{"id":57,"date":"2019-09-19T00:41:01","date_gmt":"2019-09-18T22:41:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/wordpress\/?page_id=57"},"modified":"2019-09-19T01:07:12","modified_gmt":"2019-09-18T23:07:12","slug":"gunther-und-gutrune-betruegerische-und-betrogene-geschwister","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/gunther-und-gutrune-betruegerische-und-betrogene-geschwister\/","title":{"rendered":"Gunther und Gutrune \u2013 betr\u00fcgerische und betrogene Geschwister"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>von Doris Schweitzer<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Gunther\nund Gutrune nehmen unter den Figuren in Wagners &#8222;Ring&#8220; eine\nZwitterstellung ein. Sie entwickeln zu keiner Zeit ein\neigenst\u00e4ndisches dramatisches Profil sondern agieren von Anfang bis\nEnde als Hagens willenlose Werkzeuge und schlie\u00dflich als Opfer\nseiner Intrige. Ihr fast ausschlie\u00dflich gemeinsames Auftreten deutet\nauf ihre Unselbstst\u00e4ndigkeit hin. Im strengsten Sinne des Wortes\nkann man sie nicht als &#8222;dramatis personae&#8220; bezeichnen.\nBeide verbindet, dass sie im &#8222;Ring&#8220; die einzigen Figuren,\nneben Hunding, menschlicher Abstammung sind, die namentlich genannt\nwerden und dass beide unverheiratet sind. Der Wunsch, den Makel der\nEhelosigkeit zu beheben, l\u00e4sst sie betr\u00fcgen und die von Hagen ins\nKalk\u00fcl gezogene Aufdeckung ihrer T\u00e4uschung f\u00fchrt zum Verlust ihrer\nEhre. Am Ende stehen sie als betrogene Betr\u00fcger da, mit denen man\nkein Mitleid empfindet. Anders als Siegfried und Br\u00fcnnhilde verleiht\nihnen das Scheitern keine tragische Fallh\u00f6he. Etwas Mittelm\u00e4\u00dfiges\ngeht von ihnen aus, nur das Niedrige bleibt an ihnen haften.\nEigentlich sind sie Anti-Helden. \n<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"980\" height=\"489\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Doris-Schweitzer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-59\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Doris-Schweitzer.jpg 980w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Doris-Schweitzer-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Doris-Schweitzer-768x383.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 980px) 100vw, 980px\" \/><figcaption>Color Illustrations for Wagner\u2018s Ring, Arthur Rackham, 1912<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser\nSicht entsprechen allerdings nicht die Rollenprofile. In der\n&#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; und nur dort tritt das Paar auf, ist\nGunther in vier der insgesamt sechs Bilder pr\u00e4sent, in einem\nweiteren als &#8222;Maske&#8220; Siegfrieds, Gutrune tritt immerhin in\ndrei Bildern auf. Beide sind wenn auch nicht handlungsbestimmend so\ndoch zumindest handlungstragend, denn Hagens Intrige, von Beginn bis\nzu dem Moment, da sie diese durchschauen, verl\u00e4uft \u00fcber die\nHandlungen von Gunther und Gutrune. Mag man sie auch als\ndramaturgische Hilfspersonen bezeichnen, so schm\u00e4lert dies nicht\nihre Bedeutung. Sie sind konstitutiver Bestandteil einer neuen\npluralistischen Dramaturgie, die den Werkstil der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220;\nim Unterschied zu den vorhergehenden Teilen der Tetralogie ma\u00dfgeblich\nbestimmt. Auch die Tatsache, dass sie die einzigen Menschen im Ring\nsind, verleiht ihnen einen besonderen dramatischen Stellenwert. Das\nunterscheidet beide von ihrem Halbbruder Hagen, dessen Mutter\nebenfalls Grimhild ist, der jedoch Alberich zum Vater hat. Wagner\nbezeichnet in seinem Prosaentwurf &#8222;Der Nibelungen-Mythus&#8220;\ndas Geschlecht der Gibichungen als &#8222;auch von G\u00f6ttern\nentsprossenen Heldenstamm&#8220;, jedoch wird dieses Motiv weder in\n&#8222;Siegfrieds Tod&#8220; noch in der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220;\naufgegriffen, vielmehr wird die Fremdheit Hagens bedingt durch seine\nAbstammung immer wieder hervor gehoben. &#8222;Bleichfarbig, ernst und\nd\u00fcster&#8220; ist sein Aussehen, &#8222;fr\u00fchzeitig sind seine Z\u00fcge\nverh\u00e4rtet, erscheint \u00e4lter als er ist&#8220;. Hagen verf\u00fcgt als\neinziger der Geschwister \u00fcber Kenntnisse in schwarzer Magie. Er\nbraut den Zaubertrank, den Gutrune Siegfried lediglich kredenzt und\nnur er verf\u00fcgt \u00fcber das Gegenmittel, das seine Wirkung aufheben\nkann. F\u00fcr Alberich, seinen Vater, soll er den Ring und damit die\nMacht \u00fcber die Welt gewinnen. Hier gibt es eine Parallele zu Wotan,\nder mit Siegmund, den er ebenfalls mit einer Menschenfrau gezeugt\nhat, seine eigenen Pl\u00e4ne umsetzen m\u00f6chte. Auch das geht schief,\nweder Wotans noch Alberichs Pl\u00e4ne gelingen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nWagners besonderes Interesse an der altdeutschen und vor allem\naltnordischen Literatur in seinen Dresdner Jahren von 1842-1849\nerwachte, legte er sich eine entsprechende Bibliothek zu: Er besa\u00df\ndas Nibelungenlied in vier Ausgaben, die &#8222;Edda&#8220; in zwei\nEditionen dazu Werke wie Jacob Grimms &#8222;Deutsche Mythologie&#8220;,\nau\u00dferdem war er regelm\u00e4\u00dfiger Nutzer der k\u00f6niglich-s\u00e4chsischen\nHofbibliothek. Die Besch\u00e4ftigung mit dem Nibelungenstoff galt\nallerdings noch nicht dem Plan eines eigenen B\u00fchnenwerks \u00fcber\ndiesen Stoff, sondern der Vorbereitung des &#8222;Lohengrin&#8220;.\nErst 1848 schrieb er einen Text mit der \u00dcberschrift &#8222;Die\nNibelungensage (Mythus)&#8220;.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Siegfrieds\nTod&#8220; die Vorform der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; entstand, was\nKonzept und Textbuch betrifft, als erstes Werk und vor allem als\nseparates St\u00fcck. Eine gro\u00dfe Heldenoper sollte es sein. Der Gedanke\nan eine Tetralogie lag noch in weiter Ferne. Robert Schumann, mit dem\nWagner w\u00e4hrend seiner Jahre in Dresden Umgang pflegte, notierte in\nseinem Tagebuch am 2. Juni 1848 im Zusammenhang mit der Erw\u00e4hnung\neines Spazierganges mit Wagner: &#8222;sein Nibelungentext&#8220;. Im\nMai 1851, nach seiner Flucht aus Dresden wegen seiner Beteiligung am\nMaiaufstand 1849, kam Wagner auf die Idee Siegfrieds Tod durch die\nVoranstellung einer weiteren Oper &#8222;Der junge Siegfried&#8220; zum\nDoppeldrama zu erweitern. Im Februar 1853 erschien &#8222;Der Ring des\nNibelungen&#8220; als Privatdruck in 50 Exemplaren, und um dem Werk\nmehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, veranstaltete Wagner eine Lesung\nder gesamten Tetralogie im Hotel Baur au lac in Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wagner\nhat die Figuren Gunther und Gutrune sowie ihre Verkn\u00fcpfung mit der\nSiegfried Geschichte der &#8222;V\u00f6lsungasaga&#8220; entnommen. Diese\nberichtet in den Abschnitten, die f\u00fcr die Handlung der\n&#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; in Betracht kommen, folgendes: &#8222;Von\ndem Walk\u00fcrenfelsen f\u00e4hrt Sigurd auf neue Taten aus und kommt zu\nGjuki, einem K\u00f6nig am Rhein: Des K\u00f6nigs S\u00f6hne, Gunnar und H\u00f6gni,\nschlie\u00dfen Blutbr\u00fcderschaft mit Sigurd und er zieht mit ihnen auf\nHeerfahrten. Die K\u00f6nigin Grimhild, ihre Mutter, will den Helden f\u00fcr\nimmer an die Gjukunge fesseln, und reicht ihm den zauberhaften\nVergessenheitstrank, nach dessen Genuss ihm die Erinnerung an seine\nBraut schwindet; er heiratet nun die herrliche Tochter Gjukis,\nGudrun. Gunnar will um die Walk\u00fcre Br\u00fcnnhild werben, und Sigurd\nreitet mit ihm. Br\u00fcnnhilds Burg ist von Feuer umwallt und den allein\nwill sie haben, der durch die Flamme reitet. Gunnar spornt sein Ross,\ndoch es stutzt vor dem Feuer. Er bittet Sigurd, ihm den Grani zu\nleihen, aber auch dieser will nicht vorw\u00e4rts. Da tauscht Sigurd mit\nGunnar die Gestalt, Grani erkennt die Sporen seines Herrn; das\nSchwert in der Hand sprengt Sigurd durch die Flammen. Die Erde bebt,\ndas Feuer wallt zum Himmel, dann erlischt es. In Gunnars Gestalt\nsteht der Held, auf sein Schwert gest\u00fctzt, vor Br\u00fcnnhild, die\ngewappnet dasitzt. Zweifelm\u00fctig schwankt sie auf ihrem Sitze wie ein\nSchwan auf den Wogen. Doch er mahnt sie, dass sie dem zu folgen\ngelobt, der das Feuer durchschreiten w\u00fcrde. Drei N\u00e4chte bleibt er\nund teilt ihr Lager, aber sein Schwert liegt zwischen beiden. Sie\nwechseln die Ringe und bald wird Gunnars Hochzeit mit Br\u00fcnnhild\ngefeiert. Einst gehen Br\u00fcnnhild und Gudrun zum Rhein, ihre Haare zu\nwaschen. Br\u00fcnnhild tritt h\u00f6her hinauf am Strome, sich r\u00fchmend,\ndass ihr Mann der bessere sei. Zank erhebt sich zwischen den Frauen\n\u00fcber den Wert der Thaten ihrer M\u00e4nner. Da sagt Gudrun, dass Sigurd\nes war, der durch das Feuer ritt, bei Br\u00fcnnhild weilte, und ihren\nRing empfing. Sie zeigt das Kleinod, Br\u00fcnnhild aber wird todesbla\u00df\nund geht schweigend heim. Kein Schlaf bef\u00e4llt sie, sie sinnt auf\nUnheil: Sigurds Tod verlangt sie von Gunnar, oder sie will nicht\nl\u00e4nger mit ihm leben. Zuletzt wird Guthorn, der Stiefbruder, der an\nder Blutbr\u00fcderschaft mit Sigurd nicht teilgenommen hatte, zum Morde\ngereizt. Schlange und Wolfsfleisch wird ihm zu essen gegeben, dass er\ngrimmig werde. Er geht hinein zu Sigurd, morgens, als dieser im Bette\nruht; doch als Sigurd mit seinen scharfen Augen ihn anblickt,\nentweicht er; so zum andern Mal; das drittemal aber ist Sigurd\neingeschlafen, da durchsticht ihn Guthorn mit dem Schwerte. Sigurd\nerwacht und wirft dem M\u00f6rder das Schwert nach, das den Fliehenden in\nder Th\u00fcre so trifft, dass Haupt und H\u00e4nde vorw\u00e4rts, die F\u00fc\u00dfe\naber in die Kammer zur\u00fcckfallen. Gudrun, die an Sigurd&#8217;s Seite\nschlief, erwacht, in seinem Blute schwimmend. Einen Seufzer st\u00f6\u00dft\nsie aus, Sigurd sein Leben. Angstvoll schl\u00e4gt sie die H\u00e4nde\nzusammen, dass die Rosse im Stall sich regen und das Gefl\u00fcgel auf\ndem Hofe kreischt. Da lacht Br\u00fcnnhild einmal von ganzem Herzen, als\nGudrun&#8217;s Schreien bis zu ihrem Bette schallt. Br\u00fcnnhild aber will\nnicht l\u00e4nger leben, umsonst legt Gunnar seine H\u00e4nde um ihren Hals.\nSie sticht sich das Schwert ins Herz und bittet noch sterbend, mit\nSigurd auf hochragendem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, dem\nGeliebten zur Seite und das Schwert zwischen ihnen, wie vormals.&#8220;\n(Zitiert nach Wolfgang Golther)<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe\nUnterschiede zum &#8222;Ring&#8220; springen hier ins Auge. Was sich in\nder V\u00f6lsungasaga und im Nibelungenlied auf mehrere zeitlich\ngetrennte Vorg\u00e4nge verteilt, komprimiert Wagner zu einem Augenblick.\nDen ber\u00fchmten Streit der K\u00f6niginnen, der den Betrug offenbart, hat\ner aus zwei Gr\u00fcnden \u00fcbergangen. Zum einen h\u00e4tte Gudrun viel\nst\u00e4rker herausgearbeitet werden m\u00fcssen, und zum anderen wiederholt\nsich ein Meister nicht: Die Streitszene spielt sich bereits im\n&#8222;Lohengrin&#8220; zwischen Ortrud und Elsa beim Gang zur Kirche\nab. Im &#8222;Nibelungenlied&#8220; wie auch im &#8222;Ring&#8220; ist\nHagen Siegfrieds M\u00f6rder und Siegfried wird drau\u00dfen im Wald\nerschlagen. In der &#8222;Thidrekssaga&#8220; ist Hagen ein Albensohn.\nWagner macht ihn zu Alberichs Sohn. Zwischen Wotan und Alberich\nentstand der Streit, zwischen Siegfried und Hagen wird er\nausgetragen. Siegfried, der W\u00e4lsung und Hagen, der Nibelung sind\nschon \u00e4u\u00dferlich verschieden wie Tag und Nacht. &#8222;Wie die\nW\u00fcnsche und Hoffnungen der G\u00f6tter auf Siegfried beruhen, setzt\nAlberich seine Hoffnung der Wiedergewinnung des Ringes auf den von\nihm erzeugten Hagen. Hagen soll Siegfrieds Verderben herbeif\u00fchren,\num diesem in seinem Untergange den Ring abzugewinnen.&#8220; Die\nThidrekssaga&#8220; schildert Gunnar und Hagen folgenderma\u00dfen: &#8222;K\u00f6nig\nGunnar hatte lichtes Haar, ein breites Antlitz, einen lichten und\nhellen Bart, war breitschultrig, hell von Farbe und hehr von ganzem\nWuchse, adlig von Aussehen. Hagen, sein Bruder hatte schwarzes und\nlanges Haar, ein langes Gesicht, eine lange und starke Nase, lange\nBrauen, einen dunkeln Bart und war \u00fcberhaupt dunkelfarbig; er hatte\nein hartes und grimmiges Antlitz.&#8220; Siegfried und Hagen fungieren\nim &#8222;Ring&#8220; als Repr\u00e4sentanten konkurrierender Machtsph\u00e4ren.\nWobei Wotan keinerlei Einfluss auf Siegfried nimmt, der ja nicht mal\nwei\u00df, dass er von Wotan abstammt, w\u00e4hrend Alberich seinen Sohn\ndirekt und eindringlich zur Tat dr\u00e4ngt. Bereits im Prosaentwurf des\n&#8222;Nibelungen-Mythus&#8220; hat Wagner die Umdeutung des Stoffes\ngeleistet, sie ist allein sein Werk. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther\nund Gutrune und mit ihnen der gesamte Lebens- und Herrschaftsbereich\nder Gibichungen werden in der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; g\u00e4nzlich\nunvorbereitet eingef\u00fchrt. Das ist h\u00f6chst bemerkenswert, denn erst\nmit den Gibichungen erreicht die Handlung die Welt der Menschen. Erst\njetzt hat man es mit der menschlichen Gesellschaft zu tun. Der\neinzige Mensch bisher im &#8222;Ring&#8220; war Hunding, der als\nEinzelg\u00e4nger aber nicht ausreichte, um Gesellschaft zu\nrepr\u00e4sentieren. Erstmals in der Tetralogie dominieren nun die\nMenschen auf der B\u00fchne. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nExpositionsdramaturgie, die Wagner hier benutzt ist f\u00fcr ihn eher\nungew\u00f6hnlich, da sie stark zielorientiert und schn\u00f6rkellos ist. Nur\ndie wichtigsten Fakten zum Verstehen der Handlung werden genannt: die\nBeziehungen der Gibichungen-Geschwister untereinander \u2013 Gunther als\nErstgeborener und Hagen als sein Halbbruder \u2013 sodann Gunther und\nGutrunes Ehelosigkeit \u2013 Hagen: &#8222;In sommerlich reifer St\u00e4rke \/\nsehe ich Gibichs Stamm, \/ dich, Gunther unbeweibt, \/ dich, Gutrun&#8216;\nohne Mann&#8220;, &#8211; schlie\u00dflich Hagens Vorschlag zur Abhilfe \u2013\nSiegfried durch den Zaubertrank an Gutrune zu binden, so dass er aus\nDankbarkeit f\u00fcr Gunther Br\u00fcnnhilde gewinnt, wozu dieser allein\nnicht imstande w\u00e4re. Nachdem Hagen nun seine Intrige in Gang gesetzt\nhat, denn er hat ja nur ein Ziel: den Ring von Siegfried f\u00fcr seinen\nVater Alberich zu gewinnen, ruft Gutrune: &#8222;M\u00f6cht&#8216; ich Siegfried\nje ersehn!&#8220; Darauf Gunther: &#8222;Wie suchten wir ihn auf?&#8220;\nDas prompte Erscheinen Siegfrieds nach dem Motto: kaum wird der Esel\ngenannt, kommt er auch schon angerannt, verweist auf die Bez\u00fcge des\n&#8222;Rings&#8220; zum Populartheater. Wie in der dritten Aventiure\ndes Nibelungenlieds poltert Siegfried, nachdem er angelegt hat und\nGunter zu Hagen an das Ufer getreten ist, gleich los: &#8222;Wer ist\nGibichs Sohn?&#8220; Gunther: &#8222;Gunther, ich, den du suchst.&#8220;\nSiegfried: &#8222;Dich h\u00f6rt&#8216; ich r\u00fchmen \/ weit am Rhein: \/ nun ficht\nmit mir, \/ oder sei mein Freund!&#8220; Gunther: &#8222;Lass den Kampf:\n\/ sei willkommen!&#8220; Nachdem Siegfried mit Gunter in die Halle\ngeschritten ist, kommt Hagen, der Siegfrieds Ro\u00df weg gef\u00fchrt hat,\nund sich nun zu den beiden gesellt, ziemlich schnell auf den Grund\nseiner Intrige zu sprechen. Hagen: &#8220; Doch des Nibelungen-Hortes\n\/ nennt die M\u00e4re dich Herrn?&#8220; Siegfried: &#8220; Des Schatzes\nverga\u00df ich fast: \/ so sch\u00e4tz ich sein m\u00fc\u00df&#8217;ges Gut! \/ In einer\nH\u00f6hle lie\u00df ich&#8217;s liegen, \/ wo ein Wurm es einst bewacht.&#8220;\nHagen: &#8222;Und nichts entnahmst du ihm?&#8220; Siegfried auf das\nst\u00e4hlerne Netzgewirk deutend, das er im G\u00fcrtel h\u00e4ngen hat: &#8222;Dies\nGewirk, unkund seiner Kraft.&#8220; Hagen: &#8222;Den Tarnhelm kenn&#8216;\nich, \/ der Nibelungen k\u00fcnstliches Werk: \/ er taugt, bedeckt er dein\nHaupt, \/ dir zu tauschen jede Gestalt; \/ verlangt dich&#8217;s an fernsten\nOrt, \/ er entf\u00fchrt flugs dich dahin. \/ Sonst nichts entnahmst du dem\nHort?&#8220; Siegfried: &#8222;Einen Ring.&#8220; Hagen: &#8222;Den\nh\u00fctest du wohl?&#8220; Siegfried: &#8222;Den h\u00fctet ein hehres Weib.&#8220;\nHagen, <em>f\u00fcr sich<\/em>, so\ndie Regieanweisung: &#8222;Br\u00fcnnhilde!&#8220; (G\u00f6tterd\u00e4mmerung\nErster Aufzug)<\/p>\n\n\n\n<p>Was die\nCharaktere von Gunther und Gutrune angeht, so haben sie bis zum\nkomponierten Text der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; keine \u00c4nderung\nmehr erfahren. Wagner schreibt: &#8222;Gunther ist von Hagen dar\u00fcber\nbelehrt, dass Br\u00fcnnhilde das begehrenswerteste Weib sei, und zu dem\nVerlangen nach ihrem Besitze von ihm angereizt, als Siegfried zu den\nGibichungen an den Rhein kommt. Gudrun, durch das Lob, welches Hagen\nSiegfried spendet, in Liebe zu diesem entbrannt, reicht auf Hagen&#8217;s\nRath Siegfried zum Willkommen einen Trank, durch Hagen&#8217;s Kunst\nbereitet und von der Wirksamkeit, dass er Siegfried seiner Erlebnisse\nmit Br\u00fcnnhilde und seiner Verm\u00e4hlung mit ihr vergessen macht.\nSiegfried begehrt Gudrun zum Weibe: Gunther sagt die ihm zu, unter\nder Bedingung, dass er ihm zu Br\u00fcnnhilde verhelfe. Siegfried geht\ndarauf ein: sie schlie\u00dfen Blutsbr\u00fcderschaft und schw\u00f6ren sich\nEide, von denen Hagen sich ausschlie\u00dft.&#8220; Hagen: &#8222;Mein Blut\nverd\u00fcrb&#8216; euch den Trank; \/ nicht flie\u00dft mir&#8217;s echt und edel wie\neuch: \/ st\u00f6rrisch und kalt \/ stockt&#8217;s in mir, \/ nicht will&#8217;s die\nWangen mir r\u00f6then: \/ drum bleib ich fern vom feurigen Bund.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Weder\nGunther noch Gutrune wissen um Hagens Pl\u00e4ne. Der, nach dem Aufbruch\nvon Siegfried und Gunther zum Walk\u00fcrenfelsen um Br\u00fcnnhilde zu\ngewinnen, allein zur\u00fcckgebliebene Hagen enth\u00fcllt nun in einem\nMonolog seine geschickt eingef\u00e4delte Intrige: &#8222;Hier sitz ich\nzur Wacht, \/ wahre den Hof, \/ wehre die Halle dem Feind: -\/ Gibichs\nSohne \/ wehet der Wind; \/ auf Werben f\u00e4hrt er dahin.\/ Ihm f\u00fchrt das\nSteuer \/ ein starker Held, \/ Gefahr ihm will er bestehn: \/ die eigene\nBraut \/ ihm bringt er zum Rhein: \/ mir aber bringt er \u2013 den Ring. &#8211;\n\/ Ihr freien S\u00f6hne, \/ frohen Gesellen, \/ segelt nur lustig dahin! \/\nD\u00fcnkt er euch niedrig, \/ ihr dient ihm doch &#8211; \/ des Niblungen&#8216;\nSohn.&#8220; (G\u00f6tterd\u00e4mmerung Erster Aufzug)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im\nNibelungenlied h\u00e4lt Hagen Wacht. In der 30. Aventiure bewacht er mit\nVolker zusammen den Saal der Burgunden im Lager der Hunnen. Die Szene\nhat Wagner in einen v\u00f6llig neuen Zusammenhang ger\u00fcckt. Da der\n&#8222;Ring&#8220; stellenweise durchaus eine gewisse Affinit\u00e4t zum\npopul\u00e4ren Theater aufweist, f\u00e4llt es nicht schwer, auch den\nZaubertrank als magisches Motiv zu akzeptieren. Er hat jedoch auch\neine verdeutlichende Funktion. Er soll, wie der Liebestrank in\n&#8222;Tristan und Isolde&#8220; theatralisch-symbolisch sichtbar\nmachen, was unausgesprochen der Fall ist. Siegfried, der\nreflexionslose Held, der nur seinen Impulsen folgt, ist\neingeschlossen im Augenblick, im jeweiligen Jetzt und Hier. Durch den\nZaubertrank verblasst ihm die Vergangenheit  und als Ged\u00e4chtnisloser\nf\u00e4llt er der Hagen-Intrige zum Opfer. Den Ged\u00e4chtnisverlust, den\nSiegfried durch den Zaubertrank erf\u00e4hrt, ist Ausdruck des\nVerh\u00e4ngnisses das nach Alberichs Fluch vom Ring f\u00fcr seine Besitzer\nausgeht. Ein Verh\u00e4ngnis, dessen Darstellung durch magische\nRequisiten zu den legitimen Vermittlungsformen des Theaters geh\u00f6rt. \n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Um die\nCharaktere von Gunther und Gutrune verstehen zu k\u00f6nnen, muss man\nsich vergegenw\u00e4rtigen auf welche Weise sie in Hagens Intrige\neingebunden sind. Beide wissen nichts von Hagens Plan, den Ring in\nseinen Besitz zu bekommen und sie haben auch keine Kenntnis davon,\ndass Siegfried und Br\u00fcnnhilde bereits ein Paar waren, bevor\nSiegfried an den Hof der Gibichungen kommt. Siegfried also f\u00fcr\nGunther, wenn auch unwillentlich, die eigene Frau erobert und Gutrune\nseine Verbindung mit Br\u00fcnnhilde verschweigt. W\u00e4re ihnen dieser\nUmstand, der sie zu Betr\u00fcgern werden l\u00e4sst und ihnen die Ehre\nnimmt, bekannt gewesen, h\u00e4tten sie sich sicher nicht auf Hagens\nIntrige eingelassen. Gunther kommt der Augenblick der Erkenntnis erst\nkurz vor Siegfrieds Ermordung als dieser bereits das Gegenmittel von\nHagen getrunken hat und nun seine Liebesbeziehung zu Br\u00fcnnhilde\nbekennt. Gunther \u2013 so die Regieanweisung \u2013 h\u00f6rt mit wachsendem\nErstaunen zu und ruft: &#8222;Was h\u00f6r ich!&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nzweiten Aufzug, der die Peripetie des Dramas bildet, bleibt Gutrune\npassive Zuschauerin w\u00e4hrend sich der Konflikt zwischen Br\u00fcnnhilde\nund Siegfried sowie Hagen und Gunther abspielt. Es kommt zwischen den\nbeiden Frauen als sie sich bei der Begr\u00fc\u00dfung von Br\u00fcnnhilde\ngegen\u00fcberstehen zu keinerlei Auseinandersetzung. Diese hat Wagner\nausgespart. Da im &#8222;Ring&#8220; anders als im &#8222;Nibelungenlied&#8220;\nBr\u00fcnnhilde die weibliche Hauptperson ist, kann er neben ihr keine\nzweite Heroine gebrauchen. Daher tr\u00e4gt Gunthers Schwester auch nicht\nden durch das &#8222;Nibelungenlied&#8220; gepr\u00e4gten Namen Kriemhild\nsondern den neutraleren Gutrune. Diese Namens\u00e4nderung ist Programm:\nGutrune ist keine Pers\u00f6nlichkeit mit ausgepr\u00e4gt-eigenem Charakter,\nsie erf\u00fcllt lediglich eine Funktion im Machtkalk\u00fcl Hagens.\nBr\u00fcnnhildes Augenmerk bleibt daher einzig und allein auf Siegfried\ngerichtet und Gutrune sieht in Br\u00fcnnhilde nur die Gemahlin Gunthers\nund keine Rivalin. Am Ende des zweiten Aufzuges nachdem Siegfrieds\nTod beschlossen wurde, kommt es erneut zu einer Begegnung der beiden\nFrauen. In &#8222;Siegfried&#8217;s Tod&#8220;, dem Prosaentwurf zur\n&#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220;, spricht Gutrune Br\u00fcnnhilde mit den\nWorten an: &#8222;Komm, sch\u00f6ne Schwester \/ kehre in G\u00fcte bei uns\nein! \/ Littest durch Siegfried je du ein Leid, \/ ich la\u00df es ihn\nb\u00fc\u00dfen, \/ s\u00fchnt er&#8217;s in Liebe nicht hold!&#8220; Br\u00fcnnhildes &#8222;mit\nruhiger K\u00e4lte&#8220; gegebene Antwort &#8222;Er s\u00fchnt es bald!&#8220;\nenth\u00fcllt die Doppelb\u00f6digkeit der Situation. In der\n&#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; bleibt die Begegnung beim Brautzug\nzwischen Gutrune und Br\u00fcnnhilde stumm. Gutrune winkt Br\u00fcnnhilde\nfreundlich zu, worauf diese heftig zur\u00fccktreten will, da tritt Hagen\nrasch dazwischen und dr\u00e4ngt sie an Gunther, der ihre Hand von neuem\nerfasst, so die Regieanweisung. Der t\u00f6dliche Konflikt, der in der\nSchwurszene erw\u00e4chst, besteht darin, dass die beteiligten Personen\nzwar Gleiches sagen, aber Unterschiedliches meinen. Br\u00fcnnhilde\ndenkt, wenn sie Siegfried als ihren Gatten bezeichnet an ihre fr\u00fchere\nBegegnung, die Siegfried aber aufgrund des Zaubertrankes vergessen\nhat. Er kann sich nur an die Begegnung erinnern als er in der Maske\nGunthers Br\u00fcnnhilde besiegt hat, sie dabei aber unber\u00fchrt lie\u00df.\n&#8222;Nothung, mein wertes Schwert, \/ wahrte der Treue Eid&#8220;.\nGunther und Gutrune wissen \u00fcberhaupt nichts von diesem ersten\nentscheidenden Zusammentreffen von Br\u00fcnnhilde und Siegfried, worauf\nbei ihnen der Verdacht entsteht, dass Siegfried sie betrogen hat. Nur\nHagen kennt alle Zusammenh\u00e4nge und er versteht es, den Konflikt zu\nsch\u00fcren und in seinem Sinn zu lenken. Gutrune zeigt nur kurz ihr\nMisstrauen: &#8222;Treulos, Siegfried, \/ sannest du Trug?\/ Bezeuge,\ndass falsch \/ jene dich zeiht!&#8220; Gunther hingegen sieht sich\nsofort als der betrogene Ehemann und ruft emp\u00f6rt: &#8222;O Schmach! \/\nO Schande! Wehe mir, \/ dem jammervollsten Manne!&#8220; Hagen muss\nallerdings noch etwas \u00d6l ins Feuer gie\u00dfen, um Gunther zum Handeln\nzu bewegen. Auch Br\u00fcnnhildes Worte, die Gunther der Feigheit\nbezichtigen, tragen ihren Teil dazu bei. &#8222;So soll es sein! \/\nSiegfried falle: \/ s\u00fchn er die Schmach, \/ die er mir schuf!&#8220;\n(G\u00f6tterd\u00e4mmerung Zweiter Aufzug)<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend\nf\u00fcr Gunthers Zustimmung zur T\u00f6tung Siegfrieds ist aber nicht der\nvermeintliche Betrug desselben sondern die Verlockung, die vom Ring\nausgeht: Macht und Besitz. Hagen (zu Gunther): &#8222;Er (Siegfried)\nfalle \u2013 dir zum Heile! \/ Ungeheure Macht wird dir, \/ gewinnst von\nihm du den Ring, \/ den der Tod ihm nur entrei\u00dft.&#8220; Leise fragt\nGunther: &#8222;Br\u00fcnnhildes Ring?&#8220; und Hagen korrigiert: &#8222;Des\nNibelungen Reif!&#8220; Hagen weckt bei Gunther mit diesen Worten die\nBegehrlichkeit nach Macht und Reichtum und damit ger\u00e4t auch er in\nden Kreislauf des Verh\u00e4ngnisses, der vom Ring ausgeht. Deshalb muss\nauch Gunther am Ende sterben als er nach Siegfrieds Tod den Ring als\nGutrunes Erbe einfordert, woraufhin ihn Hagen nach kurzem Gefecht\nerschl\u00e4gt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dass\nGunther und Gutrune keine handlungsbestimmenden Figuren sind, zeigt\nsich auch musikalisch. Ihre Leitmotive sind eher nichtssagend. Am\nehesten zeigt das Gutrune-Motiv noch eine individuelle Fraktur\nw\u00e4hrend das Gibichungen-Motiv, so wird das Gunther-Motiv manchmal\nauch genannt, eine unspezifische Folge aufsteigender Akkorde\naufweist. Eine Ausnahme bildet Gutrunes Monolog. In den Tageb\u00fcchern\nCosimas finden sich dazu zwei Bemerkungen: &#8220; \u2026.nach\nSiegfried&#8217;s Tod, w\u00e4hrend des Szenewechsels, es wird das\nSiegmund-Thema erklingen,&#8212; dann das Schwertmotiv, endlich sein\neigenes Thema, da geht der Vorhang auf, Gutrune tritt auf, sie glaubt\nsein Horn vernommen zu haben\u2026&#8220;: und: &#8222;vor einigen Tagen\nsagte er mir, da\u00df das Sch\u00f6nste vielleicht in diesem Akt das\nOrchestervorspiel sein werde nach Siegfried&#8217;s Tod: wenn sein Thema\nganz erklungen h\u00e4tte, k\u00e4me Gutrune heraus, meinend sie habe sein\nHorn geh\u00f6rt.&#8220; Wagner sieht in Gutrunes Monolog eine\neigenst\u00e4ndige Szene, die ihre Bedeutung aus ihrer Stellung im\nmusikdramatischen Kontext bezieht: F\u00fcr einen Augenblick wird die\nAufmerksamkeit auf das Gegenbild des Kriegshelden gelenkt\u2013 die\nverlassene Frau. Gutrune wird wie Kriemhild im &#8222;Nibelungenlied&#8220;\nvor Siegfrieds Tod von schlimmen Tr\u00e4umen geplagt. &#8222;War das sein\nHorn? \/ Nein! \u2013 Noch \/ kehrt er nicht heim. \u2013 Schlimme Tr\u00e4ume \/\nst\u00f6ren mir den Schlaf!&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gutrune\nerkennt den doppelten Betrug erst nach Siegfrieds Tod. In einer\nBegegnung mit Gutrune vor Siegfrieds Leichnam klagt Gunther Hagen an:\n&#8222;Nicht klage wider mich! \/ Dort klage wider Hagen: \/ er ist der\nverfluchte Eber, \/ der diesen Edlen zerfleischt&#8216;.&#8220; Jetzt erst\nerkennt auch Gutrune &#8222;in heftigster Verzweiflung&#8220; den\nBetrug: &#8222;Verfluchter Hagen! \/ Weh, ach weh! \/ Da\u00df du das Gift\nmir rietest, \/ das ihr (Br\u00fcnnhilde) den Gatten entr\u00fcckt! \/ O\nJammer! Jammer! \/ Wie j\u00e4h nun wei\u00df ich, \/ da\u00df Br\u00fcnnhild&#8216; die\nTraute war, \/ die durch den Trank er verga\u00df!&#8220; (G\u00f6tterd\u00e4mmerung\nDritter Aufzug)<\/p>\n\n\n\n<p>Gutrunes\nletzten Worten folgt im Dramenentwurf wie im Operntext noch eine\nletzte Regieanweisung: &#8222;Sie hat sich voll Scheu von Siegfried\nabgewendet und beugt sich in Schmerz aufgel\u00f6st \u00fcber Gunthers\nLeiche: so verbleibt sie regungslos bis an das Ende&#8220;. Gutrune\nbleibt also am Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gutrune\nist mir gelungen, sie ist kindlich heidnisch&#8220;, wobei diese\nAussage sp\u00e4ter von Wagner relativiert wurde, indem er auch\nBr\u00fcnnhildes Schlussworte das Attribut &#8222;heidnisch&#8220;\nzuerkannte. Jedenfalls bekam Gutrune anders als Gunther eine\nSoloszene, die wenn auch mit Br\u00fcnnhildes Monolog nicht zu\nvergleichen, individuelles Profil zeigt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nletzte Aktion, die R\u00fcckgewinnung des Rings, ist den Rheint\u00f6chtern\nvorbehalten. Die &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; ist nicht nur\nFortsetzung und Schluss der Tetralogie sondern auch R\u00fcckkehr zum\nAnfang. &#8222;Walk\u00fcre&#8220; und &#8222;Siegfried&#8220; spielen fern\nvom Rhein, in der &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; wie im &#8222;Rheingold&#8220;\nist er von zentraler Bedeutung. Das Reich der Gibichungen liegt am\nRhein, Siegfried gelangt auf dem Rhein zu ihnen, an seinem Ufer wird\ner erschlagen. So schlie\u00dft sich der Kreis. Und da auch Alberich am\nLeben bleibt, k\u00f6nnte die Geschichte nun von vorn beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gutrune\nlebt, aber sie ist verstummt und Teil der Menschenmenge, die sich den\nBrand Walhalls und damit den Untergang der G\u00f6tterwelt anschauen.\n&#8222;Aus den Tr\u00fcmmern der zusammengest\u00fcrzten Halle sehen die\nM\u00e4nner und Frauen in h\u00f6chster Ergriffenheit, dem wachsenden\nFeuerschein am Himmel zu.&#8220; Wagner vollendete die\n&#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220; am 21. November 1874. Im Prosaentwurf\nvon 1848 hei\u00dft es &#8222;Die Absicht der G\u00f6tter w\u00fcrde erreicht\nsein, wenn sie in dieser Menschensch\u00f6pfung, sich selbst\nvernichteten, n\u00e4mlich in der Freiheit des menschlichen Bewusstseins\nihres unmittelbaren Einflusses sich begeben m\u00fcssten.&#8220; Aus einer\nWelt tr\u00fcber Vertr\u00e4ge geht ein Reich der Freiheit hervor. In der\nTextfassung von 1852 standen in Br\u00fcnnhildes Schlussworte folgende\nStrophen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;\u2026..Nicht Gut, nicht Gold,<br>noch g\u00f6ttliche Pracht:<br>nicht Haus, nicht Hof,<br>noch herrischer Prunk:<br>nicht tr\u00fcber Vertr\u00e4ge<br>tr\u00fcgender Bund.<br>nicht heuchelnder Sitte<br>hartes Gesetz:<br>selig in Lust und Leid<br>l\u00e4\u00dft &#8211; die Liebe nur sein.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl\nWagner diese Strophen sp\u00e4ter gestrichen hat, ist das\nInstrumentalthema, mit dem die &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220;\nschlie\u00dft, nicht musikalische Metapher von Entsagung und Verneinung\ndes Willens sondern Ausdruck der seligen Liebe, die der Schluss von\n1852 r\u00fchmt. Nichts anderes besagt die Musik, die Wagner komponierte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Udo\nBermbach (Hrsg.) &#8222;Alles ist nach seiner Art&#8220;, Metzler,\nStuttgart 2001<\/p>\n\n\n\n<p>Udo\nBermbach, Dieter Borchmeyer (Hrsg) &#8222;Der Ring des Nibelungen.\nAnsichten des Mythos&#8220;, Metzler, Stuttgart 1995<\/p>\n\n\n\n<p>Carl\nDahlhaus &#8222;Richard Wagners Musikdramen&#8220;, Reclam Stuttgart\n1996<\/p>\n\n\n\n<p>Martin\nGeck &#8222;Wagner&#8220;, Siedler Verlag, M\u00fcnchen 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang\nGolther &#8222;Die sagengeschichtlichen Grundlagen der Ringdichtung\nRichard Wagners&#8220;, Ulan Press 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Martin\nGregor-Dellin &#8222;Richard Wagner&#8220;, Piper, M\u00fcnchen 1980<\/p>\n\n\n\n<p>Barry\nMillington &#8222;Der Magier von Bayreuth&#8220; Primus Verlag,\nDarmstadt 2012<\/p>\n\n\n\n<p>Richard\nWagner &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung&#8220;, Reclam, Stuttgart 1997<\/p>\n\n\n\n<p>Peter\nWapnewski &#8222;Der Ring des Nibelungen. Richard Wagners\nWeltendrama&#8220;, Piper, M\u00fcnchen 1998<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Doris Schweitzer Gunther und Gutrune nehmen unter den Figuren in Wagners &#8222;Ring&#8220; eine Zwitterstellung ein. Sie entwickeln zu keiner Zeit ein eigenst\u00e4ndisches dramatisches Profil sondern agieren von Anfang bis Ende als Hagens willenlose Werkzeuge und schlie\u00dflich als Opfer seiner Intrige. Ihr fast ausschlie\u00dflich gemeinsames Auftreten deutet auf ihre Unselbstst\u00e4ndigkeit hin. Im strengsten Sinne des &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/gunther-und-gutrune-betruegerische-und-betrogene-geschwister\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":18,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/57"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/57\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/57\/revisions\/70"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}