{"id":302,"date":"2022-02-04T12:16:01","date_gmt":"2022-02-04T11:16:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/?page_id=302"},"modified":"2022-02-06T16:39:09","modified_gmt":"2022-02-06T15:39:09","slug":"martin-luthers-poetische-fabeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/martin-luthers-poetische-fabeln\/","title":{"rendered":"Martin Luthers poetische Fabeln"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Vortrag von Dr. Ellen Bender<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Beitrag anl\u00e4sslich der Luther-Festspiele 2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"980\" height=\"489\" src=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Ellen-Bender.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-303\" srcset=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Ellen-Bender.jpg 980w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Ellen-Bender-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Ellen-Bender-768x383.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 980px) 100vw, 980px\" \/><figcaption>The Wolf and the Lamb, Jean-Baptiste Oudry, fr\u00fches 18. Jh.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4sops Fabeln<\/strong><br>Wer kennt sie nicht: die Geschichte vom \u201aRaben und Fuchs\u2018 oder von der \u201aStadt- und der Feldmaus\u2018 aus deutschen Bearbeitungen von Fabeln des \u00c4sop. \u00c4sop war ein legend\u00e4rer griechischer Dichter, der wahrscheinlich im 6. Jh. vor Christus in Kleinasien lebte. \u00c4sops Name wurde zum Gattungsnamen f\u00fcr die poetische Fabel; diese wird entsprechend auch als \u00e4sopische Fabel bezeichnet. Bei den \u00e4sopischen Fabeln handelt es sich um mythische und s\u00e4kulare kurze Geschichten. Handlungstr\u00e4ger sind surreale Tiere, Pflanzen, gar G\u00f6tter, die mit menschlichem Denken, Sprache und Charaktereigenschaften ausgestattet sind.<br>Am Ende der kurzen Geschichte als Gleichnis f\u00fcr menschliche Schw\u00e4chen wird eine res\u00fcmierende Moral oder eine belehrende Weisheit vermittelt, oft in Form eines nachgestellten Lehrsatzes, Epimythion, genannt.<br>Die angesprochenen menschlichen Schw\u00e4chen sind: Neid, Dummheit, Geiz, Habgier, Eitelkeit usw. \u00c4sops Fabeln werten, urteilen, demaskieren. Schon vor 2.500 Jahren hielt der phrygische Sklave \u00c4sop den M\u00e4chtigen fabulierend den Spiegel vor. Sie konnten ihn nicht bestrafen, er erz\u00e4hlte ja nur von Tieren\u2026..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberlieferung und Rezeption<\/strong><br>\u00c4sops Fabeln haben sich in Prosaform lange nur in m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung erhalten; in metrischen Bearbeitungen sind sie uns bei Phaedrus, Babrios und Avianus aus dem sp\u00e4ten 1. Jh. nach Christus bekannt.<br>Die Fabeln \u00c4sops waren in den mittelalterlichen lateinischen Klosterschulen ein h\u00e4ufig verwendeter Lesestoff. Nach Erfindung des Buchdrucks erschien eine Vielzahl von Ausgaben der \u00c4sop-Fabeln. Wegen seiner qualit\u00e4tvollen Holzschnittillustrationen galt Heinrich Steinh\u00f6wels 1476 in Ulm erschienener Aesop als herausragende Edition. Der sogenannte Ulmer Aesop enthielt alle damals bekannten Fabeln \u00c4sops. Die 190 pr\u00e4chtigen Holzschnittillustrationen dazu werden dem Meister des Ulmer Chorgest\u00fchls zugeschrieben. Steinh\u00f6wel lie\u00df 1480 dem lateinischen Text eine von ihm gefertigte deutsche \u00dcbersetzung folgen, den \u201adeutschen Esopum\u2018, auf den sich Martin Luther (1483-1546) bezog. Im 17. und 18. Jahrhundert belebten Jean de la Fontaine (1621\u20131695) und Gotthold Ephraim Lessing (1729\u20131781) die Fabeln \u00c4sops neu. Noch heute finden wir \u00c4sops Fabeln in vielen Redewendungen, z.B. \u201asich mit fremden Federn schm\u00fccken\u2018 oder \u201akein W\u00e4sserchen tr\u00fcben k\u00f6nnen\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Martin Luthers Fabelbearbeitung<\/strong><br>In der Fabelforschung hat man Martin Luthers Bearbeitung der \u00e4sopischen Fabeln nur geringe Beachtung geschenkt; die Literatur ist entsprechend d\u00fcrftig.<sup>1<\/sup><br>Um 1530 bearbeitete der Reformator w\u00e4hrend seines Aufenthaltes auf der Veste Coburg die Fabeln in deutscher Sprache. Er hat auf die Motive, das Figureninventar (z.B. Wolf und Lamm) und die Bauform der \u00e4sopischen Fabeln, die er wegen der in ihnen enthaltenen Lebensweisheiten sch\u00e4tzte, zur\u00fcckgegriffen. Seine Wertsch\u00e4tzung brachte er in einer \u201aVorrede\u2018 seiner Arbeit am \u00c4sop zum Ausdruck, wenn er das Buch neben die Bibel stellte und schrieb: \u201e\u2026von \u00e4u\u00dferlichem Leben in der Welt zu reden, w\u00fcsste ich au\u00dfer der Heiligen Schrift nicht viel B\u00fccher, die diesem [Fabelbuch] \u00fcberlegen sein sollten, so man Nutz, Kunst und Weisheit [\u2026] wollt ansehen.\u201c<sup>2<\/sup> Als Vorlage st\u00fctzte sich Luther dabei weniger auf die griechischen und lateinischen Sammlungen des \u00c4sop, sondern auf die deutsche \u00dcbersetzung von Heinrich Steinh\u00f6wel, die er bereinigen wollte, weil er sie derb und zotig fand.<br>Luther hat also die vorhandene \u00dcbersetzung neu bearbeitet. Seine Bearbeitung bevorzugt eine auf das Wesentliche verknappte Erz\u00e4hlung in einfacher Sprache. Die Fabel sollte volksnah und bildhaft sein, um es dem gemeinen Volk zu erleichtern, sich mit der darin enthaltenen Lebenserfahrung zu besch\u00e4ftigen. Am 8. Mai 1530 schrieb er in der zu seiner Zeit \u00fcblichen deutsch-lateinischen Mischung an Wenzelaus Link: \u201eIch habe mir vorgenommen, auch die Fabeln des \u00c4sop f\u00fcr das jugendliche und ungebildete Volk (\u201epro puerili et rudi vulgo\u201c) zu bearbeiten, damit sie den Deutschen zu einigem Nutzen dienen.\u201c<sup>3<\/sup> Luthers Fabeln erschienen erstmals 1557 in der Jenaer Lutherausgabe unter dem Titel \u201eEtliche Fabeln aus Esopo \/ von D.M.L. verdeudscht \/ sampt einer sch\u00f6nen Vorrede \/ von rechtem Nutz und Brauch desselben Buchs \/ jedermann wes Standes er auch ist \/ lustig und dienlich zu lesen. Anno M.D.XXX\u201c. Luthers Arbeit am \u00c4sop blieb aber fragmentarisch und unvollendet. \u2013<br>\u00dcber 300 Jahre sp\u00e4ter entdeckte Richard Reitzenstein Luthers Handschriften in der Vatikanischen Bibliothek. Sie wiesen verschiedene Bearbeitungsstadien und korrigierende Eintr\u00e4ge auf, die Luthers Formulierungsanstrengungen demonstrierten. Laut Reinhard Dithmar hatte Luther n\u00e4mlich \u201e\u2026wie die Handschriften und ihre \u00dcberarbeitungen zeigen \u2013 erhebliche M\u00fche\u2026..und versuchte bis zur siebten Fabel eine ethische Systematik\u201c, die er aber schlie\u00dflich aufgab.<sup>4<\/sup> Seine Systematik bestand darin, dass er jede der ersten sechs Fabeln (von insgesamt 13 des \u00c4sop) mit einer verwerflichen menschlichen Eigenschaft betitelte: Torheit (I), Hass (II), Untreue (III), Neid (IV), Geiz (V), Frevel, Gewalt (VI). Vielleicht wollte der Reformator einen Katalog von Lastern aufstellen, f\u00fcr die die Tierfabeln als Demonstrationsobjekte dienen sollten. Einen Spiegel dieser \u201alasterhaften\u2018 Welt, in der die christlichen Tugenden geradezu durch das Gegenteil verdr\u00e4ngt seien, wollte Luther durch die Tiermetapher den Menschen vor Augen f\u00fchren. Und seine Fabeln sollten kleine Lehrgeschichten sein, um sich in dieser Welt zurechtzufinden und nicht zu straucheln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Luthers Fabelverst\u00e4ndnis<\/strong><br>Worum geht es in Fabeln? Fabeln sind Klartext im Kost\u00fcm. Sie nennen Tiere und meinen Menschen. Fabeln weisen Wege, wie man durch die Welt kommt \u2013 m\u00f6glichst ungeschoren und nicht als schwaches Schaf.<br>Ja, die Fabeltiere. Ihnen werden \u2013 in einer typologischen Sehweise &#8211; selten positive Eigenschaften zugeschrieben, eher simpel-missliche, die sie stigmatisieren. Der Rabe ist in der Fabel eitel und t\u00f6richt, der Fuchs voll Hinterlist, der Wolf fressgierig, geizig, ein blutgieriger Tyrann, das Lamm meint den bescheidenen, gutgl\u00e4ubigen B\u00fcrger, der Esel ist tr\u00e4ge und dumm, der Hase ein Hasenfu\u00df und allzeit geeignet zum Verzehr durch K\u00f6nig L\u00f6we; der ist das Fabeltier der Macht und des Hochmuts schlechthin. &#8211; Hat sich die Gattung Fabel in unserer Gesellschaft \u00fcberholt? Tats\u00e4chlich wirken sie liebenswert antiquiert, diese \u00fcberkommenen Traktate von einer menschenhaft handelnden Tier-Menagerie. Was lehren L\u00f6we, Esel, Fuchs in unserer technologisch hochgepowerten Welt? Doch ist auch diese, besonders f\u00fcr die Kinder, die Welt der Fabeln. Ihre Botschaft lautet, dass die Welt so sei und die Menschendinge blieben wie sie sind. Und wenn man das bedenkt, ist man rasch bei einer Fabel Martin Luthers, beispielsweise bei der ber\u00fchmten Fabel<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hass (II):<\/em><br><strong>\u201eVom Wolf und L\u00e4mmlein\u201c<\/strong><sup>5<\/sup><br>\u201eEin Wolf und L\u00e4mmlein kamen von ungef\u00e4hr [Luther: on gefer = im Sinne von \u201aohne Gefahr\u2018, weil weit weg] beide an einen Bach zu trinken. Der Wolf trank oben am Bach, das L\u00e4mmlein aber fern unten. Da der Wolf des L\u00e4mmleins gewahr ward, lief er zu ihm und sprach: \u201eWarum tr\u00fcbest du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?\u201c Das L\u00e4mmlein antwortet: \u201eWie kann ich dir das Wasser tr\u00fcben, trinkst du doch \u00fcber mir und m\u00f6chtest es mir wohl tr\u00fcben?\u201c Der Wolf sprach: \u201eWie? Fluchst du mir noch dazu?\u201c Das L\u00e4mmlein antwortet: \u201eIch fluche nicht.\u201c Der Wolf sprach: \u201eJa, dein Vater tat mir vor sechs Monden auch ein solch\u2019s.\u201c Das L\u00e4mmlein antwortet: \u201eBin ich doch dazumal [noch] nicht geboren gewest, wie soll ich [es] meinem Vater entgelten?\u201c Der Wolf sprach: \u201eSo hast du mir aber meine Wiesen und \u00c4cker abgenaget und verderbet.\u201c Das L\u00e4mmlein antwortet: \u201eWie ist das m\u00f6glich, habe ich doch [noch] gar keine Z\u00e4hne?\u201c \u201eEy\u201c, sprach der Wolf, \u201eund wenn du gleich viel ausreden und schw\u00e4tzen kannst, will ich heute nicht ungefressen [d.h. ohne Fressen] bleiben.\u201c Und w\u00fcrget also das unschuldige L\u00e4mmlein und fra\u00df es.<br>Lehre.<br>Der Welt Lauf ist: Wer fromm sein will, der muss leiden, sollt man eine Sache vom alten Zaun brechen [d.h. \u201aleichtfertig Streit anfangen\u2018]. Denn Gewalt geht vor Recht. Wenn man dem Hunde zu will, so hat er das Leder gefressen [d.h., wenn man jemandem etwas anhaben will, findet sich leicht ein Grund\u2018].\u201c Luther f\u00e4hrt fort mit der Sentenz: \u201eWenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte die Deutung konkretisieren: Der Wolf bem\u00fcht sich, das Lamm ins Unrecht zu setzen, um seiner Gewalttat den Anschein des Rechts zu geben. Sein Opfer, das seine Schuldlosigkeit dem Wolf gegen\u00fcber immer wieder nachweisen kann, beh\u00e4lt Recht \u2013 und wird doch gefressen. Mit der Diminutivform \u201aL\u00e4mmlein\u2018 unterstreicht Luther die Hilflosigkeit des Lamms &#8211; \u00e4hnlich der Machtlosigkeit des kleinen Mannes gegen\u00fcber den M\u00e4chtigen dieser Welt. Das \u201eEy\u201c des Wolfes im narrativen Teil ist die lachende Gewalt, die auch auf den Schein des Rechts verzichten kann. Das fabula docet zeigt die Exekutive und Brutalit\u00e4t des M\u00e4chtigen.<br>Luther hat solches Modellgeschehen der Fabel auch pers\u00f6nlich auf sich selbst bezogen, wenn er sagt: \u201eIch musste das Schaf sein, dass dem Wolf das Wasser getr\u00fcbt hatte; Johann Tetzel [der Ablassprediger] ging frei aus; ich musste mich fressen lassen.\u201c<br>Die Situation ist die Konfrontation des Schw\u00e4cheren mit dem St\u00e4rkeren. La Fontaine fasst ein Jahrhundert sp\u00e4ter zusammen: \u201eDer Starke hat immer recht.\u201c Der St\u00e4rkere findet immer eine Begr\u00fcndung, wenn er Unrecht begeht.<br>Weshalb habe ich diese Luther-Fabel vorangestellt? Mir missf\u00e4llt die resignative Moral dieser Fabel \u201aVom Wolf und Lamm\u2018, die die Macht des physisch St\u00e4rkeren als unab\u00e4nderlich hinnimmt. Martin Luther formuliert als Lehre aus der Fabel: \u201eSo ist der Lauf der Welt. (\u2026) Denn Gewalt steht \u00fcber dem Recht. (\u2026) Wenn der starke Wolf es so will, ist das Lamm im Unrecht.\u201c Ja, so war\u2019s zur Zeit Luthers und in Diktaturen und Oligarchien. Das gilt aber nicht f\u00fcr die demokratischen Gesellschaften der Neuzeit. Denn der Protest hat gelernt und aus freiem Gewissen gesprochen, den Lauf der Welt ge\u00e4ndert, ob bei Luther, Marx, in der franz\u00f6sischen Revolution oder in der friedlichen Revolution von 1989.<br>Mit dem Wort \u201eNein\u201c, das Luther auf dem Reichstag in Worms sprach, beginnt die Emanzipation. Dass Luther sich 1521 in Worms einen Tag Bedenkzeit erbat, dass er zun\u00e4chst taktierte, dass er durch h\u00f6chste Todes\u00e4ngste ging in seinem Luther-Moment (!) wie Jesus im Garten Gethsemane, das macht ihn menschlich und grenzt an ein Wunder, wie er die Bedrohungen seiner Zeit und seines Lebens \u00fcberstand\u2026\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>In der \u201aVorrede\u2018 zu seinen Bearbeitungen schreibt Luther: F\u00fcr denjenigen n\u00e4mlich, der die subtile Botschaft der Fabeln zu entziffern in der Lage ist, finden sich darin \u201edie allerfeineste Lere, Warnung und Unterricht\u201c, wie man sein Leben m\u00f6glichst klug und friedlich im Umgang mit Menschen in einer von Grund auf falschen, lasterhaften Welt f\u00fchren kann oder soll.<sup>6<\/sup> Neben dem \u201eWarnen\u201c besteht f\u00fcr Luther die Aufgabe dieser literarischen Kunstform im \u201eUnterrichten\u201c. F\u00fcr Luther spielt also die Vermittlung der Fabellehre eine wichtige Rolle.<br>In dieser \u201aVorrede\u2018 nennt der Reformator zwei Zielgruppen, auf die der Lehrsatz bzw. die Didaxe anzuwenden sei.<br>Zum einen zielt Luther mit seiner Fabelbearbeitung auf die Schuljugend (und die wenig gebildeten Teile des Volkes) und ihre p\u00e4dagogische, \u201eerbauliche Erziehung\u201c: \u201eDenn wir sehen, dass die jungen Kinder und jungen Leute mit Fabeln und Merlin leichtlich bewegt und also mit Lust und Liebe zur Kunst und Weisheit gef\u00fchrt w\u00fcrden\u2026\u201c<sup>7<\/sup> Der p\u00e4dagogische Aspekt der Fabel bestehe darin, dass die Kinder und Jugendlichen die Moral der Fabel selbst herausfinden und spielerisch mit Lachen annehmen und behalten: \u201egleich wie in einer Mummerey oder Spiel desto lieber lerne[n] und fester behalte[n].\u201c<sup>8<\/sup> Luther betont die \u201eliebliche Gestalt der Fabel\u201c, ihre anschauliche Bildhaftigkeit, ihre K\u00fcrze und ihren moralischen Gehalt. \u2013 Ein offensichtlicher Vorteil der Fabel liegt in ihrer Bildhaftigkeit. Das menschliche Gehirn ist daf\u00fcr eingerichtet, sich Bilder sehr leicht zu merken und Inhalte die mit Emotionen verbunden sind, leichter zu behalten. Die Beobachtung, dass gerade Kinder mit den durch die Fabel erzeugten Bildern von Tieren, die f\u00fcr sie eventuell auch einen emotionalen Gehalt haben, besser lernen, ist p\u00e4dagogisch unumstritten. Luther empfiehlt die Fabel f\u00fcr den moralischen und sprachlichen Unterricht in den deutschen Schulen. Die Fabel, der die Kinder zu ihrem Erg\u00f6tzen und Nutzen lauschen, diene \u2013 so Luther &#8211; der Unterhaltung und Belehrung. Idealerweise b\u00f6te die Rezeption der Fabel den Familien \u201en\u00fctzliche Kurzweil\u201c, die sich in der gemeinsamen \u00dcbung der Fabelauslegung weiterbildeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum andern macht die Bildhaftigkeit der Fabel sie zum geeigneten Mittel der Belehrung: \u201eNicht allein aber die Kinder, sondern auch die gro\u00dfen F\u00fcrsten und Herrn kann man nicht bas betriegen zur Wahrheit und zu ihrem Nutz\u2026\u201c<sup>9<\/sup> [d.h. kann man nicht besser zur Wahrheit betr\u00fcgen, d.h. verf\u00fchren, verlocken: also die Wahrheit enth\u00fcllen] als durch die Fabel. Als zweite Gruppe der Adressaten nennt Luther die regierende Obrigkeit, die gro\u00dfen F\u00fcrsten und Herren, denen man durch das Narrativ der Fabel als anklagender Spiegel die Wahrheit sagen k\u00f6nne. Nur von Narren lie\u00dfen sich diese n\u00e4mlich die Wahrheit gefallen. Damit kommt Luthers kritischer Fabelbearbeitung politische Bedeutung zu. Da zwar niemand die Wahrheit h\u00f6ren wolle, sie aber unentbehrlich sei, m\u00fcsse man sie \u201e\u2026unter einer lustigen L\u00fcgenfarbe und lieblichen Fabeln kleiden\u201c<sup>10<\/sup> und ihnen [den Regierenden] die Wahrheit, damit sie diese doch h\u00f6rten, durch den Mund von Tieren sagen lassen. \u2013 Hier l\u00e4sst Luthers Fabelverst\u00e4ndnis klar die Ans\u00e4tze zu einer gesellschaftskritischen Fabeldeutung und Bewertungsweise erkennen<br>Was aber ist die Wahrheit? Luther versteht sie als die Realit\u00e4t der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Luther geht es um eine Aufkl\u00e4rung \u00fcber die \u201aSchlechtigkeit\u2018 der Welt. Denn wo die Unwahrheit verbreitet wird, entsteht Hass. Die Fabel solle eine Einsicht vermitteln, \u201ewie man sich im Haushalten, in und gegen die Obrigkeit und Unterthanen schicken soll, auff dass man kl\u00fcglich und friedlich, unter den b\u00f6sen Leuten in der falschen, argen Welt leben m\u00f6ge.\u201c<sup>11<\/sup> Aufgabe der Fabel sei es zu zeigen, wie diese Welt beschaffen ist, in der man sich zurechtfinden m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die kategorisierten Fabeln Luthers (Auswahl: III, I, IV, V, XIII, XII)<\/strong><br>Weitere sechs Fabeln von Luthers Reinschrift habe ich meiner Analyse zugrunde gelegt, zun\u00e4chst mit der \u00dcberschrift, dem Lemma,<\/p>\n\n\n\n<p><em>Untreue (III):<\/em><br><strong>\u201eVom Frosch und der Maus\u201c<\/strong><br>\u201eEine Maus w\u00e4re gern \u00fcber ein Wasser gewest [gefahren] und konnte nicht und bat einen Frosch um Rat und Hilfe. Der Frosch war ein Schalk und sprach zur Maus: \u201eBinde deinen Fu\u00df an meinen Fu\u00df, so will ich schwimmen und dich hin\u00fcberziehen.\u201c Da sie aber aufs Wasser kamen, tauchet der Frosch hinunter und wollt die Maus ertr\u00e4nken. Indem aber die Maus sich wehret und arbeitet, flog ein Weihe [Greifvogel] daher und erhaschet die Maus, ziehet den Frosch auch mit heraus und frisset beide.<br>Lehre.<br>Siehe dich f\u00fcr, mit wem du handelst. Die Welt ist falsch und untreu. Denn welcher Freund den andern vermag [zu betr\u00fcgen], der steckt ihn in [den] Sack. Doch schl\u00e4gt Untreue allzeit ihren eigenen Herrn, wie dem Frosch hier geschieht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Luthers Bearbeitung dieser Fabel zielt auf K\u00fcrze und Dramatik der Handlung, die er durch w\u00f6rtliche Rede verst\u00e4rkt. Formal l\u00e4sst sich die Fabel \u2013 wie alle anderen Luthers \u2013 in zwei Teile gliedern, in den Erz\u00e4hltext der Handlung, das Narrativ, und in das Epimythion, die folgende Lehre, die das Handlungsgeschehen kommentiert und<br>m\u00f6gliche Deutungen anbietet.<br>Dem Text vorangestellt ist eine kategorisierende \u00dcberschrift, das Lemma, hier: \u201eUntreue\u201c. Die Lehre wird \u2013 und das ist ein typisch lutherischer Zug \u2013 in bildhafte Metaphern und lehrreiche Sprichw\u00f6rter gekleidet. Die beiden urspr\u00fcnglichen Sentenzen \u201etrew ist mislich\u201c, d.h. \u201aVertrauen kann gef\u00e4hrlich sein\u2018 und \u201eTraw wol reyt das pferd weg\u201c, d.h. sprichw\u00f6rtlich \u201aTrau nicht, so bleibt das Ross im Stall\u2018, ersetzt Luther in der Reinschrift der Fabel durch das den Sinn der Fabel besser treffende Sprichwort \u201eEin Freund, der den andern betr\u00fcgt, der steckt ihn in den Sack\u201c. Dieses (1.) Sprichwort seiner Lehre zu \u201eUntreue\u201c erg\u00e4nzt Luther durch eine zweite Lebensregel: (2.) \u201eDoch schl\u00e4gt Untreue allzeit ihren eigenen Herrn, wie dem Frosch hier geschieht.\u201c<br>Die Maus ist bez\u00fcglich ihres Ziels, das Wasser zu \u00fcberqueren, \u00e4ngstlich und hilflos, da sie es nicht kann. Sie macht sich abh\u00e4ngig vom Frosch, der ihr verspricht, sie ans andere Ufer zu bringen. Der Frosch ist ein Schalk; mit Schalk meint Luther ein boshaftes Wesen, listig und untreu. In der Handschrift dieser Fabel schreibt Luther zum Frosch: \u201ehemisch und der Maus feind\u201c. Er hat die Maus in seiner Hand und den \u201auntreuen\u2018 Plan, sie zu ertr\u00e4nken, bemerkt aber nicht den Raubvogel, der sich den beiden n\u00e4hert. Die Boshaftigkeit des Frosches im Sinne des Lemmas \u201eUntreue\u201c versch\u00e4rft Luther durch das in w\u00f6rtlicher Rede gegebene Versprechen des Frosches: \u201eBinde deinen Fu\u00df an meinen Fu\u00df, so will ich schwimmen und dich hin\u00fcberziehen.\u201c Der n\u00e4chste Satz schildert den Mordversuch. Das Verhalten des Frosches erweist sich als untreu gegen\u00fcber dem<br>Versprechen, das er der Maus gegeben hat. Die Gegenwehr der Maus ist zu schwach. Da die Maus ein potentielles Opfer f\u00fcr den Falken darstellt, der sie verspeisen will, hei\u00dft es nun: \u201aMitgefangen, mitgehangen!\u2018 In einer Welt, in der der Kampf aller gegen alle Spielregel ist, schl\u00e4gt \u201eUntreue ihren eigenen Herrn\u201c, wenn der Frosch letztlich vom Raubvogel mitgefressen wird.<br>Luther stellt in seiner \u201aVorrede\u2018 diesen Vergleich an: \u201eItem, wenn sich ein Knecht an den andern h\u00e4ngt und sich verf\u00fchren l\u00e4sst, so geht es ihm wie dem Frosch an der Maus gebunden, in der dritten Fabel, die der Weihe [Greifvogel] alle beide fra\u00df.\u201c<sup>12<\/sup> In den tierischen Verh\u00e4ltnissen spiegelten sich menschliche Verh\u00e4ltnisse, die der Mensch objektiv betrachten und daraus Einsicht gewinnen k\u00f6nne.<br>Die Warnung Luthers zielt auf Opfer und T\u00e4ter. Die einf\u00e4ltige Maus wird vor voreiliger Vertrauensseligkeit gewarnt. Gleicherma\u00dfen wird auch der Frosch gewarnt, sich redlich zu verhalten, da alles \u00dcbel, was man dem andern antut, auf einen selbst zur\u00fcckf\u00e4llt. Hier w\u00fcrde auch das Sprichwort passen: \u201eWer andern eine Grube gr\u00e4bt, f\u00e4llt selbst hinein\u201c. Und: Wer sich einem anderen gegen\u00fcber \u00fcberlegen f\u00fchlt, muss sich im Klaren dar\u00fcber sein, dass es durchaus noch St\u00e4rkere gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Torheit (I):<\/em><br><strong>\u201eVom Hahn und der Perle\u201c<\/strong><br>\u201eEin Hahn scharret auf dem Mist und fand eine k\u00f6stliche Perle. Als er dieselbige im Kot so liegen sah, sprach er: \u201eSiehe, du feines Dinglein, liegst hier so j\u00e4mmerlich. Wenn dich ein Kaufmann f\u00e4nde, der w\u00fcrde deiner froh werden und du w\u00fcrdest zu gro\u00dfen Ehren kommen. Aber du bist mir und ich dir, kein [nicht] n\u00fctze. Ich nehme ein K\u00f6rnlein oder W\u00fcrmlein und lie\u00dfe einem alle Perlen. Magst bleiben, wie du liegst.<br>Lehre.<br>Diese Fabel lehret, dass dies B\u00fcchlein, bei Bauern und groben Leuten unwert ist, wie denn alle Kunst und Weisheit bei denselbigen veracht ist. Wie man [auch] spricht: Kunst gehet nach Brot. Sie warnet aber, dass man die Lehre nicht verachten soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4sops Epimythion lautet: \u201eDas St\u00fccklein Brot, das dich ern\u00e4hrt, ist mehr als Gold und Perlen wert.\u201c<br>Welche Moral zeigt uns nun aber Luthers Lehre? Interessanterweise gibt es zu dieser Fabel in der Manuskriptfassung zwei Epimythien, von denen eins in einer Mischung aus Latein und Deutsch geschrieben ist. \u201eMalum, Malum dicit omnis emptor.<sup>13<\/sup> Wer Christum nicht hat, der begeret sein sicut gentes. Wer yhn hat, der creuzigt yhn und will yhn nicht wie die Juden\u2026\u201c Hier bezieht Luther die Fabel auf die Juden, die Jesus kreuzigten, weil sie ihn nicht als Messias erkannten \u2013 wie der Hahn die Perle nicht als Schatz erkennt. In der Reinschrift und Druckfassung der Fabel verzichtet Luther allerdings auf diese religi\u00f6s motivierte Unterweisung. Auch ver\u00e4ndert Luther den Lehrsatz der Urschrift, indem er nicht nur die \u201agroben Leute\u2018, die unwissenden, ungebildeten Menschen, zur Zielscheibe macht, vielmehr f\u00fcgt er in der Reinschrift zus\u00e4tzlich die \u201ebaurn\u201c ein: \u201eDiese Fabel lehret, dass dies B\u00fcchlein bei Bauern und groben Leuten unwert ist [\u2026]\u201c. Der Vergleich von Urschrift und Reinschrift l\u00e4sst eine Verst\u00e4rkung des sozialkritischen Aspekts erkennen. So sind es zum Schluss die Bauern in ihrer Torheit, die das ihnen erreichbare Gut achtlos liegenlassen. Sie nimmt diese Fabel aufs Korn.<br>Im zweiten Epimythion wird die Aussage komprimiert: \u201eKunst gehet nach Brot\u2026\u201c<sup>14<\/sup> Den Wert, den eine solche Perle beispielsweise f\u00fcr Kaufleute besitzt, hat sie nicht f\u00fcr den Hahn, der f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung, f\u00fcr die \u201eBauern und groben Leute\u201c steht. F\u00fcr diese ist in erster Linie der Lebensunterhalt, das Beschaffen von Brot, wichtig.<br>Eine vergleichbare Situation tr\u00e4fe die Metapher \u201ePerlen vor die S\u00e4ue werfen\u201c. Man k\u00f6nnte aber auch sagen, dass die Perle, die hier wohl als Symbol f\u00fcr \u201adie sch\u00f6nen K\u00fcnste\u2018 und \u201adie Weisheit der klugen Gedanken\u2018 steht, einen relativen Wert besitzt, der sich aus dem jeweiligen Lebenskontext ergibt. Am Ende mahnt Luther, \u201edass man die Lehre aber auch nicht verachten solle\u201c, dass also sowohl Broterwerb als auch Kunst ihren Wert haben, der jedoch von den jeweiligen Pr\u00e4ferenzen abh\u00e4ngt.<br>Werfen wir einen kurzen Blick auf die Fabel \u201eLe Coq et la Perle\u201c des Jean de la Fontaine im 17. Jh. La Fontaine hat die Fabel umgedichtet, das Personal wird ironisiert. Dort tr\u00e4gt der Hahn die Perle schnurstracks zum Juwelier und will ein Hirsekorn daf\u00fcr. Er handelt genauso wie ein Dummkopf, der einen wertvollen Codex erbt, ihn zum Buchh\u00e4ndler tr\u00e4gt und froh ist, wenigstens einen kleinen Dukaten daf\u00fcr zu bekommen. Der eigentliche Witz und die tiefere Ironie sind, dass der Hahn und der Dummkopf durch ihre klug gemeinten Einf\u00e4lle ihre Unf\u00e4higkeit, h\u00f6here Werte zu sch\u00e4tzen, erst recht enth\u00fcllen, ja, dass erst durch ihre Pfiffigkeit ihre Dummheit ans Licht kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Neid (IV):<\/em><br><strong>\u201eVom Hund und Schaf\u201c<\/strong><br>\u201eDer Hund sprach [verklagte] ein Schaf vor Gericht um Brot an, das er ihm geliehen h\u00e4tte. Da aber das Schaf leugnete, berief sich der Hund auf Zeugen. Die musste man zulassen. Der erste Zeuge war der Wolf, der sprach: \u201eIch wei\u00df, dass der Hund dem Schaf Brot geliehen hat.\u201c Der Weihe sprach: \u201eIch bin dabei gewesen.\u201c Der Geier sprach zum Schaf: \u201eWie kannst du so unversch\u00e4mt leugnen?\u201c Also verlor das Schaf seine Sache und musste mit Schaden zur uneben [ung\u00fcnstigen] Zeit seine Wolle angreifen [d.h. Wolle von seinem R\u00fccken hergeben], damit es das Brot bezahlt, das es nicht schuldig war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Narrativ der Fabel ber\u00fchrt hier die Lehre der Bibel, denn die biblische Formulierung des 8. Gebots \u201eDu sollst nicht Falsch gegen deinen N\u00e4chsten aussagen\u201c bezieht sich auf die sehr konkrete Situation einer Gerichtsverhandlung.<br>Was schreibt nun Luther in seiner Lehre?<br>\u201eH\u00fcte dich vor b\u00f6sen Nachbarn, oder schicke [r\u00fcste] dich mit Geduld, willst du bei [solchen] Leuten gewinnen. Denn es g\u00f6nnet niemand dem andern was Guts. Das ist der Welt Lauf.\u201c<br>Das k\u00f6nnte man auch so formulieren: Wenn sich Kl\u00e4ger, Richter und Zeugen gegen jemanden vereinigt haben und ihn verleumden, so hilft die Unschuld nicht. Was bleibt da noch ein sittliches Verhalten anzumahnen, wenn gerade dem Gerechten und Braven B\u00f6ses widerf\u00e4hrt &#8211; wie dem Schaf vor Gericht, das noch bezahlen muss, nur weil es sein Recht haben wollte?<br>Luther geht es hier aber um mehr als um einen Rechtsstreit. Weit \u00fcber den narrativen Teil seiner Fabel hinaus, betrifft die Lehre allgemein die Beziehungen zwischen den Menschen. Er zeigt die Alternative auf, sich entweder vor den \u201eb\u00f6sen\u201c Menschen zu h\u00fcten oder, sofern man mit ihnen zusammenleben muss, Geduld mit ihnen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Geiz (V):<\/em><br><strong>\u201eVom Hund im Wasser\u201c<\/strong><br>\u201eEs lief ein Hund durch einen Wasserstrom und hatte ein St\u00fcck Fleisch im Maul. Als er aber den Schemen [Spiegelbild] vom Fleisch im Wasser siehet, w\u00e4hnet er, es w\u00e4re auch Fleisch und schnappet gierig danach. Da er aber das Maul auftat, entfiel ihm das St\u00fcck Fleisch, und das Wasser f\u00fchret\u2018s weg. Also verlor er beide, das Fleisch und den Schemen.<br>Lehre.<br>Man soll sich begn\u00fcgen lassen an dem, was Gott gibt. Wer das wenige verschm\u00e4het [wem es zu gering ist], dem wird das Gro\u00dfe nicht [bekommt auch nicht mehr]. Wer zu viel haben will, der beh\u00e4lt zuletzt nichts. Mancher verliert das Gewisse \u00fcber dem Ungewissen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner \u201aVorrede\u2018 gibt der Reformator ein Beispiel f\u00fcr die von ihm gew\u00fcnschte Rezeption: Was die f\u00fcnfte Fabel, vom Hund, der das St\u00fcck Fleisch im Maul zugunsten des Spiegelbildes fallen l\u00e4sst und leer ausgeht, bedeutet: \u201eWenn einem Knecht oder Magd zu wohl ist, und will\u2019s bessern, so geht\u2019s ihm wie dem Hund, dass sie das Gute verlieren und jenes Bessere nicht kriegen.\u201c<sup>15<\/sup> Das Lemma \u201eGeiz\u201c ist hier im fr\u00fchneuhochdeutschen Sinn von \u201eGier\u201c gemeint. Diese Bedeutung kommt auch in der Sentenz des \u201afabula docet\u2018 zum Ausdruck: \u201eWer zu viel haben will, der beh\u00e4lt zuletzt nichts. Man soll sich begn\u00fcgen mit dem, was Gott gibt.\u201c Das muss nicht als theologische Aussage verstanden werden, es geh\u00f6rt zur Lebensweisheit.<sup>16<\/sup> Luther erg\u00e4nzt: \u201eWer das wenige verschm\u00e4het, dem wird das Gro\u00dfe nicht\u201c, ein Sprichwort, das den Fabelsinn nicht ganz trifft, das Luther aber wiederholt erw\u00e4hnt und in seinem Zimmer an die Wand hinter dem Ofen geschrieben hat.<sup>17<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><em>(XIII):<\/em><br><strong>\u201eVom Raben und Fuchs\u201c<\/strong><br>\u201eEin Rabe hatte einen K\u00e4se gestohlen und setzte sich auf einen hohen Baum und wollte [den K\u00e4se ver-] zehren. Als er aber seiner Art nach nicht schweigen kann, wenn er isset, h\u00f6ret ihn ein Fuchs \u00fcber dem K\u00e4se kecken [kr\u00e4chzen] und lief zu [ihm] und sprach: \u201eOh, Rabe, nun habe ich mein Lebtag keinen sch\u00f6neren Vogel von Federn und Gestalt gesehen, denn du bist. Und wenn du auch so eine sch\u00f6ne Stimme h\u00e4ttest zu singen, so sollte man dich zum K\u00f6nig kr\u00f6nen \u00fcber alle V\u00f6gel.\u201c Den Raben kitzeln solches Lob und Schmeicheln. Er fing an und wollte seinen sch\u00f6nen Gesang h\u00f6ren lassen. Als er den Schnabel auftat, entfiel ihm der K\u00e4se. Den nahm der Fuchs beh\u00e4nd, fra\u00df ihn und lachet \u00fcber den t\u00f6richten Raben.<br>[Lehre:]<br>H\u00fcte dich, wenn der Fuchs den Raben lobt. H\u00fcte dich vor Schmeichlern, so schinden und schaben etc.\u201c [D.h. die auspl\u00fcndern und betr\u00fcgen, also anderen Schaden zuf\u00fcgen.]<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fuchs erringt den K\u00e4se durch T\u00fccke und Schmeichelei. So bei Luther, so bei La Fontaine. Der deutsche Fuchs entfernt sich mit h\u00f6hnischem Lachen, der franz\u00f6sische Fuchs w\u00fcrdigt den geprellten Raben 100 Jahre sp\u00e4ter immerhin einer p\u00e4dagogischen Ansprache: \u201cDank f\u00fcr die Bescherung! \/ Von mir nimm daf\u00fcr die Belehrung: \/ Ein Schmeichler lebt von dem, der auf ihn h\u00f6rt. \/ Die Lehre ist gewiss den K\u00e4se wert.\u201c\/ Der Rabe sa\u00df verdutzt und schwor: \/ Das k\u00e4m\u2018 ihm nicht noch einmal vor. &#8211; Lessing verfasst im 18. Jahrhundert unter dem Titel Der Rabe und der Fuchs eine ironische Abwandlung des Themas, in der die Schmeichelei nicht etwa belohnt, sondern bestraft wird: Da das vom Raben fallen gelassene St\u00fcck Fleisch [nicht: K\u00e4se] vergiftet war, musste der unwissende Fuchs schlie\u00dflich qualvoll daran verenden.<br>Die Fabel vom Raben und Fuchs z\u00e4hlt zu den bekanntesten der \u00e4sopischen Fabeln. Luther versteht sie als Warnung vor Schmeichlern. Daraus kann die Lehre gezogen werden, stets zu pr\u00fcfen, ob die lobenden Worte vielleicht mit Hintergedanken gesprochen wurden, oder aber zu erkennen, dass man, wenn man sich bei anderen einschmeichelt, Schaden davontragen kann. Dies ist jedoch keineswegs die einzige Interpretation. Der Prediger Odo von Cheriton (1185-1247) gibt der Geschichte eine moraltheologische Deutung: die Tugend (zuvor: das St\u00fcck K\u00e4se) verliert, wer sich vom Teufel (zuvor: vom Fuchs) zum Streben nach eitlem Ruhm, symbolisiert durch das Singen, verf\u00fchren l\u00e4sst.<br>Die Fabel hat kulturelle Bedeutung. Darstellungen und Verweise finden sich in zahlreichen Kunstwerken, in Literatur, Malerei, in handgewirkten Teppichen. So taucht beispielsweise in der Randborte des Teppichs von Bayeux um 1170 eine Darstellung der Fabel auf. Gezeigt wird der Moment, in dem der Rabe den Schnabel \u00f6ffnet und der K\u00e4se herausf\u00e4llt. Es gibt auch eine orientalische Fassung. &#8211; Die Moral vom Fuchs und dem Raben wird bis heute erz\u00e4hlt. So gibt es eine TV-Folge der \u201aSesamstra\u00dfe\u2018, in der diese Fabel umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(XII):<\/em><br><strong>\u201eDie Stadtmaus und die Feldmaus\u201c<\/strong><br>\u201eEine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus, die tat ihr g\u00fctlich mit Eicheln, Gerste, N\u00fcssen und womit sie konnte. Aber die Stadtmaus sprach: \u201eDu bist eine arme Maus, was willst du in Armut leben. Komm mit mir, ich will dir und mir genug schaffen mit allerlei k\u00f6stlicher Speise.\u201c Die Feldmaus zog mit ihr hin in ein herrlich sch\u00f6nes Haus, darin die Stadtmaus wohnet. Und sie gingen in die Kemnoten [Vorratskammer], die war voll auf von Brot, Fleisch, Speck, W\u00fcrsten, K\u00e4se und allem. Da sprach die Stadtmaus: \u201eNun iss und sei guter Dinge, solche Speise habe ich t\u00e4glich im \u00dcberfluss.\u201c Indes kommt der Kellner [K\u00fcchen- und Kellermeister] und rumpelt mit Schl\u00fcsseln an der T\u00fcr. Die M\u00e4use erschraken und liefen davon. Die Stadtmaus fand bald ihr Loch, aber die Feldmaus wusste nirgends hin und lief die Wand auf und ab und war in Lebensgefahr [auf den Tod gefasst]. Da der Kellner wieder hinaus war, sprach die Stadtmaus: \u201eEs hat nun keine Not [mehr], lass uns guter Dinge sein.\u201c Die Feldmaus antwortete: \u201eDu hast gut sagen, du wusstest dein Loch fein zu treffen, dieweil ich schier vor Angst gestorben bin. Ich will dir sagen, was die [meine] Meinung ist. Bleibe du eine reiche Stadtmaus und friss W\u00fcrste und Speck. Ich will ein armes Feldm\u00e4uslein bleiben und meine Eicheln essen. Du bist keinen Augenblick sicher vor dem Kellner, solches alles bin ich frei und sicher in meinem armen Feldl\u00f6chlein.\u201c<br>[Lehre:]<br>In gro\u00dfen Wassern sehet man gro\u00dfe Fische. Aber in kleinen Wassern sehet man gute Fischlein. Wer reich ist, hat viele Neider, Sorge und Gefahr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Moral dieser Fabel von der Stadtmaus und der Feldmaus ist, man soll mit dem zufrieden und gl\u00fccklich sein, was man hat. Was n\u00fctze ein Leben, in dem man alles besitzt, daf\u00fcr jedoch Sorgen und Gefahr einen st\u00e4ndig begleiten. Gen\u00fcgsamkeit und Zufriedenheit machten gl\u00fccklicher als Reichtum und \u00dcberfluss unter gro\u00dfen Sorgen. \u2013 Ob diese Lehre in unserer heutigen Konsumgesellschaft noch Rezipienten findet? Vielleicht doch: Nach einer langen Periode des Materialismus, in der mehr Einkommen mehr Konsum, mehr Reichtum bedeutete, zeichnet sich eine Tendenz ab, die das immer \u201eNochmehr\u201c durchbricht. Lebenszufriedenheit wird heute nicht unbedingt aus materiellen Dingen, die konsumiert werden wollen, gezogen. Das Streben nach noch mehr Besitz und Konsum im \u00dcberfluss macht nicht zwingend gl\u00fccklicher. \u00dcbrigens: Die \u201eEicheln, Gerste, N\u00fcsse\u201c der Feldmaus: Sie k\u00f6nnten symbolisch auch f\u00fcr ein \u201aveganes Leben\u2018 stehen.<br>Zur\u00fcck zur Lutherzeit. Das \u201ebetriegen zur Wahrheit\u201c, Verlocken bzw. (Ver)-F\u00fchren zur Wahrheit und damit das Enth\u00fcllen, wie der Reformator es in seiner \u201aVorrede\u2018 nennt, ist Luthers Anliegen bei seiner \u00e4sopischen Fabelbearbeitung.<sup>18<\/sup> Denn die weltliche Wirklichkeit, wie Luther sie in seinen Lehrgeschichten zeichnet, ist unchristlich, hart, von Grund auf schlecht: \u201ees g\u00f6nnet niemand dem andern was Guts. Das ist der Welt lauff.\u201c Die Sicht auf eine Gesellschaft voller \u201aLaster\u2018 findet sich auch in den \u00dcberschriften, die Luther seinen ersten sechs Fabeln gibt. Angesichts der Verworfenheit des \u00e4u\u00dferen Lebens in Form von Not, sozialem Elend, Unrecht, Missgunst k\u00f6nne es die Fabel leisten, den Menschen die Augen zu \u00f6ffnen, die Wahrheit zu sehen und damit auch Einsicht zu gewinnen in die realen sozialen und moralischen Zust\u00e4nde in der menschlichen Gesellschaft. Luther geht es nicht um die Vermittlung von Normen f\u00fcr ein christliches Verhalten gem\u00e4\u00df der reformatorischen Lehre,<sup>19<\/sup> vielmehr setzt er didaktische und sozialpolitische Akzente. Die Fabel eignet sich als Spiegel der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Luther bearbeitet die Fabeln in der Absicht, die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse des Lebens erkennen zu lassen, insofern ist die mitteilenswerte Wahrheit eine gesellschaftliche. Er erkl\u00e4rt sie aber nicht aus der Sicht eines Weltverbesserers. Er nutzt die Fabel nicht agitatorisch als Angriffswaffe im religionspolitischen Kampf gegen die katholische Kirche, sondern versteht sie als Ausdruck der Sozialkritik, deren Lehrgehalt sich mit den Lehren der h\u00f6chsten Autorit\u00e4t, der Bibel, deckte.<sup>20<\/sup><br>Luther ist pragmatisch und ambivalent. Die Fabeln empfehlen keine lutherischen Heldenposen, sondern Realismus und Klugheit gem\u00e4\u00df dem Jesuswort<sup>21<\/sup> : \u201eSiehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die W\u00f6lfe. Darum seid klug wie die Schlangen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<ol><li><em>Klaus Doderer<\/em>, \u00dcber das \u201ebetriegen zur Wahrheit\u201c. Die Fabelbearbeitungen Martin Luthers, in: <em>Peter Hasubek<\/em>, Fabelforschung, Darmstadt 1983, S. 207-223, hier S. 207 <\/li><li><em>Martin Luther<\/em>, \u201aVorrede\u2018 zu seinen Fabelbearbeitungen, 1530, in: <em>Reinhard Dithmar<\/em>, Martin Luthers Fabeln und Sprichw\u00f6rter, Darmstadt, 1989, 2., korrigierte Auflage 1995, S. 157-163, hier S. 157 <\/li><li>WA 5,309, \u00dcbersetzung von <em>Reinhard Dithmar<\/em>, Martin Luthers Fabeln und Sprichw\u00f6rter, S. 14 <\/li><li>ebenda, S. 15 <\/li><li>Text nach: Martin Luther \u2013 Fabeln mit Bildern von <em>Andreas Wei\u00dfgerber<\/em> (K\u00fcnstler aus Leipzig) und einem Essay von <em>Christoph Dieckmann<\/em>, Altenburg 2011, Edition Akanthus <\/li><li>Martin Luther, \u201aVorrede\u2018, in: Reinhard <em>Dithmar<\/em>, Luthers Fabeln und Sprichw\u00f6rter, S. 157 f. <\/li><li>ebenda, S. 158 f. <\/li><li>ebenda, S. 161 <\/li><li>ebenda, S. 159 <\/li><li>ebenda, S. 160 <\/li><li><em>Doderer<\/em>, a.a.O., S. 218 <\/li><li><em>Dithmar<\/em>, a.a.O., S. 162 f. <\/li><li>&#8222;B\u00f6se, b\u00f6se!&#8220; spricht man, wenn man&#8217;s hat; aber wenn&#8217;s weg ist, so r\u00fchmt man es dann (Spr\u00fcche Salomons) <\/li><li>Vgl. Luthers Sprichw\u00f6rtersammlung Nr. 480: \u201eKunst gehet noch brod\u201c; das bedeutet: \u201eKunst ist brotlos, dient nicht im auseichenden Ma\u00df zum Lebensunterhalt, [geht betteln]. Die K\u00fcnstler m\u00fcssen sich um ihr Auskommen sorgen.\u201c, <em>Dithmar<\/em>, a.a.O., S. 26 <\/li><li>Luthers \u201aVorrede\u2018, in: <em>Dithmar<\/em>, a.a.O., S. 162 <\/li><li>Vgl. <em>Klaus D\u00fcwel<\/em> und <em>J\u00f6rg Ohlemacher<\/em>, \u201edas ist der wellt lauf.\u201c Zug\u00e4nge zu Luthers Fabelbearbeitung, in: Martin Luther, hrsg. von <em>Heinz Ludwig Arnold<\/em>, M\u00fcnchen 1983, S. 121-143, hier S. 138 <\/li><li>Luther nutzte die Fabel \u201aVom Hund mit dem St\u00fcck Fleisch\u2018 oft als rhetorisches Element in Predigten und bereits 1520 in der Schrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c (WA 7,28)<\/li><li>\u201eEine Kunstform &#8211; gereinigt von allem phantasievoll sprachlichen Verweilen &#8211; verknappt bis zum \u00e4u\u00dfersten, soll als \u201aBetrugsmittel\u2018 genutzt werden.\u201c <em>Doderer<\/em>, a.a.O., S. 211 <\/li><li>Vgl. Ernst Heinrich <em>Rehermann<\/em> und Ines <em>K\u00f6hler-Z\u00fclch<\/em>, Aspekte der Gesellschafts- und Kirchenkritik in den Fabeln von Martin Luther, in: Peter <em>Hasubek<\/em> (Hrsg.), Die Fabel, Berlin 1982, S. 27-42 <\/li><li>Die Ber\u00fchrung der Fabel-Moral mit den Lehren der h\u00f6chsten Autorit\u00e4t, der Bibel, die Eignung als Spiegel der Welt, als Ausdruck der Kritik an den herrschenden sozialen und moralischen Zust\u00e4nden \u2013 dies waren die Grundlagen, die die Bl\u00fcte der protestantischen Fabeldichtung erm\u00f6glichten.<\/li><li>Matth\u00e4us 10,16<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag von Dr. Ellen Bender Beitrag anl\u00e4sslich der Luther-Festspiele 2021 \u00c4sops FabelnWer kennt sie nicht: die Geschichte vom \u201aRaben und Fuchs\u2018 oder von der \u201aStadt- und der Feldmaus\u2018 aus deutschen Bearbeitungen von Fabeln des \u00c4sop. \u00c4sop war ein legend\u00e4rer griechischer Dichter, der wahrscheinlich im 6. Jh. vor Christus in Kleinasien lebte. \u00c4sops Name wurde zum &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/martin-luthers-poetische-fabeln\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":18,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/302"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/302\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":336,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/302\/revisions\/336"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}