{"id":159,"date":"2019-12-04T03:20:42","date_gmt":"2019-12-04T02:20:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/wordpress\/?page_id=159"},"modified":"2020-02-10T01:35:21","modified_gmt":"2020-02-10T00:35:21","slug":"die-grundformen-der-angst-im-nibelungenlied","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/die-grundformen-der-angst-im-nibelungenlied\/","title":{"rendered":"Die Grundformen der Angst im Nibelungenlied"},"content":{"rendered":"\n<p>von<br>Dr. Niklas Gebele<br>Psychologischer Psychotherapeut<br>Yorckstra\u00dfe 36<br>76185 Karlsruhe<br>Tel. 0721 &#8211; 8317428<br>Mail: <a href=\"mailto:niklas@praxis-gebele.de\">niklas@praxis-gebele.de<\/a><br>Web: <a href=\"http:\/\/www.praxis-gebele.de\/\">www.praxis-gebele.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grundformen der Angst im Nibelungenlied<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_Toc32009127\">Der psychologische Gehalt des Mythos<\/a><br><a href=\"#_Toc32009128\">Die Grundformen der Angst nach Fritz Riemann<\/a><br><a href=\"#_Toc32009129\">Das Verh\u00e4ltnis zur Welt: Siegfried vs. Hagen<\/a><br><a href=\"#_Toc32009130\">Siegfried<\/a><br><a href=\"#_Toc32009131\">Hagen<\/a><br><a href=\"#_Toc32009132\">Das Verh\u00e4ltnis zum anderen: Kriemhild vs. Br\u00fcnhild<\/a><br><a href=\"#_Toc32009133\">Kriemhild<\/a><br><a href=\"#_Toc32009134\">Br\u00fcnhild<\/a><br><a href=\"#_Toc32009135\">Podcast: Der Nibelungen Psyche<\/a><br><a href=\"#_Toc32009136\">Literatur<\/a><\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009127\"><strong>Der psychologische Gehalt des Mythos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGenau\nwie der Traum bietet auch der Mythos eine Geschichte, die sich in\nRaum und Zeit abspielt, eine Geschichte, die in symbolischer Sprache\nreligi\u00f6se und philosophische Ideen, Erfahrungen der Seele ausdr\u00fcckt,\nin denen die wahre Bedeutung des Mythos liegt\u201c (Fromm, 2001, S.\n130).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erfahrungen\nder Seele<\/em> \u2013 Sie sind es wohl,\ndie letztlich das Menschsein ausmachen. Liebe, Trauer, Stolz, Neid,\nSchmerz, Einsamkeit, Hass, Freundschaft und, nat\u00fcrlich, auch Angst.\nDas breite Spektrum unserer Emotionen erf\u00fcllt wichtige,\nevolutionsbiologisch herausgebildete, \u00fcberlebenssichernde\nFunktionen. Das Bindungsbed\u00fcrfnis, f\u00fcr welches wir eine Vielzahl\neher unscharf voneinander abgegrenzter Gef\u00fchlsbegriffe haben \u2013\nLiebe, Freundschaft, Treue, Seelenverwandtschaft usw. \u2013 sichert\nsoziale Beziehungen und das emotionale wie physisch lebenswichtige\nEingebundensein in soziale Gruppen. Aggression, Wut, Zorn, auch Hass,\nweisen uns letztlich auf die (drohende) Verletzung f\u00fcr uns wichtiger\nBed\u00fcrfnisse hin und erm\u00f6glichen uns, f\u00fcr diese einzutreten, sie zu\nverteidigen. Dass dies nicht immer konstruktiv und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig\ngeschieht, \u00e4ndert nichts an der grunds\u00e4tzlichen Funktionalit\u00e4t\nauch dieser Emotionskategorie.<\/p>\n\n\n\n<p>Angst\nschlie\u00dflich, zeigt uns die M\u00f6glichkeit drohender Gefahren an.\nUnseren pr\u00e4historischen Vorfahren legte sie nahe, sich f\u00fcr Kampf\noder Flucht bereit zu machen, indem sie Herzschlag, Blutdruck,\nMuskelspannung unwillk\u00fcrlich erh\u00f6ht. Als Homo Sapiens sind wir\ngefordert, differenziertere, der Komplexit\u00e4t unserer sozialen\nLebensverh\u00e4ltnisse angemessene Reaktionsweisen zu entwickeln, zu\npraktizieren und diese transgenerational weiterzuvermitteln. Diesen\n<em>Kultur<\/em>\ngenannten Prozess bew\u00e4ltigen wir, indem wir Geschichten entwerfen,\ndie, um noch einmal auf das Eingangszitat von Erich Fromm (2001, S.\n130) zur\u00fcckzugreifen \u201ein symbolischer Sprache religi\u00f6se und\nphilosophische Ideen\u201c, ebenjene \u201eErfahrungen der Seele\u201c, in\nintuitiv verst\u00e4ndlicher Form beschreiben und auf diese Weise\ntransgenerational vermittelbar und auch jenseits des konkreten\nsozialen Kontextes universell verstehbar machen. So erf\u00e4hrt und\nbezieht der Mensch sein emotionales und soziales Erlebens- und\nVerhaltensrepertoire aus \u201eder Geschichte seiner sozialen Gruppe;\nzusammen mit der Muttersprache verinnerlicht er die \u00dcberzeugungen,\nWerte, Normen und Ziele seiner Gemeinschaft. Er \u00fcbernimmt ihre\nkulturelle Tradition in Form von Erz\u00e4hlungen und Mythen, von Glauben\noder Aberglauben. Ihm werden auf diese Weise ebenso\nKonfliktl\u00f6sungsstrategien vermittelt, wie Regeln des emotionalen\nAusdrucks\u201c (Rudolf, 2005, S. 8). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nkann also davon ausgegangen werden, dass es eben jene Geschichten\nsind, welche die <em>Erfahrungen der\nSeele<\/em> \u00fcber den jeweiligen\nsozialhistorischen Kontext hinaus universell verst\u00e4ndlich\nauszudr\u00fccken verm\u00f6gen, die schlie\u00dflich zu die Zeit \u00fcberdauernden\nMythen werden. Zu diesen z\u00e4hlt, ganz ohne Frage, das Nibelungenlied.\nUnd so m\u00f6chte ich in diesem Text den Versuch unternehmen eine der\nexistenziellsten Erfahrungen der Seele, die Angst, wie sie bereits\n1961 von dem Psychoanalytiker Fritz Riemann in seinem bis heute\npopul\u00e4ren und f\u00fcr die Praxis der Pers\u00f6nlichkeitspsychologie und\nPsychotherapie unver\u00e4ndert relevanten Standardwerk <em>Grundformen\nder Angst<\/em> (Riemann, 1999)\nanalysiert und beschrieben wurde, im Nibelungenlied und seinen\nProtagonistinnen und Protagonisten zu identifizieren und\nherauszuarbeiten, wie diese die Grundformen der Angst, welche uns\nallen gemein und unbewusst vertraut sind, symbolisieren und dadurch\nf\u00fcr uns verstehbar und anschlussf\u00e4hig werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hierin,\nalso in der universellen psychologischen Anschlussf\u00e4higkeit, liegt,\nso meine These, ein Grund f\u00fcr die, trotz meiner Wahrnehmung nach und\nzu meinem Bedauern abnehmenden Bekanntheit des Nibelungenliedes,\nungebrochene Faszination des Stoffes, wenn man denn einmal mit ihm in\nBer\u00fchrung gekommen ist.  \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009128\">\n<strong>Die Grundformen der Angst nach Fritz\nRiemann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAngst\ngeh\u00f6rt unvermeidlich zu unserem Leben. In immer neuen Abwandlungen\nbegleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode. Die Geschichte der\nMenschheit l\u00e4sst immer neue Versuche erkennen, Angst zu bew\u00e4ltigen,\nzu vermindern, zu \u00fcberwinden oder zu binden. [\u2026] Es bleibt wohl\neine unserer Illusionen, zu glauben, ein Leben ohne Angst leben zu\nk\u00f6nnen; sie geh\u00f6rt zu unserer Existenz und ist eine Spiegelung\nunserer Abh\u00e4ngigkeiten und des Wissens um unsere Sterblichkeit. Wir\nk\u00f6nnen nur versuchen, Gegenkr\u00e4fte gegen sie zu entwickeln: Mut,\nVertrauen, Erkenntnis, Macht, Hoffnung, Demut, Glaube und Liebe.\nDiese k\u00f6nnen uns helfen, Angst anzunehmen, uns mit ihr\nauseinanderzusetzen, sie immer wieder neu zu besiegen\u201c (Riemann,\n1999, S. 19).<\/p>\n\n\n\n<p>Angst\nbegegnet uns im Leben in den verschiedensten Ausformungen. Ein akuter\nSchreck infolge eines lauten Ger\u00e4uschs, die Angst vor einer\nfraglichen Bedrohung durch einen sich aggressiv geb\u00e4rdenden\nMitmenschen, vor einer Pr\u00fcfung, einem Versagen oder einer Schuld.\nDas grunds\u00e4tzliche, angstgetriebene Vermeiden von H\u00f6hen, engen\nR\u00e4umen oder freien Pl\u00e4tzen. Pathologische \u00c4ngste, wie das\nunabl\u00e4ssige sorgenvolle Gr\u00fcbeln ohne erkennbaren Anlass, die\nPanikattacke mit potentiell bis zur Ohnmacht kulminierenden\nphysiologischen Erregungssymptomen, oder wahnhafte, der\nRealit\u00e4tspr\u00fcfung g\u00e4nzlich entzogene \u00c4ngste vor allem M\u00f6glichen\nund Unm\u00f6glichen. Es scheint \u2013 das soll in einem Text \u00fcber das\nNibelungenlied nicht unterschlagen werden \u2013 gar eine spezifische\n<em>German Angst<\/em>\nzu geben. Und es gibt und hat immer gegeben, die Angst vor dem\neigenen Tod (Yalom, 2010). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Fritz\nRiemann unternimmt nun den Versuch, diese unz\u00e4hligen Formen der\nAngst zu systematisieren, indem er die ihnen zugrundeliegenden\nGrundformen identifiziert und beschreibt. Riemann zufolge muss sich\nder Mensch auf zwei grunds\u00e4tzlichen Dimensionen im Leben verorten\nund zurechtfinden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Er\nmuss, das ist die erste Dimension, sein Verh\u00e4ltnis zur Welt erkennen\nund definieren. Diese dreht sich, und sie dreht sich schnell. Sie\nbefindet sich in stetigem Wandel, <em>panta\nrhei<\/em>. Um damit zurecht zu\nkommen, m\u00fcssen wir flexibel und selbst wandlungsf\u00e4hig bleiben. Die\nAnforderung der Welt an uns besteht darin, \u201edass wir immer bereit\nsein sollen, uns zu wandeln, Ver\u00e4nderungen und Entwicklungen zu\nbejahen, Vertrautes aufzugeben, Traditionen und Gewohnheit hinter uns\nzu lassen, uns immer wieder vom gerade Erreichten zu l\u00f6sen und\nAbschied zu nehmen, alles nur als Durchgang zu erleben. Mit dieser\nForderung, uns immer lebendig weiterzuentwickeln, uns nicht\naufzuhalten, nicht zu haften, dem Neuen ge\u00f6ffnet und das Unbekannte\nwagend, ist nun die Angst verbunden, durch Ordnungen,\nNotwendigkeiten, Regeln und Gesetzte, durch den Sog der Vergangenheit\nund Gewohnheit festgelegt, festgehalten zu werden, eingeengt,\nbegrenzt zu werden in unseren M\u00f6glichkeiten und unserem\nFreiheitsdrang\u201c (Riemann, 1991, S. 28). Das grundlegende Motiv der\nEntwicklung, des pers\u00f6nlichen Wachstums und der inneren Flexibilit\u00e4t\ngeht also notwendigerweise mit der Angst vor Verbindlichkeit,\nEinschr\u00e4nkung und Stillstand einher. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\nbesteht die Dialektik der menschlichen Existenz in der Welt jedoch\ndarin, dass dem Motiv der Entwicklung und Bewegung ein gegenteiliges,\naber ebenso existenzielles, Motiv gegen\u00fcbersteht: Das Bed\u00fcrfnis\nnach Stabilit\u00e4t und Dauer. Absolute Bewusstheit unserer eigenen\nVerg\u00e4nglichkeit und jederzeitigen Sterblichkeit w\u00fcrde die meisten\nMenschen in Verzweiflung und Sinnlosigkeit st\u00fcrzen, jedwedes\nEngagement f\u00fcr ein gelingendes Leben vergebens und \u00fcberfl\u00fcssig\nerscheinen lassen. Es ist also die Fokussierung auf Konstanten\nunseres Lebens, auf f\u00fcr uns universelle Werte, die dem eigenen\nDasein Halt und Struktur verleihen, notwendig. Doch \u201emit dieser\nForderung, zu dauern, uns in eine ungewisse Zukunft zu entwerfen, ja,\n\u00fcberhaupt eine Zukunft zu haben, als ob wir damit etwas Festes und\nSicheres vor uns h\u00e4tten \u2013 mit dieser Forderung sind alle \u00c4ngste\ngegeben, die mit dem Wissen um die Verg\u00e4nglichkeit, um unsere\nAbh\u00e4ngigkeiten und um die irrationale Unberechenbarkeit unseres\nDaseins zusammenh\u00e4ngen: Die Angst vor dem Wagnis des Neuen, vor dem\nPlanen ins Ungewisse, davor, sich dem ewigen Flie\u00dfen des Lebens zu\n\u00fcberlassen, das nie stillsteht und auch uns selbst wandelnd\nergreift\u201c (Riemann, 1991, S. 27f.). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand\ndieser ersten beiden Grundformen der Angst wird zweierlei deutlich.\nErstens, die handlungssteuernde Signalfunktion der Angst. Sie ist,\nwie alle Affekte, zwingend notwendig, um unser Handeln in Richtung\nbestimmter existenzieller Motive zu lenken. Die Angst entsteht aus\nder antizipierten mangelhaften Befriedigung oder der Bedrohtheit\nexistenzieller Bed\u00fcrfnisse, womit der reflexhafte Bewegungsimpuls\nvon der Angst weg, zum Antrieb der Bewegung hin zu einer\nausreichenden Bed\u00fcrfnisbefriedigung wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens,\nzeigt sich in diesem ersten Gegensatzpaar von Motiven bzw. \u00c4ngsten,\ndie grunds\u00e4tzliche dialektische Bipolarit\u00e4t der menschlichen\nPsyche. Die dauerhafte und vollst\u00e4ndige Erf\u00fcllung des einen\nBed\u00fcrfnisses ist niemals m\u00f6glich, denn sie h\u00e4tte den Preis des\nvollst\u00e4ndigen Mangels an dem, worauf das entgegengesetzte Bed\u00fcrfnis\nzielt und w\u00fcrde somit mit allgegenw\u00e4rtiger existenzieller Angst\neinhergehen. Unsere Aufgabe besteht folglich darin, unser Verh\u00e4ltnis\nzur Welt in einem, je nach den Gegebenheiten der inneren und \u00e4u\u00dferen\nSituation immer wieder zu justierenden, Gleichgewicht zwischen dem\nBed\u00fcrfnis nach Entwicklung (bzw. der Angst vor Stillstand) und dem\nBed\u00fcrfnis nach Stabilit\u00e4t (bzw. der Angst vor Verg\u00e4nglichkeit) zu\nhalten und auf diesem Kontinuum flexibel und beweglich zu bleiben, im\nbesten Falle ohne zu nahe an die Extrempole, wo die Angst am gr\u00f6\u00dften\nund das Verhaltensrepertoire am einseitigsten ist, zu geraten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches\ngilt neben unserem Verh\u00e4ltnis zur Welt auch f\u00fcr unsere Beziehungen\nzu anderen Menschen. Hier findet sich nach Riemann das zweite\nGegensatzpaar von existenziellen Motiven und \u00c4ngsten. Als soziale\nWesen m\u00fcssen wir funktionale Wege finden, mit anderen Menschen\nSicherheit und Halt gebende, gegenseitig unterst\u00fctzende, versorgende\nund besch\u00fctzende Bindungen einzugehen und diese stabil\naufrechterhalten zu k\u00f6nnen. Es ist, nach Riemann, die Anforderung,\n\u201edass wir uns der Welt, dem Leben und den Mitmenschen vertrauend\n\u00f6ffnen, uns einlassen sollen mit dem Nicht-Ich, dem Fremden, in\nAustausch treten sollen mit dem Au\u00dfer-uns-Seienden. [\u2026] Damit ist\naber verbunden alle Angst, unser Ich zu verlieren, abh\u00e4ngig zu\nwerden, uns auszuliefern, unser Eigensein nicht angemessen leben zu\nk\u00f6nnen, es anderen opfern und in der geforderten Anpassung zu viel\nvon uns selbst aufgeben zu m\u00fcssen\u201c (Riemann, 1991, S. 26f). Und\ndennoch: \u201eRiskieren wir das nicht, bleiben wir isolierte\nEinzelwesen ohne Bindung, ohne Zugeh\u00f6rigkeit zu etwas \u00fcber uns\nHinausreichendem, letztlich ohne Geborgenheit und werden so weder uns\nselbst noch die Welt kennenlernen\u201c (ebd.). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAngst des Ich-Verlustes verweist indes auf das zweite, dem ersten\nentgegengesetzte existenzielle Motiv in unserer Beziehung zum\nAnderen, n\u00e4mlich, \u201edass wir ein einmaliges Individuum werden\nsollen, unser Eigensein bejahend und gegen andere abgrenzend, dass\nwir unverwechselbare Pers\u00f6nlichkeiten werden sollen, kein\naustauschbarer Massenmensch. Damit ist aber alle Angst gegeben, die\nuns droht, wenn wir uns von anderen unterschieden und dadurch aus der\nGeborgenheit des Dazugeh\u00f6rens und der Gemeinsamkeit herausfallen,\nwas Einsamkeit und Isolierung bedeuten w\u00fcrde\u201c (Riemann, 1991, S.\n26). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen\nzentralen inneren Konflikt des Menschen, der die zweite Dimension der\nGrundformen der Angst darstellt, hat Schopenhauer (1965) in seiner\nStachelschweinparabel so einfach wie treffend illustriert. Eine Herde\nStachelschweine r\u00fcckt an einem kalten Tag immer weiter zusammen, um\nsich gegenseitig zu w\u00e4rmen. Wird die N\u00e4he jedoch zu gro\u00df \u2013 und\ndamit die K\u00e4lte bestm\u00f6glich bek\u00e4mpft \u2013 beginnen die Stacheln der\nN\u00e4chsten zunehmend zu schmerzen, was die Stachelschweine dazu\nbringt, sich wieder voneinander wegzubewegen, bis der Schmerz der\nN\u00e4he nachl\u00e4sst, daf\u00fcr aber die K\u00e4lte wieder unaushaltbar wird und\neine erneute Bewegung aufeinander zu verursacht, usf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nin der Beziehung des Menschen zu den anderen Menschen finden wir also\ndie grunds\u00e4tzliche Dialektik des Bed\u00fcrfnisses nach N\u00e4he und\nBindung und desjenigen nach Individualit\u00e4t und Selbstverwirklichung,\nwelche von der Angst vor Einsamkeit und Isolation bzw. vor\nIch-Aufgabe und Abh\u00e4ngigkeit motiviert werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\nes sich nun, wie Riemann \u00fcberzeugend postuliert, bei diesen\nGrundformen der Angst um grunds\u00e4tzliche Erfahrungen der Seele\nhandelt, so sollten wir diese in unseren archetypischen Erz\u00e4hlungen,\nden Mythen, wiederfinden k\u00f6nnen. Die einzelnen Figuren im Mythos\nsind eindimensionaler, st\u00e4rker durch oft nur eine hervorstechende\nEigenschaft charakterisiert, diese in aller Eindeutigkeit\nausagierend, als das grunds\u00e4tzlich dialektisch, bipolar motivierte,\nmit komplexen inneren Konflikten ringende reale Individuum. Die\nzugespitzte Darstellung grundlegender Wesensz\u00fcge im Mythos dient\nebenjener, f\u00fcr den Mythos bezeichnenden, ihn gleichsam\ndefinierenden, Vermittlung der \u201e\u00dcberzeugungen, Werte, Normen und\nZiele seiner Gemeinschaft\u201c (Rudolf, 2005, S. 8) sowie ihrer\n\u201eKonfliktl\u00f6sungsstrategien\u201c (ebd.) und \u201eRegeln des emotionalen\nAusdrucks\u201c (ebd.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nhandelnden Charaktere im Mythos k\u00f6nnen folglich zum einen als\nIllustration extremer Varianten archetypischer Wesensz\u00fcge betrachtet\nwerden, als Abbilder jener realen Personen, bei welchen einzelne\nAspekte des menschlichen Erlebens in pathologischer Weise\n\u00fcberausgepr\u00e4gt sind. Riemann beschreibt diese Extremvariationen der\nGrundformen der Angst in Form von vier pathologischen\nPers\u00f6nlichkeitstypen<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Die\n\thysterische Pers\u00f6nlichkeit, \u00fcberwertig gepr\u00e4gt von der Angst vor\n\tVerbindlichkeit, Stillstand, Endg\u00fcltigkeit und dem Motiv der\n\tVer\u00e4nderung, Entwicklung, Aktivit\u00e4t und Herausforderung.\n\t<\/li><li>Die\n\tzwanghafte Pers\u00f6nlichkeit, in extremem Ausma\u00df getrieben von der\n\tAngst vor Verg\u00e4nglichkeit, Chaos, Instabilit\u00e4t und \u00dcberforderung\n\tsowie, folglich, dem Streben nach Stabilit\u00e4t, Verl\u00e4sslichkeit,\n\tKonformismus und einem Hang zum Autoritarismus.\n\t<\/li><li>Die\n\tdepressive Pers\u00f6nlichkeit, \u00fcberm\u00e4\u00dfig eingenommen von der Angst\n\tvor Einsamkeit und Isolation und daher Individualit\u00e4t, Freiheit und\n\tSelbstbestimmtheit dem Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he, Halt, Zugeh\u00f6rigkeit\n\tund Liebe unterordnend. \n\t\n\t<\/li><li>Die\n\tschizoide Pers\u00f6nlichkeit, bei der Selbstbestimmung, Individualit\u00e4t\n\tund Freiheit, infolge einer \u00fcbergro\u00dfen Angst vor Vereinnahmung und\n\tIch-Verlust, die \u00fcberwertigen handlungsleitenden Motive darstellen.\n\t\n\t\n<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zum\nanderen bietet sich, gerade wegen der polarisierten Vielfalt der\nCharaktere und ihrer oft hoch dramatischen Interaktion miteinander,\neine zweite Deutungsebene des Mythos an, welche von C. G. Jung (1995)\nunter dem Begriff <em>Subjektstufe<\/em>\neingef\u00fchrt wurde. Im Gegensatz zur zuvor beschriebenen <em>Objektstufe<\/em>,\nwo die handelnden Charaktere des Mythos als symbolische \u00c4quivalente\neinzelner, miteinander sozial interagierender Individuen betrachtet\nwerden, wird auf der Subjektstufe der Deutung die Handlung, also das\ninteraktionelle Geschehen, des Mythos als innerer Konflikt gedeutet.\nDie Protagonisten k\u00f6nnen somit verstanden werden als verschiedene,\nsich im Sinne der konflikthaften Bipolarit\u00e4t des Menschen oftmals\nwiderstreitende, Anteile der einen Pers\u00f6nlichkeit eines Individuums\nund er\u00f6ffnen somit einen weiteren, mitunter von der Deutung der\nObjektstufe g\u00e4nzlich verschiedenen, Deutungsansatz, welcher die\nganze Ambivalenz und Zerrissenheit, welche der menschlichen Psyche\neigen sind, in der symbolhaften, aber intuitiv verst\u00e4ndlichen\nBildsprache des Mythos auszudr\u00fccken vermag. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nk\u00f6nnen somit sagen, dass die Charaktere des Mythos, hier des\nNibelungenliedes, die zentralen Erfahrungen der Seele, und somit auch\ndie vier Grundformen der Angst, sowohl als eigenst\u00e4ndige Charaktere\nin der mythischen Narration selbst erleben \u2013 oft mit Tendenz zum\nextremem, pathologisch einseitig akzentuiertem Erleben und Verhlaten\n\u2013 und sie gleichzeitig auch auf der subjektstufigen Deutungsebene\narchetypisch symbolisieren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere\ndie vier Hauptcharaktere \u2013 zumindest, wenn man ihre Funktion f\u00fcr\ndie dramatische Dynamik der Handlung dieser Bewertung zugrunde legt \u2013\nSiegfried, Hagen, Kriemhild und Br\u00fcnhild, lassen sich klar als\nTr\u00e4ger und Symbole der vier Grundformen der Angst verstehen, was die\nkonflikthafte Dynamik zwischen ihnen, die gleichsam unvermeidliche,\nzerst\u00f6rerische Kollision zwischen den jeweils grunds\u00e4tzlich\nunvereinbaren, ewig widerstreitenden Kr\u00e4ften der menschlichen\n\u00c4ngste, schl\u00fcssig zu erkl\u00e4ren vermag. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009129\">\n<strong>Das Verh\u00e4ltnis zur Welt: Siegfried vs.\nHagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009130\">\n<strong>Siegfried<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die\nhysterische Pers\u00f6nlichkeit ist nach Riemann dadurch gekennzeichnet,\ndass sie \u201evon Augenblick zu Augenblick lebt, nicht mit festen\nPl\u00e4nen und klaren Zielen, sondern immer in der Erwartung von etwas\nNeuem, auf der Suche nach neuen Reizen, Eindr\u00fccken und Abenteuern,\nablenkbar daher und verf\u00fchrbar durch den jeweils gerade\nvorherrschenden Reiz oder Wunsch, der sich au\u00dfen oder innen\nanbietet\u201c (Riemann, 1991, S. 194).<\/p>\n\n\n\n<p>In\nebendieser Weise jagt der Held Siegfried von Abenteuer zu Abenteuer.\nDen fr\u00fchen Schritt in die Verantwortung des Regierens \u00fcber sein\nheimisches K\u00f6nigreich lehnt er ab, stattdessen zieht es ihn hinaus\nin die weite Welt. Damit kann Siegfrieds Vorgeschichte, bis zur\nerfolgreichen Eroberung der geliebten Kriemhild, als das klassische\nmythologische Narrativ der Heldenreise verstanden werden. Ein jeder\nMensch muss sich aus der zwar sicheren und vertrauten, aber doch auch\ndie eigene Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Verselbstst\u00e4ndigung\nbegrenzenden Geborgenheit des elterlichen Heimes abl\u00f6sen und den Weg\nin die ungewisse, mitunter bedrohliche Au\u00dfenwelt antreten. Die dort\nlauernden Gefahren und Pr\u00fcfungen erfordern vom Helden die\nEntwicklung und Erprobung bis dato nicht ausgebildeter F\u00e4higkeiten\nund Fertigkeiten (symbolisiert z.B. durch Tarnkappe, Hornhaut und\nSchwert), so dass, Abenteuer f\u00fcr Abenteuer, ein pers\u00f6nlicher\nReifungsprozess stattfindet, welcher in der Regel mit dem Ankommen in\nder eigenen Erwachsenenidentit\u00e4t, im Mythos symbolisiert durch das\nErwerben eines Schatzes, einer Ehefrau, eines K\u00f6nigreichs, oder, wie\nauch bei Siegfried, all dessen gleichzeitig, abschlie\u00dft.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\ndiese allgemeine entwicklungspsychologische Deutung hinaus, f\u00e4llt\njedoch Siegfried als ein, auch f\u00fcr einen mythischen Helden,\nausgesprochen hysterisch agierender Charakter auf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits\ndie ersten Schilderungen Siegfrieds im Nibelungenlied, als\njugendlicher Prinz der Niederlande, entsprechen dem, was Riemann als\ntypische Kindheitserfahrung sp\u00e4ter hysterisch akzentuierter\nCharaktere beschreibt: \u201eAngeborener Charme und oft auch Sch\u00f6nheit\nbringen es mit sich, dass sie von fr\u00fch an Sympathie erwecken; sie\nsind leicht liebzuhaben und es daher gewohnt zu gefallen, einfach\nweil sie sind, wie sie sind; sie werden als reizend empfunden und\nsp\u00fcren das nat\u00fcrlich bald. Dass diese Vorz\u00fcge auch ein\nDanaergeschenk sein k\u00f6nnen, h\u00e4ngt vor allem damit zusammen, dass\nsie auf diese Weise die Erfahrung machen, geliebt und bewundert zu\nwerden, ohne etwas daf\u00fcr leisten zu m\u00fcssen. Das kann schon sehr\nfr\u00fch den Weg dazu bahnen, sich auf seine \u00e4u\u00dferen Vorz\u00fcge zu\nverlassen, und es weckt die Erwartung, immer und \u00fcberall\nselbstverst\u00e4ndlich geliebt zu werden\u201c (Riemann, 1991, S. 213f).\n\u201eIn der Liebe setzt er die fr\u00fcher erw\u00e4hnte starke Wunschkraft\nbesonders ein [\u2026] und erobert die Festung im Sturm, nicht in langer\nBelagerung\u201c (Riemann, 1991, S. 202). \n<\/p>\n\n\n\n<p>So\ntritt der junge Siegfried vor den Toren von Worms auf: Als st\u00fcnden\nihm Prinzessin und Reich selbstverst\u00e4ndlich zu, allein qua seiner\npers\u00f6nlichen Vorz\u00fcge. Dieser eigentlich hoch aggressive und\nletztlich unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Akt (Siegfried wollte ja schon sein\nHeimatland nicht regieren, und in Worms urspr\u00fcnglich nur um\nKriemhilds Hand anhalten), stellt sich in der nach Riemann f\u00fcr ins\nHysterische tendierende Menschen typischen Weise dar: \u201eSpontan,\nunbek\u00fcmmert und oft un\u00fcberlegt, daf\u00fcr weniger nachhaltend und\nnachtragend\u201c (Riemann, 1991, S. 210). So druckvoll und impulsiv die\nForderung nach einem Kr\u00e4ftemessen mit Gunther um Reich und Titel\nzun\u00e4chst vorgebracht wird, so einfach l\u00e4sst sich Siegfried wieder\ndavon abbringen. Hier zeigt sich bereits die ihm sp\u00e4ter noch zum\nVerh\u00e4ngnis werdende Manipulierbarkeit Siegfrieds durch seinen Stolz.\nEr h\u00e4tte sich, durch eigene spontane Streitlust und selbst durch die\nProvokation eines seiner eigenen Beurteilung nach kaum\nsatisfaktionsf\u00e4higen Ortwin von Metz, ebenso leicht in einen,\nangesichts seiner \u00fcberschaubaren Streitmacht von zw\u00f6lf Mann\nm\u00f6glicherweise aussichtslosen, Kampf verwickeln lassen, wie er sich\nunmittelbar darauf durch erstaunlich wenige beschwichtigende Worte\nGernots, davon \u00fcberzeugen l\u00e4sst, zugunsten eines rauschenden Festes\ndavon abzulassen. \u201eEr liebt Glanz und Pracht, Feste und Feiern [\u2026]\nund versteht auch, sie zu gestalten, ist auf ihnen meist Mittelpunkt,\ndurch Charm, Temperament, Gewandtheit und Direktheit\u201c (Riemann,\n1991, S. 202f). Bei jeder zu seinen Lebzeiten abgehaltenen\nFestlichkeit steht Siegfried als sch\u00f6nster Mann und strahlender Held\ndes Ritterspiels im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und des\nInteresses. Gerade die Kampfspiele sind f\u00fcr Siegfried eine\nwillkommene und gerne genutzte Gelegenheit, seine \u00dcberlegenheit zu\ndemonstrieren. Ebenso wie Krieg (gegen Sachsen und D\u00e4nen l\u00e4sst er\nsich gleich zweimal zum euphorischen Einsatz an vorderster Front\nbegeistern, wenngleich es beim zweiten Mal, wo die vermeintliche\nKriegserkl\u00e4rung Teil des Mordkomplotts gegen ihn war, nicht dazu\nkommt), Jagd (zu der er sich anstelle des kurzfristig abgesagten\nKrieges, sehr zu seinem eigenen Schaden, bereitwillig \u00fcberreden\nl\u00e4sst) oder die abenteuerliche Brautfahrt nach Island, wo es ihm\nnichts ausmacht, seinen formalen Stand zu verleugnen indem er sich\nals Lehensmann Gunthers ausgibt, solange er nur, wenn auch inkognito,\nSieger im Wettstreit sein kann. \u201eJe st\u00e4rker die hysterischen Z\u00fcge\nsind, umso mehr wird die Aggression f\u00fcr den Geltungsdrang eingesetzt\n[\u2026] Angeberei, uners\u00e4ttliche Geltungssucht treten dann auf; man\nschiebt sich immer in den Vordergrund, will die erste Geige spielen;\njeder gleichgeschlechtliche Andere ist ein potentieller Rivale, den\nes auszustechen gilt zur Erh\u00f6hung des eigenen Glanzes\u201c (Riemann,\n1991, S. 210). \n<\/p>\n\n\n\n<p>So\nk\u00f6nnen wir Siegfried als einen Getriebenen verstehen. Getrieben vom\neigenen Geltungsdrang, der wiederum unabl\u00e4ssig gespeist wird aus der\nexistenziellen Angst vor der eigenen Endlichkeit, dem letztlich\nunvermeidlichen Festgehaltensein im Tode, welches alles Erreichte\ndoch nichtig machen wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\ndie heroische Auflehnung gegen das Unvermeidliche hat ihren Preis.\nSiegfrieds Geltungsdrang macht ihn, entgegen seiner eigenen\nWahrnehmung, eben nicht nur beliebt. Es ist zun\u00e4chst Hagen, der sich\n\u2013 wie ich noch ausf\u00fchren werde, aus naheliegendem\ntiefenpsychologischem Grund \u2013 an der Zurschaustellung von St\u00e4rke,\n\u00dcberlegenheit und Willk\u00fcr zu st\u00f6ren beginnt und den\nHerrschaftsanspruch seines K\u00f6nigs bedroht sieht. W\u00e4hrend er hiermit\nzun\u00e4chst noch alleine steht, bringt Siegfried selbst mit seinem\nMangel an Selbstregulation, verk\u00f6rpert u.a. in der g\u00e4nzlich\nunn\u00f6tigen und taktlosen Prahlerei gegen\u00fcber Kriemhild \u00fcber seine\nunr\u00fchmliche Rolle in Gunthers Hochzeitsnacht, nach und nach auch\nBr\u00fcnhild und schlie\u00dflich Gunther gegen sich auf und macht letzteren\nerst f\u00fcr Hagen zum Mordkomplott verf\u00fchrbar. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nkurz vor seinem Tode, macht Kriemhild Siegfried, infolge zweier\nunheilvoller Tr\u00e4ume, darauf aufmerksam, dass er sich mit seinem\nAuftreten Feinde gemacht haben k\u00f6nnte: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>\u00bbIch f\u00fcrchte sehr allerhand Anschl\u00e4ge\nvon denen, die man vielleicht gekr\u00e4nkt hat und die uns mit\nfeindlichem Hass begegnen k\u00f6nnen. Bleibt, lieber Herr, mit gro\u00dfer\nLiebe rate ich Euch das.\u00ab<\/em> (16.\nAventiure, 919).<a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch\ndie Realit\u00e4t der eigenen Begrenzung, der eigenen Imperfektion und\nnicht uneingeschr\u00e4nkten Liebensw\u00fcrdigkeit, wird vom hysterischen\nMenschen verdr\u00e4ngt. \u201eMan stellt sie in Frage, man relativiert,\nbagatellisiert oder \u00fcbersieht sie, man versucht sie zu sprengen,\nsich ihr zu entziehen [\u2026] So lebt man mehr und mehr in einer\nPseudorealit\u00e4t, in einer unwirklichen Wirklichkeit. Aber je mehr man\nsich von der Realit\u00e4t entfernt, umso mehr bezahlt man seine\nScheinfreiheit damit, dass man sich in der wirklichen Wirklichkeit\nnicht auskennt, mit ihr nicht umgehen kann\u201c (Riemann, 1991, S.\n195).<\/p>\n\n\n\n<p>So\nist f\u00fcr Siegfried der Verzicht auf die anstehende Jagd, als eine\nM\u00f6glichkeit, sich zu beweisen, herauszustechen, sich wider das\nbessere Wissen um die eigene Endlichkeit kraftvoll und lebendig zu\nf\u00fchlen, undenkbarer, als Kriemhilds naheliegende Sorge um die aus\nNeid, Angst und Kr\u00e4nkung geschmiedeten R\u00e4nke gegen ihn: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Er sagte: \u00bbMeine geliebte Frau, ich\nkomme nach wenigen Tagen zur\u00fcck. Ich kenne hier keinen Menschen, der\nmir auch nur etwas Hass entgegenbringt. Alle Deine Verwandten sind\nmir wohlgesonnen. Auch habe ich mir bei den Rittern nichts anderes\nals Zuneigung verdient.\u00ab<\/em> (16.\nAventiure, 920).<\/p>\n\n\n\n<p>Siegfried\n\u201eneigt naiv dazu, zu hoffen, dass vielleicht gerade f\u00fcr ihn die\nKausalit\u00e4t und die Folgerichtigkeit von Geschehensabl\u00e4ufen nicht\ngilt, oder wenigstens nicht in der gerade in Frage stehenden\nSituation. Er ist so von seinem Wunsch erf\u00fcllt, von dem, was er im\nAugenblick haben, erreichen m\u00f6chte, dass er sich \u00fcber die m\u00f6glichen\nKonsequenzen hinwegsetzt\u201c (Riemann, 1991, S. 196). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nder Wunsch, den Siegfried im Augenblick hegt, ist nun einmal die Jagd\nmit seinen vermeintlichen Bewunderern und Freunden. Bewusst kann sich\nder seit jeher Geliebte und Gefeierte nicht vorstellen, dass jemand\nihm <em>auch nur etwas Hass\nentgegenbringt<\/em> (16. Aventiure,\n920) \u2013 was, also, soll schon passieren. Die unbewusste, ebenfalls\naus der hysterischen Pers\u00f6nlichkeitsstruktur abzuleitende zwingende\nMotivation, ist mindestens ebenso ausschlaggebend: Gerade wenn\nletztlich doch der ewige Stillstand, die Vergessenheit, in Form des\nTodes, droht, darf umso weniger jedwede Gelegenheit zur\n\u00fcberkompensierenden Profilierung, zu einem gro\u00dfen Schluck vollen\nLebens aus der sich zwingend eines Tages leerenden Karaffe, zu einem\nillusorischen Hauch von Unsterblichkeit durch die eigene\nSelbstverg\u00f6tterung ausgelassen werden. \u201eJeder Impuls, jeder Wunsch\nmuss m\u00f6glichst sofort befriedigt werden, weil Warten unertr\u00e4glich\nist. Darin liegt ihre gro\u00dfe Verf\u00fchrbarkeit \u2013 sie k\u00f6nnen\nVersuchungen schwer widerstehen\u201c (Riemann, 1991, S. 196). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nso ist es am Ende genau diese, von Riemann beschriebene,\nVerf\u00fchrbarkeit, die es Hagen und Gunther so verst\u00f6rend leicht\nmacht, den st\u00e4rksten aller Helden zu t\u00f6ten. Ein vermeintlich\nanstehender Krieg gegen Sachsen und D\u00e4nen, eine kurzfristig\nersatzweise anberaumte Jagdpartie, die dar\u00fcber hinaus zum m\u00fcde und\ndurstig machenden Wettstreit erkl\u00e4rt wird, und schlie\u00dflich der\nWettlauf zur Quelle: Auf all diese fadenscheinigen Herausforderungen\nl\u00e4sst sich Siegfried ohne rationales Z\u00f6gern ein \u2013 muss er sich\neinlassen -, was Hagen, der Siegfrieds hysterische Psychodynamik\ndurchschaut und das Komplott entsprechend orchestriert hat, den\nentscheidenden Sieg \u00fcber seinen zuvor stets siegreichen Kontrahenten\nsichert. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009131\">\n<strong>Hagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass\nes nun gerade Hagen ist, der sich am fr\u00fchesten, am heftigsten, am\nradikalsten und am unvers\u00f6hnlichsten gegen Siegfried wendet, wird\n\u00fcblicherweise mit dessen Vasallentreue erkl\u00e4rt: Hagen sieht sich\nselbst als kompromisslosen Besch\u00fctzer seines K\u00f6nigs und dessen\nHerrschaft durch den \u00fcberlegenen, impulsiven und popul\u00e4ren\nSiegfried bedroht. Allerdings l\u00e4sst dieser Erkl\u00e4rungsansatz die\nFrage offen, warum zum Beispiel Gernot, dem Herrschaft und Wohl\nseines Bruders ebenso am Herzen liegen d\u00fcrften, oder auch Gunther,\nder latent Infragegestellte selbst, weit weniger heftig auf die\nBedrohung durch Siegfrieds hysterisches Naturell reagieren, warum sie\nsich von Hagen buchst\u00e4blich zum Jagen tragen lassen m\u00fcssen. Diese\noffene Frage verweist auf Hagens Charakterzeichnung, in welcher er\nsich, anders als durch den formalen Stand als Lehensmann, von den\n\u00fcbrigen Burgundern abhebt bzw. durch eine stark pointierte\nCharakterisierung heraussticht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen\nverk\u00f6rpert in der f\u00fcr den Mythos \u00fcblichen, archetypisch\nakzentuierten Weise, Pers\u00f6nlichkeitsz\u00fcge, welche Riemann der\nzwanghaften Pers\u00f6nlichkeitsstruktur zuordnet. Diese Menschen\nempfinden, wie bereits ausgef\u00fchrt, die Grundangst vor\nVerg\u00e4nglichkeit, Chaos, Instabilit\u00e4t und \u00dcberforderung am\nintensivsten und tendieren reaktiv zum Streben nach Stabilit\u00e4t und\nVerl\u00e4sslichkeit, zu Konformismus und Autoritarismus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nMotiv dieser Menschen zur \u201eVermeidung der Angst vor Wandel und\nVerg\u00e4nglichkeit finden wir wieder im starren Festhalten am\n\u00dcberkommenen, auf allen m\u00f6glichen Gebieten. Traditionen famili\u00e4rer,\ngesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und\nreligi\u00f6ser Art f\u00fchren zum Dogmatismus, Konservatismus, zu\nPrinzipien, Vorurteilen und zu verschiedenen Formen des Fanatismus.\nJe starrer man sie vertritt, desto intoleranter wird man jedem\ngegen\u00fcber, der sie angreift oder in Frage stellt\u201c (Riemann, 1991,\nS. 137f).<\/p>\n\n\n\n<p>Folglich\nkann der rastlose, ungest\u00fcme, Konventionen und Normen leichtfertig\nmissachtende Siegfried in Hagen gar nichts anderes als die Angst vor\ndem Wandel und damit Widerstand und abwehrende Aggression ausl\u00f6sen.\nSiegfrieds Kraft und Herrlichkeit, gepaart mit Impulsivit\u00e4t und\nRespektlosigkeit gegen\u00fcber dem Althergebrachten, stellen nicht nur\neine latente Bedrohung f\u00fcr Gunthers Macht dar, sondern f\u00fcr die\ngesellschaftliche und politische Ordnung an sich. Hagen, der\nZwanghafte \u201ewird deshalb versuchen, Ver\u00e4nderungen zu unterbinden,\naufzuhalten oder einzuschr\u00e4nken, wenn es geht, zu verhindern und zu\nbek\u00e4mpfen.\u201c (Riemann, 1991, S. 135). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen\nz\u00e4hlt neben Siegfried und Kriemhild zu den Figuren des\nNibelungenliedes, \u00fcber welche wir, wenn auch in seinem Fall\nsp\u00e4rliche, biographische Informationen erhalten. Wenngleich wir\nnichts anderes wissen, als dass er seine Kindheit als Geisel am Hofe\ndes fremden K\u00f6nigs Etzel verbracht hat, so k\u00f6nnen wir uns eine\nsolche Kindheit, alleine schon aufgrund der Getrenntheit von Eltern,\nFreunden und der vertrauten sozialen Umgebung als Ganzem, sowie dem\nZwang sich an eine fremde Kultur, in welcher man sich nicht als\nfreiwilliger Gast, sondern als Gefangener aufh\u00e4lt, anzupassen, als\ntendenziell kalt, unfrei und arm an emotionaler Zuwendung vorstellen.\nDen Glanz im Auge der Eltern, in welchem sich Siegfried tagt\u00e4glich\nsonnen durfte \u2013 Hagen musste ihn vollst\u00e4ndig entbehren. Wir k\u00f6nnen\nwohl davon ausgehen, dass eine solche Kindheit eher von der Angst,\ndurch unangepasstes Verhalten negativ aufzufallen und sanktioniert zu\nwerden, gepr\u00e4gt ist, als von dem Gef\u00fchl, willkommen zu sein und\neingeladen, ganz man selbst zu werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBei\nden sp\u00e4ter zwanghaften Pers\u00f6nlichkeiten finden wir in ihrer\nLebensgeschichte mit gro\u00dfer Regelm\u00e4\u00dfigkeit, dass in ihrer Kindheit\naltersm\u00e4\u00dfig zu fr\u00fch und zu starr die lebendigen, aggressiven,\naffektiven, die gestalten und ver\u00e4ndern wollenden Impulse, ja oft\njede Spontaneit\u00e4t, jede \u00c4u\u00dferung gesunden Eigenwillens gedrosselt,\ngehemmt, bestraft oder unterdr\u00fcckt wurden\u201c (Riemann, 1991, S.\n166).<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Folge hat der zwanghafte Mensch \u201eSchwierigkeiten mit seinen\nAggressionen und Affekten. Er hat es zu fr\u00fch lernen m\u00fcssen, sich zu\nkontrollieren und zu beherrschen; [\u2026] \u00c4u\u00dferungen von Wut, Hass,\nTrotz und Feindseligkeit usf. musste er von der Kindheit an\nunterdr\u00fccken, sie wurden bestraft oder waren von Liebesentzug\ngefolgt. Aber im Leben sind sie unvermeidlich \u2013 was also mit ihnen\ntun?\u201c (Riemann, 1991, S. 155). Eine \u201eM\u00f6glichkeit f\u00fcr zwanghafte\nMenschen in jenem Dilemma ist es, nach gleichsam legitimen\nM\u00f6glichkeiten f\u00fcr ihre Aggressionen zu suchen, nach Anl\u00e4ssen und\nGelegenheiten, die ihnen Aggressions\u00e4u\u00dferungen nicht nur erlauben,\nsondern sogar noch als einen Wert erscheinen lassen \u2013 was ja in\nmanchen Berufen m\u00f6glich ist. Dann bek\u00e4mpfen sie all das, was sie\nsich selbst verbieten musste, nun \u00fcberall, wo sie darauf sto\u00dfen\u201c\n(Riemann, 1991, S. 156). All das, was Hagen sich seit seiner Kindheit\nals Geisel in fremden Landen und sp\u00e4ter als geborener Vasall eines\nwankelm\u00fctigen K\u00f6nigs, verbieten musste \u2013 Stolz, \u00dcbermut,\nLeichtfertigkeit und Egozentrismus -, findet er in Siegfried\nverk\u00f6rpert und muss es, als Symbol der unertr\u00e4glichen\nUnbest\u00e4ndigkeit des Seins selbst, in diesem bek\u00e4mpfen. Dabei ist es\ngerade seine Vasallentreue, eigentlich ein Quell seiner eigenen\nUnfreiheit, die ihm als Legitimation dient. M\u00e4nner wie Hagen\nintrigieren und morden \u201emit gutem Gewissen, weil sie \u00fcberzeugt\nsind, damit etwas Notwendiges zu tun. [\u2026] Das erlaubt ihnen sogar\nmassivste Aggressionen, die durch den Zweck nun geheiligt werden\nk\u00f6nnen\u201c (Riemann, 1991, S. 156f). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\ntiefenpsychologische Sichtweise Hagens, l\u00e4sst diesen, entgegen\nanderer Deutungen (vgl. z. B. Reemtsma, 2003), nicht als den k\u00fchlen\nStrategen, als die personifizierte \u201eStaatsraison\u201c (Reemtsma,\n2003, S.37) erscheinen, sondern als einen zwanghaften Menschen &#8211;\nzwanghaft in seinem Handeln, menschlich in seiner \u00c4ngstlichkeit und\nFehlbarkeit. Letztlich l\u00e4sst sich auch nur so Hagens Agieren im\nzweiten Teil des Nibelungenliedes schl\u00fcssig erkl\u00e4ren, in welchem er\nden Konflikt mit Kriemhild immer weiter eskaliert und, unnachgiebig\nund gegen jede Ratio, seine K\u00f6nige mit all ihren Mannen in den\neigentlich vermeidbaren Tod f\u00fchrt. Der Verweis auf ein Wertesystem\nvon Ehre und Treue greift hier als Erkl\u00e4rung zu kurz, da die\nMehrheit seiner Zeitgenossen, trotz vergleichbarer Sozialisation,\nsehr wohl zu Diplomatie und Deeskalation f\u00e4hig ist, wie das Z\u00f6gern\nder Burgunderk\u00f6nige vor den immer neuen Grausamkeiten gegen\u00fcber\nKriemhild, und die Vermittlungsversuche Etzels, R\u00fcdigers und\nDietrichs gegen\u00fcber den w\u00fctenden, sich hinter Hagen scharenden\nNibelungen zeigen. Unterstellt man demnach Hagen ein Wertesystem, so\nist es allenfalls ein radikales und bereits \u00fcberholtes. Nach Riemann\n(1991, S. 139) \u201esteht hinter jeder Gewohnheit, hinter jedem Dogma\nund jedem Fanatismus immer auch eine Angst, die Angst vor der\nWandlung und der Verg\u00e4nglichkeit, letztlich die Angst vor dem Tod.\nDeshalb k\u00f6nnen sich zwanghafte Menschen schwer damit abfinden, dass\netwas oder jemand sich ihrer Macht entzieht, ihrem Willen nicht\nuntersteht. Sie m\u00f6chten alle und alles dazu zwingen, so zu sein, wie\nes ihrer Meinung nach sein sollte. Aber gerade dadurch scheitern sie\nimmer wieder am Leben, und wie ein Bumerang kommt auf sie selbst als\nZwang zur\u00fcck, was sie zwingen wollten: Wenn man Lebendiges zwingen\nwill, wenn man nicht mit sich geschehen lassen kann, weil man alles\nselbst bestimmen m\u00f6chte, ist man mehr und mehr gezwungen,\nschlie\u00dflich nur noch darauf achten zu m\u00fcssen, dass sich nichts\n\u00e4ndert und dem eigenen Willen entzieht. So wird mit einer\neindrucksvollen Konsequenz der Zwingenwollende zum Gezwungenen, worin\nwir wieder die Einseitigkeiten ausgleichende Kraft des Lebens glauben\nerkennen zu k\u00f6nnen.\u201c (Riemann, 1991, S. 139).<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen\nwird, zun\u00e4chst durch Siegfried, dann durch die Macht Kriemhilds\n(immerhin der kleinen Schwester seines K\u00f6nigs) und schlie\u00dflich\ndurch den fast schon humanistisch und in Ans\u00e4tzen demokratisch zu\nnennenden Vielv\u00f6lkerstaat Etzels, mit der Verg\u00e4nglichkeit des ihm\nvertrauten, ihn der Richtigkeit seiner Gef\u00fchle versichernden\nWertesystems konfrontiert. Einer Welt, die sich so schnell dreht,\ndass nichts auf Dauer G\u00fcltigkeit hat, kann man, wenn man unf\u00e4hig\nist, diese stetige Progression als Chance auch f\u00fcr die eigene\nEntwicklung zu begreifen, letztlich nur entkommen, indem man sich ihr\ng\u00e4nzlich entzieht. Hagens Schicksal, welches zwar durch die\nMeerfrauen geweissagt, jedoch durch seine eigene Psychodynamik\ndeterminiert wird, ist es, eher nach seinen eigenen, unflexiblen\nRegeln unterzugehen, als sich in einer neuen, sich stetig\nver\u00e4ndernden Welt, selbst zu ver\u00e4ndern. Somit tritt uns Hagen,\nbesonders im zweiten Teil des Nibelungenliedes, nicht nur als\nArchetyp des Zwanghaften, sondern zugleich auch als Personifizierung\ndes Freud\u00b4schen (1920) Todestriebes entgegen: Der Tod als letzte und\nendg\u00fcltige Regressionsm\u00f6glichkeit, als absolutes\nZum-Erliegen-kommen jedweder Entwicklung, bietet paradoxerweise die\neinzige Zuflucht vor der Angst vor Verg\u00e4nglichkeit durch Wandel und\nder Anforderung st\u00e4ndiger Progression.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nsich selbst zieht Hagen die Burgunder, und mit ihnen wiederum die\nalte Ordnung der blinden \u201eNibelungentreue\u201c, in den Abgrund. Was\nzu bleiben scheint, ist das mehr ethisch, als heroisch gepr\u00e4gte\nSelbstbild Etzels und Dietrichs, demgegen\u00fcber sowohl der rigide\nDogmatismus Hagens, als auch der egozentrische Heroismus Siegfrieds,\nals unreife Bew\u00e4ltigungsmuster erscheinen &#8211; die \u201eausgleichende\nKraft des Lebens\u201c (Riemann, 1991, S. 139) hat sich manifestiert. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009132\">\n<strong>Das Verh\u00e4ltnis zum anderen: Kriemhild\nvs. Br\u00fcnhild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ebenjene\nausgleichende Kraft des Lebens bildet sich auch im zweiten\nGegensatzpaar der existenziellen menschlichen Bed\u00fcrfnisse bzw. der\nGrundformen der Angst ab: Dem Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he und Verbundenheit\nmit der Angst vor Einsamkeit und Verlust auf der einen, dem Bed\u00fcrfnis\nnach Individualit\u00e4t und Freiheit mit der Angst vor Vereinnahmung und\nAbh\u00e4ngigkeit auf der anderen Seite. \u201eWir alle haben den Wunsch,\nein unverwechselbares Individuum zu sein. [\u2026] Wir wollen nicht\nbeliebig austauschbar sein; wir wollen das Bewusstsein unserer\nEinmaligkeit als Individuum haben. Das Bestreben, uns von anderen zu\nunterscheiden, ist uns ebenso mitgegeben wie das dazu gegens\u00e4tzliche,\nals soziale Wesen zu Gruppen oder Kollektiven dazuzugeh\u00f6ren. Wir\nwollen sowohl unsere pers\u00f6nlichen Interessen leben d\u00fcrfen, als wir\nauch in partnerschaftlicher Verbundenheit und mitmenschlicher\nBezogenheit und Verantwortung stehen m\u00f6chten.\u201c (Riemann, 1991, S.\n34)<\/p>\n\n\n\n<p>Riemann\nbezeichnet die jeweiligen Extreme als depressive bzw. schizoide\nPers\u00f6nlichkeit: \u201eBedeutet dem Depressiven N\u00e4he: Sicherheit und\nGeborgenheit, so dem Schizoiden: Bedrohung und Einschr\u00e4nkung seiner\nAutarkie; bedeutet dem Schizoiden Distanz: Sicherheit und\nUnabh\u00e4ngigkeit, so dem Depressiven Bedrohung und\nAlleingelassenwerden\u201c (Riemann, 1991, S. 82)\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009133\">\n<strong>Kriemhild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4he\nund Verbundenheit werden im Nibelungenlied, in Form des kulturell\ng\u00e4ngigsten Narrativs romantischer Liebe, am deutlichsten durch\nKriemhild verk\u00f6rpert. Ihre Reaktion auf den Traum, in welchem ihr\nFalke durch zwei Adler gerissen wird, und die Deutung der Mutter,\ndass es sich bei ersterem um ihren dereinstigen Geliebten handle,\nf\u00e4llt nicht etwa deshalb so rigide aus<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>(\u00bbWas redet Ihr mir von einem Mann,\nliebste Mutter? Auf die Liebe eines Recken will ich immer verzichten.\nIch will so sch\u00f6n bis an meinen Tod bleiben, so dass ich von der\nLiebe eines Mannes niemals Leid erfahren werde.\u00ab<\/em>\n(1. Aventiure, 13), \n<\/p>\n\n\n\n<p>weil\nsie in dem Moment tats\u00e4chlich die Hoffnung auf Liebe aufgegeben\nh\u00e4tte, sondern, im Gegenteil, aus dem Schrecken, den allein der\nGedanke an den Verlust eines noch unbekannten Seelenverwandten\nausl\u00f6st, wie ihre weise Mutter Ute gleich erkennt, und entsprechend\ndie Entscheidung der Tochter (wohl auch im Einklang mit dem\nzeitgen\u00f6ssischen Geschlechtsrollenstereotyp) als jugendliche\nVerirrung abtut: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>\u00bbNun widersprich nur nicht zu heftig\u00ab,\nantwortete ihre Mutter da. \u00bbWenn Du jemals auf der Welt sehr\ngl\u00fccklich wirst, so geschieht dies allein durch die Liebe eines\nMannes. Du wirst eine sch\u00f6ne Frau, wenn Dir Gott einen vorz\u00fcglichen\nRitter zum Mann bestimmt.\u00ab<\/em> (1.\nAventiure, 14). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich\nbehalten beide Recht: Kriemhilds Widerstand gegen das Sich-verlieben\nh\u00e4lt nur kurz: <em>Sp\u00e4ter wurde sie\nehrenvoll die Frau eines sehr tapferen Recken<\/em>\n(1. Aventiure, 16), wie es die erfahrene Mutter bereits vorausgesehen\nhat. Dennoch erf\u00fcllt sich auch der Traum und Kriemhild wird nur kurz\ngl\u00fccklich verheiratet sein, bevor sie erwartungsgem\u00e4\u00df erf\u00e4hrt,\n<em>wie schlie\u00dflich Liebe mit Leid\nbelohnt wird<\/em> (1. Aventiure, 15).<\/p>\n\n\n\n<p>So\nsteht die Kriemhild des ersten Teils des Nibelungenliedes in ihrer\nSehnsucht nach und dem Genuss von exklusiver romantischer Liebe f\u00fcr\ndie uns allen eigenen Bed\u00fcrfnisse nach N\u00e4he und Geborgenheit,\nebenso wie jene des zweiten Teils in ihrer jahrzehntelangen,\nabsoluten Trauer und Rachsucht, f\u00fcr die \u00dcberwertigkeit ebenjener\nBed\u00fcrfnisse steht, welche Riemann als depressive\nPers\u00f6nlichkeitsstruktur bezeichnet. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBei\ndepressiven Pers\u00f6nlichkeiten ist die Verlustangst die dominierende,\nin ihren verschiedenen Ausformungen als Angst vor isolierender\nDistanz, vor Trennung, Ungeborgenheit und Einsamkeit, vor dem\nVerlassenwerden\u201c (Riemann, 1991, S. 82).<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nin diesem Sinne depressiv strukturierte Mensch erlebt \u201ejede\nDistanz, jede Entfernung und Trennung von einem Partner mit Angst und\nwird versuchen, es nicht dazu kommen zu lassen. F\u00fcr ihn bedeutet\nFerne: Alleingelassenwerden, Verlassenwerden, und das kann ihn in\ntiefe Depressionen bis zur Verzweiflung f\u00fchren\u201c (Riemann, 1991, S.\n81). \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\neine solche st\u00fcrzt Siegfrieds Tod die arme, zu diesem Zeitpunkt von\nihm sich g\u00e4nzlich abh\u00e4ngig f\u00fchlende Kriemhild: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Sehr oft suchte sie voll Trauer das Grab\nihres geliebten Mannes auf. Sie bat den g\u00fctigen Gott, sich seiner\nSeele anzunehmen. Immer wieder wurde der Ritter in gro\u00dfer Treue\nbeweint. <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Ute und ihre Dienerschaft tr\u00f6steten sie\nstets. Aber ihr Herz war so tief verwundet, weshalb nichts half, was\nman ihr an Trost auch entgegenbrachte. Sie hatte die schmerzlichste\nSehnsucht nach ihrem geliebten Freund, wie sie keine Frau jemals\nst\u00e4rker nach ihrem Mann empfunden hat. Man konnte daran gut ihre\ngro\u00dfe Charakterst\u00e4rke erkennen, sie hat, solange sie lebte, bis an\nihr Ende getrauert. Sp\u00e4ter nahm die Frau des tapferen Siegfried mit\naller Kraft ihre Rache.<\/em> (19.\nAventiure, 1100-1102)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bis\nan ihr Ende<\/em> (19. Aventiure,\n1102) wird Kriemhild fortan <em>die\nLeidgebeugte<\/em> (17. Aventiure,\n1028) bleiben:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>\u00bbWie k\u00f6nnte ich jemals wieder das\nVerlangen haben, die Frau eines Helden werden zu wollen? Mir hat der\nTod eines Mannes so tiefes Leid zugef\u00fcgt, dass ich bis an mein Ende\nnicht mehr froh sein kann.\u00ab<\/em>\n(20. Aventiure, 1235).<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nzu erwartende und nachvollziehbare intensive Trauerreaktion auf den\nTod eines geliebten Menschen wird hier zur alles f\u00fcr immer\n\u00fcberschattenden, ja g\u00e4nzlich sinnlos machenden existenziellen\nVerzweiflung und Verbitterung. Dass sich die Depression mit der Zeit\nin eine ebenso existenzielle Rachebesessenheit wandelt, ist das\nGegenteil eines Neuanfangs. Es ist die Realisierung und \u00dcbertragung\nder eigenen inneren Leere und Verzweiflung auf die Au\u00dfenwelt. Sie\nstellt Gerechtigkeit weniger im juristischen Sinne her, sondern\nvielmehr dadurch, dass alle anderen gezwungen werden sollen, die Welt\nso zu erkennen, wie Kriemhild sie schon lange sieht: Sinnlos,\nfreudlos, hoffnungslos. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Konstitutionell\nf\u00fcr eine sp\u00e4tere depressive Entwicklung pr\u00e4destiniert k\u00f6nnen,\nlaut Riemann, Menschen sein, die \u201evon Natur friedfertig, gutartig\nund wenig k\u00e4mpferisch\u201c (Riemann, 1991, S. 98) sind, was \u201esie\nmehr angewiesen sein l\u00e4sst auf Besch\u00fctztwerden und Gest\u00fctztwerden,\nwodurch sie leicht eine Bevaterung oder Bemutterung unbewusst\nherausfordern\u201c (ebd.). Diese im Riemann\u00b4schen Sinne depressiogene\nVeranlagung wird im Nibelungenlied weniger als tats\u00e4chliche\nCharaktereigenschaft der jungen Kriemhild, wohl aber symbolisch in\nForm der Umst\u00e4nde ihres Aufwachsens beschrieben: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nSie besch\u00fctzten drei edle und m\u00e4chtige\nK\u00f6nige: Gunther und Gernot, hoch angesehene Recken, und der junge\nGiselher, ein ausgezeichneter Ritter. Kriemhild war ihre Schwester;\ndie F\u00fcrsten hatten sie in ihrem f\u00fcrsorglichen Schutz. (1.\nAventiure, 2). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild,\ndie junge Prinzessin, ist Zierde, zu besch\u00fctzender Reichtum,\npotentiell willf\u00e4hriges politisches Heiratspfand. Eine \u00c4u\u00dferung\nvon Eigenwillen oder dem Bed\u00fcrfnis nach Selbstbestimmung, wie z. B.\ndie zuvor zitierte \u00dcberlegung jungfr\u00e4ulich zu bleiben, wird auch\nvon der eigenen Mutter nicht ernst genommen, scheint demnach f\u00fcr\nKriemhild nicht vorgesehen.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Neben einem eher passiven Naturell, nennt Riemann als h\u00e4ufige pr\u00e4gende biographische Erfahrungen sp\u00e4terer depressiver Charaktere \u201eVerw\u00f6hnung und Versagung\u201c (Riemann, 1991, S. 100). Diese liegen, etwas kontraintuitiv, oftmals nahe beieinander. Die Versagung finden wir im beschriebenen Erziehungsstil von Mutter und Br\u00fcdern, die \u201edas Kind nach einem starren Schema [\u2026] erziehen, ohne R\u00fccksicht auf seine individuellen Bed\u00fcrfnisse\u201c (Riemann, 1991, S. 105). Jedoch liegt gerade in dieser Versagung auch eine spezifische Art infantiler Verw\u00f6hnung. Die Verunm\u00f6glichung von Individuationsbestrebungen und Eigenverantwortung erlaubt dem betroffenen Menschen, dass er \u201epassiv und anpassungsbereit [bleibt], mit Erwartungen an das Leben als einer weiterhin verw\u00f6hnenden Mutterinstanz. Nat\u00fcrlich sind so Entt\u00e4uschungen unvermeidlich, und sie pflegen zum Ausbruch der bisher latenten, schleichenden Depression zu f\u00fchren\u201c (Riemann, 1991, S. 100).  <\/p>\n\n\n\n<p>Die\ninternalisierten Beziehungserfahrungen mit den prim\u00e4ren\nBezugspersonen, welche gepr\u00e4gt sind von allumfassender Versorgung um\nden Preis vollst\u00e4ndiger Unterwerfung, werden demnach auf k\u00fcnftige\nBeziehungspartner \u00fcbertragen. Dies kann dazu f\u00fchren, dass \u201eder\njeweilige Partner einen \u00dcberwert bekommt\u201c (Riemann, 1991, S. 81).\n\u201e\u00dcberanpassung und Unterordnung bis zur Selbstaufgabe, im Extrem\nbis zu masochistisch-h\u00f6rigen Verhaltensweisen\u201c (Riemann, 1991, S.\n84) k\u00f6nnen die Folge sein. So k\u00f6nnen selbst offenbar schwere\nk\u00f6rperliche Misshandlungen durch Siegfried, als Strafe daf\u00fcr, dass\nKriemhild Br\u00fcnhild beleidigt und damit sowohl Gunther als auch\nSiegfried die Laune verdorben hat, die Idealisierung ihres Ehemannes\nnicht schm\u00e4lern: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>\u00bbAll das hat mir inzwischen sehr leid\ngetan\u00ab, sagte die edle Frau. \u00bbAuch hat Siegfried mich seshalb\nverpr\u00fcgelt, dass ich jemals geredet und Br\u00fcnhild tief beleidigt\nhabe. Das hat der tapfere Held sehr streng bestraft.\u00ab <\/em>(15.\nAventiure, 891)<\/p>\n\n\n\n<p>Idealisierung\nund passive Unterwerfung jedoch f\u00fchren nicht nur mit h\u00f6herer\nWahrscheinlichkeit zu Entt\u00e4uschung, sondern vor allem auch zu\nexistenzieller Abh\u00e4ngigkeit.  \u201eJe weniger wir gelernt haben, unser\nEigen-Sein, unsere Selbstst\u00e4ndigkeit zu entwickeln, umso mehr\nbrauchen wir andere. So stellt sich die Verlustangst heraus als die\nKehrseite der Ich-Schw\u00e4che. [\u2026] Wer sein Ich nicht stark\nentwickelt, braucht ein st\u00e4rkeres Ich drau\u00dfen als Halt, von dem er\nimmer abh\u00e4ngiger wird, je schw\u00e4cher er selbst bleibt\u201c (Riemann,\n1991, S. 83). \u201eBewusst ist ihm dabei h\u00f6chstens die Verlustangst;\ndie Angst vor Individuation, die das eigentliche Problem ist, bleibt\nweitgehend unbewusst\u201c (Riemann, 1991, S. 82). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild\nmuss folglich jeden Angriff auf <em>ihren<\/em>\nSiegfried als existenzielle Bedrohung auf alles erleben, was sie\nselbst ausmacht, alles, das sie hat, auf ihre ganze Welt als solche.\nSo l\u00e4sst sich der Streit der K\u00f6niginnen, seine Heftigkeit, seine\nUnvers\u00f6hnlichkeit erkl\u00e4ren: Br\u00fcnhilds Beharren auf Siegfrieds\nvermeintlich geringerem Status \u2013 f\u00fcr diese wiederum, wie wir noch\nsehen werden, eine Form des Haderns mit dem Verlust ihrer eigenen\nUnabh\u00e4ngigkeit \u2013 kratzt an Kriemhilds Idealisierung des\nG\u00f6ttergatten, was sie, die doch eigentlich zufrieden sein k\u00f6nnte \u2013\nimmerhin hat sie, im Gegensatz zur Br\u00fcnhild, eine gl\u00fcckliche Ehe\nund die Gewissheit, bzgl. Siegfrieds wahren Status\u00b4 und Br\u00fcnhilds\nHochzeitsnacht, die Wahrheit zu kennen \u2013 zur Stabilisierung ihres\neigenen, passiv von Siegfried und dessen Strahlkraft abh\u00e4ngigen\nSelbstwert- und Sicherheitsgef\u00fchls, nicht zulassen kann. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dass\nKriemhild sich tats\u00e4chlich keineswegs hinreichend zu einer\nautonomen, eigenverantwortlichen Pers\u00f6nlichkeit entwickeln konnte,\nzeigt sich nach Siegfrieds Tod. \u201eWer aber so abh\u00e4ngig wird, muss\neine immerw\u00e4hrende Angst haben, diesen Halt zu verlieren \u2013 hat er\ndoch alles auf den anderen gesetzt, an ihn so viel delegiert, dass er\nohne ihn nicht lebensf\u00e4hig zu sein glaubt, weil seine Existenz ganz\nim anderen ruht\u201c (Riemann, 1991, S. 83). Kriemhild glaubt das nicht\nnur, sie wird tats\u00e4chlich ohne Siegfried nie mehr lebensf\u00e4hig \u2013\nim Sinne der reifen F\u00e4higkeit, das eigene Leben, die eigene\nPers\u00f6nlichkeit und wichtige soziale Beziehungen kreativ und\nselbstbestimmt entsprechend emotionaler Bed\u00fcrfnisse und\nEntwicklungspotenziale auszurichten und befriedigend zu gestalten \u2013\nsein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Br\u00fcnhild\nwird also durch ihre Infragestellung Siegfrieds zu Kriemhilds\nFeindin. Doch auch auf einer zweiten, noch unbewussteren Ebene muss\nes gleichsam zum Konflikt der K\u00f6niginnen kommen: Br\u00fcnhild steht \u2013\nwie noch ausgef\u00fchrt werden wird \u2013 im Nibelungenlied f\u00fcr die\nentgegengesetzte Grundangst vor Vereinnahmung und Unfreiheit und\nsomit f\u00fcr den Impuls der Individualit\u00e4t und Selbstbestimmung, also\ngenau die Bed\u00fcrfnisse, welche von Kriemhild aus \u00fcberwertiger\nVerlustangst heraus verdr\u00e4ngt werden und ungelebt bleiben. In einem\nso einseitigen Erlebens- und Verhaltensmodus, wie Kriemhilds\ndepressiv-abh\u00e4ngiger Struktur, \u201ekann es zu einer gef\u00e4hrlichen\nSelbstt\u00e4uschung kommen: Indem [sie] aus diesen Verhaltensweisen eine\nIdeologie macht, verbirgt [sie] nicht nur deren Motivierung aus der\nVerlustangst vor sich selbst, sondern [sie] kann sich auch noch\nmoralisch \u00fcberlegen vorkommen gegen\u00fcber denen, die weniger\nbescheiden, friedfertig usf. sind\u201c (Riemann, 1991, S. 84). Es ist\ndamit gemeint, dass eine so rigide Verdr\u00e4ngung des eigenen\nIndividuationsimpulses st\u00e4ndig aufzubrechen droht und somit\nkontinuierlich gefestigt werden muss, was unter anderem durch die\nProjektion des abgewehrten Impulses auf andere und deren Abwertung\noder Bek\u00e4mpfung an seiner statt erfolgen kann. Br\u00fcnhild, die\nUnbeugsame, die sich mit der Rolle als Ehefrau des K\u00f6nigs nicht\nzufriedengeben kann und somit, selbst als Gebrochene, noch den\nhadernden Finger in die Wunde der Unvollkommenheit des\nKriemhild\u00b4schen Lebensentwurfs legt, darf in Kriemhilds innerer Welt\nebenso wenig existieren, wie Siegfried in Hagens. Ebenso, wie ein\nMensch nie gleichzeitig die Motive der Verbundenheit und der\nIndividuation in Reinform leben kann, k\u00f6nnen Kriemhild und Br\u00fcnhild\nnicht dauerhaft miteinander leben. Deshalb m\u00fcssen sich die\nK\u00f6niginnen gegenseitig verletzten und letztlich einander alles\nnehmen. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009134\">\n<strong>Br\u00fcnhild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie\nbereits beschrieben, steht Br\u00fcnhild symbolisch f\u00fcr die vierte\nGrundform der Angst: Jene vor Vereinnahmung, Abh\u00e4ngigkeit und\nUnfreiheit und somit f\u00fcr den Impuls der Individualit\u00e4t, Freiheit\nund Selbstbestimmung. Wird letzterer, wie im Falle Br\u00fcnhilds, in\nunverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Weise weitgehend allein erlebens- und\nverhaltensleitend, so spricht Riemann von einer schizoiden\nPers\u00f6nlichkeitsstruktur. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nStreben des schizoid strukturierten Menschen \u201ewird vor allem dahin\ngehen, so unabh\u00e4ngig und autark wie m\u00f6glich zu werden. Auf\nniemanden angewiesen zu sein, niemanden zu brauchen, niemandem\nverpflichtet zu sein, ist ihm entscheidend wichtig. Deshalb\ndistanziert er sich von den Mitmenschen, braucht er Abstand zu ihnen,\nl\u00e4sst er sie sich nicht zu nahe kommen, l\u00e4sst er sich nur begrenzt\nmit ihnen ein. Wird diese Distanz \u00fcberschritten, empfindet er das\nals Bedrohung seines Lebensraumes, als Gef\u00e4hrdung seines\nUnabh\u00e4ngigkeitsbed\u00fcrfnisses, seiner Integrit\u00e4t, und wehrt sich\nschroff dagegen. So entwickelt er die f\u00fcr ihn typische Angst vor\nmitmenschlicher N\u00e4he. Nun l\u00e4sst sich aber N\u00e4he im Leben nicht\nvermeiden und daher sucht er nach Schutzhaltungen, hinter denen er\nsich gegen sie abschirmen kann. Er wird dann vor allem\npers\u00f6nlich-nahe Kontakte vermeiden, niemanden im Intimen an sich\nheranlassen\u201c (Riemann, 1991, S. 34f).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nCharakterisierung der schizoiden Struktur k\u00f6nnen wir in\nmythisch-symbolisierter Weise in der unbeugsamen Kriegerk\u00f6nigin\nBr\u00fcnhild erkennen, die, voll und ganz im Widerspruch mit der\nzeitgen\u00f6ssischen Frauenrolle, zumindest der des Burgunderhofes, ihre\nUnabh\u00e4ngigkeit und Freiheit \u2013 symbolisiert auch, wie bereits in\nKriemhilds anf\u00e4nglichen Keuschheits\u00fcberlegungen, durch die\nJungfr\u00e4ulichkeit \u2013 zu bewahren strebt, koste es was es wolle: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Den Stein warf sie weit und sprang ihm\nebenso weit nach. Jeder, der um ihre Liebe warb, musste die\nhochgeborene Herrin in drei Kampfspielen eindeutig besiegen. Wenn er\nauch nur einmal versagte, hatte er seinen Kopf verloren. <\/em>(6.\nAventiure, 325)<\/p>\n\n\n\n<p>Schon\nallein durch diese Drohung h\u00e4lt Br\u00fcnhild wohl manchen Freier fern.\nSelbst die stolzen Burgunder k\u00f6nnen sich nur z\u00f6gerlich dazu\ndurchringen, Gunthers Leben f\u00fcr die sch\u00f6ne, aber streitlustige Maid\nzu riskieren. Die von schizoid strukturierten Menschen ausgehende\nGefahr von Zur\u00fcckweisung wird im Mythos als manifeste Gefahr f\u00fcr\nLeben und Leib des Freiers symbolisiert: \u201eAuf die Umwelt wirken\nsolche Menschen fern, k\u00fchl, distanziert, schwer ansprechbar,\nunpers\u00f6nlich bis kalt [\u2026] oft mit grundlos erscheinender\nAggression oder Feindseligkeit, die verletzend f\u00fcr uns ist\u201c\n(Riemann, 1991, S. 35). Der Schizoide zeigt mitunter eine \u201esofortige,\nr\u00fccksichtslose Aggression, die nur bedacht ist auf das Beseitigen\nder Angst bzw. des Angstausl\u00f6sers, auf die Entlastung seiner\nBefindlichkeit [\u2026] Man kann sich wohl vorstellen, wie gef\u00e4hrlich\ndiese archaischen schizoiden Aggressionen werden k\u00f6nnen, die aus dem\nGef\u00fchl der existenziellen Bedrohtheit bei Menschen stammen, die kaum\nBindungen kennen\u201c (Riemann, 1991, S. 48).<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst\nder starke und stolze Hagen, dem der gar nicht\ngeschlechtsrollenkonforme Selbstbestimmungsanspruch Br\u00fcnhilds, aus\nGr\u00fcnden seiner bereits beschriebenen eigenen Psychodynamik, ein\nbesonderer Dorn im Auge sein d\u00fcrfte, erzittert h\u00f6rbar vor Br\u00fcnhilds\nEntschlossenheit und Kampfeskraft:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Als der starke Hagen sah, wie man den\nSchild dorthin trug, fragte der Held von Tronje bissig: \u00bbWo sind wir\nblo\u00df hingeraten, K\u00f6nig Gunther, wie verlieren wir da Leben? Die Ihr\nda lieben wollt, die ist die Frau des Teufels.\u00ab <\/em>(7.\nAventiure, 436)<\/p>\n\n\n\n<p>und\nverlangt panisch die zuvor abgelegten Waffen und R\u00fcstungen zur\u00fcck,\nw\u00e4hrend Br\u00fcnhild ihrerseits die Manneskraft der Helden nicht\nf\u00fcrchtet. Eine Niederlage, ein Aufgeben und sich der Konvention\nUnterwerfen, scheint jenseits ihrer Vorstellung zu liegen:  \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Sie blickte l\u00e4chelnd \u00fcber die\nSchulter: \u00bbWenn Hagen sich nun f\u00fcr so tapfer h\u00e4lt, so bringt ihnen\nihre R\u00fcstung, gebt den Recken ihre scharfen Waffen zur\u00fcck.\u00ab<\/em>\n(7. Aventiure, 445).<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst\nals Br\u00fcnhild zum ersten Mal durch Siegfrieds List und \u00fcbernat\u00fcrliche\nSt\u00e4rke \u00fcberwunden wird, f\u00fcgt sie sich zwar formal in ihr\nSchicksal, i.e. die Ehe, f\u00fchrt ihren Kampf um Selbstbestimmung und\nFreiheit jedoch auf anderer Ebene weiter, indem sie Gunther den\nVollzug derselben vorenth\u00e4lt und ihn, in der wohl lustigsten Szene \u2013\nvielleicht der einzig lustigen \u2013 des Nibelungenliedes, im\nSchlafgemach mit dem G\u00fcrtel bindet und kurzerhand an die Wand h\u00e4ngt:\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Da k\u00e4mpfte er um ihre Liebe und zerriss\nihr dabei das Kleid. Da griff das stolze M\u00e4dchen nach einem G\u00fcrtel.\nDas war eine feste Borte, die sie um die H\u00fcfte trug. Sie f\u00fcgte dem\nK\u00f6nig unermessliches Leid zu:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Die F\u00fc\u00dfe und auch die H\u00e4nde band sie\nzusammen. Sie trug ihn zu einem Nagel und h\u00e4ngte ihn an die Wand.\nWeil er sie beim Schlafen st\u00f6rte, hatte sie ihm die Liebe\nverweigert. Ja, er h\u00e4tte durch ihre ungew\u00f6hnlichen Kr\u00e4fte beinahe\nden Tod erlitten. <\/em>(10.\nAventiure, 633-634). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht\nnoch direkter als die st\u00e4rker metaphorische Wettkampfszene, zeigt\ndiese Sequenz symbolisch die schizoide Pers\u00f6nlichkeitsstruktur, f\u00fcr\ndie Br\u00fcnhild steht. Die Angst des schizoiden Menschen wird, mach\nRiemann, \u201ebesonders da konstelliert, wo jemand ihm oder wo er\njemandem zu nahe kommt. Da Gef\u00fchle der Zuneigung, der Sympathie, der\nZ\u00e4rtlichkeit und Liebe uns einander am n\u00e4chsten kommen lassen,\nerlebt er sie als besonders gef\u00e4hrlich. Das erkl\u00e4rt, warum er\ngerade in solchen Situationen abweisend, ja feindlich wird, den\nanderen abrupt zur\u00fcckst\u00f6\u00dft: Er schaltet pl\u00f6tzlich ab, bricht den\nKontakt ab, zieht sich auf sich selbst zur\u00fcck und ist nicht mehr zu\nerreichen\u201c (Riemann, 1991, S. 35). \u201eSeine mitmenschliche\nUngeborgenheit und Bindungslosigkeit, sowie das aus ihnen\nresultierende Misstrauen, lassen den schizoiden Menschen die\nAnn\u00e4herung eines anderen als Bedrohung erleben, die er zuerst mit\nAngst, der sofort die Aggression folgt, beantwortet [\u2026]. [Diese]\nkann bis zur Gewaltt\u00e4tigkeit gehen, die einen anderen wie ein\nl\u00e4stiges Insekt beseitigt, wenn man sich durch ihn bedr\u00e4ngt f\u00fchlt.\u201c\n(Riemann, 1991, S. 49).<\/p>\n\n\n\n<p>Erst\ndie erneute listige \u00dcberw\u00e4ltigung durch Siegfried, erneut mittels\nTarnkappe, aber dieses Mal im k\u00f6niglichen Schlafgemach, bricht\nBr\u00fcnhilds Widerstand. Oder scheint ihn zu brechen, insofern als sie\nsich nun \u2013 mit der aus moderner psychologischer Perspektive\nverst\u00e4ndlichen, resignativen Hilflosigkeit eines Opfers wiederholter\nsexueller h\u00e4uslicher Gewalt \u2013 in die Rolle der gehorsamen Ehefrau\nf\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<p>\n<em>Da war auch sie nicht st\u00e4rker als eine\nandere Frau. Er liebte z\u00e4rtlich ihren wundersch\u00f6nen K\u00f6rper. Wenn\nsie auch weiterhin versucht h\u00e4tte, Widerstand zu leisten, was h\u00e4tte\ndas n\u00fctzen k\u00f6nnen? Das hatte ihr alles Gunther mit seiner Liebe\ngetan. <\/em>(10. Aventiure, 679). \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nJedoch bleibt, wenngleich Br\u00fcnhild ihre\naktive Gegenwehr aufgeben muss, ein Rest der Weigerung bzw. der\nUnf\u00e4higkeit vertrauensvolle, haltgebende und f\u00fcr den eigenen\nIdentit\u00e4tsentwurf positiv bedeutsame Beziehungen einzugehen, darin\nerkennbar, dass sie auch als K\u00f6nigin mit gro\u00dfem Hofstaat einsam und\nemotional isoliert bleibt. Sie sp\u00fcrt offenbar, dass sie nicht\naufrichtig behandelt wird, z. B. was ihre Hochzeitsnacht oder\nSiegfrieds Status angeht, und verharrt in Misstrauen und\nUnzufriedenheit, was Riemanns Schilderung des schizoiden Menschen\nentspricht: \u201eZwischen ihm und der Umwelt klafft dadurch eine breite\nKontaktl\u00fccke, die mit den Jahren immer breiter wird und ihn mehr und\nmehr isoliert. Das hat nun immer problematischere Folgen: Durch die\nFerne zur mitmenschlichen Umwelt wei\u00df er zu wenig von anderen; es\nentstehen zunehmend L\u00fccken in der Erfahrung \u00fcber sie, und darauf\nUnsicherheiten im mitmenschlichen Umgang.\u201c (Riemann, 1991, S. 35).\n\u201eMan kann sich vorstellen, wie qu\u00e4lend und zutiefst beunruhigend\nes sein muss, wenn diese Unsicherheit ein Dauerzustand ist, vor\nallem, weil man sie ja gerade wegen des erw\u00e4hnten Mangels an\nNahkontakt nicht korrigieren kann\u201c (Riemann, 1991, S. 37).<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nso erkl\u00e4rt sich schlie\u00dflich auch aus Br\u00fcnhilds Psychodynamik die\nUnausweichlichkeit und Unvers\u00f6hnlichkeit des Streits der K\u00f6niginnen.\nSie, die so sehr darunter leidet, ihrer Freiheit und\nSelbstbestimmtheit beraubt worden zu sein, kann es nicht ertragen,\ndass Kriemhild mit solcher Leidenschaft und Seligkeit in der\ndeindividualisierten Rolle als schm\u00fcckendes, aber willenloses\nBeiwerk eines stolzen K\u00f6nigs aufgeht, voll naiver Bewunderung <em>ihres\nHerren<\/em> Siegfried. Diesen zu\ndiskreditieren, auf seinen vermeintlichen Platz zu verweisen, ist\nweniger ein Angriff Br\u00fcnhilds auf ihn, oder ein Zeichen \u00fcbergro\u00dfer\nIdentifikation mit der h\u00f6fischen Hierarchie, sondern vielmehr eine\nfrustrierte und destruktive Attacke auf das ihr selbst nicht\nzug\u00e4ngliche Gl\u00fcck in der Liebe, welches Kriemhild, mit ihrer\nBindungs- und Liebesf\u00e4higkeit, archetypisch verk\u00f6rpert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Poesie,\nHeldensage, Untergangsdrama, Nationalepos \u2013 das Nibelungenlied ist\nund mag vieles sein. Eine gro\u00dfe mythische Erz\u00e4hlung ist es in jedem\nFall und als solche berichtet es eben nicht nur <em>von\nber\u00fchmten Helden, gro\u00dfer M\u00fchsal, von gl\u00fccklichen Tagen und\nFesten, von Tr\u00e4nen und Klagen und vom Kampf tapferer Recken<\/em>\n(1. Aventiure, C1), sondern auch und vielleicht vor allem von\nuniversellen, existenziellen Erfahrungen der Seele \u00fcber alle Zeiten\nhinweg. Zu diesen z\u00e4hlen die Grundformen der Angst, welche durch die\nvier Protagonistinnen und Protagonisten verk\u00f6rpert, durch diese f\u00fcr\nuns erlebbar werden. Die grunds\u00e4tzliche Unvereinbarkeit\nwiderstrebender und doch untrennbarer Bed\u00fcrfnisse und \u00c4ngste, das\ninnere Ringen um gangbare L\u00f6sungswege, das zwangsl\u00e4ufige Scheitern\nabsoluter Ideologien \u2013 sie werden f\u00fcr uns im Nibelungenlied nicht\nnur kognitiv, sondern auch emotional erfahrbar, welches dadurch zur\nzeitlosen Erz\u00e4hlung \u00fcber das Menschsein wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009135\"><strong>Podcast: Der Nibelungen Psyche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrliche\npsychologische Reflektionen zum Nibelungenlied k\u00f6nnen Sie im\nregelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Podcast <em>Der\nNibelungen Psyche<\/em> bei <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/6Ghi20gn4bZIGjPl6h5RMY\">Spotify<\/a>,\n<a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/us\/podcast\/der-nibelungen-psyche\/id1448693738\">Apple\nPodcasts<\/a>, in Ihrem Podcatcher oder <a href=\"https:\/\/charakterneurosen.podcaster.de\/podcasts\/dnp\/\">hier<\/a>\nverfolgen<\/p>\n\n\n\n<p id=\"_Toc32009136\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Freud,\nS. (1920). <em>Jenseits des\nLustprinzips<\/em>. Gesammelte Werke,\n13, 1-69. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Fromm,\nE. (2001 [1951]). <em>M\u00e4rchen,\nMythen, Tr\u00e4ume. Eine Einf\u00fchrung in das Verst\u00e4ndnis einer\nvergessenen Sprache<\/em>. 17.\nAuflage. Reinbeck: Rohwolt.<\/p>\n\n\n\n<p>\nGrosse, S. (2011) in U. Schulze: <em>Das\nNibelungenlied<\/em>.\n<em>Mittelhochdeutsch\/Neuhochdeutsch.<\/em>\nStuttgart: Reclam. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jung,\nC. G. (1995 [1921]). <em>Psychologische\nTypen. Gesammelte Werke, Band 6<\/em>.\nD\u00fcsseldorf: Walter-Verlag. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Reemtsma,\nJ. P. (2003). <em>Warum Hagen\nJung-Ortlieb erschlug: Unzeitgem\u00e4\u00dfes \u00fcber Krieg und Tod<\/em>.\nM\u00fcnchen: C. H. Beck. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Riemann,\nF. (1991 [1961]). <em>Grundformen der\nAngst: Eine tiefenpsychologische Studie<\/em>.\n32. Auflage. M\u00fcnchen, Basel: Ernst Reinhardt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf,\nG. (2005). <em>Psychotherapeutische\nMedizin und Psychosomatik. Ein einf\u00fchrendes Lehrbuch auf\npsychodynamischer Grundlage<\/em>. 5.\nAuflage. Stuttgart: Thieme.<\/p>\n\n\n\n<p>Schopenhauer,\nA. (1965 [1851]). Parerga und Paralipomena. In: W. v. L\u00f6hneysen\n(Hrsg.): <em>Arthur Schopenhauer:\nS\u00e4mtliche Werke<\/em>, Bd. 5.\nStuttgart: Cotta. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Yalom,\nI. D. (2010). In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod\n\u00fcberwindet. M\u00fcnchen: btb Verlag. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t<a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>\n\tDie Begriffe <em>hysterisch, zwanghaft, depressiv, schizoid<\/em>\n\twerden in diesem Text im Sinne der von Riemann definierten\n\tPers\u00f6nlichkeitstypen gebraucht und sind nicht bedeutungsgleich mit\n\tden gleichlautenden Begriffen in anderen historischen oder aktuellen\n\tKlassifikationen. Insbesondere ist die Bedeutung der Begriffe nach\n\tRiemann zu unterscheiden von den entsprechenden\n\tPers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen nach ICD 10 und DSM V. \n\t<\/p>\n\n\n\n<p>\n\t<a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>\n\tAlle w\u00f6rtlichen Zitate aus dem Nibelungenlied nach Grosse (2011)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vonDr. Niklas GebelePsychologischer PsychotherapeutYorckstra\u00dfe 3676185 KarlsruheTel. 0721 &#8211; 8317428Mail: niklas@praxis-gebele.deWeb: www.praxis-gebele.de Die Grundformen der Angst im Nibelungenlied Der psychologische Gehalt des MythosDie Grundformen der Angst nach Fritz RiemannDas Verh\u00e4ltnis zur Welt: Siegfried vs. HagenSiegfriedHagenDas Verh\u00e4ltnis zum anderen: Kriemhild vs. Br\u00fcnhildKriemhildBr\u00fcnhildPodcast: Der Nibelungen PsycheLiteratur Der psychologische Gehalt des Mythos \u201eGenau wie der Traum bietet auch der &#8230; <span class=\"more\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/beitraege\/die-grundformen-der-angst-im-nibelungenlied\/\">[Read more&#8230;]<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":18,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/159"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=159"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":202,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/159\/revisions\/202"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nibelungenlied-gesellschaft.de\/nlg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}