amaxima vis regni\u2018, mit der Otto von Freising 1138 Worms lobt. F\u00fcr die dynastische Konsolidierung und Expansion der Burgunden im 5. Jh. war die Lokalisierung ihrer Herrschaft am Rhein, einem in die Ferne kommunizierenden Flusslauf von <em>milit\u00e4risch-strategischer Bedeutung<\/em>. Der n\u00f6rdliche Oberrhein mit Neckar, Main und Mosel bildete eine europ\u00e4ische Verkehrsachse, war \u2013 auf beiden Seiten &#8211; Heerweg, Verkehrsweg, Handels- und Transportweg (<em>politische Bedeutung<\/em>). Der Raum lag zentral zwischen Alemannen, Baiern, Franken, Sachsen und Burgundern; er war politischer Knotenpunkt mit N-S und O-W-Achse.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab in dieser Kernlandschaft eine Kontinuit\u00e4t r\u00f6mischer und fr\u00e4nkischer Kultur \u2013 und seit 960 der j\u00fcdisch-aschkenasischen Geschichte (Raschi!). In unmittelbarer N\u00e4he lag als geistiges Zentrum des Reiches Kloster Lorsch mit dem Chronisten Einhard (unter Karl d. Gr.) Der Raum hatte also auch <em>geistig-kulturelle Bedeutung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die g\u00fcnstigen Voraussetzungen f\u00fchrten dazu, dass die deutschen K\u00f6nige des Mittelalters eine Vorliebe f\u00fcr diesen Raum entwickelten. \u201eDie k\u00f6nigliche Vorliebe setzte in der Epoche der Karolinger ein\u201c (Stefan Weinfurter). Worms war die Stadt der kaiserlichen Pr\u00e4senz, war beliebter Aufenthaltsort der K\u00f6nige und Kaiser des Mittelalters in Kontinuit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Umland konnte den k\u00f6niglichen Hofstaat ein ganzes Jahr lang ern\u00e4hren (<em>\u00f6konomischer Vorteil<\/em>). Unter Friedrich Barbarossa erfolgte eine St\u00e4rkung der Wirtschaftskraft der Stadt mit dem Judenprivileg von 1157 und eine besondere W\u00fcrdigung mit der Dom-Weihe von 1181 sowie dem Freiheitsprivileg Barbarossas von 1184, \u00fcber dem Nordportal angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche Hoftage wurden in Worms veranstaltet, auf denen Rechtsversammlungen und K\u00f6nigsgerichte abgehalten wurden, insbesondere unter Karl dem Gro\u00dfen und Friedrich Barbarossa.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nordportal des Domes, durch welches Kaiser und Adel einzogen, ist im Hochmittelalter ein solcher Rechtsort. Auf dem Dom-Vorplatz wurden Urteile gesprochen und Urkunden gesiegelt. Der Wormser Dom als Rechtssymbol pr\u00e4gt das Siegel der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Auf den Hoftagen des Stauferkaisers Friedrich I. regelten die k\u00f6niglichen Hofrichter Konflikte, so auf Hoftagen des kaiserlichen Gerichtshofes, allein auf 13 Hoftagen in Worms! Deshalb kann man den K\u00f6niginnenstreit, der die Ereigniskette des Untergangs initiierte &#8211; die Erz\u00e4hlerkommentare in 6,4 und in 876,4 f\u00fchren das Untergangsgeschehen ja auf den Streit zur\u00fcck: [<em>\u201esi sturben s\u00eet jaemerl\u00eeche von zweier edelen frouwen n\u00eet\u201c<\/em>] &#8211; an diesem hervorgehobenen, \u00f6ffentlichen Rechtsort vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles erkl\u00e4rt, warum der Stadt Worms am Rhein hohe Bedeutung durch den Dichter in seinem Werk zugemessen werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[i]<\/a> Reinhold Kaiser, Die Burgunder, Stuttgart 2004<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[ii]<\/a> Historiae adversus paganos, in: Reinhold Kaiser, Die Burgunder, 2004, S. 21 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[iii]<\/a> Laetitia B\u00f6hm,Geschichte Burgunds. Politik \u2013 Staatsbildungen \u2013 Kultur, 2. erg\u00e4nzte Auflage, Wiesbaden 1998<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[iv]<\/a> Ich unterscheide zwischen dem historischen Volksnamen (\u201edie Burgunder\u201c) und dem literarisch gebrauchten Namen (\u201edie Burgunden\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[v]<\/a> The old english Orosius, ed. Janet Bately, Oxford 1980, Bd. I, S. 16<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[vi]<\/a>&nbsp; Orosius, Historia VII, 32,11<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[vii]<\/a> Prosper Tiro, Chron. 1250, S. 467<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[viii]<\/a> www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/03_beitrag\/gast\/b1-12_jung.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[ix]<\/a> Horst Wolfgang B\u00f6hme, Die \u201eWiesbadener Fibeln\u201c, in: Festschrift f\u00fcr J\u00fcrgen Oldenstein, Bonn 2012<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[x]<\/a> \u201cArchaeological evidence points to a strong influence of the Huns advancing from the east among the Burgundians. Incidentally, the Roman commander A\u00ebtius had also lived for years as a hostage at the Hunnic court. Apparently, between 425 and 439, the Hunnic cavalry mercenaries were the guarantors of the Roman victories won in Gaul.\u201d In: Festschrift f\u00fcr Volker Bierbrauer zum 65. Geburtstag, Friedberg 2005 (Originalver\u00f6ffentlichung in: Cum grano salis. Beitr\u00e4ge zur europ\u00e4ischen Vor- und Fr\u00fchgeschichte, Max Martin, S. 237-248 Zur Entstehung des ersten burgundischen K\u00f6nigreiches am Rhein).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[xi]<\/a> Prosper Tiro, Chron. 1322, S. 475<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[xii]<\/a> Lex Burgundionum c. 3, S. 43<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Reinhold Kaiser, a.a.O., S. 28<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref14\" id=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Die Sage hat aus dem historischen Theoderich die literarische Gestalt des Dietrich von Bern werden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref15\" id=\"_edn15\">[xv]<\/a> Waltharius Manis Fortis, 9.\/10. Jh., The Latin library Verse 430,1-4<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref16\" id=\"_edn16\">[xvi]<\/a> Das Waltharilied, \u00fcbersetzt von Hermann Althof 1911, Verse 275-279&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[xvii]<\/a> Das Waltharilied, Verse 275-279; 311-312, S. 22, Blatt 428, in: Dr. Gotthold B\u00f6tticher, Hildebrandslied und Waltharilied, \u00fcbersetzt und erl\u00e4utert, 3. verbesserte Auflage, Halle a. d. Saale, 1894<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[xviii]<\/a> Das Nibelungenlied bezieht sich in den Versen 2343 f. auf diese Episode am Waskenstein, als Hagen zun\u00e4chst auf seinem Schild sitzt und nicht gegen seinen Freund Walther k\u00e4mpfen will.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[xix]<\/a> Das Waltharilied, a.a.O., Verse 1024-1027, S. 46<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref20\" id=\"_edn20\">[xx]<\/a> Felix Genzmer, Heldenlieder der Edda, Stuttgart 1970, Atlilied 27,2; 28,2<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref21\" id=\"_edn21\">[xxi]<\/a> Im Alten Sigurdlied hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\"><em>sv\u00e1 mun \u00f6ll y\u00f0ur&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br><em>\u00e6tt Niflunga<\/em><br><em>afli gengin,<\/em><br><em>[eru\u00f0 ei\u00f0rofa.]&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">(<em>Sigur\u00f0arkvi\u00f0a in meiri<\/em>, Str. 20<br>= <em>Brot af Sigur\u00f0arkvi\u00f0u<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref22\" id=\"_edn22\">[xxii]<\/a> NL Handschrift B, 127,1-3: <em>D\u00f4 sprach der wirt des landes: \u201eallez daz wir h\u00e2n, geruochet irs n\u00e2ch \u00earen, daz s\u00ee iu undert\u00e2n, und s\u00ee mit iu geteilet l\u00eep unde guot.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref23\" id=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> NL Hs. C, Strophe 884: <em>untriuwe<\/em>. Hs. B, Strophen 876: <em>untriuwe<\/em>, 906: <em>meinraete<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref24\" id=\"_edn24\">[xxiv]<\/a> Vergleiche dagegen B, 1115,1f.: <em>Ez enwart nie suone mit s\u00f4 vil tr\u00e4hen m\u00ea <u>gef\u00fceget under vriunden<\/u>.<\/em> &#8211; Es handelt sich hier um die f\u00f6rmliche Wiederherstellung des status quo zwischen den Geschwistern (\u201e<em>under vriunden\u201c<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref25\" id=\"_edn25\">[xxv]<\/a> Vgl. Roswitha Wisniewski, Das Versagen des K\u00f6nigs. Zur Interpretation des Nibelungenliedes. In: Dietrich Schmidtke (Hrsg.), Festschrift f\u00fcr Ingeborg Schr\u00f6bler zum 65. Geburtstag, T\u00fcbingen 1973, S. 170 \u2013 186, hier S. 178 f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag von Dr. Ellen Bender am 14. September 2023 anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation von Eichfelders \u201eMYTHOS WORMS. Stadt\/Geschichte\/Sage&#8220; Einen Vortrag \u00fcber den Burgunderk\u00f6nig Gundahar bzw. Gunther zu halten, ist ein Wagnis. Die Herausfor-derung besteht darin, eine Darstellung zu bieten, in welcher die Sage vom Burgundenuntergang mit der Diskussion um ihre historische Basis in Verbindung gebracht wird. &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/koenig-gunther-und-worms\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/719"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=719"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/719\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":752,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/719\/revisions\/752"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}