{"id":504,"date":"2023-09-29T12:00:39","date_gmt":"2023-09-29T10:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?page_id=504"},"modified":"2023-10-11T19:34:26","modified_gmt":"2023-10-11T17:34:26","slug":"bruenhild-koenigin-schildmaid-walkuere-die-rezeption-einer-sagengestalt-in-der-deutschen-literatur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/bruenhild-koenigin-schildmaid-walkuere-die-rezeption-einer-sagengestalt-in-der-deutschen-literatur\/","title":{"rendered":"Br\u00fcnhild &#8211; K\u00f6nigin, Schildmaid, Walk\u00fcre. Die Rezeption einer Sagengestalt in der deutschen Literatur"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Gunter E. Grimm (Universit\u00e4t Duisburg-Essen)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wer war die sagenhafte Br\u00fcnhild, deren Namensbestandteile \u201ebr\u00fcnne\u201c (Brustharnisch) und \u201ehilt\u201c (Kampf) bereits auf den kriegerischen Charakter der Tr\u00e4gerin hinweisen? War diese Br\u00fcnhild \u2013 in den Haupthandschriften des Nibelungenlieds Pr\u00fcnhild und Prunhild, in der altnordischen Edda Brynhildr geschrieben \u2013 eine amazonenhafte K\u00f6nigin aus dem hohen Norden oder eine Walk\u00fcre aus dem Gefolge Odins? Ein Blick auf mittelhochdeutsche und altnordische Nibelungen\u00addichtungen zeigt tats\u00e4chlich gravierende Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die deutsche Tradition<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Nibelungenlied verliebt sich der aus Xanten stammende K\u00f6nigssohn Siegfried in die burgundische K\u00f6nigstochter Kriemhild. Da im Mittelalter Frauen noch kein Selbstbestimmungsrecht besitzen, gewisserma\u00dfen als Objekte der M\u00e4nner fungieren, schlagen Kriemhilds Br\u00fcder eine Art Tauschhandel vor: Siegfried, dessen fr\u00fchere Begegnung mit Br\u00fcnhild nur angedeutet ist,<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[1]<\/a> soll Kriemhild als Braut erhalten, wenn er ihrem Bruder Gunther bei der Gewinnung seiner anvisierten Braut, der isl\u00e4ndischen K\u00f6nigin Br\u00fcnhild, nach Kr\u00e4ften beisteht. Dies geschieht durch eine Reihe von L\u00fcgen. Siegfried gibt sich als Vasall Gunthers aus. An dessen Stelle besiegt er, durch die Tarnkappe unsichtbar gemacht, die amazonenhafte K\u00f6nigin im Wettkampf und bezwingt sie in der Brautnacht. T\u00f6richterweise beschenkt er Kriemhild mit Br\u00fcnhilds Ring und G\u00fcrtel. Konflikte sind somit vorprogrammiert. Beim Streit der K\u00f6niginnen am Eingangsportal der Kirche beansprucht Br\u00fcnhild den Vortritt vor Kriemhilde, da sie Siegfried f\u00fcr einen Lehnsmann Gunthers h\u00e4lt. Kriemhild schleudert ihr den (sachlich ungerechtfertigten) Vorwurf \u201eKebse\u201c (neudeutsch: M\u00e4tresse) entgegen, als Beweismittel zeigt sie ihr Ring und G\u00fcrtel. Die Folgen sind bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sah die K\u00f6nigin wohl aus? Dem Nibelungenlied zufolge ist sie \u00fcber alle Ma\u00dfen sch\u00f6n (\u201eunm\u00e2zen sch\u0153ne\u201c, Str. 326,3), von gro\u00dfer St\u00e4rke (\u201emichel was &nbsp;ir kraft\u201c, Str. 326, 3), auch wird sie \u201edie wunderbare Frau\u201c (\u201edaz vil h\u00earl\u00eeche w\u00eep\u201c, Str. 337,4) genannt, ein andermal allerdings \u201edes Teufels Weib\u201c (\u201edes t\u00eduv\u00e9les w\u00eep\u201c, Str. 438,4).<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a> Im Nibelungenlied ist Br\u00fcnhild eine sch\u00f6ne und starke Frau, die sich aufs \u00e4u\u00dferste wehrt, ihre Unabh\u00e4ngigkeit aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Dramatisierung des Nibelungenlieds, Ernst Raupachs f\u00fcnfaktige Trag\u00f6die \u201eDer Nibelungen-Hort\u201c von 1828, hat sich auf der B\u00fchne nicht gehalten \u2013 im Unterschied zu Friedrich Hebbels Dramen-Trilogie \u201eDie Nibelungen\u201c von 1862. Hebbel selbst hielt sein Werk f\u00fcr das Beste, was bisher \u00fcber das Thema Nibelungen gedichtet wurde. Angesichts der deutsch-franz\u00f6sischen Spannungen verstand er sie als einen \u201eBei\u00adtrag f\u00fcr die Einigkeit und Geschlossenheit der Nation gegen den \u00e4u\u00dferen Feind, als sittlichen Ma\u00dfstab f\u00fcr alle Deutschen\u201c.<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[3]<\/a> Hebbel will Mythos und Menschlichkeit verbinden, die Ausf\u00fchrung changiert entsprechend zwischen Monumentalisie\u00adrung und Psychologisierung. In stolzer Unbescheidenheit schreibt er:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und bei aller Bescheidenheit, die die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe mit sich bringt, wollen wir auf Geibels Marzipan und Wagners Kr\u00fcppelholz mit L\u00e4cheln herabschauen, so sehr die Parteien sich auch daf\u00fcr r\u00fchren werden, denn diese Leute haben nicht einmal eine Ahnung vom Gegenstand.&#8220;<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Wesentlichen folgt Hebbel der Handlung des Nibelungenlieds.<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a> Gleich in der ersten Szene beschreibt Volker Brunhilds Sch\u00f6nheit:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Im tiefen Norden [\u2026] wuchs ein F\u00fcrstenkind<\/p>\n\n\n\n<p>Von wunderbarer Sch\u00f6nheit auf, so einzig,<\/p>\n\n\n\n<p>Als h\u00e4tte die Natur von Anbeginn<\/p>\n\n\n\n<p>Haush\u00e4lterisch auf sie gespart und jeder<\/p>\n\n\n\n<p>Den h\u00f6chsten Reiz des Weibes vorenthalten,<\/p>\n\n\n\n<p>Um ihr den vollen Zauber zu verleihn.&#8220;<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden erf\u00e4hrt man, dass sie schwarzhaarig und braun\u00e4ugig ist.<a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\">[7]<\/a> Ihre ungeheure St\u00e4rke manifestiert sich auf der Fahrt rheinaufw\u00e4rts, wo sie den aufdringlichen Gunther \u201emit vorgestrecktem Arm weit in den Rhein hinaus\u201c h\u00e4lt. Ein \u201eTeufelsweib\u201c, wie Siegfried konstatiert.<a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\">[8]<\/a> Beide Frauen erliegen einer Fehleinsch\u00e4tzung: Brunhild h\u00e4lt sich f\u00fcr rangh\u00f6her als Kriemhild und Siegfried, der f\u00fcr sie nur Gunthers Vasall ist. Kriemhild dagegen ist \u00fcberzeugt, Brunhild sei Siegfrieds \u201eKebsweib\u201c.<a id=\"_ednref9\" href=\"#_edn9\">[9]<\/a> Als Brunhild erkennen muss, dass Siegfried sie nie geliebt hat,<a id=\"_ednref10\" href=\"#_edn10\">[10]<\/a> betreibt sie energisch seine Ermordung. Dazu setzt sie ein modernes Mittel ein: den Hungerstreik.<a id=\"_ednref11\" href=\"#_edn11\">[11]<\/a> Hagen erkennt das wahre Motiv f\u00fcr Brunhilds Mordlust: eine Art biogenetischer Liebe, der zufolge die letzte Riesin sich den letzten Riesen sucht.<a id=\"_ednref12\" href=\"#_edn12\">[12]<\/a> Mit Siegfrieds Tod hat Brunhild das Ziel ihrer Rache erreicht und genie\u00dft derbsinnig ihren Sieg: \u201eSie i\u00dft und trinkt und lacht.\u201c<a id=\"_ednref13\" href=\"#_edn13\">[13]<\/a> Diesen Charakterzug hat Hebbel aus der nordischen Version \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die nordische Tradition<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die nordische Gestalt der Nibelungensage liegt in verschiedenen Zeugnissen vor. In einigen Heldenliedern der sogenannte \u201eLieder-Edda\u201c, von denen einzelne bis ins 10. Jahrhundert zur\u00fcckreichen; im Abriss der \u201eSnorra-Edda\u201c von 1220, in zwei Sagas aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, der \u201eThidreksaga\u201c und der \u201eV\u00f6lsunga\u00adsaga\u201c. W\u00e4hrend die \u201eThidreksaga\u201c eher eine vergr\u00f6bernde Mixtur nordischer und deutscher Sagenelemente bietet,<a id=\"_ednref14\" href=\"#_edn14\">[14]<\/a> liegt der V\u00f6lsungensaga<a id=\"_ednref15\" href=\"#_edn15\">[15]<\/a> eine der \u201eEdda\u201c entnommene Konstellation zugrunde. Hier w\u00e4chst Sigurd beim Schmied Regin auf, t\u00f6tet dessen Bruder, den zum Drachen mutierten Fafnir, und gewinnt dessen Goldschatz. Danach gelangt er zu einer Schildburg, hinter der die vollger\u00fcstete K\u00f6nigstochter Brynhild schl\u00e4ft. Sigurd erweckt sie und beide gestehen einander ihre Liebe. Sp\u00e4ter treffen sie bei Brynhilds Pflegevater Heimir wieder aufeinander, schw\u00f6ren sich abermals Treue, und Sigurd schenkt ihr einen Goldring. In der V\u00f6lsungensaga herrschen famili\u00e4re Verh\u00e4ltnisse. Die benachbarten K\u00f6nigsgeschlechter verheiraten sich untereinander, Brynhild ist die Tochter des K\u00f6nigs Budli, ihr Bruder ist K\u00f6nig Atli; Gudrun und Gunnar sind die Kinder des K\u00f6nigs Gjuki. Brynhild k\u00e4mpft zwar einerseits als Schildmaid, andererseits sitzt sie, wie die anderen Frauen, auch am Webstuhl.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Hof der Gjukungen bew\u00e4hrt sich Sigurd als unerm\u00fcdlicher Helfer, so dass die K\u00f6niginmutter Grimhild den Helden durch eine Heirat mit ihrer Tochter Gudrun an die Familie binden will. Da sie von Sigurds Zuneigung zu Brynhild wei\u00df, gibt sie ihm einen Zaubertrank, der ihn Brynhild vergessen l\u00e4sst. Sigurd heiratet infolgedessen Gudrun, beide bekommen einen Sohn. Grimhilds Sohn, K\u00f6nig Gunnar, m\u00f6chte um Brynhild werben. Da er den Feuerwall um Brynhilds Burg nicht zu durchreiten vermag, \u00fcbernimmt Sigurd diese Aufgabe in Gunnars Gestalt. An der Seite Brynhilds verbringt er drei N\u00e4chte, aber er legt sein Schwert Gram entbl\u00f6\u00dft zwischen sie. Beide tauschen Ringe miteinander. Der Zank der K\u00f6niginnen spielt sich hier am Fluss ab. Brynhild h\u00e4lt sich f\u00fcr rangh\u00f6her und watet weiter in den Fluss hinaus, weil sie ihren Vater f\u00fcr m\u00e4chtiger h\u00e4lt als Gudruns Vater und weil ihr Mann \u201eviele Heldentaten vollbracht habe\u201c.<a href=\"#_edn16\" id=\"_ednref16\">[16]<\/a> Es kommt zum Streit. Gudrun wirft ihr vor, in Wahrheit sei Sigurd ihr erster Gatte gewesen, <em>er<\/em> n\u00e4mlich habe die Waberlohe durchritten und ihr den Ring vom Finger gezogen. Auch hier zeigt sie der Betroffenen den Ring als Beweisst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nibelungenlied wird Br\u00fcnhild als Frau gezeichnet, die auf \u00e4u\u00dferliche Ehrbezeigung Wert legt. Ganz anders die nordische Brynhild! Sie erleidet ein echtes Seelendrama. Man stelle sich vor: Nachdem Sigurd und sie sich zweimal Liebe und Treue geschworen haben, muss sie erleben, dass er mit einer anderen verheiratet ist. Und nicht nur das! Obendrein betr\u00fcgt er sie, indem er sie f\u00fcr einen anderen gewinnt. Zur Emp\u00f6rung gesellen sich Eifersucht und Racheverlangen. Zu ihrem Mann Gunnar sagt sie: \u201eIch aber habe <em>gelobt<\/em> daheim bei meinem Vater, den allein lieben zu wollen, der als der Herrlichste geboren w\u00e4re \u2013 das aber ist Sigurd. Nun aber bin ich eidbr\u00fcchig dadurch, da\u00df ich ihn nicht habe [\u2026].\u201cLauthals klagt sie in der ganzen Burg, \u201eda\u00df sie Sigurd nicht habe\u201c.<a href=\"#_edn17\" id=\"_ednref17\">[17]<\/a> Sie will als Frau zweier M\u00e4nner nicht weiterleben. Einer m\u00fcsse sterben: Sigurd, Gunnar oder sie selbst. Als Brynhild dann von Sigurds Ermordung h\u00f6rt, bricht sie in lautes Lachen aus.<a href=\"#_edn18\" id=\"_ednref18\">[18]<\/a> Sie verletzt sich mit dem Schwert t\u00f6dlich, l\u00e4sst einen Scheiterhaufen errichten und sich zusammen mit Sigurd verbrennen, nicht ohne vorher Gudruns und Sigurds Sohn Sigmund t\u00f6ten zu lassen. Dass in der nordischen Version weniger die Standesehre als die verratene Liebe im Vordergrund steht, verleiht der Geschichte einen pers\u00f6nlicheren Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wurde diese Rollenfiguration in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts aufgegriffen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der aus einer alten Hugenottenfamilie stammende Friedrich de la Motte-Fouqu\u00e9 hat als erster die nordische Version im dreiteiligen Drama \u201eDer Held des Nordens\u201c literarisch verarbeitet. Der erste Teil \u201eSigurd, der Schlangent\u00f6dter\u201c wurde 1808 publiziert; das Gesamtwerk erschien 1810.<a id=\"_ednref19\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a> Fouqu\u00e9 hatte es in der preu\u00dfischen Armee zum F\u00e4hndrich gebracht und am Rheinfeldzug von 1794 teilgenommen. Er widmete sein Drama dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der in seinen 1807\/08 gehaltenen \u201eReden an die deutsche Nation\u201c das Nationalbewusstsein der Deutschen im Befreiungskampf gegen Napoleon st\u00e4rken wollte. Diese nationale Komponente schwingt in Fouqu\u00e9s Adaption un\u00fcbersehbar mit. Fouqu\u00e9s Adaption folgt ziemlich genau der V\u00f6lsungensage.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zwist der K\u00f6niginnen berichtet Gunnar \u00fcber Brynhildis Stimmungslage: Zuerst habe sie wie toll gerast und gew\u00fctet, jetzt liege sie in starrem Schlaf.<a href=\"#_edn20\" id=\"_ednref20\">[20]<\/a> Auf Gudrunas Bitte geht Sigurd zu Brynhildis; er begr\u00fc\u00dft sie mit der reichlich unbedarften Empfehlung \u201eLa\u00df\u2019 von der Trauer, sei vergn\u00fcgten Sinn\u2019s.\u201c<a href=\"#_edn21\" id=\"_ednref21\">[21]<\/a> Nun folgt ein Wechselbad der Gef\u00fchle. Die Betrogene bekennt \u201eNiemals gefiel mir Gunnar\u201c. Sigurd erz\u00e4hlt ihr von Grimildis Vergessenheitstrank und erkl\u00e4rt ihr abermals seine gro\u00dfe Liebe: \u201elieber viel, \/ Als mein selbsteignes Leben bist du mir.\u201c<a href=\"#_edn22\" id=\"_ednref22\">[22]<\/a> Emotional tief erregt, versteigt er sich zum Angebot, sich von seiner Ehefrau Gudruna und dem gemeinsamen Sohn zu trennen. Brynhildis bleibt gefasst, sie will nicht am selben Hof zwei M\u00e4nner haben, Gunnar habe ihr \u201eTreuwort\u201c: \u201eso b\u00fc\u00df\u2019 ich denn \/ Schuldlosen Irrthum mit freiwill\u2019gem Tod\u201c.<a href=\"#_edn23\" id=\"_ednref23\">[23]<\/a> Dem Gatten er\u00f6ffnet sie:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Zwei Eh\u2019gemahle mir in Einer Burg \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Abscheu erfa\u00dft mich. \u2013 Einer von uns Drei\u2019n<\/p>\n\n\n\n<p>Mu\u00df sterben: du, ich oder Sigurd!&#8220;<a id=\"_ednref24\" href=\"#_edn24\">[24]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Fouqu\u00e9 zeichnet Brynhildis als eine au\u00dferordentlich sch\u00f6ne und gef\u00fchlsstarke Frau. Obwohl sie mit der Gabe der Weissagung vertraut ist und die Geschehnisse vorhersagen kann, handelt sie ausschlie\u00dflich aus ihrem Gef\u00fchl heraus. Die Runen sprechen gegen ihre Verbindung mit Sigurd; sie aber erkennt, dass er der einzige ebenb\u00fcrtige Mann ist und eine andere Gattenwahl gewisserma\u00dfen Untreue gegen\u00fcber ihrem eigenen Wesen w\u00e4re. Ihre Liebe, ihre Ehrverletzung, ihre pers\u00f6nliche Kr\u00e4nkung und ihr Racheverlangen sind so gro\u00df, dass sie lieber mit dem toten Sigurd in den Untergang geht, als dass sie ihn Gudruna g\u00f6nnt und allein weiterleben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk errang unter den Zeitgenossen gro\u00dfen Beifall. Die Sprache ist schw\u00fclstig-blumig, aber die Charaktere bleiben eigentlich blass. Gro\u00dfe Wirkung hatte das Werk auf Richard Wagner, der durch seinen Onkel schon fr\u00fch die Bekanntschaft mit Fouqu\u00e9s Dramen gemacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aus L\u00fcbeck stammende Emanuel Geibel wurde vom bairischen K\u00f6nig Ludwig I. 1852 als Honorarprofessor nach M\u00fcnchen berufen und avancierte zum ersten unter den Hofdichtern. Sein Drama \u201eBrunhild\u201c erschien 1857 und wurde 1861 auf dem Hoftheater in M\u00fcnchen uraufge\u00adf\u00fchrt. Das Drama setzt nach der Doppelhochzeit Gunthers mit Brunhild und Siegfrieds mit Kriemhild ein. Noch ehe er sie sieht, vermittelt Volkers Bericht ein lebendiges Bild von Brunhild.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Frau Brunhild aber thront\u02bc in kalter Sch\u00f6nheit,<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lippe trotzig aufgesch\u00fcrzt, das Auge<\/p>\n\n\n\n<p>Glanzlos ins Leere starrend, neben ihm,<\/p>\n\n\n\n<p>Als schweift\u2019 ihr Geist in weiten Fernen um.&#8220;<a id=\"_ednref25\" href=\"#_edn25\">[25]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der tiefere Grund f\u00fcr die Verstimmtheit, ja den Hass Brunhilds ist die Tatsache, dass sie recht eigentlich Siegfried liebt, den nun eine andere als Gatten bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Du kannst es nie ermessen, was es hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p>Den&nbsp; e i n e n&nbsp; lieben, und dem&nbsp; a n d e r n&nbsp; doch,<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem dein Herz nichts wei\u00df, mit Leib und Seele,<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Aufgedrungnen, unterworfen sein!&#8220;<a id=\"_ednref26\" href=\"#_edn26\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Geibel hat das Motiv von Brunhilds fr\u00fcherem Beisammensein mit Siegfried<a href=\"#_edn27\" id=\"_ednref27\">[27]<\/a> aus der nordischen Version der Sage \u00fcbernommen. Brunhild ist \u00fcberzeugt, Siegfried liebe in Wahrheit nicht Kriemhild,<a href=\"#_edn28\" id=\"_ednref28\">[28]<\/a> sondern sie selbst und sch\u00f6pft daher Hoffnung f\u00fcr ihre eigene Liebe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Akt enth\u00e4lt den H\u00f6hepunkt und zugleich die Peripetie, den Umschlag der Handlung vom Aufw\u00e4rts zum Abw\u00e4rts. Dies geschieht in der dramatischen Auseinandersetzung der beiden rivalisierenden K\u00f6niginnen vor der Kirche, wem der Vortritt geb\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Akt nimmt die Intrige ihren Lauf. Gunther gesteht Brunhild, was in der Hochzeitsnacht geschah und dass er \u2013 aus Liebe zu ihr \u2013 Siegfrieds Hilfe in Anspruch genommen habe. Anstatt seiner Bitte, alles zu vergessen, sich zu f\u00fcgen, fordert Brunhild Siegfrieds Tod.<a href=\"#_edn29\" id=\"_ednref29\">[29]<\/a> Dem Schlussgesang der Br\u00fcnnhilde in Wagners \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c entspricht bei Geibel ein Monolog, in dem sie, ehe sie sich mit Siegfrieds Dolch ersticht,&nbsp; ihre ewige Liebe verk\u00fcndet:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, wi\u00dft es alle: diesen Mann hab\u02bc ich<\/p>\n\n\n\n<p>Geliebt! Von Anfang ihn, und keinen sonst!<\/p>\n\n\n\n<p>Hab\u02bc ihn geliebt trotz Schicksalsschlu\u00df und Sternen,<\/p>\n\n\n\n<p>Und wohl zermalmen k\u00f6nnen mich die G\u00f6tter,<\/p>\n\n\n\n<p>Doch meine Lieb\u02bc entrei\u00dfen sie mir nicht!&#8220;<a id=\"_ednref30\" href=\"#_edn30\">[30]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Geibel vermengt nordische und deutsche Tradition, er verzichtet auf den ganzen G\u00f6tter- und Zwergenapparat. Das Geschehen bleibt innerweltlich und ist psychologisch begr\u00fcndet, zum Teil in \u00fcberdeutlicher Manier.<\/p>\n\n\n\n<p>Geibel war ein dynastisch eingestellter Dichter. Nicht nur, dass er ein Gegner der 1848er Revolution war,<a href=\"#_edn31\" id=\"_ednref31\">[31]<\/a> er diente am bairischen Hof und bezog eine preu\u00dfische Dichterpension. Er verherrlichte die nationale Einigungsbewegung unter Preu\u00dfens F\u00fchrung. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass der Freund feudalistischer Ordnung auch im Drama den Ordnungsgedanken und damit die Zementierung der bestehenden monarchistischen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse propagierte. Betrachtet man die im Drama vorgestellte Sozialstruktur der handelnden Personen, so f\u00e4llt ganz unabh\u00e4ngig von den Personen selbst das Gegen\u00fcber zweier Strukturen auf: auf der einen Seite die amazonenhafte Welt des Nordens, wo ausschlie\u00dflich das Recht der Kraft regiert, auf der anderen Seite die h\u00f6fische Welt der Burgunder in Worms, wo die M\u00e4nner das Sagen haben. Die besiegte K\u00f6nigin muss sich den Gesetzen der Burgunder f\u00fcgen. Im Mittelpunkt von Geibels Drama steht der Konflikt zwischen Brunhild und ihrer h\u00f6fischen Umwelt.<a href=\"#_edn32\" id=\"_ednref32\">[32]<\/a> Der widerst\u00e4ndigen Brunhild, die sich der landes\u00fcblichen Sitte und damit den h\u00f6fischen Gesetzen verweigert, tritt Siegfried als Vertreter der M\u00e4nner-Ordnung entgegen und verficht mit markigen Worten das Prinzip von \u201eGesetz und Ordnung\u201c.<a href=\"#_edn33\" id=\"_ednref33\">[33]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, nimmer hat nach einem Kampf mich so<\/p>\n\n\n\n<p>Gel\u00fcstet, wie nach diesem; gilt es doch,<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00e4nner ganz Geschlecht an ihr zu s\u00fchnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will sie Sitte lehren, z\u00e4hl\u02bc auf mich!&#8220;<a id=\"_ednref34\" href=\"#_edn34\">[34]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Herrschaft der M\u00e4nner darf nicht in Frage gestellt werden. So behauptet Geibels Zeitgenosse Friedrich Kreyssig, der Dichter vertrete in diesem Bestreben \u201edie gesunde, m\u00e4nnliche Richtung der letzten Jahr\u00adzehnte\u201c,<a href=\"#_edn35\" id=\"_ednref35\">[35]<\/a> ganz im Sinne der preu\u00dfisch-nationalen Devise \u201eM\u00e4nner machen Geschichte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der neuklassizistische, sogar f\u00fcr den Nobelpreis nominierte Dichter Paul Ernst lehnt sich im Drama \u201eBrunhild\u201c von 1909 an die nordische Version an. Drastisch schildert Gunther seinem \u00e4lteren Bruder Hagen die Brutalit\u00e4t Brunhilds in der Hochzeitsnacht:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sie lachte, wie ein Wolf die Z\u00e4hne zeigend [\u2026].&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie griff mich mit den Armen, hob mich leicht,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eh ich nur denken konnte, was geschah,<\/p>\n\n\n\n<p>Und warf von oben mich zur Erde nieder,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df mir der Sinn verging.&#8220;<a id=\"_ednref36\" href=\"#_edn36\">[36]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrer Bezwingung durch Siegfried wird sie gef\u00fcgig und betrachtet Gunther als ihren \u201eHerrn\u201c.<a href=\"#_edn37\" id=\"_ednref37\">[37]<\/a> Siegfried, der Brunhild auf Island begegnet war, vergisst Brunhild, weil Chriemhild ihm einen Vergessenheitstrank gegeben hatte. Allerdings lieben sich beide \u2013 trotz seiner Verheiratung mit Chriemhild \u2013 weiterhin, denn sie sind vom Schicksal f\u00fcreinander bestimmt. Chriemhild muss in den sauren Apfel bei\u00dfen, nur die \u201eSchale\u201c zu haben und nicht Siegfrieds Herz.<a href=\"#_edn38\" id=\"_ednref38\">[38]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Paul Ernst hat das Drama mit philosophischen und psychologischen Diskursen \u00fcber die Thematik \u201eSchuld\u201c schwer befrachtet. Siegfried, Gunther, Chriemhild f\u00fchlen sich im Laufe des Dramas schuldig, denn jeder hat Teil am Betrug. Nur die total Betrogene, Brunhild, ist von der Gewissheit beseelt, als \u201eMenschen h\u00f6herer Art\u201c<a href=\"#_edn39\" id=\"_ednref39\">[39]<\/a> seien sie und Siegfried nicht mit moralischen Ma\u00dfst\u00e4ben zu messen. Die \u201eoberen Menschen\u201c<a href=\"#_edn40\" id=\"_ednref40\">[40]<\/a> leben ihrer \u00dcberzeugung nach schuldfrei, nur nach Notwendigkeit. Sie sind lediglich in die unheilvollen Geschehnisse verstrickt. Der Tod ist daher f\u00fcr solche Ausnahmemenschen konsequent. Paul Ernsts Fantasie vom h\u00f6heren Menschentum steht im Vorfeld des F\u00fchrerkults, auch wenn er keinem blinden Heroismus das Wort redet.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dies aber ist der Fall in Herbert Erich Buhls 1939 erschienenem Roman \u201eBrunhild. Krone der Frauen\u201c. Buhl, im Dritten Reich Referent in der Abteilung Buchhandel der Reichsschrifttumskammer, verbindet die Tendenz zur Monumentalisierung und Heroisierung mit nationalistischer und rassistischer Ideologie. Im Brunhild-Roman wird die mit \u201esanfter Sch\u00f6nheit\u201c<a href=\"#_edn41\" id=\"_ednref41\">[41]<\/a> gesegnete Kriemhild gegen\u00fcber der st\u00e4hlern-sch\u00f6nen Vollblutathletin Brunhild abgewertet. Die Rangfolge macht sich bereits im \u00c4u\u00dferen der beiden Frauen bemerkbar.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Niemalen noch hatten die Edlen Burgunds so herrliches Bild erschaut. Ihre Blicke versengten die makellosen Gestalten und flogen dann neidisch zu Gunther, ihn seligpreisend ob der Erw\u00e4hlten Sch\u00f6nheit. Klein, unbedeutend und \u00e4rmlich erschien die Utetochter neben der neuen Herrin des Reiches, die hoch ragend stand, im Ebenma\u00df ihrer Glieder sich erhob gleich den schwungvoll gef\u00fcgten Denkm\u00e4lern aus Stein, vor denen der Mensch in br\u00fcnstig hingebungsvollem Gebete versinkt. Und die Jugend Burgunds legte ihr Schwert begeistert zu F\u00fc\u00dfen der K\u00f6nigin Brunhild, w\u00e4hrend die Alten ihr Herz an der sanften Sch\u00f6nheit der jungen Kriemhild erw\u00e4rmten.&#8220;<a id=\"_ednref42\" href=\"#_edn42\">[42]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Unverkennbar in Buhls schw\u00fclstig raunender Diktion sind Anleihen bei Wagners am eddischen Stabreim orientierter Sprache im \u201eRing des Nibelungen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und der Kanzler sieht mit Entz\u00fccken die hohe, klare, edel gemei\u00dfelte Stirn, die tiefen, vertr\u00e4umten Augen, \u00fcber denen sich k\u00fchn die Brauen w\u00f6lben. Wie harmonisch teilt doch die feingegliederte Nase, deren leicht vibrierende Fl\u00fcgel erlesenste Rasse bezeugen, das feine Oval des Gesichtes, wie reizvoll verlaufen die Linien der Lippen, wie k\u00f6stlich umrahmt das dunkle Haar dies bildhafte Antlitz.&#8220;<a id=\"_ednref43\" href=\"#_edn43\">[43]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Siegfried sie gef\u00fcgig gemacht hat, ver\u00e4ndert sich ihr Aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herzbeklemmend, atemberaubend ist ihre Sch\u00f6nheit geworden. Anmut war ihr Wesen als Jungfrau. Nun ist sie zur Reife erbl\u00fcht, nun steht sie im Saft vollbl\u00fctigen Frauentums. Und Gunther, der K\u00f6nig, verzehrt sich in fruchtlosem Begehren und kann doch der W\u00fcnsche Ziel nicht erreichen: tot bleibt ihm die Sch\u00f6nheit der Frau und kalt, und er verzweifelt daran, je Leben in ihrem Scho\u00dfe zu wecken.&#8220;<a id=\"_ednref44\" href=\"#_edn44\">[44]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Weil Siegfried, der einzige ihr ebenb\u00fcrtige Mann, tot ist, will auch Brunhild sterben. Die Vorhaltungen des isl\u00e4ndischen Waffenmeisters Isfried, ihre Verpflichtung gegen\u00fcber dem isl\u00e4ndischen Reich sei wichtiger als ihr pers\u00f6nlicher Liebesschmerz, stimmen sie erst um, als&nbsp; auch Hagen diese Werteordnung bekr\u00e4ftigt.<a id=\"_ednref45\" href=\"#_edn45\">[45]<\/a> Sie f\u00e4hrt zur\u00fcck nach Island, nicht ohne dem nun als ebenb\u00fcrtig anerkannten Hagen zu versichern, eventuell h\u00e4tte aus ihnen ein Paar werden k\u00f6nnen, w\u00e4ren sie sich nur fr\u00fcher begegnet.<a id=\"_ednref46\" href=\"#_edn46\">[46]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Richard Wagners Opern-Tetralogie &#8222;Der Ring des Nibelungen&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine ganz neue Qualit\u00e4t brachte Richard Wagners Tetralogie \u201eDer Ring des Nibelungen\u201c. Seine 1853 als Privatdruck erschienene \u201eRing\u201c-Dichtung war nicht f\u00fcr die Sprechb\u00fchne bestimmt. Seine volle Wirkung konnte das Werk erst entfalten, als der gesamte \u201eRing\u201c 1876 in Bayreuth aufgef\u00fchrt wurde. Bekanntlich griff Wagner auf die nordische Tradition zur\u00fcck, vor allem auf die V\u00f6lsungensaga, verwendete aber auch Motive aus anderen nibelungischen Texten.<a href=\"#_edn47\" id=\"_ednref47\">[47]<\/a> W\u00e4hrend aber die V\u00f6lsungensaga die Handlung ausschlie\u00dflich im irdischen Bereich ansiedelt und G\u00f6tter, Riesen und Gezwerg allenfalls hereinschauen, unterteilt Wagner seine Opernwelt auf drei Ebenen: die h\u00f6chste Ebene ist die Welt der G\u00f6tter, dann die Ebene der Menschenwelt und darunter die Welt der Zwerge, Drachen und der Nibelungen. Dass Gestalten der h\u00f6chsten und der untersten Ebene auf der mittleren, der Menschen-Ebene, mitagieren, verleiht dem Geschehen eine gr\u00f6\u00dfere Gespanntheit. Vieles erscheint als von h\u00f6heren M\u00e4chten bestimmt oder von niedrigen M\u00e4chten durch Intrigen bewirkt. Bei Wagner ist Br\u00fcnnhilde nicht nur <em>eine<\/em> der Walk\u00fcren, sondern sogar Wotans Lieblingswalk\u00fcre, seine Wunschmaid.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Wagner fehlt die f\u00fcr die anderen Nibelungendichtungen so zentrale Szene des K\u00f6niginnenstreits. Gutrune nimmt eine vergleichsweise untergeordnete Stellung ein. Immerhin geht der Vergessenheitstrank, den sie auf Hagens Anraten Siegfried kredenzt, auf ihr Konto und nicht das ihrer Mutter. Nicht der Streit um den h\u00f6heren Rang ist hier das Movens, sondern der Verrat, den Siegfried unwissentlich an Br\u00fcnnhilde begangen hat.<a href=\"#_edn48\" id=\"_ednref48\">[48]<\/a> Wagner vereinfacht die Konstellation, kommt aber dadurch zum Kern des Geschehens: Es geht Br\u00fcnnhilde nicht um die Ehre, sondern um die verratene Liebe \u2013 f\u00fcr Wagners romantische Auffassung des Mythos ein zentraler Gedanke. Ehre ist ein eher sekund\u00e4res Motiv. Macht, Liebe und Rache sind die Prim\u00e4remotionen, die das Geschehen im \u201eRing\u201c bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig f\u00fcr Wagners Dichtung ist der Einfluss der Philosophie Arthur Schopenhauers, dessen Hauptwerk \u201eDie Welt als Wille und Vorstellung\u201c er in jenen Jahren gelesen hatte. Gegen\u00fcber dem befreundeten August R\u00f6ckel entwickelt Wagner seine Idee von der Macht der Liebe:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Siegfried [\u2026] ist nur die H\u00e4lfte, erst mit <em>Br\u00fcnhilde<\/em> wird er zum Erl\u00f6ser; nicht einer kann alles; es bedarf vieler, und das leidende, sich opfernde Weib wird endlich die wahre wissende Erl\u00f6serin: denn die Liebe ist eigentlich \u201adas ewig Weibliche\u2019 selbst.&#8220;<a id=\"_ednref49\" href=\"#_edn49\">[49]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wagner konzipiert Br\u00fcnnhilde als die gro\u00dfe Liebende. Um der Liebe willen hat sie \u201eallem G\u00f6ttertume entsagt\u201c. \u201eSie wei\u00df aber, da\u00df die Liebe das einzig G\u00f6ttliche ist: so m\u00f6ge denn Walhalls Pracht zu\u00adgrunde gehen, aber den Ring\u201c \u2013 f\u00fcr sie das Symbol der Liebe \u2013 \u201eopfert sie nicht. Ich bitte Dich\u201c, schreibt Wagner an R\u00f6ckel, &#8222;wie erb\u00e4rmlich, geizig und gemein st\u00fcnde sie nun da, wenn sie den Ring deshalb verweigerte, weil sie (etwa durch Siegfried) um seinen Zauber, um seine Goldmacht w\u00fc\u00dfte? Das wirst Du doch diesem herrlichen Weibe nicht im Ernste zumuten? \u2013 Schauert es Dich aber, da\u00df dieses Weib gerade in diesem <em>verfluchten Ringe <\/em>das Symbol der Liebe bewahrt, so wirst Du ganz nach meiner Absicht empfinden und hierin die Macht des Nibelungen-Fluches auf seiner furchtbarsten, tragischsten H\u00f6he erkennen.&#8220;<a id=\"_ednref50\" href=\"#_edn50\">[50]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Schon in seiner 1848 verfassten Schrift \u201eDie Kunst und die Religion\u201c beschreibt Wagner die wahre Liebe als eine \u201ebefreite, nur sich selbst verpflichtete und damit alle Realit\u00e4t transzendierende Liebe\u201c.<a href=\"#_edn51\" id=\"_ednref51\">[51]<\/a> Im Fall Br\u00fcnnhildes handelt es sich letzten Endes um das Aufbegehren der Frau gegen eine M\u00e4nnergesellschaft, der es in erster Linie um Macht geht. Doch ihre \u201ewahre Liebe\u201c zu Siegfried, dem \u201efreien Helden\u201c, scheitert an dessen Verrat. Allerdings resigniert Br\u00fcnnhilde nicht, sie beh\u00e4lt sich die letzte freie Entscheidung selbst vor. Ihr Tod ist einerseits ein Opfertod, um den wiedererlangten Ring den Rheint\u00f6chtern zur\u00fcckzugeben und um die Herrschaft der M\u00e4nner zu beenden, andererseits ein Liebestod, um sich mit Siegfried, der ebenfalls ein Opfer der M\u00e4nnerintrigen wurde, im Tode zu vereinigen.<a href=\"#_edn52\" id=\"_ednref52\">[52]<\/a> Indem sie den Brand in die G\u00f6tterburg Walhall wirft, rechnet sie mit der machtbestimmten M\u00e4nnergesellschaft ab.<a href=\"#_edn53\" id=\"_ednref53\">[53]<\/a> Die Erl\u00f6sung durch ihr Opfer erfolgt auf zwei Ebenen: der privaten und der gesellschaftlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wagner, ein ehemaliger Anh\u00e4nger der 1848er Revolution, distanzierte sich von der feudalistisch-aristokratischen Kunst eines Schnorr von Carolsfeld. Gegen die offiziell propagierte Historienmalerei setzte er den Rekurs auf den Mythos. Er enthistorisierte und formte das germanische Heldenepos zu einem zeitlosen Weltanschauungsdrama um.<a href=\"#_edn54\" id=\"_ednref54\">[54]<\/a> Konsequenterweise mussten auch die Kost\u00fcme enthistorisiert werden. Sie sollten weder mit der klassizistischen, an der Antike orientierten Kost\u00fcmierung, noch mit pseudohistorischen Germanentrachten verwandt sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich nahm sich der B\u00fchnenbildner, der Berliner Professor Carl Emil Doepler am historischen Realismus der Theatergruppe der Meininger ein Vorbild.<a href=\"#_edn55\" id=\"_ednref55\">[55]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-213x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-514\" style=\"width:204px;height:287px\" width=\"204\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-727x1024.jpg 727w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-768x1082.jpg 768w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-1090x1536.jpg 1090w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-1453x2048.jpg 1453w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/1.-Doepler-Bruennhilde-in-Walkuere-1-scaled.jpg 1816w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">[1] Br\u00fcnnhilde der Walk\u00fcre&nbsp;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"201\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-201x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-515\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-684x1024.jpg 684w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-768x1149.jpg 768w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-1027x1536.jpg 1027w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-1369x2048.jpg 1369w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2.-Doepler-Bruennhilde-in-Goetterdaemmerung-scaled.jpg 1711w\" sizes=\"(max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">[2] Br\u00fcnnhilde der G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen zirka 500 Kost\u00fcm-Entw\u00fcrfen zur ersten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Inszenierung\">Inszenierung<\/a> des \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Ring_des_Nibelungen\">Ring des Nibelungen<\/a>\u201c 1876 war der historische Ansatz unverkennbar \u2013 sehr zu Wagners Missfallen. Aus den Tageb\u00fcchern Cosima Wagners wei\u00df man Genaueres \u00fcber die familieninterne Reaktion der Wagners, die von anf\u00e4nglicher Zustimmung in rigide Ablehnung umschlug.<a href=\"#_edn56\" id=\"_ednref56\">[56]<\/a> Am 28. Dezember kam es zum offenen Ausbruch des Unmuts:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Kost\u00fcme erinnern durchweg an Indianer-H\u00e4uptlinge und haben neben dem ethnographischen Unsinn noch den Stempel der Kleinen-Theater-Geschmacklosigkeit!&#8220;<a id=\"_ednref57\" href=\"#_edn57\">[57]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Urauff\u00fchrung des \u201eRings\u201c in Bayreuth dennoch in den Kost\u00fcmen Doeplers stattfand, schuldet sich der Tatsache, dass Wagner und Cosima aus Zeit- und aus Kostengr\u00fcnden gezwungen waren, sich mit Doeplers Entw\u00fcrfen abzufinden.<a href=\"#_edn58\" id=\"_ednref58\">[58]<\/a> <strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"221\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/3.-Materna-mit-Grane-221x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-517\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/3.-Materna-mit-Grane-221x300.jpg 221w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/3.-Materna-mit-Grane.jpg 455w\" sizes=\"(max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">[3] Amalie Materna, Bayreuth 1876<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Rolle der Br\u00fcnnhilde wurde Amalie Materna gewonnen. Wie Wagner sich den Schluss der G\u00f6tterd\u00e4mmerung vorstellte, geht aus einem Brief an Heinrich Vogl hervor:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bringen wir es dazu, da\u00df Frau Materna zum Schlu\u00df der G\u00f6tterd\u00e4mmerung sich wirklich auf das Pferd schwingt, so wird doch wenigstens von dem Sprunge in den Scheiterhaufen nichts mehr zu sehen sein, da dann sofort die dichten Feuerd\u00e4mpfe aufsteigen und die ganze Hinterb\u00fchne verh\u00fcllen.&#8220;<a id=\"_ednref59\" href=\"#_edn59\">[59]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Man erkennt Wagners B\u00fchnenerfahrung: Dem Publikum bleiben Frau Maternas Spr\u00fcnge weitgehend verborgen. Auch die \u201eRing\u201c-Auff\u00fchrungen der Folgezeit zeigen allesamt eine kriegerisch, mit Schild und Speer gewappnete Br\u00fcnnhilde \u2013 von Lilly Lehmann \u00fcber Anna Bahr-Mildenburg, Helene Wildbrunn, Frida Leider, Marta Fuchs und Kirsten Flagstad bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"209\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/4.-Bahr-Mildenburg-als-Bruennhilde-209x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-519\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/4.-Bahr-Mildenburg-als-Bruennhilde-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/4.-Bahr-Mildenburg-als-Bruennhilde.jpg 414w\" sizes=\"(max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">[4] Anna Bahr-Mildenburg <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erst die neueren Inszenierungen nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem die \u201eEntr\u00fcmpelung\u201c der B\u00fchnen durch Wagners Enkel Wieland Wagner, haben der pseudohistorischen Kost\u00fcmierung ein Ende bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Res\u00fcmee<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die literarischen Ausgestaltungen der Nibelungensage, so erscheint Br\u00fcnhild in unterschiedlichen Nuancierungen. Fast immer wird sie als eine starke, mutige und unabh\u00e4ngige Frau dargestellt, die trotz aller Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert wird, stets standhaft bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Zun\u00e4chst ist Br\u00fcnhild eine K\u00e4mpferin, eine <em>Amazone<\/em>. Sie begibt sich in einen <em>Wettkampf<\/em> mit den M\u00e4nnern, die sich um sie bewerben, und nur der darf sie heimf\u00fchren, der in der Lage ist, sie in verschiedenen Sport- oder Kampfdisziplinen zu bezwingen.<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Als <em>K\u00f6nigin<\/em> von Burgund achtet sie auf ihren <em>Rang<\/em>. Indem sie den Ehrenkodex der feudalistischen Gesellschaft reproduziert, verabsolutiert sie die Norm \u201eEhre\u201c. Sie darf es nicht dulden, dass sich eine rangniedrigere Frau bei \u00f6ffentlichen Gelegenheiten vor sie dr\u00e4ngt. Daraus ergibt sich im Nibelungenlied der ber\u00fchmte Streit der K\u00f6niginnen vor dem Wormser Dom, in der nordischen Version der Streit beim Baden im Fluss. Als K\u00f6nigin verbreitet Br\u00fcnhild Unnahbarkeit und K\u00fchle.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul>\n<li>Neben das Drama der verratenen Liebe tritt das Drama der von einer M\u00e4nnergesellschaft <em>gedem\u00fctigten Frau<\/em>. Sie, die sich selbst bestimmen will und die urspr\u00fcnglich eine selbstbestimmte Frau war, wird zum Opfer der M\u00e4nner, die sie gewisserma\u00dfen \u201everschachern\u201c. Wobei ausgerechnet der Mann, dem sie Treue geschworen hat, sie verr\u00e4t, indem er sie f\u00fcr einen anderen Mann gewinnt, uns\u00e4glicherweise an den Bruder seiner Frau. Deshalb will sie seinen Tod. Als Objekt der M\u00e4nner r\u00e4cht sich Br\u00fcnhild an all denen, die sich an ihrer Ehre und W\u00fcrde <em>als Frau<\/em> vergangen haben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul>\n<li>Richard Wagner hat Br\u00fcnnhilde eindeutig zur Walk\u00fcre gemacht und damit den Streit um Macht und um Ehre umfunktioniert in ein ausschlie\u00dfliches Liebesdrama. An die Stelle des Motivs der Rache an Siegfried tritt jetzt das Motiv einer von Erdenschwere befreiten Liebe, die im Tod zu ihrer Erf\u00fcllung kommt. Wagner projiziert in die Walk\u00fcre sein utopistisches Liebesideal, das an die Stelle der realen m\u00e4nnerdominierten Machtgesellschaft eine Gesellschaft setzen will, in der Freiheit und Liebe herrschen. Dementsprechend entwickelt sich Br\u00fcnnhilde von der gehorsamen Lieblingstochter Wotans \u00fcber die eigenm\u00e4chtig das v\u00e4terliche Gehei\u00df missachtende Walk\u00fcre bis zur Verk\u00f6rperung der <em>selbstbestimmten liebenden Frau<\/em> \u2013 in Wagners Worten zum \u201e<em>Weib der Zukunft<\/em>\u201c.<a href=\"#_edn60\" id=\"_ednref60\">[60]<\/a> Ihr freiwilliges Selbstopfer ist die Voraussetzung f\u00fcr G\u00f6tterd\u00e4mmerung, f\u00fcr Untergang der alten und f\u00fcr Erschaffung einer neuen Welt. Wagner verbindet in der Gestalt Br\u00fcnnhildes revolution\u00e4re und romantische Gesinnung, eine aparte Kombination, die heute nur noch historisch nachvollziehbar ist.&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bildnachweise:<\/p>\n\n\n\n<p>1  Carl Emil Doepler: Br\u00fcnnhilde aus \u201eDie Walk\u00fcre\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In: Der Ring des Nibelungen. Figurinen erfunden und gezeichnet von Prof. Carl Emil Doepler. Mit Text von Clara Steinitz. Berlin [1889].<\/p>\n\n\n\n<p>2&nbsp; &nbsp;Carl Emil Doepler: Br\u00fcnnhilde aus \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In: Der Ring des Nibelungen. Figurinen erfunden und gezeichnet von Prof. Carl Emil Doepler. Mit Text von Clara Steinitz. Berlin [1889].<\/p>\n\n\n\n<p>3&nbsp; Amalie Materna als Br\u00fcnnhilde in \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c, Bayreuth 1876.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: commons.wikimedia<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/commons.m.wikimedia.org\/wiki\/Category:Amalie_Materna?uselang=de#\/media\/File:Maternagrane.jpg\">https:\/\/commons.m.wikimedia.org\/wiki\/Category:Amalie_Materna?uselang=de#\/media\/File:Maternagrane.jpg<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>4&nbsp; Anna Bahr-Mildenburg als Br\u00fcnnhilde<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: commons.wikimedia<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/commons.m.wikimedia.org\/wiki\/File:Anna_Bahr-Mildenburg_Br%C3%BCnnhilde.jpg\">https:\/\/commons.m.wikimedia.org\/wiki\/File:Anna_Bahr-Mildenburg_Br%C3%BCnnhilde.jpg<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch hrsg. von Helmut de Boor. 18. Aufl. Wiesbaden 1965, Strophe 382 und Strophe 419.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. auch andere Bezeichnungen: \u201edaz minnecl\u00eeche w\u00eep\u201c (Str. 332,3), \u201es\u00f4 wolget\u00e2n\u201c (Str. 392,2), \u201edaz sch\u0153ne maged\u00een\u201c (Str. 393,2), \u201ediu maget sch\u0153ne unde guot\u201c (Str. 409,4), \u201ediu vil minnecl\u00eeche meit\u201c (Str. 435,4), \u201ediu h\u00earliche meit\u201c (Str. 456,1). Vgl. Ursula Schulze: Amazonen und Teufelinnen. Darstellungsmodelle f\u00fcr Br\u00fcnhild und Kriemhild im Nibelungenlied. In: Leonore = Fidelio. Die Frau als K\u00e4mpferin, Retterin und Erl\u00f6serin im (Musik-)Theater: Hrsg. von Silvia Kronberger und Ulrich M\u00fcller. Salzburg 2004, S. 104-116. Schulze arbeitet das D\u00e4monisch-Zerst\u00f6rerische im Frauenbild des Nibelungenliedes heraus. Zur Erkl\u00e4rung der Beschaffenheit Br\u00fcnhilds bedarf es freilich keiner Herleitung aus der Antike, da die Figur der \u201eSchildmaid\u201c in der germanischen Mythologie eine Analogie zur griechischen Amazone darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Lerke von Saalfeld: Die ideologische Funktion des Nibelungenliedes in der preussisch-deutschen Geschichte von seiner Wiederentdeckung bis zum Nationalsozialismus. Diss. FU Berlin 1977, S. 193.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> Brief Hebbels an J. Campe vom 29. Januar 1862. In: Friedrich Hebbel: S\u00e4mtliche Werke, Briefe. Hrsg. von R- M. Werner. Historisch-kritische Ausgabe. Berlin 1907. Bd. VII, S. 138.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Zum zentralen Streit der K\u00f6niginnen vgl. den Aufsatz von Ellen Bender: \u201e\u2018frouwen ziehen\u2018. Der K\u00f6niginnenstreit aus genderorientierter Perspektive\u201c. In: Beitr\u00e4ge der Nibelungenlied-Gesellschaft Worms von 2019. URL:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/dr-ellen-bender-frouwen-ziehen-der-koeniginnenstreit-aus-genderorientierter-perspektive\/\">https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/dr-ellen-bender-frouwen-ziehen-der-koeniginnenstreit-aus-genderorientierter-perspektive\/<\/a><em> <\/em>(mehrfach abgerufen seit 2020).<em>&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Friedrich Hebbel: Die Nibelungen. In: Friedrich Hebbel: Werke. Hrsg. von Gerhard Fricke, Werner Keller und Karl P\u00f6rnbacher. Band 2. M\u00fcnchen 1964, S. 105-319.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[7]<\/a> \u201eSiegfrieds Tod\u201c, V. 1017, V. 927, V. 1132, V. 1581.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[8]<\/a> V. 1086f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[9]<\/a> V. 1690.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[10]<\/a> V. 1710f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[11]<\/a> V. 1756.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[12]<\/a> V. 2161f.; V. 2167.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[13]<\/a> V. 2572.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref14\" id=\"_edn14\">[14]<\/a> Die Geschichte Thidreks von Bern. \u00dcbertragen von Fine Erichsen. Neuausgabe mit Nachwort von Helmut Voigt (Thule. Altnordische Dichtung und Prosa, Bd. 22). D\u00fcsseldorf-K\u00f6ln 1967.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref15\" id=\"_edn15\">[15]<\/a> Die Geschichte von den V\u00f6lsungen. In: Isl\u00e4ndische Heldenromane. \u00dcbertragen von Paul Herrmann. Neuausgabe mit Nachwort von Prof. Siegfried Gutenbrunner. D\u00fcsseldorf-K\u00f6ln 1966 (Thule. Altnordische Dichtung und Prosa, Bd. 21), S. 39-136.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref16\" id=\"_edn16\">[16]<\/a>&nbsp; Die Geschichte von den V\u00f6lsungen, S. 102. In der \u201eSnorra-Edda\u201c hei\u00dft es entsprechend: \u201esie wolle an ihrem Kopfe nicht das Wasser haben, das aus Gudruns Haar r\u00f6nne, denn sie habe den mutigeren Mann\u201c. Die j\u00fcngere Edda mit dem sogenannten ersten grammatischen Traktat. \u00dcbertragen von Gustav Neckel und Felix Niedner (Thule. Altnordische Dichtung und Prosa, Bd. 20). Neuausgabe mit Nachwort von Prof. Siegfried Gutenbrunner. D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln 1966, S. 189.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref17\" id=\"_edn17\">[17]<\/a> Die Geschichte von den V\u00f6lsungen, S. 105f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref18\" id=\"_edn18\">[18]<\/a> Ebd., S. 112f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref19\" id=\"_edn19\">[19]<\/a> Der Held des Nordens. Von Friedrich Baron de la Motte-Fouqu\u00e9. In drei Theilen. Erster Theil. Sigurd, der Schlangent\u00f6dter. Ein Heldenspiel in sechs Abentheuren; Zweiter Theil. Sigurds Rache. Ein Heldenspiel in sechs Abentheuren; Dritter Theil. Aslauga. Ein Heldenspiel in sechs Abentheuren. Berlin 1810.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref20\" id=\"_edn20\">[20]<\/a> Sigurd, der Schlangent\u00f6dter, S. 158.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref21\" id=\"_edn21\">[21]<\/a> Ebd., S. 165.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref22\" id=\"_edn22\">[22]<\/a> Ebd., S. 168.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref23\" id=\"_edn23\">[23]<\/a> Ebd., S. 169.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref24\" id=\"_edn24\">[24]<\/a> Ebd., S. 170.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref25\" id=\"_edn25\">[25]<\/a> Emanuel Geibel: Brunhild. In: Emanuel Geibels Werke. Vier Teile in einem Bande. Ausgew\u00e4hlt und hrsg. von Dr. R. Schacht. Dritter Teil. Leipzig [1915], S. 469-542, hier S. 473, V. 55-58.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref26\" id=\"_edn26\">[26]<\/a> Ebd., S. 484, V. 421-424; vgl. S. 524, V. 1751ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref27\" id=\"_edn27\">[27]<\/a> Ebd., S.&nbsp; 507, V. 1193ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref28\" id=\"_edn28\">[28]<\/a> Ebd., S. 505, V. 1147.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref29\" id=\"_edn29\">[29]<\/a> Ebd., S. 522, V. 1669.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref30\" id=\"_edn30\">[30]<\/a> Ebd., S. 539, V. 2213-2217.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref31\" id=\"_edn31\">[31]<\/a> In einem Brief an Paul Heyse vom 22. M\u00e4rz 1848 schreibt er: \u201eBricht in Preu\u00dfen die Ordnung der Dinge zusammen, so wird bald nirgends mehr ein Halt sein, und der Krieg zwischen Besitz und Proletariat erkl\u00e4rt. Und das ein Krieg, gegen dessen Greuel das Berliner Blutbad ein rosaroter Faschingstraum sein wird. Darum ist es heiligste Pflicht, jetzt sich zu fassen, und treuer denn je an Gesetz und Ordnung zu halten \u2013 jeder Schritt weiter f\u00fchrt so oder so ins Verderben.\u201c Briefwechsel von E. Geibel und P. Heyse, hrsg. von F. Petzel, M\u00fcnchen 1922, S. 5. Zit. nach Saalfeld: Die ideologische Funktion, S. 187.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref32\" id=\"_edn32\">[32]<\/a> Saalfeld: Die ideologische Funktion, S. 188.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref33\" id=\"_edn33\">[33]<\/a> Geibel: Brunhild, S. 480, V. 287.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref34\" id=\"_edn34\">[34]<\/a> Ebd., S. 482, V. 361-364.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref35\" id=\"_edn35\">[35]<\/a> Friedrich Kreyssig: Literarische Studien und Charakteristiken. Berlin 1882, S. 91, zit. nach Saalfeld, S. 191.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref36\" id=\"_edn36\">[36]<\/a> Paul Ernst: Brunhild. Trauerspiel in drei Aufz\u00fcgen. Leipzig 1909, S. 9f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref37\" id=\"_edn37\">[37]<\/a> Ebd., S. 16.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref38\" id=\"_edn38\">[38]<\/a> Ebd., S. 64. \u201eDen Kern hast Du, und mir bleibt nur die Schale\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref39\" id=\"_edn39\">[39]<\/a> Ebd., S. 81.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref40\" id=\"_edn40\">[40]<\/a> Ebd., S. 85.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref41\" id=\"_edn41\">[41]<\/a> Herbert Erich Buhl: Krone der Frauen. Roman der K\u00f6nigin Brunhild. Berlin 1939, S. 23.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref42\" id=\"_edn42\">[42]<\/a> Ebd., S. 123.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref43\" id=\"_edn43\">[43]<\/a> Ebd., S. 29.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref44\" id=\"_edn44\">[44]<\/a> Ebd., S. 202f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref45\" id=\"_edn45\">[45]<\/a> Ebd., S. 362-373.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref46\" id=\"_edn46\">[46]<\/a> Ebd., S. 382;&nbsp; vgl. S. 345.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref47\" id=\"_edn47\">[47]<\/a> Brief Wagners an Ludwig II., vom 23.\/24. Februar 1869, in: Richard Wagner: Briefe. Ausgew\u00e4hlt, eingeleitet und kommentiert von Hanjo Kesting. M\u00fcnchen, Z\u00fcrich 1983, Nr. 166, S. 560. \u201eWas <em>ich<\/em> meinerseits fr\u00fcher als solches ben\u00fctzt habe, sind, au\u00dfer dem Nibelungenliede und der Edda selbst, Wilhelm <em>Grimms<\/em> \u201eDeutsche Heldensage\u201c und <em>Mones<\/em> \u201eUntersuchungen der Heldensage\u201c. Au\u00dferdem, sehr wichtig, eine \u00dcbersetzung der \u201eV\u00f6lsungasaga\u201c, welche ich auf der Dresdener Bibliothek auftrieb [\u2026].\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref48\" id=\"_edn48\">[48]<\/a> Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. Ein B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend. Dritter Tag: G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Textbuch mit Varianten der Partitur. Hrsg. von Egon Voss. Stuttgart 1997, S. 23, 28f., 106, bzw. Verse 336ff., 436-453, 1920f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref49\" id=\"_edn49\">[49]<\/a> Wagner Briefe ed. Kesting, S. 283.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref50\" id=\"_edn50\">[50]<\/a> Wagner, Brief an August R\u00f6ckel vom 25.\/26. Januar 1854, in: Wagner Briefe ed. Kesting, Nr. 71, S. 277-279, hier S. 285f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref51\" id=\"_edn51\">[51]<\/a> Udo Bermbach: Scheitern durch Liebe. \u00dcber einen Aspekt bei Richard Wagners Frauengestalten. In: Ders.: Wo Macht ganz auf Verbrechen ruht. Politik und Gesellschaft in der Oper. Hamburg 1997, S. 271-286, hier S. 280.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref52\" id=\"_edn52\">[52]<\/a> Ebd., S. 282.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref53\" id=\"_edn53\">[53]<\/a> Peter Wapnewski macht im \u201eSchlussgesang\u201c Br\u00fcnnhildes drei Motive aus: Anklage gegen die G\u00f6tter, Verm\u00e4chtnis, Liebesbekenntnis. Peter Wapnewski: Wei\u00dft du wie das wird\u2026? Richard Wagner Der Ring des Nibelungen. Erz\u00e4hlt, erl\u00e4utert und kommentiert. M\u00fcnchen, Z\u00fcrich, S. 304-307.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref54\" id=\"_edn54\">[54]<\/a> Mattausch, Roswitha; Schmidt-Linsenhoff, Viktoria: Vom Nationalepos zur Weltanschauungsoper \u2013 Die Rezeption des Nibelungenliedes 1800 bis 1918. In: Historisches Museum Frankfurt (Hrsg.): Troph\u00e4e oder Leichenstein? Kulturgeschichtliche Aspekte des Geschichtsbewu\u00dftseins in Frankfurt im 19. Jahrhundert. 100 Jahre Historisches Museum Frankfurt am Main 1878-1978. Frankfurt a.M. 1978, S. 303-325, hier S. 315.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref55\" id=\"_edn55\">[55]<\/a> Allerdings hatten Wagner, Cosima und Carl Emil Doepler im April 1875 in Berlin eine Auff\u00fchrung von Kleists \u201eHermannschlacht\u201c durch die Theatergruppe der Meininger besucht, deren \u201edrastischer Realismus\u201c bei Kost\u00fcmen und Kulissen, aber auch der Regie der Massenszenen beeindruckte. Nora Eckert: Der Ring des Nibelungen und seine Inszenierungen von 1876 bis 2001. Hamburg 2001, S. 31f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref56\" id=\"_edn56\">[56]<\/a> Cosima Wagner: Die Tageb\u00fccher. Band I (1869-1877). Ediert und kommentiert von Martin Gregor-Dellin und Dietrich Mack. M\u00fcnchen, Z\u00fcrich 1976, S. 994.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref57\" id=\"_edn57\">[57]<\/a> Ebd., S. 996f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref58\" id=\"_edn58\">[58]<\/a> Zur Rezeption vgl. Joachim Heinzle in: Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Hrsg.): Der Ring des Nibelungen. Carl Emil Doeplers Kost\u00fcmbilder f\u00fcr die Erstauff\u00fchrung in Bayreuth. Reprint der Originalausgabe Berlin o.J. [1889]. Mit einem Nachwort von Joachim Heinzle. Darmstadt 2012, S. 101f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref59\" id=\"_edn59\">[59]<\/a> Brief Wagners an Heinrich Vogl vom 24. April 1876, in: Richard Wagner: Briefe 1830-1883. Hrsg. von Werner Otto. Berlin 1986, Nr. 335, S. 395.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref60\" id=\"_edn60\">[60]<\/a> Wagners Selbstinterpretation der Senta im \u201eFliegenden Holl\u00e4nder\u201c findet sich in seinem Aufsatz \u201eEine Mittheilung an meine Freunde\u201c. In: R.W., Gesammelte Schriften und Dichtungen. 4. Aufl. Band 4. Leipzig 1907, S. 230-344, hier S. 266. \u201e[\u2026] die\u00df Weib ist aber nicht mehr die heimathlich sorgende, vor Zeiten gefreite Penelope des Odysseus, sondern es ist das Weib \u00fcberhaupt, aber das noch unvorhandene, ersehnte, geahnte, unendlich weibliche Weib, \u2013 sage ich es mit einem Worte heraus: das Weib der Zukunft.\u201c Dazu Susanne Vill: \u201eDas Weib der Zukunft\u201d. Frauen und Frauenstimmen bei Wagner. In: Susanne Vill (Hrsg.): \u201eDas Weib der Zukunft\u201c. Frauengestalten und Frauenstimmen bei Richard Wagner. Internationales Symposium zu den Bayreuther Festspielen 9.-11. 8. 1997. Stuttgart 2000, S. 6-33.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Gunter E. Grimm (Universit\u00e4t Duisburg-Essen) Wer war die sagenhafte Br\u00fcnhild, deren Namensbestandteile \u201ebr\u00fcnne\u201c (Brustharnisch) und \u201ehilt\u201c (Kampf) bereits auf den kriegerischen Charakter der Tr\u00e4gerin hinweisen? War diese Br\u00fcnhild \u2013 in den Haupthandschriften des Nibelungenlieds Pr\u00fcnhild und Prunhild, in der altnordischen Edda Brynhildr geschrieben \u2013 eine amazonenhafte K\u00f6nigin aus dem hohen Norden oder eine Walk\u00fcre &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/bruenhild-koenigin-schildmaid-walkuere-die-rezeption-einer-sagengestalt-in-der-deutschen-literatur\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":18,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/504"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=504"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":550,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/504\/revisions\/550"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}