{"id":553,"date":"2023-11-22T13:24:10","date_gmt":"2023-11-22T12:24:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?page_id=553"},"modified":"2023-12-11T12:31:11","modified_gmt":"2023-12-11T11:31:11","slug":"nichts-genaues-weiss-man-nicht-das-altnordische-brynhild-bild-und-seine-rezeption","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/nichts-genaues-weiss-man-nicht-das-altnordische-brynhild-bild-und-seine-rezeption\/","title":{"rendered":"Nichts Genaues wei\u00df man nicht &#8211; Das altnordische Brynhild-Bild und seine Rezeption"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Katja Schulz (Institut f\u00fcr Skandinavistik, Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt)<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr wird auf den Nibelungenfestspielen in Worms das Schauspiel <em>Brynhild<\/em> von Maria Milisavljevi\u0107<strong> <\/strong>dargeboten. W\u00e4hrend die Institution \u201eNibelungenfestspiele\u201c und Worms als Spielort eher auf die Erz\u00e4hlung des Nibelungenlieds verweisen, bindet der Titel des Schauspiels von Maria Milisavljevi\u0107 \u2013 <em>Brynhild<\/em> mit y \u2013 das St\u00fcck eher an die nordische Nibelungentradition an. In diesem St\u00fcck, wie schon in Ferdinand Schmalz\u2019 <em>hildensaga. ein k\u00f6niginnendrama<\/em> von 2022, liegt der Fokus in der Behandlung des mittelalterlichen Stoffs auf den weiblichen Figuren, ein Trend, der mindestens seit der Entwicklung einer feministischen Literaturwissenschaft vielfach zu beobachten ist.<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Erstmals allerdings steht in der Geschichte der Nibelungenfestspiele mit Milisavljevi\u0107 eine weibliche Autorin hinter dem aufgef\u00fchrten Text, so dass man sich fragen darf, ob und<strong> <\/strong>welche neuen Elemente eine weibliche Perspektive zur Brynhild von 2023 hinzuf\u00fcgen m\u00f6gen. Immer wieder h\u00f6rt man anl\u00e4sslich solch neuer Bearbeitungen alter Stoffe die Frage anklingen, ob das denn \u00fcberhaupt legitim ist \u2013 ob man einen historischen Stoff nach Belieben nehmen und ver\u00e4ndern, der eigenen Zeit anpassen kann, ob man ihn dadurch nicht entfremdet, missbraucht, verf\u00e4lscht? Ob es also so etwas wie \u201erichtige\u201c und \u201efalsche\u201c Versionen von Sagenstoffen gibt. Genau dieser Frage soll hier anhand einiger Beispiele nachgegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugrundelegen m\u00f6chte ich daf\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis des Umgangs mit Sagenstoffen, wie es der Philosoph Hans Blumenberg f\u00fcr den Mythos entwickelt hat (in einem Werk von 1979, das den treffenden Titel <em>Arbeit am Mythos<\/em> tr\u00e4gt). Auf zwei Aspekte reduziert k\u00f6nnte man mit Blumenberg sagen:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>a. Es gibt keine \u201eurspr\u00fcngliche\u201c Fassung einer Heldensage. Heldensage ist immer nur in Rezeptionen, in Bearbeitungen und Weiterentwicklungen fr\u00fcherer Fassungen zug\u00e4nglich; und<\/li>\n\n\n\n<li>b. Ein (Helden-) Sagenstoff zeichnet sich durch einen festen Kernbestand an Z\u00fcgen und Motiven aus, ein Grundmuster, das in jeder Neugestaltung wiederzuerkennen ist (\u201eikonische Konstanz\u201c).<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Um mit dem zweiten Punkt zu beginnen: Der Kernbestand der sogenannten Brynhildsage, die gemeinsames Gut des nord- und s\u00fcdgermanischen Raums ist, umfasst folgende Elemente:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>eine unverheiratete Kampfjungfrau \/ Walk\u00fcre, die nicht oder nur einen ganz besonde\u00adren Mann heiraten will und die abgesondert (in einem Flammenwall oder auf einer Insel) lebt;<\/li>\n\n\n\n<li>deren Begegnung mit einem ganz besonderen Mann, n\u00e4mlich Sigurd \/ Siegfried dem Drachent\u00f6ter;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul>\n<li>Sigurds Begegnung mit den Burgundenk\u00f6nigen und seine Verm\u00e4hlung mit deren Schwester Gu\u00f0r\u00fan \/ Kriemhild;<\/li>\n\n\n\n<li>Die Werbung Gunnarrs \/ Gunthers um Brynhild, die nur mit Hilfe von Betrug und durch Sigurds Mitwirken erfolgreich ist;<\/li>\n\n\n\n<li>Sigurd entwendet Brynhildr in einer intimen Situation Gegenst\u00e4nde (Ring, G\u00fcrtel);<\/li>\n\n\n\n<li>Die Konkurrenz zwischen Brynhildr und Gu\u00f0r\u00fan;<\/li>\n\n\n\n<li>Brynhildr veranlasst, dass Sigurd get\u00f6tet wird;<\/li>\n\n\n\n<li>[nur im Norden geh\u00f6rt zum Sagenkern noch, dass Brynhildr sich selbst t\u00f6tet und eine gemeinsame Verbrennung mit Sigurd w\u00fcnscht oder veranlasst]<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wie genau diese Kern-Motive miteinander verbunden sind, dar\u00fcber sind sich die Quellen durchaus uneinig, und diese Uneinheitlichkeit von Sagen\u00fcberlieferungen ist ein Zug, mit dem schon die Edda, eine isl\u00e4ndische Lieder-Handschrift aus der zweiten H\u00e4lfte des 13. Jahrhun\u00adderts, ihr Publikum konfrontiert. Bezogen darauf, wie der Held Sigurd zu Tode gekommen sei, hei\u00dft es etwa dort ganz explizit:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-5 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-plain\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-block-columns are-vertically-aligned-center is-layout-flex wp-container-2 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p>Hier in diesem Lied wird von Sigurds Tod erz\u00e4hlt, und hier nimmt es die Wendung, als h\u00e4tten sie ihn drau\u00dfen erschlagen. Aber einige erz\u00e4hlen es so, dass sie ihn drinnen in seinem Bett erschlagen h\u00e4tten, schlafend. Aber deutsche M\u00e4nner erz\u00e4hlen es so, dass sie ihn drau\u00dfen im Wald erschlagen h\u00e4tten. Und so hei\u00dft es im alten Gudrunlied, dass Sigurd und Gi\u00fakis S\u00f6hne [also Gunnarr und H\u01ebgni] zum Thing geritten w\u00e4ren, als er erschlagen wurde. Aber das erz\u00e4hlen alle in der gleichen Weise, dass sie ihn im Vertrauen betrogen und ihn liegend und unger\u00fcstet angriffen.<a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Solche Hinweise in den eddischen Quellen zeigen, dass diese keine autoritativen Versionen der Mythen und Heldensagen vermitteln wollen; sie pr\u00e4sentieren sie vielmehr im Sinne Blumenbergs: als verschiedene Erz\u00e4hlvarianten von Geschichten, die in ihrem Kern stets erkennbar bleiben. Auch das formuliert der mittelalterliche Text ja erstaunlich klar, wenn er darauf verweist, worin sich alle Sagenvarianten einig sind: dass Sigurd im Vertrauen betrogen und liegend angegriffen wurde. Und noch etwas zeigt das Zitat: Von Anfang an sind die Erz\u00e4hlungen von den G\u00f6ttern und Helden grenz- und kultur\u00fcberschreitend. Dabei werden \u2013 wie im Fall der Nibelungensage \u2013 manchmal die Namen abgewandelt: Gu\u00f0r\u00fan ist Kriemhild, Gunnar ist Gunther und H\u01ebgni ist Hagen, diese drei werden im Norden als Gi\u00fakungen, im Mittelhochdeutschen als Burgunden bezeichnet. Ihre Mutter hei\u00dft im Norden Gr\u00edmhildr, im S\u00fcden Ute. Sigurd entspricht dem Siegfried des Nibelungenliedes, Atli dem Etzel. Ungeachtet dieser Unterschiede stiften die Mythen- und Sagenstoffe eine Gemeinschaft des Erz\u00e4hlens, ohne diejenigen, die die Geschichte anders erz\u00e4hlen, deshalb aus dieser Gemeinschaft aus\u00adzuschlie\u00dfen. Gerade mit dieser Offenheit stimuliert die mittelalterliche \u00dcberlieferung das weitere Erz\u00e4hlen, statt es dogmatisch auf eine Version festzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden soll zun\u00e4chst ein \u00dcberblick vermittelt werden, wo die Brynhildsage im Mittel\u00adalter \u00fcberliefert ist. In einem zweiten Schritt illustriert ein Beispiel, wie frei und kreativ man schon im Mittelalter mit den \u00fcberlieferten Stoffen umgegangen ist. Abschlie\u00dfend wird kurz eine Bearbeitung aus unserer Zeit aufgegriffen und ein Blick darauf geworfen, welche Fragen in den verschiedenen Rezeptionen bearbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die mittelalterliche \u00dcberlieferung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland kennt man Br\u00fcnhild vor allem aus der \u00dcberlieferung des <em>Nibelungenliedes<\/em>. Die \u00e4ltesten \u00fcberlieferten Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert; als \u00e4lteste gilt die Handschrift C, der Cod. Donaueschingen 63. Sie wird auf den Seiten der Badischen Landes\u00adbibliothek auf das 2. Viertel des 13. Jhs. datiert und ist wohl im bairisch-alemannischen Raum entstanden.<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a> Dabei handelt es sich um die Datierung der <em>Handschrift<\/em>; die Entstehung des <em>Textes<\/em> wird in der Regel etwas fr\u00fcher angesetzt, auf den Zeitraum zwischen 1180 und 1220.<a id=\"_ednref5\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a> Dem <em>Nibelungenlied<\/em> zufolge heiratet Br\u00fcnhild nur den, der sie zuvor in Kampfspielen \u00fcber\u00adwindet. Dem Burgundenk\u00f6nig Gunther gelingt das nur durch T\u00e4uschung: Siegfried \u2012 verbor\u00adgen unter seiner Tarnkappe an Gunthers Seite \u2012 besiegt Br\u00fcnhild. Die erf\u00e4hrt im Rahmen eines Konkurrenzstreits mit ihrer Schw\u00e4gerin Kriemhild von dem Betrug und l\u00f6st dann den Konflikt um Siegfried aus. Nach dem Aufbruch der Burgunden zu Etzel wird Br\u00fcnhild nicht mehr erw\u00e4hnt \u2012 sie verschwindet einfach aus dem Epos. Wo sie uns noch einmal begegnet, ist in <em>Der Nibelungenklage<\/em>, gewisserma\u00dfen einer \u201eFortsetzung\u201c des Nibelungenliedes aus unge\u00adbrochen christlicher Perspektive, die schon in Handschriften des 13. Jahrhunderts zusammen mit dem Nibelungenlied \u00fcberliefert wird. Dort tritt sie noch einmal als \u00fcberm\u00e4\u00dfig um ihren Ehemann K\u00f6nig Gunther trauernde Gattin auf.<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\">[6]<\/a>Von den \u00dcberlieferungstr\u00e4gern, also den Handschriften her, sind <em>Nibelungenlied<\/em> und <em>Nibelungenklage<\/em> die \u00e4ltesten Texte, die von Br\u00fcnhild erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der nordischen \u00dcberlieferung \u2013 das hei\u00dft, der \u00dcberlieferung in den nordgermanischen Sprachen Altnordisch, F\u00e4r\u00f6isch und D\u00e4nisch \u2013 gibt es mehr und verschiedenartigere Texte, die von der Geschichte der k\u00e4mpferischen und heiratsunlustigen Brynhildr wissen; die Sage von ihr und von Sigurd ist ein fester Bestandteil des nordischen Erz\u00e4hlinventars und wird in einer Vielzahl von ganz unterschiedlichen Textsorten \u2013 und \u00fcbrigens auch bildlichen Darstellungen \u2013 erz\u00e4hlt, zitiert oder es wird darauf angespielt. Die wichtigsten dieser Texte sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst ist hier die<em> Liederedda<\/em> zu nennen, eine Sammlung von anonym \u00fcberlieferten, anfangsreimenden, aber oft recht prosanahen Strophengedichten \u00fcber die nordischen G\u00f6tter und Helden. \u00dcberliefert sind die meisten dieser Lieder in der um 1270 auf Island entstandenen Haupthandschrift Codex regius (GKS 2365 4to). Sie enth\u00e4lt elf G\u00f6tterlieder und knapp 20 Heldenlieder sowie einige kurze Prosatexte (wie den oben zitierten \u00fcber Sigurds Tod). Die Heldenlieder hat der Redaktor des Codex regius nach der Chronologie ihrer Handlung ange\u00adordnet: Am Anfang stehen drei Lieder \u00fcber Helgi, einen nur im Norden bezeugten Helden, den die Sage zu Sigurds gro\u00dfem Bruder macht.<a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\">[7]<\/a> Dann folgen Lieder \u00fcber Sigurds Jugend und seine Jugendtaten, Themen der Brynhildsage und Erz\u00e4hlungen von Sigurds Tod. Daran schlie\u00dfen sich Erz\u00e4hlungen vom Untergang der Burgunden an \u2013 der Gi\u00fakungen, wie sie im Norden hei\u00dfen \u2013, und am Ende folgen noch zwei Lieder aus dem Stoffbereich der Ermana\u00adrich- und Svanhildsage. Hinter den Helgi-Liedern sind alle Lieder gewisserma\u00dfen zusammen\u00adgehalten durch die Figur der Gu\u00f0r\u00fan (der deutschen Kriemhild), deren Biographie die Helden\u00adlieder durch drei Ehen hindurch (mit Sigurd, mit Atli und mit J\u00f3nakr) folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Erhalten sind von dieser Handschrift 45 Bl\u00e4tter, acht Bl\u00e4tter sind verlorengegangen \u2013 im Heldenliederteil der Handschrift haben wir eine L\u00fccke, was man u.a. daran sehen kann, dass dort das Ende eines Liedes fehlt und dann der Anfang des Liedes hinter der L\u00fccke. Wenn man sich anschaut, welche der Edda-Lieder sich mit Brynhildrs Schicksal befassen, ist leicht er\u00adkenntlich, dass mit der Lage Pergament, die verlorengegangen ist, mit allergr\u00f6\u00dfter Wahr\u00adscheinlichkeit auch Erz\u00e4hlungen von Brynhildr verschwunden sind:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Heldenlieder-Uebersicht_jpg-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-559\" style=\"aspect-ratio:1.7777777777777777;width:779px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Heldenlieder-Uebersicht_jpg-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Heldenlieder-Uebersicht_jpg-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Heldenlieder-Uebersicht_jpg-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Heldenlieder-Uebersicht_jpg.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Was genau in dieser Lage gestanden haben mag, dar\u00fcber ist viel spekuliert worden.<a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\">[8]<\/a> Den Spe\u00adkulationen steht reichlich Nahrung zur Verf\u00fcgung, denn auf Grundlage der noch vollst\u00e4ndigen Liedersammlung wurde, ebenfalls im 13. Jahrhundert, eine Saga, also eine umfangreiche Prosaerz\u00e4hlung, verfasst, die h\u00e4ufig auch als \u201eProsaparaphrase der eddischen Heldenlieder\u201c bezeichnet wird: die <em>V\u01eblsunga saga<\/em>. In ihrem Zentrum steht, als ber\u00fchmtester nordischer Held, Sigurd F\u00e1fnisbani (\u201eT\u00f6ter des Drachens F\u00e1fnir\u201c). Die Saga hat ihren Titel nach Sigurds Vorfahr V\u01eblsungr, einem Enkel vom h\u00f6chsten nordischen Gott Odin, der zum mythischen Begr\u00fcnder des V\u01eblsungen-Geschlechts wird. V\u01eblsungr hat zehn S\u00f6hne und eine Tochter, von denen nur die \u00e4ltesten \u2013 Sigmund und seine Zwillingsschwester Sign\u00fd \u2013 zu Ruhm und etwas l\u00e4ngerem Leben gelangen (in der Gegenwart sind sie vor allem als Siegmund und Sieglinde aus Richard Wagners <em>Walk\u00fcre<\/em> bekannt). Sigmund wird der Vater vom Drachent\u00f6ter Sigurd, der nach der Erschlagung des Drachen F\u00e1fnir auf das Gebirge Hindarfjall reitet und dort eine in einem Flammenwall schlafende Walk\u00fcre weckt. In der Liederedda machen mehrere Lieder einen Unterschied zwischen der Walk\u00fcre, die dort Sigrdr\u00edfa hei\u00dft, und Brynhildr, die <em>V\u01eblsunga saga<\/em> dagegen identifiziert die beiden miteinander.<a id=\"_ednref9\" href=\"#_edn9\">[9]<\/a> Die <em>V\u01eblsunga saga<\/em> erz\u00e4hlt dann die gesamte Geschichte von der unseligen Ehe zwischen Brynhildr und Gunnarr, die durch Tricksereien und Betrug an Brynhildr zustande kommt, und wie Brynhildr sich daf\u00fcr durch die Anstiftung zu Sigurds Tod r\u00e4cht (Kapitel 28 bis 33). Sie erz\u00e4hlt weiter von Gu\u00f0r\u00fans Trauer und ihrem weiteren Leben: Der Ehe mit Atli\/Etzel, der ihre Br\u00fcder ermordet, und von Gu\u00f0r\u00fans Rache daf\u00fcr sowie von ihrer dritten Ehe mit K\u00f6nig J\u00f3nakr und ihren S\u00f6hnen Ham\u00f0ir und S\u01ebrli. Diese Letzten ihres Geschlechts kommen zu Tode, als Gu\u00f0r\u00fan sie dazu antreibt, Rache an dem Gotenk\u00f6nig I\u01ebrmunrekr (= Ermanarich) zu \u00fcben, der ihre Halbschwester Svanhildr hat t\u00f6ten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kapitel 23 bis 30 der <em>V\u01eblsunga saga<\/em> dienten h\u00e4ufig dazu, den Inhalt der fehlenden Texte oder Textpartien im Codex regius zu rekonstruieren. Sie schildern u.a. die zweite Begegnung zwischen Sigurd und Brynhildr sowie Sigurds Werbung um Brynhildr als Braut f\u00fcr Gunnar \u2013 also den Teil ihrer Geschichte, in dem Brynhildr get\u00e4uscht und betrogen wird \u2013; ferner den Streit zwischen Gu\u00f0r\u00fan und Brynhildr, der zum ausl\u00f6senden Moment f\u00fcr Sigurds Tod wird. Die Saga zitiert in diesem Zusammenhang (wie auch sonst) Strophen in eddischem Versma\u00df, von denen man vermutet, dass sie der verlorenen Lage des Codex regius entstammen. Von einer der insgesamt f\u00fcnf Strophen in diesen Kapiteln der <em>V\u01eblsunga saga<\/em> hei\u00dft es, sie sei ein Zitat aus einem als <em>Sigur\u00f0arkvi\u00f0a<\/em> (\u201eSigurdlied\u201c) bezeichneten Lied; sie handelt von Sigurds heftiger Trauer nach einem Gespr\u00e4ch mit Brynhildr.<a id=\"_ednref10\" href=\"#_edn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein weiterer Prosatext \u00fcberliefert die Nibelungensage, in einem Werk, das ebenfalls mit dem Namen Edda bezeichnet wird. Zur Unterscheidung von der <em>Liederedda<\/em> wird es <em>Prosa Edda<\/em> genannt. Es handelt sich dabei um ein Handbuch f\u00fcr Dichter, das der isl\u00e4ndische Politi\u00adker, Geschichtsschreiber und Dichter Snorri Sturluson um 1220 geschaffen hat, und er erkl\u00e4rt darin unter anderem die sogenannten Kenningar, das sind dichterische, metaphern\u00ad\u00e4hnliche Ausdr\u00fccke, die f\u00fcr die altnordische Dichtung kennzeichnend sind. So kann man zum Beispiel in einem Gedicht das Wort \u201eGold\u201c mit \u201eOtterbu\u00dfe\u201c umschreiben. Diese Kenningar waren offensichtlich schon zu Snorris Zeit nicht mehr allgemeinverst\u00e4ndlich, und so wird in dem Abschnitt <em>Sk\u00e1ldskaparm\u00e1l<\/em> (\u201e<em>Sprache der Dichtkunst<\/em>\u201c) der Prosa Edda erkl\u00e4rt: \u201eDies ist der Grund daf\u00fcr, dass man das Gold als Otterbu\u00dfe bezeichnet\u201c (in Kapitel 39). Darauf erz\u00e4hlt der Text von der Entstehung des Nibelungenschatzes (der n\u00e4mlich als Bu\u00dfe f\u00fcr einen erschlage\u00adnen Otter zusammengetragen wird) und von Sigurds Eroberung des Schatzes durch den Tot\u00adschlag des Drachen F\u00e1fnir (der ein Bruder dieses Otters war). Auch hier folgt darauf Sigurds Begegnung mit der Walk\u00fcre \u201edie sich Hildr nannte; sie wird Brynhildr genannt\u201c (Kapitel 41), seine Hochzeit mit Gu\u00f0r\u00fan und die Werbung um Brynhildr f\u00fcr Gunnarr (ob das wirklich die\u00adselbe Brynhildr ist, die er zuvor als Walk\u00fcre aus ihrer R\u00fcstung herausgeschnitten hat, halte ich f\u00fcr unsicher \u2013 zumindest l\u00e4sst sich anhand von Snorris Text mutma\u00dfen, dass es diesbez\u00fcg\u00adlich unterschiedliche Auffassungen gab). Snorri erz\u00e4hlt weiter vom Streit der K\u00f6niginnen und von Sigurds Ermordung, von Brynhildrs Selbstmord und ihrer Verbrennung zusammen mit Sigurd. Er berichtet, dass Gunnarr und H\u01ebgni den Nibelungenschatz \u00fcber\u00adnehmen und von Atli eingeladen werden, aber zuvor den Schatz im Rhein verstecken. Dass Atli H\u01ebgni das Herz aus der Brust schneiden und Gunnarr in die Schlangengrube werfen l\u00e4sst, wo er (weil gefesselt) mit den F\u00fc\u00dfen die Harfe spielt und alle Schlangen einschlafen l\u00e4sst bis auf eine, die ihm zum Tode gereicht (Kapitel 42; die beiden Szenen sind Kernmotive der Sage vom Untergang der Burgunden). Den Bericht schlie\u00dft Snorri mit der Bemerkung ab \u201edeswegen wird das Gold \u201eSchatz oder Erbe der Nibelungen\u201c genannt\u201c. Die Nibelungensage nimmt in Snorris Erz\u00e4h\u00adlung knapp sechs Seiten ein, w\u00e4hrend die <em>V\u01eblsunga saga<\/em> sie auf etwa hundert Seiten wieder\u00adgibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Aspekt, der die nordische \u00dcberlieferung von der deutschen unterscheidet und der f\u00fcr die Gesamtgestalt der Nibelungensage von Bedeutung ist, ist Brynhildrs Verwandtschaft: In den nordischen Quellen ist sie die Schwester von Atli, dem Etzel des <em>Nibelungenlieds<\/em>, und der Untergang der Burgunden an Atlis Hof erh\u00e4lt damit auch die Dimension einer Rache des Bruders f\u00fcr Brynhildrs Tod.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die <u>\u00dei\u00f0reks saga<\/u><\/em> (\u201eSaga von Dietrich von Bern \/ Theoderich\u201c)<em> steht von der Sagenform her zwischen der altnordischen und der deutschen \u00dcberlieferung. Sie ist<\/em> wohl um 1250 im norwe\u00adgischen Bergen entstanden oder aus dem Deutschen \u00fcbersetzt worden. Ob dabei ein Norweger Erz\u00e4hlungen zusammengestellt hat, die er von niederdeutschen Hansekaufleuten geh\u00f6rt hatte, oder ob die Saga weitgehend in der vorliegenden Form im deutschsprachigen Raum entstan\u00adden und dann in Norwegen nur \u00fcbersetzt wurde, dar\u00fcber streiten die Gelehrten bis heute.<a href=\"#_edn11\" id=\"_ednref11\">[11]<\/a> Die Saga verkn\u00fcpft Erz\u00e4hlungen und Episoden \u00fcber nahezu alle bekannten Heldinnen und Helden der germanischen Heldensage mit der Figur des Sagenhelden Dietrich von Bern und greift in diesem Kontext auch Brynhildrs Schicksal auf.<a href=\"#_edn12\" id=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch Balladen \u00fcber Sigurd und Brynhild, vor allem im D\u00e4nischen und f\u00e4r\u00f6ischen Sprachgebiet. Deren Entstehung reicht wohl bis ins Mittelalter zur\u00fcck, ist aber schwer zu da\u00adtieren, weil sie \u00fcber einen langen Zeitraum nur m\u00fcndlich \u00fcberliefert wurden. Von Bedeutung f\u00fcr die Brynhildr-\u00dcberlieferung sind da insbesondere die f\u00e4r\u00f6ischen Sigurdlieder, die sich auf die gerade erw\u00e4hnte <em>\u00dei\u00f0reks saga<\/em> und die wenig \u00e4ltere isl\u00e4ndische <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/database\/GAO\/entry\/RGA_6249\/html\"><em>V\u01eblsunga saga<\/em> <\/a>st\u00fctzen. Die immerhin acht Fassungen der Texte bezeugen ein ungebrochenes Interesse an den Sagen\u00adstoffen. Meist bilden sie einen dreiteiligen Zyklus, der die Lieder <em>Regin smi\u00f0ur<\/em> (\u201eRegin der Schmied\u201c), <em>Brynhildar t\u00e1ttur<\/em> (\u201eBrynhildlied\u201c) und <em>H\u00f8gna t\u00e1ttur<\/em> (\u201eH\u00f6gnilied\u201c) umfasst. Die Entstehung wird ins 14. Jahrhundert datiert.<a href=\"#_edn13\" id=\"_ednref13\">[13]<\/a> Auch in D\u00e4nemark wird der Nibelungenstoff in einer ganzen Reihe von Balladen \u00fcberliefert,<a href=\"#_edn14\" id=\"_ednref14\">[14]<\/a> von denen einige eher lose mit dem Sigurd- oder dem Burgundenuntergangsstoff verbunden sind. Welche Traditionen diese Balladen im einzelnen rezipieren, l\u00e4sst sich vielfach kaum zweifelsfrei rekonstruieren, doch scheinen bei einigen der Lieder au\u00dfer den westnordischen auch deutsche Vorbilder eine Rolle zu spielen. Schriftlich aufgezeichnet wurden die Balladen erst in der Neuzeit, die d\u00e4nischen im 16. Jahr\u00adhundert, die f\u00e4r\u00f6ischen im 19. Jahrhundert.<strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Brynhildbild der Liederedda<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es zeichnet die \u00dcberlieferung der Heldensage in den Liedern der Edda aus, dass jedes Lied gewisserma\u00dfen einen eigenen Ausschnitt des Sagenstoffs aus einer eigenen Perspektive beleuchtet. Formal soll hier zu den Eddaliedern nur soviel gesagt werden, dass sie strophisch sind und viele zusammen mit l\u00e4ngeren oder k\u00fcrzeren Prosapassagen \u00fcberliefert werden; die Lieder haben zwischen elf und 105 Strophen \u2013 durchschnittlich sind es ungef\u00e4hr 42 Strophen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn der Heldenlieder berichten mehr oder weniger ausf\u00fchrlich Aspekte der Geschichte von Brynhildr. Die Erz\u00e4hlperspektiven, die dabei eingenommen werden und von Brynhildr und ihrem Leben erz\u00e4hlen, sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Brynhildrs Schicksal wird dargestellt<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">in dem Lied:<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">von:<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gr\u00edpissp\u00e1 (\u201eGr\u00edpirs Weissagung\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Sigurds Onkel Gr\u00edpir und Sigurd<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">F\u00e1fnism\u00e1l (\u201eF\u00e1fnirs Reden\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Meisen prophezeien Auffinden der Walk\u00fcre (42\u201344); Verweis auf Odins Willen<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Sigrdr\u00edfom\u00e1l (\u201eSigrdr\u00edfas Reden\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Unbeteiligter Erz\u00e4hler, Sigrdr\u00edf (\u2248 Brynhildr?)<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Brot af Sigur\u00f0arkvi\u00f0o (\u201eBruchst\u00fcck eines Sigurdliedes\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Unbeteiligter Erz\u00e4hler, Brynhildr<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gu\u00f0r\u00fanarkvi\u00f0a in fyrsta (\u201eErstes Lied von Gu\u00f0r\u00fan\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gu\u00f0r\u00fan, ihre Schwester Gullr\u01ebnd, Brynhildr, unbeteiligter Erz\u00e4hler<strong><\/strong><\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Sigur\u00f0arkvi\u00f0a in skamma (\u201eKurzes Sigurdlied\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Unbeteiligter Erz\u00e4hler, Brynhildr, Gunnarr, H\u01ebgni, Sigurd<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Helrei\u00f0 Brynhildar (\u201eBrynhildrs Helritt\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Unbeteiligter Erz\u00e4hler, eine Riesin, Brynhildr<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Dr\u00e1p Niflunga (\u201eErschlagung der Nibelungen\u201c [Prosa])<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Unbeteiligter Erz\u00e4hler<\/td><\/tr><tr><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Oddr\u00fanargr\u00e1tr (\u201eOddr\u00fans Klage\u201c)<\/td><td class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Brynhildrs Schwester Oddr\u00fan<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Insbesondere das <em>Erste Gudrunlied<\/em> und das <em>Kurze Sigurdlied<\/em> zeichnen sich schon in sich selbst durch eine gro\u00dfe perspektivische Vielfalt aus. Gerade f\u00fcr das <em>Kurze Sigurdlied<\/em> kann man postulieren, dass sein Anliegen ist, komplizierte und teils widerspr\u00fcchliche Seelenlagen darzustellen und dabei den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Figuren eine Stimme zu geben. Andere Lieder artikulieren weniger Perspektiven, unterscheiden sich aber unter\u00adeinander deutlich. So gibt es in <em>Gr\u00edpirs Weissagung<\/em> den Blick von Sigurd und seinem Onkel auf das Geschehen, wobei Sigurd sein eigenes, noch zuk\u00fcnftiges Verh\u00e4ltnis zu der Walk\u00fcre auf dem Berg, zu Brynhildr und zu Gu\u00f0r\u00fan als durchaus problematisch und tadelw\u00fcrdig ein\u00adsch\u00e4tzt (Str. 36, 38, 40), w\u00e4hrend Gr\u00edpir seinen Neffen entschuldigt und alle Schuld f\u00fcr die kommenden Verwicklungen Gu\u00f0r\u00fans und Gunnars Mutter Gr\u00edmhildr zuschreibt (Str. 33, 35). Im <em>Bruchst\u00fcck eines Sigurdlieds<\/em> stellt ein unbeteiligter Erz\u00e4hler Brynhildrs Agieren und die R\u00e4nke dar, mit denen sie ihren Mann Gunnarr manipuliert und anstiftet, Sigurd zu t\u00f6ten. Gunnarr wird dabei als \u201eWachs in ihren H\u00e4nden\u201c dargestellt, der die typisch weiblich inszenierte (und dabei mit Verleumdungen ziemlich hinterh\u00e4ltige) Form ihrer Rache nicht durchschaut; die 15. Strophe konstatiert ausdr\u00fccklich, dass \u201ekaum einer dieses \/ Frauen\u00adgebaren verstand, dass sie weinend \/ sich zu berichten anschickte, \/ wozu sie vorher lachend die M\u00e4nner aufgefordert hatte\u201c. In <em>Brynhilds Helritt<\/em> wiederum wird Brynhildr nach ihrer Selbstt\u00f6tung auf dem Weg in die Totenwelt Hel von einer Riesin angeklagt, die ihr vorwirft, dem Mann einer anderen (n\u00e4mlich Gu\u00f0r\u00fans Mann Sigurd) in die Totenwelt zu folgen. Sie verurteilt Brynhildrs ganzen Lebenswandel als Walk\u00fcre und ihre verh\u00e4ngnisvolle Rolle f\u00fcr das Geschlecht der Gi\u00fakungen (also Gunnarr, H\u01ebgni und Gu\u00f0r\u00fan), das sie ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt habe \u2013 Brynhildr sei nur zum schlimmsten Unheil in die Welt geboren worden, lautet ihr harsches Fazit (man kann dabei \u00fcberlegen, wessen Stimme die Riesin eigentlich vertritt). Auf diese Vorw\u00fcrfe reagiert Brynhildr mit einer Darstellung ihrer Kindheit und Jugend, in der sie sich selbst als Opfer pr\u00e4sentiert und ihrerseits feststellt, wie eben die Gi\u00fakungen an ihrem Schicksal schuld seien, indem sie sie \u201elieblos und eidbr\u00fcchig\u201c (Str. 5) machten. Wenn sie Sigurd ins Jenseits folgt, begibt sie sich diesem Lied zufolge gerade nicht zum Mann einer anderen, sondern zu dem ihr von Odin bestimmten Ehemann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man sieht, ist die \u00dcberlieferung der Edda \u00fcberaus vielstimmig und erlaubt ein gleichbe\u00adrechtigtes Nebeneinander unterschiedlicher und sogar sich widersprechender Haltungen zu den Ereignissen, zu den Erinnerungen daran (\u201ewie ist es eigentlich zugegangen?\u201c) und zu deren Bewertung in moralischer, rechtlicher oder historischer Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird genauso f\u00fcr die \u201eLieder der L\u00fccke\u201c zugetroffen haben, die von Brynhildr und ihren Verwicklungen mit Sigurd und den Gi\u00fakungen handelten. Auch sie waren sicher ebenso heterogen in der Darstellung der Ereignisse und deren Beurteilung durch die Erz\u00e4hlinstanzen, wie wir das in den erhaltenen Eddaliedern beobachten. Wenn wir also die Vielstimmigkeit der Sagen\u00fcberlieferung, wie wir sie im Codex regius der Liederedda vorfinden, zugrunde\u00adlegen, dann haben wir auch gegen\u00fcber der Sagenform der <em>V\u01eblsunga saga<\/em> die Lizenz, von der dort erz\u00e4hlten Geschichte abzuweichen und alternative Auffassungen von Ursachen, Rechtferti\u00adgungen und Handlungsverl\u00e4ufen anzunehmen. Die Versuche fr\u00fcherer Forscher, die eine, urspr\u00fcngliche und \u201erichtige\u201c Sagenform mit der \u201ewahren Biographie\u201c von Brynhildr zu rekonstruieren, wird von der bewusst inszenierten Perspektivenvielfalt der eddischen Lieder als ein ganz widersinniges Unternehmen konterkariert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Beispiel von Oddr\u00fans Klage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ein Beispiel, wie frei und kreativ schon die mittelalterlichen Verfasser mit dem Sagenstoff umgehen, der ihnen \u00fcberliefert ist, m\u00f6chte ich hier das im Codex regius der Liederedda \u00fcber\u00adlieferte Gedicht <em>Oddr\u00fans Klage (Oddr\u00fanargr\u00e1tr)<\/em> heranziehen. Es verbindet die Fabeln der Werbung um Brynhildr und des Untergangs der Gi\u00fakungen bei Atli mit der Lebens\u00adgeschichte einer Schwester Atlis und Brynhildrs namens Oddr\u00fan. Das Lied setzt dabei neue Akzente und stellt urs\u00e4chliche Zusammenh\u00e4nge zwischen Begebenheiten in Oddr\u00fans Leben und der Geschichte von Atli und den Gi\u00fakungen, insbesondere Gunnar, her. Damit schafft es eine Folie, vor der der traditionelle Handlungsverlauf um Brynhildr und Sigurds Tod neu bewertet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lied ist aufgebaut mit einer Rahmenhandlung, die in einer einleitenden Prosapassage kurz skizziert wird:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>Von Borgn\u00fd und Oddr\u00fan<\/p>\n\n\n\n<p>Hei\u00f0rekr hie\u00df ein K\u00f6nig; seine Tochter hie\u00df Borgn\u00fd. Vilmundr hie\u00df der, der ihr Geliebter war. Sie konnte ihre Kinder nicht geb\u00e4ren, bis Oddr\u00fan, Atlis Schwester, zu ihr kam; sie war die Geliebte Gunnars gewesen, des Sohnes von Gi\u00faki. Von dieser Geschichte wird hier erz\u00e4hlt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Die Figuren dieser Rahmengeschichte sind nur aus diesem Lied bekannt, wobei Oddr\u00fan in wieteren Texten (dem <em>Kurzen Sigurdlied<\/em>, der Prosapassage von der <em>Erschlagung der Nibelun\u00adgen<\/em> und der <em>V\u01eblsunga saga<\/em>) erw\u00e4hnt wird, die darin aber sicherlich von diesem Lied abh\u00e4ngig sind. Oddr\u00fan ist, das geht aus dem Lied hervor, in der Lage, mit ihrem K\u00f6nnen und mit Zau\u00adberversen bei schweren Geburten zu helfen. Als sie von Borgn\u00fds Notlage h\u00f6rt, sattelt sie so\u00adfort ihr Pferd und reitet zu der K\u00f6nigstochter, erfragt in aller K\u00fcrze von einer ungenannten Figur die Situation und entbindet mit Hilfe von m\u00e4chtig und kr\u00e4ftig gesungenen Zauber\u00adfor\u00admeln Zwillinge, einen Jungen und ein M\u00e4dchen. Als Borgn\u00fd ihr daf\u00fcr mit einem Segens\u00adwunsch dankt, reagiert Oddr\u00fan abweisend; nicht um Borgn\u00fds willen habe sie ihr geholfen, sondern allein, weil sie zu fr\u00fcherer Zeit das Gel\u00fcbde abgelegt habe, jedem Wesen jederzeit und unabh\u00e4ngig vom Ansehen der Person Hilfe zu leisten. Sie hebt an zu einem R\u00fcckblick auf ihre eigene Lebensgeschichte \u2012 das ist die Binnenerz\u00e4hlung. Sie erz\u00e4hlt, wie ihr Vater bei seinem Tod, als sie erst f\u00fcnf Jahre alt war, bestimmte, dass sie mit Gunnar verm\u00e4hlt und das vornehmste M\u00e4dchen der Welt werden solle, w\u00e4hrend er ihrer Schwester Brynhildr ein Leben als Walk\u00fcre beschied.<a id=\"_ednref15\" href=\"#_edn15\">[15]<\/a> \u00dcber Brynhildr erfahren wir, dass sie ruhig und zufrieden als Herr\u00adscherin in ihrer Burg sitzt, als Sigurd dorthin gelangt, dann wird ein Kampf und die Eroberung ihrer Burg erw\u00e4hnt, und unmittelbar danach die R\u00e4nke, von denen Brynhildr schnell erfahren habe. So knapp andeutend die Situation in nur drei Strophen (Str. 17\u201219) skizziert ist, scheint sie offenbar Sigurds Ankunft als Werber f\u00fcr Gunnar bei Brynhildr zu schildern, sowie einen damit in Zusammenhang stehenden kriegerischen Angriff auf ihre Burg und einen Betrug, f\u00fcr den sie sich bitter ger\u00e4cht habe, so dass die Umwelt (und hier schlie\u00dft Oddr\u00fan sich mit ein) es reichlich zu sp\u00fcren bekamen. Daraufhin habe sie sich selbst get\u00f6tet, was als Skandalon in jedem Land der Menschen bekannt werden w\u00fcrde (Str. 19). Sowenig wir die einzelnen Ele\u00admente in diesen drei Strophen konkreten Ereignissen, die wir aus anderen Texten kennen, zuordnen k\u00f6nnen, bietet das Lied damit doch ein Beispiel f\u00fcr das von Blumenberg vorhin angef\u00fchrte \u201eGrundmuster\u201c der Brynhild-Sage, die allein mit der Erw\u00e4hnung von Sigurds Ankunft, Betrug gegen\u00fcber Brynhildr und ihrer Reaktion mit Rache und Selbstmord in ihrem Kernbestand klar zu identifizieren ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter berichtet Oddr\u00fan, dass sie Gunnarr geliebt habe, \u201ewie es Brynhildr sollte\u201c \u2012 der einzige Hinweis in diesem Lied darauf, dass Brynhildr und Gunnarr verheiratet waren \u2012, und erz\u00e4hlt von den Versuchen der Gi\u00fakungen, den Konflikt mit Atli beizulegen, indem sie ihm reiche Bu\u00dfe f\u00fcr den Tod seiner Schwester Brynhildr und noch reicheren Brautschatz f\u00fcr eine Ehe seiner anderen Schwester Oddr\u00fan mit Gunnarr boten (Str. 21). Atli indes habe eine Ehe zwischen ihr und Gunnarr kategorisch abgelehnt, was sie in eine heimliche Liebesbeziehung n\u00f6tigte \u2012 hier beruft sich Oddr\u00fan auf die alles besiegende Macht der Liebe. An die Ent\u00addeckung des illegitimen Verh\u00e4ltnisses schlie\u00dft sich unmittelbar der Bericht von Atlis verr\u00e4terischer Einladung und T\u00f6tung von Gunnarr und H\u01ebgni an und legt so eine urs\u00e4chliche Verbindung zwischen diesen Ereignissen nahe: der Mord an den Gi\u00fakungen als Rache f\u00fcr die von Atli abgelehnte Liebesbeziehung und nicht als Gier, den Nibelungenhort von seinen Schw\u00e4gern zu erobern, wie es beispielsweise im <em>Atlilied<\/em> dargestellt wird. W\u00e4hrend H\u01ebgni noch im selben Satz, in dem er bei Atlis Hof ankommt, das Herz aus der Brust geschnitten wird (Str. 28), verweilt Oddr\u00fans Erz\u00e4hlung f\u00fcnf Strophen lang bei Gunnars Schicksal in der Schlangengrube und ihren eigenen Versuchen, den Geliebten zu retten (Str. 28\u201332). Sie schlie\u00dft ihren Bericht mit dem Hinweis auf ihre eigene Verwunderung, dass sie trotz ihres Liebesleids nach Gunnars Tod weiterzuleben verm\u00f6ge; im R\u00fcckblick erschlie\u00dft sich hieraus wohl auch die Motivation f\u00fcr ihr Gel\u00fcbde, allen Menschen zu helfen, das sie veranlasst, auch Borgn\u00fd bei deren schwerer Geburt beizustehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Oddr\u00fans Klage<\/em> ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie schon mittelalterliche Dichter \u00fcberlieferte Helden\u00adsagen zum Anlass nehmen, daran Verhaltensweisen, Heldenideale oder moralische Vorstel\u00adlungen zur Diskussion zu stellen, indem sie sie in einen neuen Kontext setzen und Fragen ihrer eigenen Zeit daran aushandeln. Das Lied hat sich offenbar vorgenommen, einen Alter\u00adnativentwurf der Nibelungenfabel als Gedankenexperiment zu pr\u00e4sentieren: W\u00e4re Oddr\u00fan \u2013 wie ihr Vater Bu\u00f0li das auf dem Sterbelager wollte \u2013 mit dem Gi\u00fakungen Gunnar verheiratet worden, h\u00e4tte es die tragische Verkettung unheilvoller Ereignisse, die zum Tod von Sigurd, Brynhildr, H\u01ebgni und Gunnar f\u00fchrt, nicht gegeben.<a id=\"_ednref16\" href=\"#_edn16\">[16]<\/a> Dabei ist Oddr\u00fan als ein Gegenbild zu ihrer Schwester Brynhildr entworfen, zu deren Verhalten sie Alternativen aufzeigt: Oddr\u00fan liebt Gunnar, \u201ewie es Brynhildr h\u00e4tte tun sollen\u201c (Str. 20). Sie versucht, ihn vor dem Tod zu retten (Str. 29\u201332), w\u00e4hrend Brynhildr den Tod des Mannes herbeif\u00fchrt, den sie liebt: Sigurd. Nach Gunnars Tod legt Oddr\u00fan ein Gel\u00fcbde ab, jedem Hilfe zu leisten, und lebt ihrem gro\u00dfen Kummer zum Trotz weiter, Brynhildr dagegen begeht nach Sigurds Tod Selbstmord und l\u00f6st damit die Feindschaft zwischen Atli und den Gi\u00fakungen aus. Beide Schwestern sind \u2018Opfer\u2019 ungl\u00fccklicher Schicksalsumst\u00e4nde, doch w\u00e4hrend die eine \u2013Brynhildr \u2013 in zerst\u00f6rerischer Weise darauf reagiert, vesucht die andere \u2013 Oddr\u00fan \u2013, trotzdem ein Leben zu f\u00fchren, das Gutes bewirkt. Offensichtlich waren die Handlungsmuster und Reaktionen, die die \u00e4ltere Heldendichtung f\u00fcr Brynhildr \u00fcberlieferte, im 13. Jahrhundert Gegenstand kritischer \u00dcber\u00adlegungen und regten dazu an, nach L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zu suchen, die mehr in \u00dcberein\u00adstimmung mit dem zeitgen\u00f6ssischen Menschen- und Gesellschaftsbild waren.<a id=\"_ednref17\" href=\"#_edn17\">[17]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachmittelalterliche Brynhildr-Rezeptionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So haben zu allen Zeiten Dichter und andere Kulturschaffende das in der Heldensagen\u00fcber\u00adlieferung angelegte Sinnpotential aufgegriffen und gem\u00e4\u00df dem Erwartungshorizont der eige\u00adnen Zeit und ihrer Anliegen neu erz\u00e4hlt, umgeformt, aktualisiert. Im Mittelalter, das haben wir gerade gesehen, wird vielstimmig und mit einer Pluralit\u00e4t der Perspektiven von den Gescheh\u00adnissen um Brynhildr, ihre ungl\u00fcckliche Ehe mit Gunnarr und ihr Verh\u00e4ltnis zu Sigurd erz\u00e4hlt. Im 19. Jahrhundert dagegen weicht diese Vielstimmigkeit einer Vorstellung von der einen, urspr\u00fcnglichen, richtigen Sagenform, nach der zumal die germanistische Philologie mit z\u00e4hem Bem\u00fchen sucht. In der Forschung bildet sich der Fetisch einer Ur-Sagenform heraus, die die Forscher aus dem Vergleich der \u00fcberlieferten Texte und Spekulationen \u00fcber verlorene Texte \u2011 etwa jene auf den verlorenen Bl\u00e4ttern der Liederedda-Handschrift \u2013 rekonstruieren wollen. Da sind wir dann wieder beim Philosophen Hans Blumenberg, der feststellt, dass es den Mythos \u2012 und gleiches gilt f\u00fcrdie Heldensage \u2012 in einer \u201eurspr\u00fcnglichen Form\u201c und damit eine \u201ewahre Form der Sage\u201c gar nicht gibt, sondern immer nur die Wiedererz\u00e4hlun\u00adgen, die den Stoff ihren eigenen zeitgen\u00f6ssischen Vorstellungen anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>An die Figur der Brynhildr kn\u00fcpften sich dabei besonders h\u00e4ufig Problematisierungen der Geschlechterrollen und der \u201erichtigen\u201c und \u201efalschen\u201c Verh\u00e4ltnisse zwischen Mann und Frau. Angesichts der ihr zugeschriebenen Walk\u00fcrennatur und dem motivlichen \u201eEvergreen\u201c einer Liebestrag\u00f6die kann das nicht verwundern. Ein Beispiel daf\u00fcr ist Emanuel Geibels <em>Brunhild<\/em>-Trag\u00f6die von 1857, in der Siegfried Brunhild gegen\u00fcber komplement\u00e4re Geschlechterrollen als naturgegeben darstellt:<\/p>\n\n\n\n<p>[\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schwache w\u00e4hle sich ein starkes Weib;<\/p>\n\n\n\n<p>Kraft greift nach Sanftmut; wahrlich, und je stolzer<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann emporwuchs, desto m\u00e4cht\u2019ger r\u00fchrt ihn<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zauber holdbed\u00fcrft\u2019ger Weiblichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist es, was mich an Kriemhilden bannt,<\/p>\n\n\n\n<p>Das schafft die Wonne, die aus ihrem Wesen<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Mondlicht \u00fcber meine Seele str\u00f6mt<\/p>\n\n\n\n<p>Und all mein Ungest\u00fcm in Frieden taucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was gilt am Weib mir Heldentum? Beim Thor!<\/p>\n\n\n\n<p>Das hab\u2019 ich selbst, und neubegierig wohl<\/p>\n\n\n\n<p>Bestaunen kann ich\u2019s; aber lieben? \u2013 Nie!<a href=\"#_edn18\" id=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im ausgehenden 20. Jahrhundert dann verschiebt sich vielfach das Interesse, mit dem Kultur\u00adschaffende an den Nibelungenstoff herantreten. An Stelle der Liebes- und Geschlechterver\u00adwicklungen und der Zwangsl\u00e4ufigkeit von Rache und Totschlag tritt die Frage ins Zentrum, wer oder was eigentlich den Gang der Geschichte bestimmt \u2013 und Geschichte ist dabei durch\u00adaus im doppelten Sinn von sich ereignender Handlung <em>und<\/em> von der Erz\u00e4hlung \u00fcber diese Handlung gemeint. Ein fr\u00fches Beispiel f\u00fcr ein St\u00fcck, das die Konstruktion von Geschichte im Erz\u00e4hlen, und die Unterschiedlichkeit der erinnerten Vergangenheit (und damit der vergange\u00adnen Geschichten) jeder einzelnen Figur aufs Korn nimmt, ist das postmoderne Nibelungen\u00addrama der franz\u00f6sischen Schriftstellerin, Essayistin und Feministin H\u00e9l\u00e8ne Cixous: <em>L\u2019histoire<\/em> <em>(qu\u2019on ne conna\u00eetra jamais<\/em>) (\u201eDie Geschichte [die man niemals kennen wird]\u201c) von 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Cixous kommt von der Seite der Geschlechter-Diskurse, aber sie befasst sich in ihrem St\u00fcck nicht so sehr damit, welche Rollen Frauen oder M\u00e4nner einnehmen oder einnehmen sollten, sondern vielmehr damit, wie und warum bestimmte Geschichten in einer bestimmten Weise erz\u00e4hlt werden. Die verschiedenen und zumal im <em>Nibelungenlied<\/em> ja ganz unbeteiligten Erz\u00e4hlinstanzen der Nibelungensage versetzt Cixous als Figuren in das St\u00fcck selbst hinein. Da gibt es zum einen eine alte Frau namens \u201eEdda\u201c, die die Ereignisse schon vor undenkli\u00adcher Zeit in Bilder gewebt haben will und zun\u00e4chst wenig Lust hat, daran etwas zu ver\u00e4ndern. Zum anderen tritt dort Snorri Sturluson als Figur auf, jener Snorri, der die Prosa Edda verfasst hat. Er steht unter der Fuchtel der nordischen G\u00f6tter und seines Vaters Sturla, die ihn aus dem Jenseits unabl\u00e4ssig antreiben, endlich die Nibelungengeschichte weiterzuerz\u00e4hlen, und die dabei lauthals nach <em>mehr<\/em> Krieg, <em>mehr<\/em> Blut, einem Verr\u00e4ter, einer Vierteilung und 1000 toten Rittern verlangen. Snorri aber will das nicht; zum einen muss er seine <em>Geschichte der norwe\u00adgischen K\u00f6nige \u2012 Heimskringla \u2012<\/em> fertigmachen, zum anderen will er lieber von Liebe, Vers\u00f6hnung und einem langen Leben erz\u00e4hlen. Die Erz\u00e4hlerfiguren, aber auch die blutr\u00fcnstigen alten Herren im Jenseits versuchen mal mehr, mal weniger erfolgreich, auf die Figuren der Ge\u00adschichte einzuwirken \u2013 also auf Sigfrid, Gunther, Hagen, Kriemhild, Brunhild und all die an\u00adderen an dieser Sage Beteiligten.<a id=\"_ednref19\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a> Gelingt es noch, Hagen zum Mord an Sigfrid anzustacheln, erweist sich dieser nach seinem Tod aber schon wenig geneigt, die Rache f\u00fcr sich selbst in die Wege zu leiten. \u201eMan r\u00e4cht nicht mehr wie fr\u00fcher\u201c, stellt Snorris Vater missbilligend fest (S. 175). Gemeinsam versuchen Snorri, Edda und Sigfrid aus dem Jenseits, in das sie mittlerweile alle bef\u00f6rdert wurden, Kriemhild von ihrer Reise zu Etzel abzuhalten, die, wie wir wissen, ein gro\u00dfes Gemetzel und (diesem St\u00fcck zufolge) das Ende der Welt nach sich ziehen w\u00fcrde S.181f.). Sie erreichen Kriemhild nicht, doch Brunhild rettet die Welt vor dem Untergang, indem sie sich in ein gro\u00dfes Schneetreiben verwandelt, das Kriemhilds brennende Rachelust l\u00f6scht und die Wege ins Hunnenland verdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem zugegebenerweise recht phantastischen Schauspiel hebt Cixous den Umstand her\u00advor, dass jede und jeder sich anders an Vergangenes erinnert. Immer wieder streiten sich Figuren \u00fcber Details der Vergangenheit, etwa Sigfrid und Kriemhild, ob der Baum, unter dem sie sich damals trafen, nun eine Eiche oder eine Pinie war (S. 46). Auch die Versuche, durch das Erz\u00e4hlen von Geschichten Figuren zu manipulieren und Einfluss auf den Gang der Ge\u00adschichte zu nehmen, ist ein wiederkehrendes Motiv. In echt postmoderner Manier weist Cixous damit a. auf die Macht des Erz\u00e4hlens hin, l\u00e4sst daf\u00fcr b. Erz\u00e4hler auf verschiedenen Ebenen (und deren Auftraggeber) interagieren und in die Geschichte einbrechen (Snorri, Edda), und sie wahrt dabei c. eine gewisse Autonomie oder Freiheit oder Unberechenbarkeit der Figuren (Brunhild).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachleben, das Wiedererz\u00e4hlen der Nibelungensage ist also erkennbar in unserer Zeit der Medien und Nachrichten, der Fake News und der Geschichtsf\u00e4lschungen angekommen. Auch, wenn Brynhild, Sigurd und Co schon seit Jahrhunderten ihre Beziehungen und ihre Konflikte miteinander teilen, sind es doch immer die Beziehungen und Konflikte einer spezifischen Zeit, die heute ganz anders gelagert sind als im 13. Jahrhundert, als die Lieder der Edda nieder\u00adgeschrieben wurden. Und in diesem Sinne sollten wir mit Neugier und Interesse darauf schauen, mit welchen Fragen Maria Milisavljevi\u0107s <em>Brynhild<\/em> uns 2023 konfrontiert, und welche L\u00f6sungen sie daf\u00fcr anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Edda<\/em>. Die Lieder des Codex regius nebst verwandten Denkm\u00e4lern. I. Text. Hg. von Gustav Neckel. 5. verbesserte Aufl. von Hans Kuhn. Heidelberg 1983.<\/p>\n\n\n\n<p>Geibel, Emanuel: <em>Brunhild<\/em>: Eine Trag\u00f6die aus der Nibelungensage. Stuttgart, Augsburg 1857.<\/p>\n\n\n\n<p>Milisavljevi\u0107, Maria: <em>brynhild<\/em>. Auftragsarbeit f\u00fcr die Nibelungenfestpiele Worms. Frankfurt 2023.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Nibelungenklage<\/em>. Mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Karl Bartsch. Einf\u00fch\u00adrung, neuhochdeutsche \u00dcbersetzung und Kommentar von Elisabeth Lienert. Paderborn u.a. 2000.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.vsnrweb-publications.org.uk\/Edda-2a.pdf\">Snorri Sturluson: <em>Edda. Sk\u00e1ldskaparm\u00e1l<\/em><\/a>. 1. Introduction, Text and Notes. Hg. Anthony Faulkes. London 1998.<\/p>\n\n\n\n<p>[Snorri Sturluson:] Die Edda des Snorri Sturluson. Ausgew\u00e4hlt, \u00fcbersetzt und kommentiert von Arnulf Krause. Stuttgart 1997.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/volsungasagaokragnarssaol\/page\/n7\/mode\/2up\"><em>V\u01eblsunga saga ok Ragnars saga lo\u00f0br\u00f3kar<\/em>.<\/a> Hg. Magnus Olsen. Kopenhagen 1906\u20131908.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/dfg-viewer.de\/show\/?tx_dlf%5bid%5d=https%3A%2F%2Farchiv.ub.uni-marburg.de%2Feb%2F2021%2F0018%2Fmets-9769.xml\"><em>Volsunga- und Ragnars-Saga nebst der Geschichte von Nornagest<\/em><\/a>. \u00dcbersetzt von Friedrich Heinrich von der Hagen. V\u00f6llig umgearbeitet von Anton Edzardi. Stuttgart <sup>2<\/sup>1880.<\/p>\n\n\n\n<p>Forschung:<\/p>\n\n\n\n<p>Bender, Ellen: \u201e<a href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/frauenbilder-im-nibelungenlied-und-in-den-wormser-festspielinszenierungen\/\">Frauenbilder im Nibelungenlied und in den Wormser Festspielinszenierun\u00adgen<\/a>\u201c. 2022. (https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/frauenbilder-im-nibelungenlied-und-in-den-wormser-festspielinszenierungen\/ [10.11.2023])<\/p>\n\n\n\n<p>Blumenberg, Hans: <em>Arbeit am Mythos<\/em>. Frankfurt 1979.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6ldl, Klaus und Katharina Prei\u00dfler: &#8222;Ballade&#8220;. In: <em>Germanische Altertumskunde Online<\/em>. Hg. Sebastian Brather, Wilhelm Heizmann und Steffen Patzold. Berlin, New York: De Gruyter, 2015. <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/database\/GAO\/entry\/GAO_44\/html\">https:\/\/www.degruyter.com\/database\/GAO\/entry\/GAO_44\/html<\/a>. [3.11. 2023].<\/p>\n\n\n\n<p>Brinker-von der Heyde, Claudia: \u201eNibelungenlied\u201c. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hg.): <em>Reallexikon der Germanischen Altertumskunde<\/em>, 2. vollst. neubearb. und stark erw. Aufl., Bd. 21, Berlin u.a. 2002, S. 131\u2012135.<\/p>\n\n\n\n<p>Holzapfel, Otto: <em>Die d\u00e4nischen Nibelungenballaden<\/em>. Texte und Kommentare. G\u00f6ppingen 1974.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kommentar zu den Liedern der Edda<\/em>. Von Klaus von See et al. 6 B\u00e4nde, Heidelberg 1997\u20132019.<\/p>\n\n\n\n<p>Kramarz-Bein, Susanne: \u201e\u00dei\u00f0reks saga af Bern\u201c. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hg.): <em>Reallexikon der Germanischen Altertumskunde<\/em>, 2. vollst. neubearb. und stark erw. Aufl., Bd. 30, Berlin u.a. 2005, S. 466\u2013471.<\/p>\n\n\n\n<p>Nedoma, Robert: \u201eZu den Frauenfiguren der \u201a\u00dei\u00f0reks saga af Bern\u2018\u201c. In: Hermann Reichert, G\u00fcnter Zimmermann (Hg.): <em>Helden und Heldensage. Otto Gschwantler zum 60. Geburtstag.<\/em> Wien 1990, S. 211\u2013232.<\/p>\n\n\n\n<p>Quinn, Judy: \u201eThe Endless Triangle of Eddic Tragedy: Reading Oddr\u00fanargr\u00e1tr (The Lament of Oddr\u00fan)\u201c. In: Maria Elena Ruggerini (Hg.): <em>Studi anglo-norreni in onore di John S. McKinnell<\/em>, Cagliari 2009, S. 304\u2013326.<\/p>\n\n\n\n<p>Schier, Kurt und Wilhelm Heizmann: \u201eSj\u00far\u00f0ar kv\u00e6\u00f0i\u201c. 2020. In: Arnold, H.L. (Hg.) <em>Kindlers Literatur Lexikon<\/em> (KLL). J.B. Metzler, Stuttgart. https:\/\/doi-org.proxy.ub.uni-frankfurt.de\/ 10.1007\/978-3-476-05728-0_21653-1 .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> S. dazu auch Ellen Benders Artikel \u201eFrauenbilder im Nibelungenlied und in den Wormser Festspiel\u00adinszenierungen\u201c (2022)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Blumenberg 1979, S. 299f. bzw. f\u00fcr die ikonische Konstanz S. 165f.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn3\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> <em>Fr\u00e1 dau\u00f0a Sigur\u00f0ar<\/em> (\u201eVon Sigurds Tod\u201c), Edda (1983), S. 201. Die \u00dcbersetzungen st\u00fctzen sich auf jene des <em>Kommentars zu den Liedern der Edda<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.blb-karlsruhe.de\/sammlungen\/unesco-weltdokumentenerbe-nibelungenlied\/die-handschrift-c\">https:\/\/www.blb-karlsruhe.de\/sammlungen\/unesco-weltdokumentenerbe-nibelungenlied\/die-handschrift-c<\/a> [Zugriff 27.10.2023]<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Vgl. Brinker-von der Heyde 2002, S. 132.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Vers 3975ff. in Lienerts auf der *B-Fassung basierten Edition (Die Nibelungenklage 2000).<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn7\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Genauer gesagt sind es zwei Helgis: Helgi Hi\u01ebrvar\u00f0sson und Helgi Hundingsbani. Von letzterem legen die den Liedern beigef\u00fcgten Prosapassagen nahe, dass er der wiedergeborene Helgi Hi\u01ebrvar\u00f0sson sei, s. <em>Kommentar zu den Liedern der Edda <\/em>Bd. 4, S. 377<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn8\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Eine \u00dcbersicht bietet, mit weiterer Literatur, der <em>Kommentar zu den Liedern der Edda<\/em> Bd. 5, S. 497f. und Bd. 6, S. 130ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn9\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> <em>V\u01eblsunga saga ok Ragnars saga lo\u00f0br\u00f3kar<\/em> k. 21; Edzardis deutsche \u00dcbersetzung hat eine etwas andere Z\u00e4hlung; hier ist das das 20. Kapitel.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[10]<\/a> In Kapitel 31 bzw. 29. Auch die anderen Strophen werden mit Formulierungen wie \u201ewie der Dichter sagt\u201c als Zitate gekennzeichnet, ohne jedoch konkret benannten Liedern zugeschrieben zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[11]<\/a> Vgl. Kramarz-Bein 2005, S. 467 mit Literaturverweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn12\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Eine Analyse auch von Brynhildrs Rolle in der <em>\u00dei\u00f0reks saga<\/em> bietet Robert Nedoma: Zu den Frauenfiguren der \u201a\u00dei\u00f0reks saga af Bern\u2019, in: Hermann Reichert, G\u00fcnter Zimmermann (Hg.): Helden und Heldensage. Otto Gschwantler zum 60. Geburtstag. Wien 1990, S. 211\u2013232; zu Brynhildr v.a. S. 226\u2013229.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[13]<\/a> S. dazu B\u00f6ldl und Prei\u00dfler 2015 und Schier und Heizmann 2020.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn14\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Otto Holzapfel ediert und \u00fcbersetzt in seinem <em>Die d\u00e4nischen Nibelungenballaden \u2013 Texte und Kommentare<\/em> (1974) dreizehn Balladen<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn15\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Zu der an dieser Stelle offensichtlich fehlerhaften Anordnung der Strophen in der Handschrift und den Implikationen f\u00fcr die Interpretation s. Quinn 2009, S. 318 und <em>Kommentar zu den Liedern der Edda<\/em> Bd. 6, S. 898ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn16\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Vgl. <em>Kommentar zu den Liedern der Edda<\/em> Bd. 6, S. 841<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[17]<\/a> Vgl. auch Quinn 2009, S. 326.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[18]<\/a> Geibel 1857, S. 91<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[19]<\/a> Sc\u00e8ne 1; Sc\u00e8ne 7 S. 80\u201282 und \u00f6fter. &nbsp;Obwohl Cixous mit dem Aufgreifen von \u201eEdda\u201c und Snorri Sturluson explizit an die nordische \u00dcberlieferung ankn\u00fcpft, w\u00e4hlt sie f\u00fcr die Protagonisten der Nibelungen\u00adgeschichte die Namensformen, die der mittelhochdeutschen Tradition entstammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Katja Schulz (Institut f\u00fcr Skandinavistik, Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt) In diesem Jahr wird auf den Nibelungenfestspielen in Worms das Schauspiel Brynhild von Maria Milisavljevi\u0107 dargeboten. W\u00e4hrend die Institution \u201eNibelungenfestspiele\u201c und Worms als Spielort eher auf die Erz\u00e4hlung des Nibelungenlieds verweisen, bindet der Titel des Schauspiels von Maria Milisavljevi\u0107 \u2013 Brynhild mit y \u2013 das St\u00fcck eher &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/nichts-genaues-weiss-man-nicht-das-altnordische-brynhild-bild-und-seine-rezeption\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":18,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/553"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=553"}],"version-history":[{"count":37,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":597,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/553\/revisions\/597"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}